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Großer Brachvogel (Numenius arquata)

Das riesige Verbreitungsgebiet des Großen Brachvogels reicht im Westen von Island bis zu den Alpen, im Osten vom Baikalsee und der Mandschurei bis nach Kasachstan und dem Nordrand des innerasiatischen Hochlandes im Südosten.

Großer Brachvogel
Großer Brachvogel, Foto: Andreas Schäfferling

Der krähengroße Große Brachvogel ist etwa 50 bis 60 Zentimeter lang und wiegt zwischen 600 und 1.000 Gramm. Die Flügelspannweite beträgt 80 bis 100 Zentimeter. Kennzeichnend für die Vögel ist der lange und nach unten gekrümmte Schnabel. Das Weibchen ist etwas größer als das Männchen und hat einen deutlich stärker gebogenen und längeren Schnabel (bis knapp 20 Zentimeter). Ansonsten sehen die Geschlechter gleich aus.

Große Brachvögel bevorzugen als Lebensraum feuchte Gebiete mit geringem Grundwasserflurabstand. Besiedelt werden offene Niederungs- und Grünlandgebiete, feuchte Heideflächen, Nieder- und Hochmoore. In jüngerer Zeit kommen auch vermehrt Bruten auf Ackerflächen vor, auch weil die Vögel nach Habitatverschlechterungen ihren Revieren oft treu bleiben. Allerdings sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Brut dann nicht mehr gegeben.

Das Nest ist eine flache Mulde auf nicht zu nassem Untergrund auf dem Boden, die spärlich mit altem (getrockneten) Gras oder Moos aus der nächsten Umgebung ausgepolstert wird. Die Brutperiode beginnt Ende April bis Anfang Mai. Das Gelege besteht in der Regel aus 4 Eiern, die gewöhnlich im Abstand von 2 Tagen gelegt werden. Beide Elternvögel brüten, das Männchen aber gewöhnlich weit weniger als das Weibchen. Nach 26 bis 36 Tagen schlüpfen die Jungen.

Die Küken sind Nestflüchter, die das Nest verlassen, sobald die Daunen völlig getrocknet sind. Sie werden in den ersten Lebenstagen von beiden Elternvögeln geführt, später führt sie nur das Männchen. Die Jungvögel sind in der Zeit des Heranwachsens auf lockere, nicht zu hohe Vegetation angewiesen, da sie sich in zu dichtem Gras nicht vorwärts bewegen können und dann verhungern. Bei der Geburt haben die Jungvögel im Gegensatz zu ihren Eltern noch einen geraden Schnabel. Mit etwa 5 bis 6 Wochen sind sie flügge, in dieser Zeit setzt auch die Krümmung des Schnabels ein.

Nahrung
Große Brachvögel fressen Insekten, Würmer und Schnecken, die sie mit ihrem langen Schnabel auf dem Boden stochernd suchen. Der Schnabel dient auch als Pinzette, um Schnecken und Muscheln aus ihren Schalen zu holen. Die Vögel orten ihre Beute visuell und mit dem Tastsinn. Sie sondieren den Schlamm im Vorwärtsschreiten wiederholt in geringer Tiefe. Orten sie ein Beutetier, wird dieses durch tiefere Stocherbewegungen gepackt. Sie werden dann unter Kopf- und Halswendungen aus dem Boden gezogen. Beutetiere, die sich auf der Oberfläche befinden, werden häufig in kurzen Spurts erjagt.

Bestände und Bedrohung
Der europäische Gesamtbestand wird zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf 220.000 bis 360.000 Brutpaare geschätzt, davon jedoch nur 11.000 bis 13.000 Brutpaare in Mitteleuropa.

Während der Große Brachvogel auf der Roten Liste Deutschlands bereits als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft ist, gelten die Bestände nach der Roten Liste NRW (2011) „nur“ als stark gefährdet. Bereits seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind die Bestände als Folge der Zerstörung von Lebensräumen rückläufig. Der fortschreitende Verlust an Grünlandflächen sowie eine nur unzureichende Reproduktion führen zu einer weiteren Bedrohung.

Auch im Kreis Gütersloh sind einstmals besiedelte Gebiete heute verwaist. Bis Mitte der 1990er Jahre waren starke Bestandseinbrüche zu verzeichnen. Erst in den letzten Jahren ist eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau festzustellen. Im Rahmen einer kreisweiten Erfassung durch die Biologische Station Gütersloh/Bielefeld e.V. konnten 2012 nur noch 58 Paare gezählt werden – 10 weniger als bei der Bestandsaufnahme 2009 und 30 Prozent weniger als 1990. Während die Zahl der in den Naturschutzgebieten brütenden Paare in dieser Zeit deutlich zugenommen hat, verschwindet die Art aus den Regionen, die lediglich einen Status als Landschaftsschutzgebiet haben (Konzentrationseffekt). 83 Prozent aller Paare brüteten 2012 in Naturschutzgebieten. Allerdings reicht die Kapazität dieser Schutzgebiete nicht aus, um den Rückgang der Gesamtpopulation auszugleichen.

In der Stadt Gütersloh kommt der Große Brachvogel als Brutvogel nur noch in den Naturschutzgebieten „Lichtebach“ und „Große Wiese“ vor. Neuerdings kommen zusätzlich bis zu vier Paare auf dem Flughafengelände hinzu, wohin sie vermutlich aus unbrauchbar gewordenen Revieren ausgewandert sind.

Der Große Brachvogel gilt als eine der Arten, die vom Klimawandel besonders betroffen sein werden. Nach einer Untersuchung, die u.a. von der britischen Umweltbehörde in Auftrag gegeben wurde, geht man davon aus, dass das Verbreitungsgebiet des Großen Brachvogels bis zum Ende des 21. Jahrhunderts um mehr als vierzig Prozent schrumpfen und sich weiter nach Norden verschieben wird.

Schutzmaßnahmen
Infolge des Strukturwandels in der Landwirtschaft ist auch in Zukunft mit einer weiteren Abnahme der Milchviehwirtschaft und damit der Grünlandnutzung zu rechnen. Auch die Intensivierung der Grünlandnutzung, verbunden mit frühen und häufigeren Schnitten sowie entsprechenden Düngergaben, vernichtet traditionelle Brachvogelreviere. Es kommt daher vor allen Dingen darauf an, die noch vorhandenen Lebensräume und Brutreviere zu erhalten bzw. zu optimieren. Das Kulturlandschaftsprogramm des Kreises mit der Möglichkeit eines freiwilligen Vertragsabschlusses von Extensivierungsverträgen (reduzierte Düngung, späte Mahd) ist dabei ein wichtiges Instrument. Durch die Anlage von flachen Wiesenblänken kann zudem die Attraktivität eines Gebietes für den Brachvogel gesteigert werden. Negativ wirken sich Maßnahmen aus, die den Lebensraum verkleinern oder zerschneiden (Bebauung, Windenergieanlagen, Straßenbau, Gehölzpflanzungen) sowie Störungen durch Freizeitaktivitäten (Modellflug, Hunde, Querfeldeinspaziergänger).

Die Biologische Station Gütersloh/Bielefeld beobachtet alljährlich intensiv die Brutreviere und ermittelt und markiert bei Bedarf und in Absprache mit den Landwirten die Neststandorte, um sie bei der Bewirtschaftung vor der Zerstörung zu bewahren. Dennoch ist der Bruterfolg vor allem in trockenen und mäusearmen Jahren sehr gering, da dann vor allem Raubsäuger (z.B. Füchse) einen erheblichen Aderlass verursachen.

Sonstiges
Der Große Brachvogel war 1982 Vogel des Jahres.


Quellen:

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Brachvogel
  • http://www.biostation-gt-bi.de/artenschutz/index.php?page=1&category=1&id=122
  • Biologische Station Gütersloh/Bielefeld e.V. (2013): Wiesenvogelkartierung 2012 im Kreis Gütersloh und der Stadt Bielefeld, unveröffentlichtes Manuskript
  • Rote Liste der gefährdeten Pflanzen, Pilze und Tiere in Nordrhein-Westfalen, 4. Fassung, Band 2, LANUV-Fachbericht 36, 2011
  • Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens, Grüneberg,C., S.R. Sudmann et al., 2013, Nordrhein-Westfälische Ornithologengeselschaft e.V. und Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz NRW (Hrsg.), LWL-Museum für Naturkunde, Münster

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