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Gesellschaften

Herrengesellschaften entstanden seit 1775 in vielen Städten Westfalen. Diese vereinigten die neu entstehende und sich zusammenfindende Führungsschicht des Bürgertums. Der mit Abstand größte Stellenwert hatten die beiden Gesellschaften "Eintracht" und "Erholung".

Eintracht

Am 5. Dezember 1839 fanden sich 33 der wichtigsten Steuerzahler zusammen, um in der noch jungen Stadt Gütersloh ebenfalls eine "geschlossene Gesellschaft mit eigener Oekonomie unter dem Namen ’Eintracht‘ zu constituieren". Vereinszweck waren laut Statuten "Erholung durch den Genuss geselliger Vergnügungen und Förderung des Gemeinsinns durch Annäherung der Mitglieder". Mitglied konnten nur Selbständige werden, nichtselbständige Personen wie Lehrer oder Pfarrer nahm die Gesellschaft nur als zeitweilige Mitglieder auf. Die Regierung schilderte 1862 dem Oberpräsidenten die "Eintracht" als "nur aus achtbaren und in Gütersloh angesehenen Personen" bestehend, in denen vor allem die Kaufleute dominierten.

Zunächst tagte die Gesellschaft in den Gasthäusern König und Rüter an der Berliner Straße, doch am 29. November 1845 konnte das neuerrichtete Gesellschaftshaus an der Kirchstraße (heute Tanzschule Stüwe-Weissenberg) bezogen werden.

Dieses Gesellschaftshaus diente von 1847 bis 1864 als Sitzungssaal für die Stadtverordnetenversammlung. Zwischen 1852 und 1860 war auch die Kreisgerichtskommission Nutzerin des Gebäudes. Auch Theateraufführungen und gesellige Veranstaltungen konnten hier Raum finden. In allererster Linie diente das Hause jedoch als Treffpunkt für die Gesellschaftsmitglieder, um bei Zeitungslektüre und Weingenuss zu diskutieren, zu entspannen und wohl auch Geschäfte zu besprechen. 1850 wird zusätzlich eine Kegelbahn errichtet. 

Erholung

Die politische Entwicklung in Deutschland führte in Folge der scheiternden "Bürgerlichen Revolution" von 1848/49 zur Spaltung der Gütersloher Herrengesellschaft "Eintracht": 19 konservative Mitglieder traten zwischen 1850 und 1854 aus und gründeten schließlich eine eigene Herrengesellschaft, die "Erholung", die zunächst in der Gaststätte Schmale tagte. 1863 bezog auch sie ein eigenes Gesellschaftshaus, das in der Kökerstraße errichtet worden war und eine ähnliche Ausstattung wie das der Eintracht besaß. Noch heute bekannt ist der Spottspruch der Gütersloher Bevölkerung auf die streitenden Herrschaften: "In der Eintracht gibt’s keine Eintracht und in der Erholung keine Erholung!"

Nach der Spaltung verblieben in der "Eintracht" 1854 noch 31 wirkliche und 22 temporäre Mitglieder. Diese galten zwar mehrheitlich als liberal gesinnt, doch die politischen Gegensätze verloren sich in den folgenden Jahren wieder, als das deutsche Parteienwesen sich bis etwa 1900 immer wieder neu gestaltete.

Schon vor 1862 begann die allmähliche Annäherung der beiden Gesellschaften und ihrer Mitglieder, wie aus den Mitgliederlisten über Doppelmitgliedschaften schließen lässt. Gegenseitige regelmäßige Besuche in den Gesellschaftshäusern sind seit 1867 nachweisbar.

Neugierig geworden?

Das Stadtarchiv bewahrt als Gedächtnis der Stadt auch die Unterlagen der Gesellschaft Eintracht und Erholung (Bestand GEE) und des Spieker Kegelclubs (SpK) auf. Eine Einsicht in die Unterlagen ist gebührenfrei im Lesesaal möglich.