Vorgeschlagen wurden Krankenhäuser von der Fachwelt für Städte über 30.000 Einwohner. Doch durch die Stiftung des verstorbenen Kaufmanns Heinrich Barth (1791 - 1858) war es auch im damals noch unter 4000 Einwohner zählenden Städtchen Gütersloh möglich, ein "Allgemeines Krankenhaus für die evangelischen Bewohner der Stadt" zu errichten und zu betreiben.
Das Krankenhaus 1861/62 wurde an der Berliner Chaussee nördlich der Stadt errichtet. Die Architektur war seinerzeit hochmodern und orientierte sich an der Bauweise des Berliner Diakonissenkrankenhauses Bethanien. Die eckigen Türme in der Hauptfront hatten zwar für den Krankenhausbetrieb keine Funktion, sie sollten nach Axel H. Murken aber als Teil der Architektursprache auf die religiös-politische Komponente des Anstaltsbetriebes hinweisen. Architekt war Christian Heyden aus Barmen, der auch die Neue Kirche und vor allem das Rathaus errichtet hatte.
Das Krankenhaus erhielt drei Geschosse und bestand aus einem Längs- und zwei Querflügeln. Die Männerstation befand sich im Erdgeschoss, die Frauenstation in der oberen Etage. Das Krankenhaus wurde nördlich der Stadt an der Berliner Chaussee als Hauptstraße nahe der Bauerschaft Nordhorn errichtet. Dieser Standortvorteil der Ruhe wandelte sich im Laufe der Jahrzehnte unter dem Einfluss des wachsenden Autoverkehrs und der zunehmenden Industrialisierung.
Krankenhausarzt war Dr. Friedrich Wilhelm Stohlmann. Er wurde schon 1886 vertraglich verpflichtet, die Krankenhaus-Patienten mindestens zweimal pro Woche zu besuchen. Dafür erhielt Stohlmann 300 Mark im Jahr. Die Kosten für Verpflegung und Unterbringung betrugen pro Tag 0,80 Mark. Ein "besonderes Zimmer" kostete 1885 genau zwei Mark. Das Krankenhaus verfügte damals über 17 Betten für Männer und 23 für Frauen. Im Krankenhaus der Barth’schen Stiftung wurden von den dort tätigen Diakonissen aus Bethel allerdings eher Kranke und Gebrechliche verpflegt als das auf ihre Heilung behandelt wurde. Dies änderte sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts.
Für ansteckend Kranke gab es seit 1892 eine Isolierbaracke. 1900/1901 wurde das Krankenhaus erweitert und an die Erkenntnisse der Bakteriologie Robert Kochs angepasst. Sanitärtechnik und Heizung, aber auch ein eigener Operationssaal wurden errichtet. Erster angestellter leitender Arzt wurde im Jahr 1907 Dr. Julius Leopold Kranefuß (1865-1944), der bis 1930 vor allem als Chirurg wirkte und zusätzlich eine eigene Praxis führte.
Am ehemaligen Standort an der Berliner Straße steht heute das Hermann-Geibel-Haus als Altenzentrum. Das alte Krankenhaus wurde 1932 teilweise und etwa 1970 endgültig durch die Neubauten des Städtischen Krankenhauses an der Reckenberger Straße ersetzt.