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Mehlschwalbe (Delichon urbicum)

Das Verbreitungsgebiet der Mehlschwalbe erstreckt sich über fast ganz Europa, die nicht tropischen Teile Asiens und das nordwestliche Afrika. Die europäischen Populationen zählen zu den sogenannten Langstreckenziehern, deren Überwinterungsgebiete sich nahezu über den gesamten afrikanischen Kontinent südlich der Sahara erstrecken.

Mehlschwalbe, Foto: Andreas Schäfferling
Mehlschwalbe, Foto: Andreas Schäfferling

Der Wegzug in die Überwinterungsgebiete erfolgt in Mitteleuropa zwischen Ende August und Anfang Oktober. Die Rückkehr in die Brutgebiete erfolgt in den Monaten April und Mai. Dabei zeigen die Tiere eine hohe Treue gegenüber ihrem Geburtsort, an den sie nach der Überwinterung regelmäßig zurückkehren. Seit der Antike gelten sie als Glücksbringer: Wo die Schwalbe ihr Nest baut, soll sie den Bewohnern des Hauses Glück und Frieden bringen. Außerdem gelten sie als Frühlingsboten, die den Menschen über den Sommer begleiten.
Charakteristisches Merkmal ist der weiße Bürzel (die hintere obere Rückenpartie bzw. die Befiederung in diesem Bereich), den keine andere europäische Schwalbenart hat.
Mehlschwalben haben sich vom ursprünglichen Felsenbrüter zum strikten Kulturfolger entwickelt und zeigen eine starke Bindung an menschliche Siedlungen. Sie sind ausgesprochene Koloniebrüter. Eine Kolonie umfasst meist vier bis fünf Nester, kann aber auch deutlich größer sein.
Ihr Lehmnest kleben sie an senkrechte Wände unter natürlichen oder künstlichen Überhängen, zum Beispiel unter Dachtraufen, Brücken oder Toreinfahrten. Bereits vorhandene Nester werden bevorzugt besiedelt. Am Nestbau sind beide Eltern beteiligt. Als Baumaterial wird vor allem feuchte, lehmige Erde benötigt, die an Gewässerufern oder Pfützen aufgenommen wird.
Der Brutzeitraum erstreckt sich über die Monate Mai bis August. Es erfolgen ein bis zwei, in Ausnahmefällen drei Jahresbruten. Ein Gelege enthält vier bis fünf Eier. Die Brutzeit dauert zwischen 12 und 16 Tagen. Die Jungen sind nach rund 30 Tagen flügge. Ausgeflogene Jungvögel bleiben zunächst in der Nähe des Nestes und werden von den Eltern noch bis zu einer Woche gefüttert.

Nahrung
Mehlschwalben sind reine Insektenfresser, die in der Luft ihre Beute erjagen. Die Nahrungszusammensetzung wird vom Angebot bestimmt. Überwiegend werden Fliegen, Mücken und Blattläuse erbeutet. In geringem Umfang gehören Wasserinsekten zum Nahrungsspektrum. Darüber hinaus werden auch Käfer, Schmetterlinge und Webspinnen gefressen.
Vorüberfliegende Insekten werden meist von unten her erjagt, indem die Mehlschwalben mit schnellem Flügelschlag nach oben schießen und das Insekt mit dem Schnabel packen. Sofern die Mehlschwalben keine Jungen mit Nahrung versorgen müssen, schlucken sie die gefangenen Insekten sofort hinunter. Versorgen sie Nestlinge, sammeln sie die erjagten Insekten in ihrem Kehlsack.

Bestände und Bedrohung
Die europäische Population wird auf 20 bis 48 Millionen Individuen geschätzt, wobei der Bestand starken Schwankungen unterworfen ist. In den 1990er Jahren lag der Brutbestand in NRW bei etwa 90.000 Paaren. Dagegen wurden im Zeitraum 2005 bis 2009 nur noch 36.000 bis 68.000 Brutpaare erfasst. Dies entspricht einem Rückgang von rund 45 %. Obwohl die Mehlschwalbe in NRW noch flächendeckend verbreitet ist, ist die Siedlungsdichte als gering einzustufen. Stand die Mehlschwalbe in der Roten Liste für NRW im Jahr 1997 „nur“ auf der Vorwarnliste, ist sie in der Roten Liste 2011 als gefährdete Art eingestuft. Der Bestand der Mehlschwalbe in Gütersloh beträgt knapp 300 Brutpaare (Datenerhebung 2012 durch einen ehrenamtlichen Arbeitskreis unter Anleitung der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld und des städtischen Umweltamtes).
Ursächlich für den anhaltend negativen Bestandstrend ist der Verlust von Brutmöglichkeiten durch glatte Fassaden bei Neubauten oder nach Renovierungen. Teilweise werden die Nester auch mutwillig zerstört, obgleich dies zu jeder Jahreszeit gesetzlich verboten ist. Weitere Ursachen sind ein Mangel an lehmigem Nistmaterial (z.B. durch Flächenversiegelung) sowie Nahrungsmangel durch intensivere Flächennutzung und Pestizideinsatz in der Landwirtschaft und damit einhergehender Abnahme fliegender Kleininsekten.

Mehlschwalbe am Nest, Foto: Andreas Schäfferling
Mehlschwalbe am Nest, Foto: Andreas Schäfferling

Schutzmaßnahmen
Als wichtigste Maßnahmen sind der Erhalt und die Neuschaffung von geeigneten Brutplätzen zu sehen. Die im Handel erhältlichen Kunstnester werden von Mehlschwalben gerne angenommen, sofern noch in der weiteren Umgebung Mehlschwalben nisten. Zum Schutz der Gebäudefassade vor Verschmutzung können sogenannte Kotbretter unter den Nestern angebracht werden. Die Bretter sollten dabei in einem Abstand von etwa 50 cm unterhalb des Nestes montiert werden.
Darüber hinaus hilft das Anlegen kleiner Lehmpfützen den Mehlschwalben bei der Suche nach geeignetem Nistmaterial. Solche Lehmpfützen oder -schalen sollten von Mai bis September ständig nass gehalten und auf möglichst offener Fläche angelegt bzw. aufgestellt werden, um Raubfeinden (z.B. Katzen) kein Versteck zu bieten.
Eine weitere wichtige Schutzmaßnahme ist die Beratung/Motivationsförderung der Hausbewohner/ -besitzer für die Erhaltung bestehender Nester.
Seit 2011 führt die Biologische Station Gütersloh / Bielefeld ein Schwalbenprojekt durch. Es werden Nisthilfen bereitgestellt und angebracht sowie Informationen zur Biologie und Hilfsmaßnahmen zu Mehl- und Rauchschwalbe zusammengestellt. Kunstnester als Doppelnester werden auch vom Fachbereich Umweltschutz der Stadt und der Umweltstiftung Gütersloh zur Verfügung gestellt.

Sonstiges
Die Mehlschwalbe war 1974 Vogel des Jahres.

Quellen:

Kontakt und Informationen

Frau Sonja Wolters
Umweltschutz
Fachbereichsleiterin

Rathaus Haus III1. ObergeschossRaumnummer161
Tel+49 5241 / 82-2086
Fax+49 5241 / 82-3392
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