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Grünspecht (Picus viridis)

Ausgenommen in Irland und im Norden Skandinaviens und Russlands ist der Grünspecht in ganz Europa heimisch. Auch in Teilen des Nahen und Mittleren Ostens ist diese Art anzutreffen.

Grünspecht
Grünspecht, Foto: Adobe Stock

Als Lebensraum bevorzugt er halboffene Landschaften mit Altholzbeständen, Waldränder und Streuobstwiesen. Er kann aber auch in Parks und großen Gärten mit Baumbestand angetroffen werden. In großen Nadelholzwäldern findet man ihn selten oder gar nicht. Die Vögel sind innerhalb ihrer großen, bis mehrere Quadratkilometer umfassenden Reviere weitgehend standorttreu, lediglich im Winter streifen sie auf der Suche nach Nahrung weiter umher.

Grünspechte können bis zu 32 Zentimeter lang werden und eine Flügelspannweite von bis zu 52 Zentimeter erreichen. Die Balzzeit beginnt bereits im Dezember und erreicht im Januar/Februar ihren Höhepunkt. Wahrscheinlich bilden sie Saisonehen, mehrjährige Beziehungen sind aber auch nicht ausgeschlossen. Als Nisthöhlen dienen ihnen verlassene Brut- und Überwinterungshöhlen anderer Spechte, aber auch eigene Überwinterungshöhlen. Alte Bäume mit nicht zu hartem Holz sind für den Grünspecht lebenswichtig. Nur in ausreichend dicken Bäumen mit weichen Stellen kann er seine Höhlen anlegen. Zwischen Anfang April und Mitte Mai legt das Weibchen kurz nach der Paarung 5 bis 8 Eier, die etwa 14 bis 17 Tage bebrütet werden. Die Jungvögel werden von beiden Eltern versorgt. Nach 3 bis 4 Wochen verlassen sie die Bruthöhle, allerdings kann es bei bis zu 15 Wochen alten Jungspechten noch einen lockeren Kontakt zu den Eltern geben. Im Regelfall erfolgt nur eine Brut pro Jahr. Nur wenn das erste Gelege keine Nachkommen ergibt, kann es bis zu zwei Nachbruten geben.

Nahrung
Seine Nahrung findet der Grünspecht fast ausschließlich am Boden. Hier hat er sich insbesondere auf Ameisen spezialisiert. Dabei bohrt der Grünspecht mit seinem langen Schnabel zunächst mehrere Zentimeter tiefe Löcher. Ausgehend von diesen Löchern sondiert er im Erdreich mit seiner 10 Zentimeter langen, mit Widerhäkchen besetzten Zunge nach Beute. Selbst unter Schneelagen finden Grünspechte auf diese Weise Nahrung, leiden aber bei gefrorenem Boden. Vor allem im Winter suchen sie daher auch Felswände, Dächer und Hauswände auf, um in offenen Spalten nach Fliegen, Mücken und Spinnen zu suchen. Würmer und weitere Wirbellose sind dagegen nur selten Teil der Ernährung. Gelegentlich fressen Grünspechte auch Beeren und Obst wie Kirschen, Äpfel oder Trauben.

Bestände und Bedrohung
Nach einem massiven Bestandsrückgang in den 60er bis 80er Jahren des 20. Jahrhunderts haben sich die Bestände vor allem in den letzten 15 Jahren wieder deutlich erholt. Dabei haben die Grünspechte vor allem von den relativ milden Wintern in der jüngeren Vergangenheit profitiert. Die Art wird derzeit als nicht gefährdet eingestuft, zählt aber gleichwohl nach der Bundesartenschutzverordnung zu den streng geschützten Arten. Bei einem Ausbleiben strenger Winter und einem ausreichenden Angebot an ameisenreichen Flächen wird auch die weitere Entwicklung als positiv eingeschätzt. Im Zeitraum 2005 bis 2009 hat es in NRW 6.500 bis 11.000 Reviere gegeben. Deutschlandweit wurden im gleichen Zeitraum 42.000 bis 76.000 Brutpaare ermittelt. Allerdings sind die Bestände des Grünspechts zwischen 2009 und 2011 wieder um 17 Prozent zurückgegangen.

Auch im Kreis Gütersloh ist der Grünspecht ganzjährig anzutreffen und kann wieder im gesamten Kreisgebiet beobachtet werden, nachdem er bis zu Beginn der 1990er Jahre extrem selten war. Die Art hat hier etwa seit dem Jahr 2000 deutlich zugenommen und zwischenzeitlich verlassene Gebiete wieder besiedelt. Beispielsweise traten in elf untersuchten Feuchtwiesenschutzgebieten des Kreises Gütersloh Grünspechte erstmals wieder 1996 auf, nahmen dann bis zum Jahr 2006 kontinuierlich auf 12 besetzte Reviere zu und breiteten sich auch wieder im Umfeld der Schutzgebiete aus (Püchel-Wieling 2007).

Die wichtigsten Revierrequisiten des Grünspechts sind (ameisenreiches) Grünland und Altbäume, deren Rückgang einer weiteren Ausbreitung der Art entgegenstehen könnte: „Durch eine verstärkte Brennholzgewinnung in Wäldern und Feldgehölzen, vor allem durch Einschlag von Alt- und Totholz, kommt es zu einem Verlust von geeigneten Höhlenbäumen. Die Brutmöglichkeiten werden so verschlechtert. Durch den Wegfall von Brachen und einer zunehmend intensiveren Landnutzung (Umbruch von Grünland zu Ackerland, Verlust von Säumen und Wegstrukturen) gehen Nahrungsflächen verloren, die reich an Ameisen sind. In den Siedlungen nehmen Obstwiesen und große Gärten mit altem Baumbestand ab.“ (Artenschutzhandbuch Kreis Gütersloh)

Grünspecht mit ausgestreckter Zunge
Zunge eines Grünspechts, Urheber: Adobe Stock

Schutzmaßnahmen
„Um die Nahrungsmöglichkeiten für den Grünspecht zu verbessern, gilt es wichtige Landschaftselemente und extensive Nutzungen zu erhalten oder wieder herzustellen. Hierzu gehört die Förderung von extensiv genutztem Dauergrünland, insbesondere auch von Streuobstwiesen. In Stadt und Siedlungsnähe spielen auch naturnah gestaltete Gärten und Parkanlagen mit altem Baumbestand eine große Rolle. Viele Kleinstrukturen, wie besonnte Waldränder und Lichtungen sowie artenreiche Böschungen, Weg- und Grabenränder sind entscheidend für das Nahrungsangebot an Ameisen und anderen Insekten. Wichtig ist auch ein gutes Angebot an potenziellen Höhlenbäumen, was durch eine Förderung von Altholzinseln im Wald und in Feldgehölzen erreicht wird. Gerade zur Brutzeit sollten diese Bereiche durch Hinweise, Absperrungen oder Schließen von Trampelpfaden möglichst ruhig gehalten werden.“ (Artenschutzhandbuch Kreis Gütersloh)

Sonstiges
Der Grünspecht war 2014 Vogel des Jahres.

Quellen:

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