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Ämter Brackwede, Reckenberg und Avenwedde

Die Ämter Brackwede und Reckenberg waren bis ins 19. Jahrhundert hinein zentrale Verwaltungseinheiten im regionalen Umfeld Güterslohs. Als untere staatliche Behörden übernahmen sie Aufgaben der lokalen Verwaltung, Rechtspflege, Steuererhebung und Ordnungssicherung. Sie bildeten damit eine wichtige Verbindung zwischen landesherrlicher Obrigkeit und den Gemeinden vor Ort. 1914 wurde das Amt Avenwedde gegründet

Amt Brackwede

Brackwede wurde im Jahr 1723 gegründet. Im Zuge der Verwaltungsreformen entstand 1841 aus der bisherigen Bürgermeisterei das Amt Brackwede. Die Amtsgeschäfte wurden zunächst in der Wohnung des jeweiligen Gemeindevorstehers geführt – eine Praxis, die den noch stark dörflich geprägten Charakter der Verwaltung widerspiegelt.

Von den ursprünglich elf zum Amt gehörenden Gemeinden wurden Niehorst, Ebbesloh, Hollen und Isselhorst im Jahr 1970 in die Stadt Gütersloh eingegliedert. Die übrigen Gemeinden – Holtkamp, Ummeln, Quelle, Gadderbaum (früher Sandhagen), Brackwede sowie Senne I und Senne II (heute Sennestadt) – gehören heute zur Stadt Bielefeld.

Zu den Amtmännern der preußischen Zeit zählten unter anderem Friedrich Koch (1891–1897), der später Bürgermeister in Unna wurde, sowie Heinrich Aschoff, der von 1896 bis 1924 als Bürgermeister amtierte und anschließend das Amt des Amtmanns übernahm.

Die archivwürdigen Unterlagen den ehemaligen Amtes Brackwede befinden sich heute im Stadtarchiv Bielefeld und können hier über Archive.NRW recherchiert und im Lesesaal des Stadtarchivs und der Landesgeschichtlichen Bibliothek eingesehen werden.

Einzelne Unterlagen aus dem heutigen Stadtteil Isselhorst finden sich auch im Stadtarchiv Gütersloh, zum Beispiel die Chronik von Isselhorst, die im Jahre 1900 beginnt. 

Amt Reckenberg

Hauptort des Amtes Reckenberg war die Stadt Wiedenbrück. Das Amt umfasste zahlreiche Dörfer und Bauerschaften, die unterschiedlichen Kirchspielen zugeordnet waren und damit sowohl kirchlich als auch verwaltungstechnisch gewachsene Strukturen widerspiegelten.

Zum Kirchspiel Gütersloh gehörten das Dorf Friedrichsdorf sowie die Bauerschaften Avenwedde, Spexard und Kattenstroth. Das Kirchspiel Langenberg umfasste das Dorf Langenberg und die Bauerschaften Allerbeck, Lippentrup, Ostlangenberg und Selhorst. Dem Kirchspiel St. Vitus waren die Bauerschaften Geweckenhorst und Rentrup zugeordnet. Zum Kirchspiel Wiedenbrück zählten schließlich die Bauerschaften Batenhorst, Röckinghausen, Steppentrup und Lintel.

Zu den Amtmännern des Amtes Reckenberg gehörten unter anderem Wilhelm Lümkemann (1860–1887) und Leonhard Murenhoff (1887–1913), die die Verwaltung über mehrere Jahrzehnte hinweg prägten.

Im Jahr 1910 wurde die Bauerschaft Kattenstroth in die Stadt Gütersloh eingemeindet. Eine weitere tiefgreifende Veränderung erfolgte 1914 mit der Teilung des Amtes Reckenberg: Der nördliche Bereich wurde als eigenständiges Amt Avenwedde neu gebildet und umfasste Friedrichsdorf, Avenwedde und Spexard, während der südliche Teil die bisherige Bezeichnung Amt Reckenberg beibehielt.

Die historischen Unterlagen den ehemaligen Amtes Reckenberg befinden sich teilweise im Stadtarchiv Rheda-Wiedenbrück und teilweise im Kreisarchiv Gütersloh (hier geht es zur Recherche im Archivportal.NRW) sowie im Landesarchiv NRW, Abteilung OWL.

Amt Avenwedde

Die Verselbständigung und Absonderung der Gemeinden drängte immer mehr zum Wunsch, selbstständige Amtsverwaltungen zu haben oder einzurichten. Bestrebungen in dieser Richtung nahmen bei den Gemeinden Avenwedde, Friedrichsdorf und Spexard Anfang 1914 sichtbare Formen an. Die Amtsvertretung kam deswegen am 7. März 1914 zusammen und beschloss, als Amtssitz für das neue Amt die Gemeinde Avenwedde zu wählen. Das Amt Avenwedde wurde somit 1914 von dem Amt Reckenberg getrennt und bildete mit den Gemeinden Avenwedde, Friedrichsdorf und Spexard von nun an eine eigene Verwaltungseinheit. Zur Gründung des Amtsverbandes im Jahr 1914 bewohnten insgesamt 4172 Einwohnende die amtszugehörigen Gemeinden Avenwedde, Friedrichsdorf und Spexard.

Die ersten Büroräume befanden sich in der Gastwirtschaft Heinrich Bettenworth. Diese waren jedoch unzureichend, weshalb die Planungen für den Bau eines Amtshauses aufgenommen wurden. Bereits 1918 wurde ein Grundstück der Firma Otto Altewischer, Avenwedde-West 3, angekauft (spätere Adresse Avenwedde 350). Die Errichtung eines Amtshauses konnte jedoch wegen der ungünstigen wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse der Nachkriegszeit und der Inflation erst im Jahre 1926 abgeschlossen werden. Das Gebäude diente bis zur Eingemeindung in die Stadt Gütersloh zum 1. Januar 1970 der Amtsverwaltung mit sechs Büroräumen und einer Dienstwohnung als Verwaltungssitz.

Amtsgebäude des Amtes Avenwedde um 1950 (BB34111)
Amtsgebäude des Amtes Avenwedde um 1950 (BB34111)

Die archivwürdigen Unterlagen des ehemaligen Amtes Avenwedde befinden sich heute im Stadtarchiv Gütersloh. Eine Übersicht der Unterlagen im Bestand "G - Ämter Reckenberg und Avenwedde bis 1969" findet sich hier