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Stolpersteine in Gütersloh - Ihr Name lebt weiter

Ihr Leben wurde gewaltsam beendet - "ihr Name lebt weiter". In einer Broschüre, die die Stadt Gütersloh jetzt zu den "Stolpersteinen" in Gütersloh herausgegeben hat, sind die Lebensgeschichten derjenigen Mitbürger und Mitbürgerinnen aufgezeichnet, die in den Todeslagern der Nationalsozialisten ermordet wurden oder deren Spur sich mit der Deportation in Richtung Theresienstadt oder Auschwitz verliert.

Broschüre Stolpersteine in Gütersloh 2015Insgesamt erinnern 44 der Quadrate aus Messing, die in das Pflaster der Gehwege eingelassen sind, an Orte jüdischen Lebens in Gütersloh und an die Menschen, die hier gewohnt haben. Gütersloh ist eine von insgesamt 1.100 Orten in Deutschland und anderen europäischen Ländern, die sich dem inzwischen weltweit bekannten Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig angeschlossen haben.   Finanziert wurde die Verlegung durch Patenschaften aus der Gütersloher Bevölkerung. Die Broschüre, die der Grafiker Eckard Kleßmann und der Gütersloher Fotograf Detlef Güthenke gestaltet haben, ergänzt diese Form des Gedenkens im Stadtbild in kongenialer Weise.

Sie nimmt den Grundgedanken der „Stolpersteine“ auf und setzt ihn in Beziehung zu den Informationen, die uns über die zwar kleine, aber aktive und in Gütersloh fest verwurzelte Jüdische Gemeinde geblieben sind. Auch in der Broschüre „stolpert“ man über weiße Seiten, über „Platzhalter“, wo Bilder fehlen oder über Aufnahmen von Straßen, Plätzen und Fassaden, die Lücken lassen. Detlef Güthenke hat diesen Eindruck fotokünstlerisch mit Nachtaufnahmen der Orte geschaffen, an denen wir heute die Stolpersteine finden. Und mit einem Blick wird deutlich, dass hier mehr verschwunden ist als nur ein Gebäude, in dem Gütersloher Familien wie die Sterns oder die Katz‘ gewohnt haben.

In den Texten finden wir die Informationen zu den Namen auf den Stolpersteinen, die Stadtarchivar Stephan Grimm zusammen  mit Remigius von Boeselager recherchiert hat . Und auch hier nimmt die Gestaltung den Gedanken von Verlust und Vergessen wieder auf: Während zum Schicksal  einiger jüdischer Mitbürger und Mitbürgerinnen die Quellenlage gut ist, markieren Leerzeilen, wo nur spärliche Informationen über Männer, Frauen und auch Kinder geblieben sind, deren Leben in einer Gaskammer von Auschwitz endete.

Doch die Broschüre bringt auf verschiedene Weise auch den Gedanken ein, dass die Erforschung all dieser Schicksale kein abgeschlossener Prozess ist. So wird der aufmerksame Leser Fortentwicklungen, ja sogar vermeintliche Unstimmigkeiten im Vergleich zwischen den Inschriften auf den Stolpersteinen und den Texten zu den Biografien entdecken. Auch sie sind bewusst so belassen worden. „Seit der Verlegung der Gütersloher Stolpersteine um das Jahr 2005 herum haben wir über einige Mitbürger und Mitbügerinnen weitere Details in Erfahrung bringen können, die nun in die Dokumentation eingeflossen sind,“ erklärt Stadtarchivar Stephan Grimm. Das gilt unter anderem für die Familie Stern. Ein Neffe – Alfred Stern, der heute in Recklinghausen lebt – stellte der Stadt 2013 umfangreichen Briefverkehr und Fotos seiner Verwandten zur Verfügung, das dem Stadtarchivar half, Wissenslücken zu schließen.

„Ihr Name lebt weiter“ zeichnet aber auch den Weg der Stolpersteine durch die Stadt nach. Eine Karte stellt die Verlegungsorte dar – von der Berliner Straße 19, wo Familie Hope bis 1936 eine Metzgerei betrieb, über die Kirchstraße 2, wo nach der Pogromnacht 1938 die Häuser der Familie Daltrop und Beifuss abgebrannt wurden, bis hin zu den so genannten „Judenhäusern“, in die jüdische Familien umziehen mussten, bevor man sie in die Vernichtungslager deportierte.

Offizielles Onlineportal der Stadt Gütersloh | Datum: Mon, 25. July 2016