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Im Porträt: Stadtarchivar Stephan Grimm

Eine knappe und treffende Beschreibung seiner Person liefern seine vier Kinder. Die sagen: "Papa hat viele Akten und Bücher. Er sammelt und ist sehr ordentlich - in der Arbeit." Zuhause nämlich, verrät Familienvater Stephan Grimm, sähe es nicht immer so korrekt aus.

Wie muss denn ein Archivar eigentlich sein? Grauer Kittel mit dicker Brille, technik- und menschenscheu, wortkarg und verliebt in Sütterlinschrift? Falsch. Wenigstens der Gütersloher Stadtarchivar passt nicht in dieses Bild. Er ist eher ein Jeanstyp, lacht gern, liebt Rock- und Popmusik und weiß unendlich viel zu erzählen. Zwar gibt der 53-jährige zu, ein eher konservativer und auf Sicherheit bedachter Mensch zu sein. Aber das war nicht immer so.

Geboren und aufgewachsen in Siegen, kippte er die Schule kurz vor Schluss und wollte ein bisschen Freiheit schnuppern. Die Eltern pochten auf eine Ausbildung. Also erlernte er den Beruf des Schaufenstergestalters, die Bundeswehrzeit schloss sich an. Irgendwann füllte ihn seine Arbeit nicht mehr aus, Bücherwurm Grimm wollte wieder lernen. Auf dem zweiten Bildungsweg über das Kolleg bestand er das Abitur. 1981 stellte ihn das Land NRW als Anwärter für den gehobenen Archivdienst ein. Praktisch gearbeitet hat Stephan Grimm im Düsseldorfer Hauptstaatsarchiv, 17 Monate Theorie büffeln mußte er auf der Fachhochschule für Archivwesen in Marburg.

Im Oktober 1984 war er am Ziel. "Ich wollte selbständig sein und etwas leiten." So kam Dipl.-Archivar Stephan Grimm nach Gütersloh. Anfangs ging es erst einmal bergab: In den Rathauskeller, um einen reifen Aktenbestand nach dem anderen ins neue "End-Archiv" an die Hohenzollernstraße zu schaffen. Dort sah es aus, wie es in allen Archiven dieses Landes aussehen muss: Benutzer-, Arbeits- und Werkstatträume sind immer getrennt, und meterweise Kartons in Regalen sind selten gemütlich. Heute steht der Schreibtisch von Stephan Grimm zwischen imposanten Bücherregalen, die sich ganz oben nur durch eine Leiter erschließen lassen, in denen aber wahre Schätze liegen. Links vom Schreibtisch zwölf Bände "Westfälische Geschichte mit vielen Kupferstichen von Johann Diedrich von Steinen", mit blauen Lederkanten und lila-marmoriert eingeschlagen aus dem Jahr 1755; hinter dem Schreibtisch der Computer mit einem 20-Zoll-Bildschirm.

Seit 1988 arbeitet das Gütersloher Stadtarchiv mit Datenbänken, seit dem Jahr 2001 ist Stephan Grimm auch auf der neuen Homepage der Stadtverwaltung präsent. Außerdem gibt es seit dem Jubiläumsjahr 2000 die "Computerstation Stadtgeschichte", die jungen Leuten in der Schule einen modernen Einstieg in altes Wissen bietet. Jaja, die Jugend. Familienvater Grimm bedauert, dass es Geschichte im Unterricht schwer hat. "Wir müssen versuchen, sie über die Lehrpläne interessant zu machen." Er sieht sich diesbezüglich in der Pflicht - "früher hat Oma ja noch erzählt."

Deshalb freut sich der Hüter der Vergangenheit über jeden Besucher in seinem Reich. Doch bei aller Zuvorkommenheit und Gastfreundschaft in seinem Dienstleistungsbüro: Was die strengen Paragraphen der Benutzerordnung angeht, kennt Stephan Grimm kein Pardon. Wie kann man nur kostbare Originale unsanft und lieblos aus ihren Hüllen rupfen; zum besseren Umblättern den Zeigefinger nass lecken und die Dokumente dann noch auf die gleißendhelle Lichtschiene des Fotokopierers legen ... ! Das sind Momente, in denen jeder Archivar geprüft wird und die alte Archivarsweisheit wieder angesagt scheint: "Letztlich ist jeder Nutzer ein Feind des Originals." Aber solche Momente, so versichert Stephan Grimm, sind selten im Gütersloher Stadtarchiv an der Hohenzollernstraße.

Stadtarchiv Gütersloh
Hohenzollernstraße 30a
05241 82 2302
Stephan.Grimm@gt-net.de

Offizielles Onlineportal der Stadt Gütersloh | Datum: Thu, 09. September 2010