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Schmetterlinge

Distelfalter

Schmetterlinge sind Wunder der Natur, vielleicht die schönsten Wesen der Tierwelt überhaupt. Ihre zarte Erscheinung, ihre Farbenpracht und vor allem ihre geheimnisvolle Entwicklung hat die Menschen aller Kulturen immer wieder fasziniert. Die im nachfolgenden Text erwähnten Schmetterlingsarten können Sie als Bilderstrecke am Ende dieses Artikels betrachten.

Sensible Anzeiger der Lebensqualität
Wegen ihrer Mobilität und der Nutzung von Nektarquellen verschiedenster Blütenpflanzen reagieren Schmetterlingsarten stark auf menschliche Einflüsse in Stadträumen. Bei sinkenden Nektarressourcen und fehlenden Wirtspflanzen für das Raupenstadium geht ihre Zahl zurück. Zwischen Wirtspflanzen der Larven und dem Vorkommen von Schmetterlingsarten besteht ein sehr enger Zusammenhang, denn viele Arten entwickeln sich an nur einer speziellen Pflanzenart. Andere benötigen ganz besondere Klimabedingungen während der Larvenphase, wie z. B. trocken-warm, kühl und feucht, sonnig, halbschattig oder schattig.
Weiterhin spielen die Nahrungsquellen für die Nektar suchenden Schmetterlingsarten eine wichtige Rolle. Hierbei sind blüten- und nektarreiche Park- und Gartenlandschaften in den Stadtbereichen oftmals lebenserhaltend. Dicht bebaute Stadtzentren und Bereiche ohne Grünanlagen erweisen sich dagegen als lebensfeindlich. Die auf Nektar angewiesenen Arten drohen dort regelrecht zu verhungern.
Daher sind die in den Städten vorhandenen Lebensräume nur für eine relativ geringe Anzahl von Schmetterlingsarten von Bedeutung. Meist leben hier nur die Allerweltsarten (sog. Ubiquisten). Der allergrößte Teil der bei uns gefährdeten oder bereits ausgestorbenen Schmetterlingsarten ist dagegen auf ganz besondere Lebensräume, wie zum Beispiel Moore, Natur belassene Auenbereiche, großräumige Heidelandschaften, intakte Feuchtwiesenbereiche und Trockenrasenlebensräume angewiesen.
Die Ursachen für das Verschwinden sind vielschichtig
Auch in Gütersloh wird die Vielfalt der Schmetterlinge immer geringer. Nur Allerweltsarten wie z.B. Kohl- und Rapsweißling, Kleiner Fuchs oder das Tagpfauenauge sind noch einigermaßen verbreitet. Die Raupen einiger dieser Falterarten leben an der Brennnessel, die infolge der starken Düngung überall zunimmt, und finden daher auch in der Intensivlandwirtschaft sowie in Zier- und Nutzgärten noch genügend Lebensraum. Der Anteil der Ubiquisten an den Tagfaltern beträgt ca. 25%, die anderen 75% sind gefährdet oder bereits ausgestorben!
Noch vor 50 Jahren waren unsere Wiesen im Sommer voller Schmetterlinge. Heute dagegen sind große Teile unserer Sommerwiesen falterlos, weil die Landwirte gezwungen wurden, immer intensiver zu wirtschaften. Ertragreiche Grasarten, die auf hohe Düngergaben mit starkem Aufwuchs reagieren, verdrängten Wildblumen und Kräuter. Durch den früheren und häufigeren Schnitt der Mähwiesen kommen kaum noch Blüten zur Ausbildung, so dass die Schmetterlinge keine Nahrungsquellen finden.
Verstärkt wird diese aus der Sicht des Artenschutzes katastrophale Wirkung der Düngung durch die Luftverschmutzung. Denn immerhin ca. 40 Kilogramm Stickstoff aus Industrie-Emissionen, Hausbrand, Autoabgasen und anderen Quellen regnen Jahr für Jahr auf jeden Hektar bundesdeutscher Fläche nieder. Allein diese ungewollte Düngung entspricht nach fünf Jahren einer Volldüngung und trifft somit auch die Naturschutzgebiete.
Diese facettenreichen Insekten sind somit wertvolle Anzeiger des Zustandes unserer Umwelt: Wo viele Arten anzutreffen sind, ist die Umwelt intakt, wo Schmetterlinge fehlen, ist die Umwelt beeinträchtigt, und in diesen Gebieten ist langfristig das gesunde Überleben auch für uns Menschen möglicherweise in Frage gestellt.
Eine weitere Gefährdung vor allem der Nachtfalterarten stellt die Beleuchtung dar. Wir sollten uns fragen, ob wir die Nacht derart beleuchten müssen, wie das heute der Fall ist, und ob wir nicht wenigstens durch den Einsatz von weniger schädlichem Gelblicht zum Schutz nachtaktiver Tierarten beitragen sollten.
Schmetterlinge erleben
Im Raum Gütersloh trifft man nur auf ganz wenige Lebensräume, die noch eine ansprechende Schmetterlingsvielfalt beherbergen. Im Naturschutzgebiet „Große Wiese“ beispielsweise sieht man im Frühjahr noch den Aurorafalter über die Wiesen gaukeln, trifft man noch auf die kleinen wunderschönen Bläulinge in mehreren Arten, verschiedene Dickkopffalter, Distelfalter, Zitronenfalter, Feuerfalter, das Landkärtchen und das Ochsenauge. Hier fliegen noch Brauner Waldvogel und das lebhaft gemusterte Waldbrettspiel. Hin und wieder sieht man den gelben Postillon in schnellem Flug über die Wiesen eilen oder den Perlmutterfalter an einer Flockenblume saugen.
In den letzten Jahren kam noch eine neue Art dazu. Der farbenprächtige Jakobsbär, ein tagaktiver Nachtfalter hat schwarze Flügeldecken mit feuerroten Farbtupfern. Dieser Falter hat sich durch die Verbreitung des Jakobskreuzkrautes eingefunden. Seine Raupen leben gesellig auf dieser zweijährigen, giftigen Pflanze und fressen sie bis auf die Pflanzenstümpfe radikal ab.
Gartenbesitzer können den Schmetterlingen helfen
Damit Schmetterlinge in Gütersloh eine Zukunft haben, fällt vor allem den Gartenbesitzern unter den Naturfreunden eine wichtige Aufgabe zu. Gärten könnten zu einem wichtigen Lebensraum werden, wenn sie naturnäher gestaltet würden. Wichtig ist die Aussaat von heimischen Wildkräutern, das Anpflanzen von Stauden und heimischen Wildsträuchern. Sie sind wichtige Nahrungsquellen und können wesentlich zum Schmetterlingsschutz beitragen. Man darf jedoch nicht schon im ersten Jahr einer ökologischen Gestaltung erwarten, dass der Garten von seltenen bunten Schmetterlingen nur so wimmelt. Man kann nur den Faltern einen Lebensraum bieten, die noch in der Umgebung vorkommen. Den Haupteffekt der ökologischen Gestaltung wird der Gartenbesitzer entdecken, der auf Nachtfalter achtet. Der Artenzuwachs in dieser Insektengruppe ist immer beträchtlich. Nach mehreren Jahren werden sich immer häufiger Falter im „Ökogarten“ einfinden und sicher bald auch Bläulinge und Wanderfalter, wie Distelfalter und Admiral.


Die Autoren:
Franz Thiesbrummel(Jahrgang 1937) lebt in Gütersloh-Avenwedde und setzt sich seit mehr als 2 Jahrzehnten intensiv für den Schutz der Gütersloher Natur ein. Er ist Gründer des Naturschutz-Teams Gütersloh, das seit 1988 in Avenwedde u.a. Tausende Bäume und Sträucher gepflanzt, mehrere Kilometer Hecken und Dutzende von Kleingewässern angelegt hat. Er ist vielen Güterslohern durch seine Vorträge und Presseartikel (auch über Schmetterlinge) bekannt und hat für sein Engagement u.a. für den Naturschutz 2009 das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Rudolf Pähler(Jahrgang 1951) lebt in Verl und beschäftigt sich seit über 40 Jahren intensiv mit Schmetterlingen. Als Industriekaufmann und ursprünglicher Autodidakt hat er zusammen mit Hans Dudler vor wenigen Monaten Band 1 des umfangreichen Grundlagenwerks "Die Schmetterlingsfauna von Ostwestfalen-Lippe" herausgegeben, das für 700 Arten auf über 600 Seiten mit 790 Farbaufnahmen erstmals einen umfassenden Überblick über die in unserem Raum vorkommenden Groß- und teilweise auch Kleinschmetterlinge gibt. Das Buch erscheint im Eigenverlag und ist nicht in allen Buchhandlungen erhältlich, kann aber per E-Mail direkt bei den Autoren (rudolf@paehler.biz) zum Preis 39,- €. (zzgl. 5,- € Versandkosten) bestellt werden.

Stand: 03/2014

Bilderstrecke: Schmetterlinge in Gütersloh

  • Admiral
  • Aurorafalter
  • Brauner Waldvogel
  • Distelfalter
  • Großer Kohlweißling
  • Großer Perlmutterfalter
  • Hauhechel-Bläuling
  • Jakobsbär
  • Kleiner Feuerfalter
  • Kleiner Fuchs
  • Landkärtchen
  • Ochsenauge
  • Ockergelber Braundickkopffalter
  • Postillon
  • Rapsweißling
  • Tagpfauenauge
  • Waldbrettspiel
  • Zitronenfalter

Schmetterlinge in Gütersloh

Termine

Offizielles Onlineportal der Stadt Gütersloh | Datum: Thu, 24. April 2014