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Tiere am Haus und im Garten

Überraschend vielfältig kann die Natur direkt vor unserer Haustür sein - wenn alle ein bisschen mithelfen! Es gibt eine große Zahl von Tier- und Pflanzenarten, die sich speziell an den "Lebensraum Stadt" angepasst haben und (fast) nur dort vorkommen.

Haussperlinge

Die folgenden Seiten stellen Ihnen einige „Mitbewohner“ unserer Stadt vor und geben Tipps, wie Gütersloher Bürgerinnen und Bürger zu deren Erhaltung beitragen können.

In Gütersloh vorkommende tagaktive Schmetterlinge

Kleiner Fuchs

Schmetterlinge begeistern Jung und Alt mit ihrem Farben- und Formenreichtum. Um selbst Schmetterlinge zu bestimmen und zu fördern haben wir Ihnen die am häufigsten vorkommenden Tagfalter aus Gütersloh zusammengestellt. Klicken Sie auf die jeweilige Falterart und Sie erhalten weitere Informationen über Familie, Aussehen, Flugzeit, Familie, Raupenpflanzen und Lebensraum.

Falterart Pflanzen für die entsprechende Raupenart

Großer Kohlweißling

Kreuzblütler: Senf, Hederich, alle Kohlarten, Kapuzinerkresse

Kleiner Kohlweißling

Kreuzblütler: Kresse, Knoblauchsrauke, alle Kohlarten u.a.

Grünaderweißling

Kreuzblütler: Schaumkraut, Brunnenkresse, Knoblauchsrauke, alle Kohlarten

Aurorafalter

Kreuzblütler: Wiesen-Schaumkraut, Gänsekresse, Knoblauchsrauke

Zitronenfalter

Faulbaum, Kreuzdorn

Waldbrettspiel

Weiche Gräser: Quecke, Knäuel-, Rispen-, Weidel-, Reitgras, Zwenke

Schornsteinfeger

Weiche Gräser: Honig-, Flatter-, Rispengras, Trespe, Zwenke, Pfeifengras

Großes Ochsenauge

Gräser, bes. Wiesen-Rispengras; Trespe, Schwingel

Admiral

Brennnessel

Distelfalter

Distelarten, Klette, Brennnessel, Huflattich

Tagpfauenauge

Brennnessel, Hopfen

Kleiner Fuchs

Brennnessel

C-Falter

Stachel-, Johannisbeere, Berg-Ulme, Sal-Weide, Hasel, Brennnessel, Hopfen

Landkärtchen

Brennnessel

Gemeiner (Hauhechel-) Bläuling

Klee, Hornklee, Hauhechel, Luzerne, Färber-Ginster

Dickkopffalter (mehrere Arten)

Gräser

Gammaeule

Taubnessel, Ziest, Klee, Flachs, Kohl, Tabak

Weitere Informationsquellen:

Hilfen für Gebäudebrüter

Viele Tierarten haben sich als "Kulturfolger" dem Menschen angeschlossen, leben in seiner Nähe und sind Teil des menschlichen Wohnumfeldes geworden. Diese über Generationen entwickelte "Lebensgemeinschaft" wird aber zunehmend brüchig: Viele ehemals vertraute Arten wurden selten, weil sich ihr und unser Lebensraum verändert hat.
Moderne Häuser bieten weniger Schlupfwinkel als die Gebäude früherer Zeiten. Heute schließen die Dachziegel dicht, finden sich im Bereich von Traufe und Ortgängen kaum noch Schlupflöcher in verborgene Hohlräume. Dachluken sind verschlossen, Fassaden müssen sauber bleiben und sind für Kletterpflanzen tabu.
Die Nahrungsgrundlage unserer „Mitbewohner“ ist gleichfalls schmaler geworden, denn die Gartennutzung hat sich verändert: Hühner- und Taubenhaltung sind stark zurückgegangen, Pferdeäpfel und Misthaufen verschwunden, Brachflächen sind Zierrasen gewichen, Ziergärten haben die Nutzgärten abgelöst, und viele „moderne“ Gartenpflanzen sind zwar bunt, aber für Insekten uninteressant.
An beiden „Fronten“ können Naturfreunde helfen, wenn sie wieder mehr Leben in und ans Haus holen wollen:
Spatzen (oder Sperlinge) sind Nahrungsopportunisten und Standvögel, bleiben also auch im Winter in ihrem Revier. Die Altvögel brauchen ein ganzjähriges Futterangebot (am besten Getreidekörner, die von anderen Vogelarten kaum angenommen werden), füttern ihre Jungen aber mit Insekten. Außerdem sind dichte Hecken oder Efeuwände als Schlafplatz und Deckungsschutz unverzichtbar. Ein trockenes Sandbad komplettiert das ideale Spatzenrevier. Spatzen sind gesellige Vögel, leben am liebsten im Schwarm und brüten gerne in Kolonien, so dass man auf jeden Fall mehrere Brutmöglichkeiten anbieten sollte.

Haussperling, Männchen (rechts) und Weibchen (links), Fotos: Andreas Schäfferling
Haussperling, Männchen (rechts) und Weibchen (links), Fotos: Andreas Schäfferling

Hausspatzen (Vogel des Jahres* 2002) nisten am liebsten im Gebäude: unter Dachziegeln, hinter Dachrinnen, in hohlen Traufen und Ortgängen, aber auch in Nistkästen mit Einfluglöchern von mindestens 32 Millimeter Durchmesser. Kästen mit ovalen Fluglöchern oder Doppellöchern werden gerne angenommen, da sie etwas mehr Licht einfallen lassen, aber dennoch guten Schutz vor Räubern bieten. Auch „Sperlingskoloniehäuser“ mit mehreren benachbarten Brutkammern sind gut geeignet.

Feldsperling
Feldsperling
Bachstelze (Fotos: Andreas Schäfferling)
Bachstelze (Fotos: Andreas Schäfferling)
 

Feldsperlinge unterscheidet man von den Hausspatzen am besten an ihren weißen Wangen mit schwarzem Mittelfleck und dem weißen Nackenring; beide Geschlechter sind gleich gefärbt. Sie bevorzugen Nistkästen im Garten und im ländlichen Raum (wie der Name schon vermuten lässt), brüten jedoch auch öfter wie Hausspatzen im und am Haus, wenn das Umfeld viel Grün bietet. Da sie kleiner als Haussperlinge sind, reicht ihnen schon ein Einflugloch von 28 Millimeter (Blaumeisenkasten).
Bachstelzen sind Halbhöhlen- oder Nischenbrüter und gehen gerne „zu Fuß“ nach Hause. Ihre Höhle sollte also möglichst in der Nähe der Dachkante, an einer Dachgaube oder am Kamin aufgehängt werden. Gelegentlich baut die Stelze aber auch ihr Nest in die Fassadenbegrünung. Sie ist übrigens eine der wenigen Arten, die kurz geschorenen Zierrasen zur Nahrungssuche lieben; dort fängt sie gerne die langbeinigen Wiesenschnaken (auch „Schneider“ genannt).

Hausrotschwanz
Hausrotschwanz
Gartenrotschwanz (Fotos: A. Schäfferling)
Gartenrotschwanz (Fotos: A. Schäfferling)
 

Haus- und Gartenrotschwanz haben unterschiedliche Vorlieben, über die der Name einiges verrät:
Der Hausrotschwanz ist ursprünglich ein Felsbrüter und liebt das städtische „Steingebirge“. Er findet sich in Neubaugebieten schnell ein und kommt auch bis in die Dachlandschaften der Innenstädte vor. Je dichter und höher die Umgebung bewachsen ist, desto eher verschwindet er wieder. Nischenbrüterhöhlen (siehe unten) sollten also bevorzugt an Häusern, Carports et cetera aufgehängt werden, wo das Umfeld wenig begrünt ist.
Der Gartenrotschwanz (Vogel des Jahres* 2011) ist viel seltener als sein städtischer Vetter und bei uns leider am Rande des Aussterbens. Eine parkähnliche Umgebung mit hohen Bäumen (z.B. Obstgärten, Hofeichen) ist notwendig, damit am Haus oder im Baum aufgehängte Nischenbrüterhöhlen (siehe unten) eine Besiedlungschance haben. Wer Glück hat, kann dann in den frühen Morgenstunden einen der schönsten und zartesten Vogelgesänge erleben, die unsere Heimat zu bieten hat. Städtern und Langschläfern wird diese Rarität eher verborgen bleiben!
Beide bei uns (noch) vorkommenden Rotschwanz-Arten sind Halbhöhlen- oder Nischenbrüter und benötigen nur halbdunkle Nistkästen. Die früher gerne eingesetzten Halbhöhlen sollten jedoch in Revieren, in denen die Bruten durch Katzen, Marder, Elstern, Eichelhäher oder Dohlen gefährdet sind, durch sogenannte „Nischenbrüterhöhlen“ ersetzt werden. Diese haben einen V-förmig ausgeschnittenen Einflug oder mehrere Einfluglöcher (am besten hochoval), die einen besseren Schutz gegen Räuber bieten, insbesondere wenn das Nest im hinteren Bereich gebaut wird, was durch einen Brutraumeinsatz gefördert wird.

Grauschnäpper
Grauschnäpper
Star (Fotos: Andreas Schäfferling)
Star (Fotos: Andreas Schäfferling)
 

Der kleine Grauschnäpper führt ein eher unauffälliges Leben und hat gesanglich wenig zu bieten. Als Langstreckenzieher kehrt er erst im Mai aus Afrika zurück und sucht nach Halbhöhlen oder gut geschützten Brutplätzen an Gebäuden oder in Bäumen. Seine Lebensraumansprüche ähneln denen des Gartenrotschwanzes, er kommt aber durchaus auch in städtischen Gärten vor, wenn sie genügend groß sind. Dann kann man seine interessante Jagdtechnik gut beobachten: Wie ein kleiner Falke wartet der Ansitzjäger von einem guten Aussichtspunkt auf größere Insekten (vor allem Schmetterlinge), erbeutet sie im Flug und kehrt dann zum Ansitz zurück.
Der amselgroße Star ist hingegen ein auffälliger Gast in den klassischen Starenkästen am Haus oder im Hausbaum. Starenkästen sind größer (Innendurchmesser mindestens 14 Zentimeter, Fluglochweite 45 Millimeter) und sollten in Gruppen aufgehängt werden, denn die Art ist gesellig und pflegt eine gute Nachbarschaft. Wer Stare im Garten hat, braucht kein Radio mehr! Der talentierte und fleißige Sänger ahmt vielerlei Vogelstimmen und Geräusche nach und verbreitet gute Laune „unplugged“.

Dohle (Foto: Bernhard Walter)
Dohle (Foto: Bernhard Walter)
Mauersegler (Foto: Andreas Schäfferling)
Mauersegler (Foto: Andreas Schäfferling)
 

Die Dohle ist nicht zu unrecht Vogel des Jahres* 2012 geworden. Der gesellige Vogel ist zwar im Raum Gütersloh wie im gesamten Münsterland noch weit verbreitet, deutschlandweit aber unter Druck, weil viele Brutplätze verloren gehen und das als Nahrungsquelle bevorzugte Grünland immer weniger wird. Die außerordentlich intelligenten Vögel sollte man aus noch benutzten Kaminen durch sogenannte „Dohlengitter“ aussperren, aber tote Kamine als Nistplätze erhalten und durch Dohlenkästen (Grundfläche circa 30 mal 30 Zentimeter, Flugloch 8 Zentimeter) ergänzen, weil die Art gerne in kleinen Kolonien lebt. Sympathie für den lebenslustigen Vogel sollte man allerdings mitbringen, dann kann man viel Spaß mit diesen nicht ganz leisen Nachbarn haben! Gut geeignet sind daher Kirchen und Verwaltungsgebäude, wo Nachbarschaftsprobleme nicht zu befürchten sind.

Über das Gütersloher Schutzprojekt für den Mauersegler, den „Sommerboten“, Flugakrobaten und Vogel des Jahres* 2003, finden Sie alle Informationen hier.

Mauerseglerschutz in Gütersloh

Im Jahr 2010 begann in Gütersloh ein mehrjähriges Projekt zum Schutz der Mauersegler. Maßgeblich beteiligt sind ehrenamtliche Vogelfreunde, deren Arbeit vom städtischen Umweltamt, der Umweltstiftung Gütersloh, der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld und verschiedenen Sponsoren unterstützt wird.

Mauersegler (Vögel des Jahres 2003) sind typische Stadtvögel und nisten meist in Ritzen und Höhlen an Gebäuden in der Nähe der Dachkanten. Sie sind komplett grauschwarz gefärbt und landen nur am Brutplatz auf „festem Boden“, ansonsten verbringen sie nahezu ihr ganzes Leben in der Luft, selbst im Schlaf. Am Himmel wirken sie steifflügelig wie kleine Sicheln, auch ihr Schwanz ist mehlschwalbenähnlich eingekerbt, jedoch sind sie mit den Schwalben nicht näher verwandt. In Brutplatznähe jagen sie gerne in Gruppen mit lauten „srii-srii“-Rufen durch die Straßen und über die Dächer, verbringen aber nur einen kurzen Sommer von Mai bis Juli bei uns.

Mauersegler, Einflug Dachspalte (Foto: Bernhard Walter)
Mauersegler, Einflug Dachspalte (Foto: Bernhard Walter)

Flugrufe der Mauersegler
Ruf der Mauersegler-Nestlinge

Wohnungsnot – und deren Behebung
Leider gehen die Bestände der Flugakrobaten seit Jahren zurück. Durch die fortschreitende (und aus Sicht des Klimaschutzes auch erwünschte) Sanierung und die moderne Bauweise von Häusern fehlen leider auch zunehmend Brutmöglichkeiten in unseren Gebäuden. Die früher allgegenwärtigen Einschlupfe zu Hohlräumen an der Dachkante, zwischen Regenrinne und Dachziegeln oder zwischen Dachüberstand und Mauerwerk an der Trauf- oder Giebelseite der Häuser verschwinden. Doch was wäre ein Sommer ohne Mauersegler?

Diese Frage stellten sich einige Gütersloher Naturfreunde (vor allem die Herren Domass, Großjohann, Gierhake und Henkenjohann) und nahmen sich vor, die Wohnungsnot der Sommerboten durch Nisthilfen zu beheben. Mit finanzieller Unterstützung der Umweltstiftung Gütersloh und insbesondere der Sparda-Bank Hannover-Stiftung wurden Mauerseglerkästen der Firma Schwegler beschafft, in denen jeweils gleich 3 Brutplätze der geselligen Vögel eingerichtet sind.

Montage Mauerseglerkästen, Hubsteigereinsatz in der Böhmerstraße (Foto: Horst Domass)
Montage Mauerseglerkästen, Hubsteigereinsatz in der Böhmerstraße (Foto: Horst Domass)

Mit Hilfe von Hubsteigern, die von verschiedenen Firmen (z.B. Zimmerei Wannhof, Krandienst Flötotto, Elektro Schröder Bielefeld-Senne, Stadtwerke Gütersloh, Feuerwehr und Werksfeuerwehren Gütersloh, Miele und Bertelsmann) kostenlos bereit gestellt oder notfalls auch gemietet werden, oder von Baugerüsten aus sind bis Jahresende 2011 bereits über 100 Kästen im Stadtgebiet aufgehängt worden. Weitere werden im Jahr 2012 folgen.
Besonders geeignet für Nisthilfen sind Häuser der Innenstadt, Kirchen und andere hohe Gebäude mit freiem Anflug, bevorzugte Plätze sind Traufen mit Dachüberstand als Wetterschutz. Ein günstiger Zeitpunkt zur Montage besteht, wenn bereits ein Baugerüst aufgebaut wurde, etwa beim Verputzen, Streichen oder Dämmen von Hausfassaden oder beim Eindecken des Hausdachs – dann erübrigt sich der aufwändige Einsatz eines Hubsteigers. Durch Vogelkot verschmutzte Fassaden brauchen Hauseigentümer übrigens nicht zu befürchten – Mauersegler hinterlassen praktisch keine Spuren. Sie sind so unauffällig, dass die meisten Hausbewohner von ihnen gar nichts bemerken. Die hinsichtlich ihrer Kotspuren auffälligeren Mehlschwalben nehmen die Mauersegler-Nisthilfen niemals an.

Unterstützer gesucht!
Der Schutz der Gebäudebrüter in einer Stadt der Größe Güterslohs braucht einen langen Atem und ist nicht in 2 Jahren erledigt. Für die Fortsetzung des Projekts werden daher weitere Helfer gesucht: sowohl Eigentümer, deren Häuser sich als Mauerseglerbrutplatz eignen, als auch handwerklich geübte Vogelfreunde, die ein weiteres „Montageteam“ bilden und weitgehend selbständig Nisthilfen anbringen können. Anleitung und Einarbeitung sowie regelmäßiger Projektkontakt sind gewährleistet. Interessenten melden sich bitte im Umweltamt bei Dr. Jürgen Albrecht (juergen.albrecht@guetersloh.de, Telefon 82 20 86).

Tips für „Selberbauer“
Möchten Sie auch gerne die Natur in die Stadt zurückholen, entspannt zu Hause Vögel beobachten und stolzer Gastgeber für eine unserer interessantesten Vogelarten sein?

  • Wenn Sie Mauerseglerkästen selbst anbringen wollen und können, melden Sie sich bitte ebenfalls im Umweltamt. Wir unterstützen Ihr Vorhaben, solange der Vorrat reicht!
  • Nutzen Sie die Gelegenheit vorhandener Baugerüste!
  • Mauerseglernistplätze lassen sich bei Neubau oder Fassadensanierungen auch sehr gut in die Wände oder Dächer integrieren, wenn man dies rechtzeitig einplant (siehe Foto oben). Spezielle Musterkästen zum bündigen Einbau ins Mauerwerk oder in die Dämmschicht können im städtischen Umweltamt besichtigt werden; unterm Mauerputz sind sie später fast unsichtbar.
  • Ähnlich praktische und unauffällige Einbauquartiere gibt es übrigens auch für Fledermäuse und andere Höhlenbrüter.
  • Etliche interessante Konstruktionsbeispiele für Gebäudequartiere enthalten die
    Internetseiten der Kreisgruppe München des bayrischen Landesbundes für Vogelschutz.
  • Architekten und Handwerksbetriebe (z.B. Maler, Dachdecker, Gerüstbauer) mit Interesse für den Schutz von Gebäudebrütern informieren und beraten wir gerne ausführlicher!

Rechtlicher Hinweis:
Nach § 44 Absatz 1 Nummer 3 BNatSchG ist es verboten, Fortpflanzungs- und Ruhestätten von wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Dies betrifft bei Vögeln solche Nester und Quartiere, die nur vorübergehend verlassen sind und von ihren ursprünglichen Benutzern später regelmäßig wieder genutzt werden. Dazu gehören u.a. Schwalben und Mauersegler. Von diesem Verbot sind nach § 45 Absatz 7 BNatSchG Ausnahmen und nach § 67 BNatSchG Befreiungen möglich, die bei Gebäudesanierungen außerhalb der Brutzeit regelmäßig mit der Auflage, Nester umzusetzen oder ersatzweise Nisthilfen anzubringen, in Betracht kommen. Zuständig für die Erteilung von Ausnahmen ist das Umweltamt des Kreises Gütersloh (Ansprechpartner Herr Ewerszumrode: Albert.Ewerszumrode@gt-net.de, Telefon 0 52 41 / 85 27 26).

Das Verbot des § 44 Absatz 1 Nummer 3 BNatSchG ist bußgeldbewehrt. Bei einzelnen Nestern von Arten, deren Erhaltungszustand vom Landesamt für Umwelt (LANUV) als günstig eingeschätzt wird, können Verwarngelder in Betracht kommen, bei mehreren Nestern, Brutkolonien und gefährdeten Arten sind empfindliche Geldbußen festzusetzen.

Weitere interessante Links zum Mauersegler:

Filmserie über Mauerseglerbrut in Gütersloh bei youtube

Umfang- und kenntnisreiche private Seite aus Berlin

Praxisorientiert mit vielen interessanten Lösungen für Ersatzquartiere bei Umbau, Renovierung und Neubau beim LBV München

Vielfältige Informationen zum Mauersegler beim NABU (Naturschutzbund Deutschland)

Mehlschwalbe
Mehlschwalbe
Rauchschwalbe, Fotos: Andreas Schäfferling
Rauchschwalbe, Fotos: Andreas Schäfferling
 

Im Gegensatz zu den bislang genannten Höhlen- und Nischenbrütern bauen sich die Schwalben ihre Höhlen und Nischen selbst - wenn man sie denn lässt. Sie töpfern ihre Nester aus kleinen Erdklümpchen entweder als Viertelkugeln außen unter Dachüberstände (Mehlschwalbe, Vogel des Jahres* 1974) oder als Halbschale in Innenräumen (Ställe, Deele) auf Mauervorsprünge (Rauchschwalbe, Vogel des Jahres* 1979). In unseren „aufgeräumten“ Siedlungen wird es allerdings immer schwerer, geeignetes Nistmaterial zu finden, weshalb auch hier Kunstnester eine Hilfe sein können. Schwalbennester dürfen ganzjährig nicht zerstört werden!

Schwalbenschutz in Gütersloh

Bei den Schutzmaßnahmen für Tierarten, die an und in Häusern leben, spielen die Schwalben eine wichtige Rolle. Ihnen gilt - neben den Mauerseglern - die besondere Aufmerksamkeit der "Arbeitsgruppe Gebäudebrüter" in der Stadt Gütersloh.

Begleiter des Menschen
Schwalben sind ausgeprägte Kulturfolger - sie leben in unmittelbarer Nähe des Menschen auf dem Land und in der Stadt und können recht vertraut werden. Daher hatte der Mensch schon immer ein ganz besonderes Verhältnis zu den Schwalben. Seit der Antike gelten sie als Glücksbringer: Wo die Schwalbe ihr Nest baut, soll sie den Bewohnern des Hauses Glück und Frieden bringen. Außerdem gelten sie als Frühlingsboten, die den Menschen über den Sommer begleiten. Die reinen Insektenfresser erbeuten ihre Nahrung elegant im Flug.

Rauchschwalbe und Mehlschwalbe sind ursprünglich Felsenbrüter und haben die Gebäude des Menschen als Ersatzlebensraum angenommen. An ihren Nestern sind die zwei Arten gut zu unterscheiden.

Rauchschwalbe, Fütterung
Rauchschwalbe, Fütterung

Auf dem Land leben die Rauchschwalben. Sie bauen ihre Nester aus lehmiger Erde (meist) in landwirtschaftlich genutzte Gebäude wie Ställe und Deelen - am liebsten da, wo auch Vieh gehalten wird und viele Insekten fliegen. Nur selten nutzen sie auch Brücken oder Außenwände. Als Nistmaterial nehmen sie gerne mit Pflanzenfasern vermengten Kuhmist, der bröselige Gütersloher Sand ergibt keine stabilen Nestschalen. Diese napfartigen, oben offenen Bauwerke werden an die senkrechte Wand geklebt und gerne auf vorspringende Unterlagen aufgestützt (Holzzapfen, Kabel, Lampen etc.).

Gesang der Rauchschwalbe
Ruf der Rauchschwalbe

Mehlschwalbe am Nest, Foto: Andreas Schäfferling
Mehlschwalbe am Nest, Foto: Andreas Schäfferling

Mehlschwalben bauen ihre Nester bevorzugt unter den Dachüberstand außen an Häusern mit rauen (oft hellen) Fassaden. Sie werden als Viertelkugel direkt in den Mauerwinkel geklebt und haben nur ein kleines Einflugloch am oberen Rand. Sie lieben noch mehr als die Rauchschwalben die Geselligkeit und bauen ihre Nester dicht an dicht, wenn die Voraussetzungen gut sind. Der „Frühlingsmacher“ kehrt erst in der zweiten Aprilhälfte, etwa 2 Wochen nach der Rauchschwalbe aus Afrika zurück.

Gesang der Mehlschwalbe
Ruf der Mehlschwalbe

Hilfe für die bedrohten Glückbringer in Gütersloh
Rauchschwalben und insbesondere die Mehlschwalbe nehmen in ihrem Bestand ab! Bei der 2011 begonnenen Zählung wurden auf etwa der Hälfte des Stadtgebietes nur noch 14 meist kleinere Kolonien der Mehlschwalbe registriert. Etwas besser sieht es bei der Rauchschwalbe aus, die noch auf vielen Höfen brütet, wenn auch längst nicht mehr so häufig wie früher. Sie wurde auf etwa der Hälfte der Stadtfläche an rund 75 Stellen beobachtet.

Ursachen für den starken Rückgang sind u.a.:

  • Mutwillige Zerstörung der Nester durch den Menschen (z.B. bei Gebäudesanierung)
  • Verlust von Nistmöglichkeiten (Mangel an rauen Fassaden, Einflugnischen/-luken)
  • Mangel an Nistmaterial (Lehmkuhlen, Misthaufen)
  • Verringerung des Nahrungsangebotes (Mangel an Insekten)

In Gütersloh gibt es schon viele Schwalbenfreunde in der Landwirtschaft, bei Hausbesitzern und Naturfreunden. Außerdem bemüht sich die Arbeitsgruppe Gebäudebrüter aus ehrenamtlichen Naturfreunden, Biologischer Station Gütersloh/Bielefeld, städtischer Umweltstiftung und dem Umweltamt darum, den Schwalben eine Zukunft in Gütersloh zu bieten, indem sie informiert, naturpädagogische Veranstaltungen organisiert, Interessenten berät und mit praktischen Artenschutzmaßnahmen unterstützt.
Dass die Schwalben auch gerne die Hilfen des Menschen annehmen, zeigt der Artikel von Franca Seifert, der in der Zeitschrift "Der Isselhorster" (Nummer 115 vom Juli 2012, Seite 21) veröffentlicht wurde.

Was jeder Einzelne zur Erhaltung unserer Schwalben tun kann:
Hilfe für Mehl- und Rauschschwalben:

  • Freuen Sie sich über die Nachbarschaft dieser hübschen und munteren Frackträger. Nur wenige haben das Glück, solche fröhlichen Nachbarn zu haben!
  • Bitte zerstören Sie keine Brutplätze und nehmen Sie bei Renovierungsarbeiten am Haus Rücksicht auf die kleinen Mitbewohner! Die Nester der Schwalben sind ganzjährig (!) gesetzlich geschützt. Ausnahmen vom gesetzlichen Verbot der Zerstörung (z.B. bei notwendigen Sanierungs- oder Renovierungsarbeiten) müssen bei der Naturschutzbehörde des Kreises Gütersloh beantragt werden.
  • Führen Sie Sanierungs- und Renovierungsarbeiten bitte nicht während der Brutzeit aus! Für Mehlschwalben kritisch ist die Zeit ab Mitte April, für Rauchschwalben schon ab Anfang April. Die Brutzeit beider Arten endet etwa ab Mitte September.
  • Wenn Sie als Handwerker (z.B. Maler, Dachdecker, Fassadensanierer) Schwalbennester entdecken, machen Sie Ihre Auftraggeber darauf aufmerksam und informierten sie über den gesetzlichen Schutz. Sie riskieren Bußgelder, wenn Sie ohne Genehmigung Nester beschädigen, entfernen oder den Zugang während der Brutzeit behindern!
  • Bitte melden Sie Brutvorkommen bei der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld: info@biostation-gt-bi.de . Die Kenntnis der Brutplätze ist Voraussetzung für die Beratung und Unterstützungsmaßnahmen.
  • Schwalben brauchen Lehm! Beide Arten bauen ihre Nester aus feuchtem Lehm, der in Gütersloh naturgemäß rar ist. Oftmals mangelt es an geeigneten Pfützen mit Nistmaterial. Helfen Sie den emsigen Schwalben, indem Sie neue Pfützen anlegen oder flache Schalen bzw. Bottiche mit nassem Lehm aufstellen und bei länger anhaltender Trockenheit im Frühjahr vorhandene Lehmpfützen wässern! Auch offene Mistlegen sind hervorragende Baustofflieferanten.
Nass gehaltene Lehmpfützen sind einfache Hilfsmittel für den Schwalbenschutz. Foto: Rebecca  Seifert
Nass gehaltene Lehmpfützen sind einfache Hilfsmittel für den Schwalbenschutz.
Foto: Rebecca Seifert

Hilfe für Mehlschwalben:

  • Tolerieren Sie, dass Mehlschwalben auf Ihrer Fassade, Ihrem Fensterbrett oder Auto einige Kotspritzer hinterlassen. Diese sind leicht zu beseitigen, eine einmal verschwundene Art ist dagegen kaum noch zur Rückkehr zu bewegen.
  • Unterstützen Sie die Haltbarkeit neuer Schwalbennester durch eine waagrechte Leiste circa 12 Zentimeter unter dem Dachüberstand. Darauf können Mehlschwalben ihre Nester abstützen, so dass sie auch mit sandigem Baustoff besser halten.
  • Befestigen Sie Kunstnester unter Ihrem Dach! Diese machen allerdings meist nur dort Sinn, wo bereits Schwalben in der Nachbarschaft nisten, denn Mehlschwalben sind Kolonievögel. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Gebäudebrüter beraten und helfen gerne. Ernsthafte Interessenten melden sich im Umweltamt bei Dr. Jürgen Albrecht (juergen.albrecht@guetersloh.de, Telefon 82 20 86) oder bei der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld (info@biostation-gt-bi.de,
    Telefon 0 52 09-98 01 01).
  • Falls Kotspuren am Haus durch Mehlschwalben sehr stören, können Kotbretter einfache Abhilfe leisten. Die circa 25 Zentimeter breiten Bretter werden im Abstand von 50 bis 70 Zentimeter unter den Nestern befestigt, damit für den schwungvollen An- und Abflug freie Bahn bleibt. In der Farbe des Hauses gestrichen fallen sie nur wenig auf. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Gebäudebrüter beraten und helfen gerne.
  • Lenken Sie den Nistplatz der Mehlschwalben an unproblematische Stellen, indem Sie dort Kunstnester oder die oben genannten Stützleisten montieren, die gerne angenommen werden. An Stellen, die Sie wirklich sehr stören (aber bitte nur dort!), können Sie den Neubau von Nestern verhindern, indem Sie einen circa 20 Zentimeter breiten Streifen unterm Dach mit einer glatten Oberfläche versehen.
Kunsternester für Mehlschwalben mit Kottbrettern, Foto: Jürgen Albrecht
Kunsternester für Mehlschwalben mit Kottbrettern, Foto: Jürgen Albrecht

Hilfe für Rauchschwalben:

  • Sperren Sie Rauchschwalben nicht aus! Schon kleine Einflugluken am Gebäude reichen den Flugkünstlern, wenn sie von April bis September geöffnet bleiben!
  • Als Nisthilfe kann man solche Nestunterlagen (z.B. Nistbrettchen) im oberen Bereich von Wänden und Balken anbringen.
  • Wo geeignetes Nistmaterial fehlt, können spezielle Kunstnester für Rauchschwalben an die Wand montiert werden (nicht zu dicht beieinander, Abstände von mindestens 2 Meter sind empfehlenswert).

Rechtlicher Hinweis:
Nach § 44 Absatz 1 Nummer 3 BNatSchG ist es verboten, Fortpflanzungs- und Ruhestätten von wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Dies betrifft bei Vögeln solche Nester und Quartiere, die nur vorübergehend verlassen sind und von ihren ursprünglichen Benutzern später regelmäßig wieder genutzt werden. Dazu gehören u.a. Schwalben und Mauersegler. Von diesem Verbot sind nach § 45 Absatz 7 BNatSchG Ausnahmen und nach § 67 BNatSchG Befreiungen möglich, die bei Gebäudesanierungen außerhalb der Brutzeit regelmäßig mit der Auflage, Nester umzusetzen oder ersatzweise Nisthilfen anzubringen, in Betracht kommen. Zuständig für die Erteilung von Ausnahmen ist das Umweltamt des Kreises Gütersloh (Ansprechpartner Herr Ewerszumrode: Albert.Ewerszumrode@gt-net.de, Telefon 0 52 41 / 85 27 26).

Das Verbot des § 44 Absatz 1 Nummer 3 BNatSchG ist bußgeldbewehrt. Bei einzelnen Nestern von Arten, deren Erhaltungszustand vom Landesamt für Umwelt (LANUV) als günstig eingeschätzt wird, können Verwarngelder in Betracht kommen, bei mehreren Nestern, Brutkolonien und gefährdeten Arten sind empfindliche Geldbußen festzusetzen.

Weitere interessante Links zu Schwalben:

Naturschützer montieren Nistkästen für Mehlschwalben

Die Mehlschwalben haben es ihnen angetan. Die Frühlingsboten, die treu an ihren Geburtsort zurückkehren, und die Freude machen, wenn man sie beobachten kann, sind dem Drei-Mann-Team - bestehend aus Horst Domass, Helmut Gierhake und Jörg Großjohann - so wichtig, dass sie einen großen Teil ihrer Freizeit für den Bestand und den Erhalt dieser Vögel einsetzen.

Die Montage der Nistkästen geht Horst Domass (rechts), Helmut Gierhake und Jörg Großjohann (nicht im Bild) inzwischen leicht von der Hand. Schließlich haben sie bereits  150 Kästen an 75 Standorten in Gütersloh montiert.
Die Montage der Nistkästen geht Horst Domass (rechts), Helmut Gierhake und Jörg Großjohann (nicht im Bild) inzwischen leicht von der Hand. Schließlich haben sie bereits 150 Kästen an 75 Standorten in Gütersloh montiert.

An 75 Standorten in Gütersloh haben sie in enger Kooperation mit dem Fachbereich Umweltschutz 150 Nistkästen angebracht. „Schwalbennisthilfen kann man nur dort montieren, wo bereits Bestand ist“, sagt Horst Domass. Der Hof Neuhaus an der Buschstraße ist so ein Ort. „Von den 22 Nestern ist etwa die Hälfte belegt“, freut sich Landwirt Heinrich Neuhaus. In seinem Kuhstall fühlen sich auch die Rauchschwalben heimisch. „Dort ist es muckelig warm und auch wenn es draußen kalt ist, finden die Tiere im Stall noch genügend Nahrung“, sagt Heinrich Neuhaus. Der Landwirt war für das Anliegen der Vogelschützer schnell zu begeistern und unterstützte das Anbringen der Nisthilfen auf seinem Hof.

Die Mehlschwalbe, die sich von Fliegen, Mücken und Larven ernährt, ist in der Roten Liste als gefährdete Art eingestuft. In Gütersloh gibt es nach einer Bestandsaufnahme aus dem Jahre 2012 noch 300 Brutpaare. Da die Mehlschwalben durch die glatten Fassaden in Neubauten oder nach Renovierungen immer weniger geeignete Nisthilfen finden, ist das Angebot von Kunstnestern eine wirkungsvolle Schutzmaßnahme. „Es hilft auch, kleine Lehmpfützen anzulegen, in denen Mehlschwalben geeignetes Nistmaterial finden“, sagt Neuhaus. Auch die Rauchschwalbe ist in ihrem Bestand gefährdet. „Wegen Umbauten, die die Einflugnischen in den Scheunen und Ställen verschließen, aber auch durch das Höfesterben“, sagt Helmut Gierhake. Ein Schutz sei nur möglich, wenn die Brutmöglichkeiten in den Hofstellen erhalten würden.

Das Dreier-Team hat sich bei Naturschutzeinsätzen auf dem Hof Kröning zusammengefunden. Ob das Beschneiden von Kopfweiden oder das Anlegen von Schmetterlingspflanzen: Man ist gern für den Naturschutz im Einsatz und besonders für die Vögel. „Das sind faszinierende Tiere“, sagt Horst Domass. „Es macht Spaß, sie zu beobachten.“ Das Montieren der Nistkästen bietet darüber hinaus Einblicke in viele Hofstellen. „Man trifft interessante Menschen, lernt Leute kennen“, sagt Gierhake. Wir kommen auf Hofstellen, die man ansonsten nie zu sehen bekäme, so Domass. Und das Montieren ist ein kleines Abenteuer. Wenn der Hubsteiger kommt, ist Konzentration angesagt. Manchmal auch in schwindelerregender Höhe, im Kirchturm, wo direkt neben den Glocken gearbeitet wird und man durch kleine Luken kriechen muss, um den passenden Standort für den Nistkasten zu erreichen.

Auch wenn die Naturschützer den Mehlschwalben Alternativen anbieten können, so hat die Natur doch ihren eigenen Kopf. „Während die Nistkästen in einem Haus angenommen werden, können die Nistkästen im Nachbarhaus verschmäht bleiben“. „Man steckt nicht drin“, sagt Helmut Gierhake. Aber das Team will dran bleiben. Sie freuen sich bereits auf ihren nächsten Einsatz.

Gütersloher Artenkorb
Die Mehlschwalbe ist eine von 66 Tier- und Pflanzenarten, die im Gütersloher Artenkorb insgesamt sieben Lebensräumen zugeordnet sind. Ausführliche Informationen zu diesen 66 Arten sind hier zu finden. Jeder Steckbrief von Tier oder Pflanze soll dazu ermuntern, sich für den Erhalt zu engagieren.

Schleiereule, Foto: Maurice van Bruggen
Schleiereule, Foto: Maurice van Bruggen
Turmfalke, Foto: Andreas Schäfferling
Turmfalke, Foto: Andreas Schäfferling
 

Die beiden abschließend aufgeführten Gebäudebrüter sind als Mäusejäger eher im ländlichen Raum zu Hause, können aber durchaus auch im Stadtrandbereich mit größeren Nistkästen angesiedelt werden. Dabei sollte beachtet werden, dass die Kästen marder- und katzensicher montiert werden (günstig ist die bündige Platzierung direkt hinter einem Mauerdurchbruch als Einflugloch):

Der Turmfalke (Vogel des Jahres* 2007) nimmt sowohl alte Krähennester, Falkenkästen als auch Eulenkästen an, bleibt dort aber im vorderen, helleren Bereich (während in Ausnahmefällen hinten sogar gleichzeitig eine Eule wohnen kann). Er ist etwas störungsempfindlich, der Anflug sollte daher hoch und ruhig gelegen sein (z.B. Hausgiebel, Scheune).

Die Schleiereule (Vogel des Jahres* 1977) braucht einen etwas größeren Kasten (Grundfläche etwa 50 mal 100 cm) mit „Dunkelkammer“ (Bauanleitung). Die Umgebung sollte größere Grünlandflächen aufweisen (wie auch beim Turmfalken), wo Feldmäuse als Hauptnahrung verfügbar sind. Schleiereulen leben streng nächtlich, und oft fallen Nistplätze erst durch das „Bettelschnarchen“ der Jungvögel auf – Musik in den Ohren von Eulenfreunden!

* Vogel des Jahres:
Artportraits und viele nützliche Tipps zu den „Vögeln des Jahres“ finden Sie beim NABU

Schleiereulen - Schönheit der Nacht

Unsere vielleicht schönste Eule im Stadtgebiet ist die Schleiereule. Ihr Bestand schwankt beträchtlich, je nachdem wie streng die Winter sind und wie gut das Nahrungsangebot ist. Mit speziellen Nisthilfen kann man den fleißigen Mäusejäger unterstützen.
Schneereiche Winter verschließen der Schleiereule den Zugang zu ihrer Hauptnahrung, den Mäusen. Je länger Schnee liegt, desto mehr Eulen verhungern dann. Denn anders als viele andere Vogelarten bauen sie keine nennenswerten Fettreserven auf und können daher nur wenige Tage ohne Futter überleben. Die ortstreuen Vögel weichen auch bei ungünstigen Bedingungen kaum aus. Heuböden und Scheunen sind dann gute Schlupfwinkel, die Kälteschutz bieten und doch noch die eine oder andere Maus beherbergen. Und notfalls müssen dann auch mal einige Kleinvögel (z.B. Spatzen) dran glauben, die sonst nur ausnahmsweise auf dem Eulen-Speisezettel stehen.

Folgen mehrere milde und vor allem schneearme Winter in Serie, können Schleiereulen einen relativ starken Bestand aufbauen. Insbesondere wenn ein „Mäusejahr“ den Tisch reichlich deckt, gleichen die Eulen frühere Verluste durch größere Gelege und manchmal sogar auch durch eine zweite Jahresbrut aus. In vielen Höfen ist der heimliche Mäusejäger zu Hause, der meist erst bei völliger Dunkelheit zum Jagdflug aufbricht.

Genaue Bestandszahlen liegen zwar für Gütersloh nicht vor, aber in der Regel dürfte die Schleiereule die häufigste Eulenart in Gütersloh sein - wenn sie nicht gerade unter wetterbedingten Verlusten leidet. Landesweit nimmt der kräftigere Waldkauz diese Position ein, der jedoch (wie der Name schon sagt) gehölzreiche Landschaften bevorzugt. Allerdings reichen ihm auch schon einige Hofeichen und kleinere Wäldchen aus, wenn Höhlen oder Dachstühle Nistgelegenheiten bieten. Die Schleiereule ist dagegen ein Jäger der offenen Feldflur, der vor allem Grünland als Jagdrevier bevorzugt.

Schleiereule, Foto: Wikimedia Commons
Schleiereule, Foto: Wikimedia Commons

Das Gefieder der Schleiereulen ist auffallend hell, ihre Unterseite weiß bis gelbbraun gefärbt, und mit zarten Tropfenflecken geschmückt. Charakteristisch ist der Namen gebende herzförmige Gesichtsschleier. Wenn man die Eulen-untypische Stimme nicht kennt, bemerkt man die tagsüber versteckt ruhende Eule am ehesten an ihren „Gewöllen“ unter dem Schlafplatz. Diese daumendicken länglichen Speiballen aus Haar- und Knochenresten haben einen mattschwarzen Speichel-Überzug. Verräterisch ist auch das nächtelange „Bettelschnarchen“ der Jungeulen.
Wie keine andere Eulenart hat sich die Schleiereule uns Menschen angeschlossen und nistet fast ausschließlich in Gebäuden. Scheunen, offene Dachböden, Kirchtürme oder alte Taubenschläge sind unverzichtbare Tagesunterstände und Brutplätze. Im Idealfall könnte eigentlich fast jeder Gütersloher Bauernhof „sein“ Schleiereulenpaar beherbergen. Dazu muss allerdings der Einflug in geeignete Quartiere ganzjährig offen gehalten werden. Dann können die Eulen solche zugänglichen Innenräume (Scheunen, Dachböden et cetera) mäusefrei halten.
Ausbaumaßnahmen oder häufige Störungen an ihren Tages- oder Brutquartieren können zum Verschwinden der hübschen Vögel führen. Gleichfalls gefährlich können Katzen und Marder werden, wenn sie Zugang zum Brutplatz haben. Gelegentlich werden die Eulen auch durch den Waldkauz als Konkurrenten vertrieben. Eine gute Hilfe können Brutkästen sein, die im Dachgebälk oder auf Dachböden so montiert werden, dass zwar ein freier Anflug (am besten von außen) möglich ist, Raubsäuger hingegen keinen Zugang haben. Man sollte aber darauf achten, dass durch die Kästen nicht die einzige Einflugöffnung zum Dachboden verschlossen wird, der als winterliches Notquartier unbedingt zugänglich bleiben sollte.Solche Brutkästen kann man selbst bauen oder als Bausatz kaufen. Die Kisten bestehen aus 20 Millimeter dicken Spanplatten oder Brettern und sind mit den Außenbaumaßen von etwa 120 mal 60 mal 60 Zentimeter entsprechend schwer, brauchen also eine stabile Unterlage. Einmal stabil montiert, benötigen diese Kästen keine Pflege, da die alten Gewölle als Nistunterlage dienen und nicht entfernt werden sollten. Eine Bauanleitung bieten z.B. die Internetseiten des NABU.
Vielleicht haben mit dieser Starthilfe auch Sie das Glück, bald neue „Untermieter“ als Schädlingsbekämpfer auf Ihrem Hof begrüßen zu können? Es könnten auch Turmfalken sein, die von außen erreichbare Schleiereulen-Kästen ebenfalls gerne annehmen. Wenn das Nahrungsangebot passt, können Schleiereulen übrigens fast das ganze Jahr über brüten, es wurden sogar schon nicht flügge Jungvögel zu Weihnachten beobachtet. Ein ganz besonderer Geschenk-Tipp also, diese neue Heimstatt für „Ihre“ persönliche Schleiereule!
Weitere Informationen, Bauanleitungen und die Broschüre „Hilfe für die Schleiereule“ erhalten Sie im städtischen Umweltamt, Friedrich-Ebert-Str. 54, bei Bernd Schüre oder Dr. Jürgen Albrecht, Telefon 82 20 89 bzw. 82 20 86.

Montage Schleiereulenkasten
Montage Schleiereulenkasten
Zwergfledermaus,  Fotos: Arnt Becker
Zwergfledermaus, Fotos: Arnt Becker
Kleine Bartfledermaus
Kleine Bartfledermaus
 

Für unsere Ohren nahezu gänzlich geräuschlos leben hingegen die Fledermausarten, die in Mauernischen, hinter Fassaden und in Dachstühlen zuhause sein können. Noch etwas häufigere Gebäudebewohner sind Zwerg- und Breitflügelfledermäuse, seltener sind z.B. Lang- und Mausohren. In Gebäudespalten können außerdem Großer Abendsegler, Zweifarb- und Kleine Bartfledermaus ihre Sommerquartiere aufschlagen. Über die Möglichkeiten, diesen faszinierenden und heimlichen Nachttieren zu helfen, informiert sehr ausführlich die Homepage des NABU. Über die in Gütersloh bislang nachgewiesenen Arten wird hier berichtet.

Bauanleitungen und Bezugsquellen für Nistkästen:

  • Nisthilfen erhalten Sie im örtlichen Fachhandel oder direkt bei den Herstellern. Bezugsquellen listet z.B. die Internetseite tierundnatur auf.
  • Bauanleitungen finden Sie z.B. beim NABU.


Sie wollen noch mehr für Vögel und Fledermäuse tun?
Hier einige Vorschläge:


Schonen Sie bei der Gebäudesanierung vorhandene Brutplätze: Grundsätzlich ist es ganzjährig (!) gesetzlich verboten, die Nester bzw. Nist- und Zufluchtstätten geschützter Vogelarten (das sind praktisch alle einheimischen Arten!) zu zerstören oder in der Brutzeit den Zugang dazu (z.B. durch Gerüste, Netze, Folien) zu behindern (siehe rechtlicher Hinweis unten). Sprechen Sie über Ausnahmen von diesen Verboten mit der Naturschutzbehörde des Kreises Gütersloh!
Nutzen Sie die Gelegenheiten beim Neubau, Umbau oder der Sanierung von Gebäuden für die Montage von Nisthilfen an Stellen, die Sie später nicht mehr gut erreichen!
Lassen Sie vor allem in den Monaten April und Mai Ihre Katze am besten nicht aus dem Haus oder zumindest nicht unbeaufsichtigt ins Freie.
Gestalten Sie Ihren Garten naturnah, verzichten Sie auf Gifte. Tipps zum naturnahen Garten finden Sie hier.
Hängen Sie Nistkästen so auf, dass Katzen keinen Zugang haben: an Fassaden oder freihängend an Seitenästen und mindestens 2 Meter über dem Boden.
Machen Sie Glasscheiben vogelsicher.
Wenn Sie Vögel füttern, dann richtig!
Erhalten Sie wertvolle Lebensräume in der Landschaft, wenn Sie als Grundeigentümer, Forst- oder Landwirt die Gelegenheit dazu haben.
Schließen Sie sich einem Naturschutzverein an, lernen Sie die Vielfalt der Arten kennen!
Spenden Sie Geld für den Naturschutz!


Rechtlicher Hinweis:
Nach § 44 Absatz 1 Nummer 3 BNatSchG ist es verboten, Fortpflanzungs- und Ruhestätten von wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Dies betrifft bei Vögeln solche Nester und Quartiere, die nur vorübergehend verlassen sind und von ihren ursprünglichen Benutzern später regelmäßig wieder genutzt werden. Dazu gehören u.a. Schwalben und Mauersegler. Von diesem Verbot sind nach § 45 Absatz 7 BNatSchG Ausnahmen und nach § 67 BNatSchG Befreiungen möglich, die bei Gebäudesanierungen außerhalb der Brutzeit regelmäßig mit der Auflage, Nester umzusetzen oder ersatzweise Nisthilfen anzubringen, in Betracht kommen. Zuständig für die Erteilung von Ausnahmen ist das Umweltamt des Kreises Gütersloh (Ansprechpartner Herr Ewerszumrode: Albert.Ewerszumrode@gt-net.de, Telefon 0 52 41 / 85 27 26).

Das Verbot des § 44 Absatz 1 Nummer 3 BNatSchG ist bußgeldbewehrt. Bei einzelnen Nestern von Arten, deren Erhaltungszustand vom Landesamt für Umwelt (LANUV) als günstig eingeschätzt wird, können Verwarngelder in Betracht kommen, bei mehreren Nestern, Brutkolonien und gefährdeten Arten sind empfindliche Geldbußen festzusetzen.

Wanderfalken über der Stadt

Kein Mensch hätte dies vor 20 Jahren für möglich gehalten: Seit dem Jahr 2008 leben Wanderfalken in der Stadt Gütersloh! Es ist das erste Paar im Kreis Gütersloh (inzwischen gibt es zwei weitere), eines von nur 21 Paaren in ganz Ostwestfalen (Stand 2015).
Noch in den 1970er Jahren gehörte der Wanderfalke zu den weltweit am stärksten gefährdeten Greifvogelarten, in NRW war er völlig ausgestorben. Erst kurz vor dem endgültigen Verschwinden der Art zeigten Schutzmaßnahmen Wirkung: das Verbot von DDT und der konsequente Schutz der Bruten vor kriminellen Eierdieben durch Bewachungen rund um die Uhr verbesserten den Bruterfolg, und die Auswilderung nachgezüchteter Falken verstärkten die letzten Populationsreste. Mitte der 1980er Jahre wurde die Art auch in NRW wieder angesiedelt.

Wanderfalke am natürlichen Felsbrutplatz, Weibchen mit Nestling (Foto: Georges Lignier, Datei:Faucon pelerin 7 mai.jpg, wikimedia commons)
Wanderfalke am natürlichen Felsbrutplatz, Weibchen mit Nestling (Foto: Georges Lignier, Datei:Faucon pelerin 7 mai.jpg, wikimedia commons)

Seit dem Jahr 1990 nahm diese Kleinstpopulation in NRW kontinuierlich zu. Dies war vor allem den aktiven Bemühungen der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW) zu verdanken, die sich seit 1975 intensiv um den Schutz und die Wiederansiedlung der Art bemüht (Näheres auf den Seiten des NABU NRW). Inzwischen gibt es rund 180 Paare in NRW, vermutlich sogar mehr als je zuvor. Denn der ursprünglich zumindest im Süden und der Mitte Deutschlands auf Felsstandorte angewiesene scheue Falke hat sich zum Gebäudebrüter „gemausert“, der sich an Industrieanlagen und mitten in Großstädten wohl fühlt. (Im Norden und Osten Deutschlands lebte dagegen eine Baumbrüterpopulation, die allerdings ebenfalls komplett zusammengebrochen war.)
Junge Nachkommen dieser „Industriebrüter“ dürften es auch gewesen sein, die sich 2008 den Schornstein des ehem. Pfleiderer/WIRUS-Werks an der Holzstraße als Revierzentrum erkoren hatten, direkt über der Heimat der Stadttauben, die sich in der Fabrikruine prächtig vermehren konnten. Stadttauben sind eine Lieblingsspeise der kräftigeren Wanderfalken-Weibchen, während sich die kleineren Männchen („Terzel“) überwiegend von Kleinvögeln wie Staren, Drosseln, Finken und Meisen ernähren. Der schnellste Vogel der Welt ist ein ausgesprochener Vogeljäger, der beim Beutefang eine Spitzengeschwindigkeit von zu 200 Kilometer pro Stunde erreichen kann.
Der Gütersloher Terzel des Sommers 2008 war ein junges Männchen, was Reste seines Jugendgefieders verrieten; das Weibchen war bereits ausgefärbt. Doch bevor es auf dem WIRUS-Kamin zu einer Brut kommen konnte (die Brutreife wird gewöhnlich erst im 3. Kalenderjahr erreicht), war das Ende des Reviers schon besiegelt: Das WIRUS-Werk I wurde noch im Herbst abgerissen, der Schornstein fiel am 19. November.
Rechtzeitig vorher konnte das städtische Umweltamt jedoch mit der Deutschen Funkturm GmbH einen Mietvertrag zur Aufstellung eines speziellen Nistkastens auf dem Gütersloher Funkturm neben dem Hauptbahnhof abschließen. Dort hatten sich die Falken – in rund 600 Meter Entfernung vom WIRUS-Kamin – schon vorher gelegentlich aufgehalten. Der Wanderfalkenkasten wurde von Zivildienstleistenden gebaut und eine Woche vor der Kaminsprengung mit Hilfe der Firma climbtek aufgestellt. Bereits am nächsten Tag konnten die Falken auf dem Funkturm unweit des Kastens beobachtet werden.

Dank Höhenrettern und climbtek wartet nun ein Alu-Neubau auf seinen Erstbezug, Foto: Stadt Gütersloh
Dank Höhenrettern und climbtek wartet nun ein Alu-Neubau auf seinen Erstbezug, Foto: Stadt Gütersloh

Doch statt diesen Neubau zu beziehen, brütete das Paar im Jahr 2012 wie schon 2009 in dem viel zu engen Turmfalkenkasten – obwohl das Weibchen im neuen Kasten bereits ein Ei gelegt hatte, wie sich später herausstellte. Warum es dem Paar hier nicht gefiel, blieb rätselhaft. Die beiden Jungvögel konnten in dem engen Gehäuse ihre Schwingen natürlich nicht erproben und landeten beim Jungfernflug prompt auf dem Boden. Ein Jungvogel hatte Glück: er wurde von der Gütersloher Feuerwehr gerettet und auf das Dach des Telekomhauses gesetzt, wo er von seinen Eltern weiter versorgt und später auch ordentlich flügge wurde. Der zweite Jungvogel hatte allerdings großes Pech: Er landete am 19. Juni auf den Bahnschienen und wurde dort im nächsten Moment von einem einfahrenden Zug überfahren.

Höhenretter der Gütersloher Feuerwehr verschließt den für Wanderfalken ungeeigneten Turmfalkenkasten, Foto: Stadt Gütersloh
Höhenretter der Gütersloher Feuerwehr verschließt den für Wanderfalken ungeeigneten Turmfalkenkasten, Foto: Stadt Gütersloh

Wieder war die Höhenrettungsgruppe der Gütersloher Feuerwehr behilflich, um zukünftig einen nochmaligen derartigen Absturz zu verhindern. Im Rahmen einer Übung verschloss sie im Herbst 2012 den Turmfalkenkasten, um die Wanderfalken zum Umzug zu zwingen. Die Rechnung ging auf: Im Februar 2013 entschloss sich das Falkenpaar zum „Erstbezug“ der neuen geräumigen Villa und erbrütete 4 Jungvögel. Sie wurden am 14. Mai von Mitarbeitern der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz NRW (AGW) beringt: 2 kräftige Weibchen im Alter von 4 Wochen (920 und 939 Gramm schwer) wurden ebenso mit Kennringen versehen wie ihre beiden kleineren Brüder (610 und 649 Gramm schwer). Und dieses Jahr scheinen die Jungen auch alle gut ausgeflogen zu sein!

Gestatten: Der Jahrgang 2014! 4 Jungfalken präsentiert die Beringerin Nicole Lohrmann von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz NRW, Foto: Thorsten Thomas
Gestatten: Der Jahrgang 2014! 4 Jungfalken präsentiert die Beringerin Nicole Lohrmann von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz NRW, Foto: Thorsten Thomas

Auch 2015 brütete das Paar wieder in seinem Nistkasten und es schlüpften 4 Junge, von denen aber eines im Alter von etwa 4 Tagen starb und nur 3 bis zur Beringung am 7. Mai überlebt haben. Das Beringungsteam Nicole Lohrmann und Thorsten Thomas von der AGW in NABU NRW reiste wieder eigens aus dem Ruhrgebiet an und versorgte die drei Wochen alten Jungvögel (zwei Männchen, ein Weibchen) mit Ablese- und Vogelwartenringen. Wenn alles klappt, werden sie im Juli selbständig sein. Glück auf!

Die 3 Geschwisterküken des Jahrgangs 2015 nach der Beringung - ihre Begeisterung darüber hält sich in Grenzen, Foto: Nicole Lohrmann
Die 3 Geschwisterküken des Jahrgangs 2015 nach der Beringung - ihre Begeisterung darüber hält sich in Grenzen, Foto: Nicole Lohrmann

Leider riss die Erfolgsserie der Gütersloher Wanderfalken im Jahr 2016: Das Paar schritt zwar wieder zur Brut und legte mindestens drei Eier, doch schlüpften daraus keine Küken. Ob Störungen zur Brutzeit oder andere Ursachen dafür verantwortlich sind, ist unbekannt. Die beiden Partner leben jedenfalls noch und schauen immer mal wieder nach ihrem Brutplatz, sind aber außerhalb der Brutzeit meist „aushäusig“.

Vogeltod an Glasflächen

Ob in Deutschland, Frankreich oder anderswo: wie viele Vögel pro Jahr beim Aufprall auf Glasflächen umkommen, fällt uns überhaupt nicht auf. Schätzungen gehen europaweit von 240.000 Vogelopfern pro Tag (!) aus. Oftmals lauern Katzen an häufigen Todesstellen ihrer Nahrung direkt auf, sodass wir von dem Drama nur selten etwas bemerken. Dabei steigt die Gefahr für die Vögel durch die immer häufigere Verwendung von Glasflächen in der modernen Architektur.

Wie nimmt ein Vogel die Umwelt wahr?
Vögel orientieren sich sehr stark optisch. Ihre Augen sind gut entwickelt und liegen seitlich am Kopf, was fast zu einem „Rundumblick“ führt. Feinde können so früh erkannt werden. Die räumliche Wahrnehmung ist allerdings eingeschränkt, weshalb die Vögel Glasscheiben nicht als Hindernisse wahrnehmen können.

Was sind die Ursachen für eine Kollision?
Die erste Ursache für eine Kollision ist die Durchsicht. Ein Vogel erblickt durch das Glas Landschaft und Bäume und möchte diese anfliegen. Je größer und je durchsichtiger diese Flächen sind, desto größer ist die Gefahr.
Die zweite Ursache ist die Spiegelung, was bedeutet, dass die Umgebung unterschiedlich stark reflektiert wird. Durch die Spiegelungen von Landschaft wird freier Flugraum vorgetäuscht.

Vogelfreundliche Schutzmaßnahmen
Durchsicht lässt sich schon bei der Planung vermeiden: Es muss darauf geachtet werden, dass keine freie Landschaft hinter der Glasfläche sichtbar ist. Man kann alternatives Material einsetzen, wie z. B. geripptes, mattiertes, sandgestrahltes, geätztes, eingefärbtes oder bedrucktes Glas. Was ebenfalls hilft, sind helle Gardinen. Pflanzen hinter der Scheibe sind dagegen eher negativ.

Greifvogelsilhouetten lösen die Probleme nicht und sind nicht zu empfehlen, weil sie allenfalls als Hindernis wahrgenommen werden und nicht als Feind, dem man großräumig ausweichen muss. Oft gibt es Aufprallstellen direkt neben den Silhouetten an der Glasscheibe. Irritierende Spiegelungen lassen sich vermeiden, indem man keine Spiegelfassaden in Nachbarschaft zu Bäumen oder zur Landschaft, sowie keine Spiegel in der freien Natur anbringt. Beim Kauf von Scheiben empfiehlt sich ein geringer Außenreflexionsgrad von maximal 15 Prozent. Außerdem kann man an den Außenseiten von den Scheiben z.B. Punktraster mit mindestens 25 Prozent Deckungsgrad anbringen. Auch das außenseitige Montieren von Insektenschutzgittern schafft Abhilfe.

Eine neue Lösung zum nachträglichen Schutz an Ihrem Wintergarten oder den Fensterscheiben ist ein Stift, mit UV reflektierenden, für Menschen kaum sichtbaren Markierungen. Hiermit sollten außen auf die Scheibe im Abstand von 10 Zentimeter Streifen aufgetragen werden. Da die Vögel im UV-Bereich sehen können, sind diese Streifen für Vögel gut sichtbar und etwa ein halbes Jahr wirksam. Entsprechend funktionierendes Vogelschutzglas ist vor einigen Jahren ebenfalls entwickelt worden.

Weitere Fragen beantworten Ihnen gerne die Umweltberaterinnen Beate Gahlmann und Gisela Kuhlmann, Telefon 0 52 41 / 82 20 88.
E-Mail: Beate.Gahlmann@guetersloh.de, Gisela.Kuhlmann@guetersloh.de

Eine hilfreiche Infobroschüre halten die Umweltberaterinnen für Sie ebenfalls bereit.

Vogelfütterung - ein sinnvoller Vogelschutz

Vögel füttern, insbesondere die Winterfütterung, ist ein Beitrag zum Vogelschutz.

Im Winter Vögel zu füttern, ist sehr beliebt. Für die Vögel bedeutet die Winterfütterung vor allem einen Ausgleich zum eingeschränkten Nahrungsangebot in einem städtischen Lebensraum. Allerdings sollte sie mit Bedacht durchgeführt werden, da bei unsachgemäßem Füttern der Schaden den Nutzen übersteigt.

Ein Faltblatt der Umweltberatung gibt hierzu hilfreiche Tipps.

Erlenzeisigpaar an einer Futtersäule, Foto: LBV, Dr. A v. Lindeiner
Erlenzeisigpaar an einer Futtersäule, Foto: LBV, Dr. A v. Lindeiner

Die Nahrungsvielfalt einer vom Menschen unberührten Landschaft mit ihren vielfältigen Nahrungsquellen können herkömmliche im Handel angebotene Vogelfuttermischungen nicht bieten. In Notzeiten werden dennoch Futtermischungen von vielen Vögeln angenommen. Die üblichen im Handel angebotenen Produkte enthalten Samen, Nüsse, Fett und getrocknetes Obst. Vögel benötigen gerade im Winter einen höheren Fett- und damit Energiegehalt in Ihrer Nahrung. Samen und Fettfutter sind deshalb besonders geeignet.

Körnermischungen bestehen zu einem überwiegenden Teil aus Sonnenblumenkernen und neben Hanfsaat enthalten sie noch einen kleinen Anteil aus Haferflocken, Nüssen und kleinen Sämereien.

Körner- oder Weichfettfutter wird im Handel als Meisenknödel mit einer Mischung aus Körnern und Fett angeboten. Rezept zur eigenen Herstellung: Der Grundstoff aus ungesalzenem Rinder- oder Hammelteig ist in Schlachtereien erhältlich. Als erstes den Talg erhitzen. Dabei bitte beachten, dass der Schmelzpunkt nicht allzu sehr überschritten wird. So kann ein unangenehmer Geruch verhindert werden. Speiseöl im Verhältnis von 1 zu 5 zugeben, um zu verhindern, dass das Fett zu hart und bröckelig wird. Für Körner- und Allesfresser wie Erlenzeisig, Spatz, Buchfink, Amsel oder Meise wird die doppelte Menge Körnermischung hinzugegeben. Für Weichfresser wie Rotkehlchen, Heckenbraunelle oder Zaunkönig wird der Talg zu einem Verhältnis von 1 zu 1 mit Weizenkleie, Beeren und Haferflocken gemischt. Das erkaltete Futter kann zu Knödeln oder Würsten geformt und aufgehängt werden. Blumentöpfe oder halbe Kokosnussschalen eignen sich auch als Futterspender. Dafür zunächst einen Zweig durch das Bodenloch des Topfes ziehen. Der Zweig sollte dabei etwa 15 Zentimeter unten aus dem Topf ragen, damit sich die Vögel zum fressen daran klammern können. Das obere Ende des Zweiges kann als Befestigung einer Halterung aus Band oder Draht dienen. Bei einer halben Kokosnuss kann entsprechend verfahren werden. Die fertige Futterglocke sollte nun an einen schattigen Platz aufgehängt werden. Die Fettmasse kann auch in Vertiefungen von Futterhölzern oder direkt auf die Rinde von Bäumen gestrichen werden. Da Fett nach einiger Zeit ranzig wird, sollte die hergestellte Futtermenge nur für einen begrenzten Zeitraum verfüttert bzw. gelagert werden.

Bei weiteren Fragen hilft Ihnen
die Umweltberatung der Stadt Gütersloh, Beate Gahlmann und Gisela Kuhlmann,
Friedrich-Ebert-Str. 54, 33330 Gütersloh, Telefon 0 52 41 / 82 20 88,
E-Mail: Beate.Gahlmann@guetersloh.de, Gisela.Kuhlmann@guetersloh.de

Marder im Haus

"Guten Tag, ich bin dein Marder - ich zieh jetzt bei dir ein mit meiner Frau Ricarda." An diese Liedzeile von Reinhard Mey hat sicher auch schon der eine oder andere nach schlafloser Nacht gedacht, als die Ursache nächtlicher Ruhestörung vom eigenen Dachboden geklärt war.

Wenn nachts im Haus irgendetwas kratzt oder schabt, beschleunigt der Puls. Es tritt Angstschweiß auf die Stirn, und an Schlaf ist gar nicht mehr zu denken. Maus oder Einbrecher? Fast alles kommt da in Frage, auch ein Marder. Ein gut 2 Kilogramm schweres Exemplar kann ordentlich Krach machen. Auf dem Dachboden tritt dann der „Brötchentüteneffekt“ ein: Krabbelt in einer Papiertüte eine Fliege, werden die Geräusche enorm verstärkt. Besonders zur Paarungszeit, der Ranzzeit, kann es auf Dachböden oder in Schuppen ganz schön zur Sache gehen: entweder zwischen Februar und März oder von Juli bis August.

Warum zieht der Marder bei uns ein?
Steinbrüche und Felsen sind seine ursprüngliche Heimat. Aber: Der Mensch baut für ihn ein künstliches Felsenmeer. Nichts anderes sind Häuser. Nahrung gibt es in Hülle und Fülle; bis zu 80 Prozent besteht aus Wild- und Gartenfrüchten sowie Mäusen, gelegentlich Ratten.

Wie findet der Marder den Weg ins Haus?
Geschickt nutzen diese Tiere raue Hausfassaden oder benachbarte Bäume, um den Aufstieg zum Dachboden zu schaffen. Dabei sind Sprünge von über 2 Meter Weite und Höhe für sie kein Problem. Ergibt sich eine Lücke, zum Beispiel durch verrutschte Dachziegel, findet der Marder sie. Auf dem Dachboden verraten dann längliche Kotwürste und Futterreste seine Anwesenheit. Vogeleier frisst er gerne, aber er kann sie schlecht öffnen: Wer prüfen will, ob er einen Marder zu Gast hat, bietet ihm ein angeknicktes Ei an. Werden solche Futterangebote mehrfach ausgefressen, hat man wahrscheinlich einen Untermieter.

Steinmarder, Foto: Volker Sandfort
Steinmarder, Foto: Volker Sandfort

Was kann man tun, wenn Familie Marder einmal eingezogen ist?
Über Zeituhren gesteuerte Lampen und Radios beeindrucken die Tiere oft nur kurzfristig. Selbst Fangen und an anderer Stelle Aussetzen hat wenig Aussicht auf Erfolg. Schließlich ist die „Marderwohnung“ das Revierzentrum, und woanders leben Artgenossen, die weder Beute noch Wohnung teilen wollen. Ausgesetzte Tiere sind oft schnell wieder da. Oder: Die frei gewordene Marderwohnung wird von anderen Sippenmitgliedern bezogen. Betroffene haben 2 Möglichkeiten. Entweder finden sie die Einstiegsstelle und dichten diese ab, oder sie arrangieren sich als Tierfreund mit dem Mausefänger. Empfehlenswert ist es, ein Haus im Haus zu bauen: Ein Laufgang aus Brettern (0,30 mal 0,30 mal 2 Meter) führt zum Wohnraum (1 mal 1 mal 2 Meter). Wer diesen Wohnraum auf reichlich Stroh stellt, sorgt für Wärme- und vor allem Schallisolierung. Und kann dann wieder ruhig schlafen.

In schwierigen Fällen berät Sie gerne Volker Sandfort vom Fachbereich Umweltschutz,
Friedrich-Ebert-Str. 54, Telefon 82 20 84,  Volker.Sandfort@guetersloh.de

Anschrift

Stadt Gütersloh
Der Bürgermeister
Berliner Straße 70
33330 Gütersloh

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