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Spezialeinheit Höhenrettung

Dieser Job ist nichts für Menschen mit Höhenangst: Sie seilen sich von Fernmeldetürmen ab, klettern auf über 100 Meter hohe Kohlekraftwerke oder steigen durch Schächte und Kanäle hinab in die Tiefe. Gemeint ist die speziell ausgebildete Gruppe der Höhenrettung bei der Feuerwehr Gütersloh, die im Ernstfall Menschen aus Höhen und Tiefen patientengerecht retten.

Höhenretter der Feuerwehr
Über den Dächern der Stadt: Dieser Höhenretter der Feuerwehr Gütersloh hängt in ca. 70 Metern Höhe am Fernmeldeturm.

Höhenretter werden nur in bergigen Gebieten gebraucht? – Nein, ganz im Gegenteil: „Auch in relativ geringen Höhen und Tiefen – schon ab fünf Metern – können schlimme Unfälle passieren, bei denen spezielle Techniken der Bergung unablässig sind“, verdeutlicht Volker Kocinski-Schroer, Höhenretter bei der Feuerwehr Gütersloh. Ein Sturz beim Bau eines Hauses vom Dach oder ein Arbeitsunfall in Hochregalen können beispielsweise komplizierte Fälle darstellen, bei denen Feuerwehrleute schnell an ihre Grenzen stoßen. In dem Moment sind die Männer in den blauen Anzügen gefragt: Mit ihrer speziellen Ausrüstung, bestehend aus Utensilien wie Auffanggurte, Seile und Karabinerhaken, sichern die Höhenretter sich selbst und den Verunglückten ab. „Wir arbeiten gegen einen Zeitfaktor an“, beschreibt Kocinski-Schroer die Präzision, die im Ernstfall erforderlich ist. Je nach Art des Unfalls und Zustand des Patienten kann der Verunglückte länger oder kürzer in hängender Weise überleben - mehr als 15 Minuten können bereits lebensbedrohlich sein.

Damit im Ernstfall alles reibungslos verläuft, muss jeder Handgriff sitzen: In einem 14-tägigen Intensivkurs haben einige Feuerwehrmänner das notwendige Know-how erworben und sind zu Höhenrettern ausgebildet worden. Absturzsicherungen und Seil-Techniken in Höhen und Tiefen standen dabei auf dem Programm. „Wir arbeiten überall dort, wo die Leitern der Feuerwehr nicht hinkommen“, sagt Kocinski-Schroer. Er ist einer der Höhenretter, die seit dem Beginn im Jahr 1998 in Gütersloh  zu der aktuell achtköpfigen Spezialeinheit gehört. Mindestens 50 Praxisstunden müssen die Retter in luftiger Höhe jährlich absolvieren, um im Training zu bleiben. „In der Regel führen wir einmal im Monat eine halbtägige Übung durch, die immer einen anderen Schwerpunkt hat“, so Kocinski-Schroer. Im Oktober sind die Höhenretter auf den Gütersloher Fernmeldeturm gestiegen. „Wir arbeiten auf Türmen, Windkraftanlagen, Industrieanlagen, Kirchentürmen, Überlandleitungen oder Bäumen – wir suchen uns immer neue Themen, um möglichst viel Erfahrung zu sammeln“, erklärt Kocinski-Schroer. Natürlich sind die Höhenretter auch oft bei großen Firmen, um vor Ort den Ernstfall zu simulieren.

„Sobald die Feuerwehr an ihre Grenzen stößt, sind wir gefragt“, erzählt der Fachmann, „wichtig ist, dass die Wehren vor Ort sofort mit den ersten Rettungsmaßnahmen beginnen, damit keine Zeit verloren geht.“ In der Regel sind in jeder Dienstgruppe ein bis zwei ausgebildete Höhenretter, die anderen Kollegen stehen auf Abruf bereit. Teamwork und schnelle Alarmierung sind Voraussetzung für eine erfolgreiche Rettung. „Wir üben intensiv und geben unser Wissen weiter“, sagt Kocinski-Schroer, „wir haben zwei Ausbilder der Höhenrettung in unseren Reihen, die auch das eigene Personal schulen.“  Die Freiwilligen Feuerwehren im Kreis profitieren ebenfalls von der Höhenrettung in Gütersloh: In Seminaren vermitteln die Fachleute den Wehren grundlegende Techniken der Absturzsicherung. Denn letztlich gilt in der Höhenrettung dasselbe Prinzip wie in allen weiteren Abteilungen der Feuerwehr: Nur als Team können sie im Notfall erfolgreich sein.   

Offizielles Onlineportal der Stadt Gütersloh | Datum: Mo, 18. Dezember 2017