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Lebensrettendes Rendezvous

Spaß bei der Arbeit: Tino Appelt (35, links) und Axel Diekmann (29) arbeiten gerne im Team zusammen. Nach dem Einsatz sprechen die Rettungsassistenten oft noch über den Fall.

Es ist 13.38 Uhr - Der Doppelgong schallt durch die Feuer- und Rettungswache an der Friedrich-Ebert-Straße. Alles kommt plötzlich in Bewegung. Die beiden Rettungsassistenten Tino Appelt und Axel Diekmann laufen im Eiltempo zu ihrem Rettungswagen (RTW) und fahren mit Martinhorn und Blaulicht vom Hof. Ihr Ziel ist eine Firma in Gütersloh. Jede Sekunde zählt, ein Menschenleben ist in Gefahr.

Am Einsatzort treffen sich RTW und NEF (Notarzteinsatzfahrzeug) zum lebensrettenden „Rendezvous“, wie es ganz offiziell heißt. Tatsächlich steckt dahinter ein ausgefeiltes Rettungssystem, das die Einsatzkräfte der Dalkestadt seit 25 Jahren praktizieren. Falls es ein Notfall erfordert, alarmiert die Leitstelle des Kreises gleichzeitig einen RTW von der Gütersloher Feuerwehr und ein NEF samt Arzt vom Klinikum. Erfahrene Rettungsassistenten und der Notarzt können ihren Patienten in Teamarbeit direkt an der Unfallstelle medizinisch versorgen und in ein geeignetes Krankenhaus der Umgebung transportieren. Das spart wertvolle Zeit. Rund 80 Prozent der Einsätze beziehen sich auf internistische Notfälle wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch unser Fall erfordert schnelle ärztliche Versorgung.

„Wichtig ist es, den Menschen die Angst zu nehmen und beruhigend auf sie einzuwirken“, erklärt Robin Schumacher, der als Anästhesist seit einem halben Jahr auch den stressigen Job des Notarztes ausübt. Klinikalltag und Einsatzfahrten – es ist eine Arbeit, die ganzen Einsatz, Flexibilität und äußerste Konzentration fordert. Mit Einweghandschuhen und seinem mit Instrumenten und Medikamenten gefüllten Koffer gerüstet widmet er seine ganze Aufmerksamkeit dem Notfall. Ein Mann ist mit starken Schmerzen in der Brust- und Magengegend zusammengebrochen. Er hat Angst, kalter Schweiß steht ihm auf der Stirn. Tino und Axel bewahren Ruhe. Mit gezielten Handgriffen lagern die beiden Rettungsassistenten ihren Patienten auf der Trage. Im RTW, der wie eine kleine Intensivstation ausgestattet ist, bereiten sie ihn auf den Transport vor. Alles Routine, schließlich haben die jungen Lebensretter schon einige Jahre Erfahrung in ihrem Job.

Rettungsassistent zu sein bedeutet ein hohes Maß an Verantwortung und eine anstrengende Arbeit im 24-Stunden-Schichtdienst. „Mit dem Privatleben sind die speziellen Arbeitszeiten nicht immer gut vereinbar“, erzählt Tino (35), der schon 13 Jahre im Dienst ist. Im Einsatz sein, wenn andere sich in ihrer Freizeit vergnügen, und regelmäßig Nachtschichten: Nur wirklich gute Freunde und die Familie machen das mit. „Mir macht mein Job großen Spaß“, bekräftigt Axel (29). Wenn sich ein brenzliger Einsatz zum Guten wendet, man alles richtig gemacht hat und ein Menschenleben gerettet ist, dann wird der Sinn der Mühen ganz deutlich.

Auf der Gütersloher Feuer- und Rettungswache kümmern sich 73 Beamte im Schichtdienst auf den Einsatzfahrzeugen und auf der Leitstelle um die Sicherheit der rund 100.000 Bürger im Stadtgebiet. Drei 19-köpfige Dienstgruppen wechseln sich ab, sind Tag und Nacht einsatzbereit. Auf der Leitstelle laufen alle Organisationsstränge zusammen – sie ist das Herzstück. Jeweils vier Monitoren zeigen den Leitstellenbeamten, wo sich die Einsatzfahrzeuge momentan befinden und ob sie verfügbar sind. Wenn ein Notruf eingeht, nehmen sie ihn über ein Headset entgegen und geben die Informationen in die Einsatzmaske ein. Schnell müssen sie entscheiden, wie schwerwiegend der Notfall ist, ob ein Notarzt benötigt wird oder nicht. Dann geht der Einsatzbefehl per Funk an die Kollegen raus. „Jeder Handgriff muss sitzen, die Zeit ist unser größter Feind“, weiß Hans Kniesel, der seit 30 Jahren mit Leib und Seele Feuerwehrmann ist und immer einen kühlen Kopf bewahren muss. Strategie ist Trumpf – eine intensive Aus- und Weiterbildung das A und O.

Bleibt alles ruhig im Einsatzgebiet, ist trotzdem keine Zeit für Däumchen drehen. Die Fahrzeuge der Gütersloher Einheit warten die Männer und zwei Frauen regelmäßig selbst. Dabei geht es jedoch nicht nur um technische Dinge, auch der Vorrat an Medikamenten und Verbandmaterial, der hygienische Zustand der Wagen und die Ausstattung stehen auf dem Prüfstand. „Wir dürfen uns keine Fehler erlauben, wir müssen funktionieren und unsere Ausrüstung muss tadellos sein“, erklärt der Sachgebietsleiter für den Rettungsdienst, Eberhard Vogeler, was er von seiner Mannschaft erwartet. Daneben sind regelmäßige Fortbildungen selbstverständlich Pflicht. Im Notfall hat niemand Zeit für Experimente.

Rund um die Uhr bleibt die Wache besetzt, deswegen ist sie für die Einsatzkräfte fast so etwas wie ein zweites Zuhause. Eine gut ausgestattete Küche gehört ebenso dazu wie ein Gemeinschaftsraum mit Kicker und TV und natürlich Betten. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr gemeinsam im Einsatz für die Sicherheit – das schweißt zusammen. Die Dienstgruppen der Feuerwehr Gütersloh zeichnen sich durch Teamgeist und ein starkes Gemeinschaftsgefühl aus. Auch in der Freizeit unternehmen die Kollegen viel gemeinsam. „Wir müssen gut im Team zusammenarbeiten, sonst funktioniert es nicht“, macht Tino am Abend unmissverständlich klar. Dann geht plötzlich der Doppelgong. Er und Axel müssen sofort zum Klinikum Gütersloh. Das Abendessen muss warten.

Auf der Intensivstation liegt der Patient vom Mittagseinsatz der beiden. So schnell sieht man sich unter Umständen wieder. Die Eingangsdiagnose hat sich nicht bewahrheitet, eine akute Verschlechterung des Krankheitsbildes veranlasst die Klinikumsärzte, den Mann sofort ins Herzzentrum nach Bad Oeynhausen zu verlegen – unter Intensivbedingungen. Ein Notarzt begleitet den Einsatz. In Windeseile geht es mit Blaulicht über die Autobahn. Während Tino den RTW sicher durch den Abendverkehr lenkt, lassen der Notarzt und Axel ihren Patienten im hinteren Teil des Fahrzeugs nicht aus den Augen. Sein Zustand ist lebensbedrohlich. Im Herzzentrum geht es direkt auf die Intensivstation, noch am selben Abend soll operiert werden. Hier ist der Einsatz der Gütersloher beendet. „Alles Gute“, rufen Tino, Axel und Notarzt dem Patienten noch zu, denn schon geht es zurück  – immer bereit für den nächsten Einsatz.

Offizielles Onlineportal der Stadt Gütersloh | Datum: So, 17. Dezember 2017