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Schleiereule (Tyto alba)

Die Schleiereule besiedelt die gemäßigten, subtropischen und tropischen Zonen von Afrika, Europa, Australien, Süd- und Nordamerika sowie den Süden Asiens. Sie zählt mit ihren mehr als 30 Unterarten zu den am weitesten verbreiteten Vogelarten. Lediglich in tropischen Regenwäldern und in Wüstenregionen fehlt die Art.

Schleiereule
Schleiereule, Urheber: Adobe Stock

In Europa und Nordamerika liegt die nördliche Verbreitungsgrenze in Gebieten mit einer Jahresdurchschnittstemperatur zwischen sechs und acht Grad Celsius. In Mitteleuropa ist sie ein verbreiteter Brutvogel, der vor allem in baumarmen Siedlungsgebieten im Tiefland vorkommt.
Schleiereulen gehören schon seit dem Mittelalter zu den Kulturfolgern. Bevorzugte Nistplätze findet man in Scheunen, Ställen und Kirchtürmen. Seltener werden Baumhöhen besiedelt.
In Mitteleuropa leben Schleiereulen fast ausschließlich in der offenen Agrarlandschaft mit dörflichen Siedlungen. Die nachtaktiven Vögel verharren während der Ruhezeit am Tage in Scheunen, Baumhöhlen oder Felsspalten. Da die Tiere sehr standorttreu sind und auch im Winter mit längeren Schneephasen ihr Revier nicht verlassen, kann dies auf Grund von Nahrungsmangel zu starken Populationseinbrüchen bis hin zu einem regionalen Aussterben führen.
Die Balzzeit beginnt – anhängig vom Nahrungsangebot - zwischen Februar und April. Im Abstand von etwa zwei Tagen legt das Weibchen drei bis zwölf Eier, die etwa 30 bis 34 Tage bebrütet werden. Bei sehr gutem Nahrungsangebot in sogenannten „Mäusejahren“ (Jahre mit Massenvermehrung vor allem der Feldmaus) erfolgt auch eine Zweitbrut. Die Nestlingszeit dauert etwa 60 bis 70 Tage. Die Jungvögel wandern im Herbst ab, siedeln sich aber überwiegend innerhalb eines Radius von 50 km um den Geburtsort wieder an. Teilweise werden aber auch zwischen Geburtsort und Neuansiedlung große Distanzen überwunden. Zu sehr starken Wanderungsbewegungen kommt es immer dann, wenn sehr hohe Schleiereulen-Bestände mit einem Zusammenbruch der Feldmaus-Population zusammentreffen. In Jahren, in denen sich Feldmäuse sehr stark vermehren, siedeln sich die Jungvögel in nächster Nähe zu den Elterntieren an. In Jahren mit einem nur geringen Nahrungsangebot kommt es bei bis zu 60% der Altvögel zu keiner Brut. In guten Mäusejahren kann es wiederum bis zu drei verschachtelte Bruten pro Saison geben.

Nahrung
Die Schleiereule macht in der Dämmerung und nachts vor allem Jagd auf kleine Säugetiere. In Europa besteht die Beute vor allem aus Wühlmäusen, Echten Mäusen und Spitzmäusen.
Bei ungünstigen Wetterbedingungen sowie während der Jungenaufzucht dehnt sie ihre Jagdzeit auch auf den Tag aus. Regional spielen auch Fledermäuse, Ratten und kleine Kaninchen, Vögel, Reptilien, Frösche und Insekten eine mehr oder weniger bedeutende Rolle bei der Ernährung.
Als Jäger von Mäusen und Ratten wird die Schleiereule vielerorts in Mitteleuropa von Landwirten geschätzt.


Bestände und Bedrohung
Der weltweite Bestand der Schleiereule wird auf etwa 4,9 Millionen Tiere geschätzt. Davon leben in Deutschland etwa 11.000 bis 17.000 Paare. Ungefähr ein Fünftel des deutschen Brutbestands lebt in NRW. Infolge der schneereichen Winter 1962/63 und 1978/79 erlitt die Art sehr hohe Verluste. Danach hatten sich die Bestände wieder erholt. In einer Bestandshochrechnung für 2007 wurden 3.900 Reviere in NRW angegeben. Im Zeitraum 2005 bis 2009 wurde eine weitere Bestandszunahme mit 3.400 bis 5.500 Reviere dokumentiert. In den schneereichen Wintern 2009/2010 und 2010/2011 verendeten wieder viele Schleiereulen, sodass der Bestand aktuell wieder deutlich abgenommen hat. Dank der folgenden milden Winter zeigt der kurzfristige Bestandstrend wieder nach oben. Vor allem auch durch eingeleitete Schutzmaßnahmen gilt der Bestand der Schleiereule nach der Roten Liste von NRW (2011) derzeit als nicht gefährdet.
Außerhalb der waldreichen Regionen wird die Landschaft im Kreis Gütersloh noch flächendeckend besiedelt. Genaue Bestandszahlen liegen allerdings nicht vor, aber in der Regel dürfte die Schleiereule die häufigste Eulenart in Gütersloh sein und auf vielen Höfen siedeln - wenn sie nicht gerade unter wetterbedingten Verlusten leidet.
Gefährdungen drohen der Schleiereule vor allem durch die Intensivierung der Landwirtschaft. Bei den heute üblichen Methoden der Ackerbewirtschaftung wird das Stroh sehr kurz nach der Ernte von den Feldern geräumt und das Stoppelfeld umgepflügt. Größere Feldmausdichten werden auf diese Weise verhindert. Auch die Erweiterung der Städte hat dazu geführt, dass Streuobstwiesen, Bauerngärten und Hecken, die einen fließenden Übergang von Städten zur Feldflur darstellten, heute nur noch selten zu finden sind. Hinzu kommt der Strukturwandel in der Landwirtschaft, der zur Aufgabe vieler Höfe geführt hat, die anschließend umgenutzt und umgebaut wurden und als Eulenbrutplatz entfallen sind. Ferner wurden viele als Brutplatz genutzten Kirchtürme und Dachböden vergittert bzw. verschlossen. Hier hat jedoch seit den 1970er Jahren eine Umkehr stattgefunden, indem viele Kirchtürme wieder schleiereulentauglich hergerichtet wurden.
Durch das immer dichter werdende Straßennetz werden Schleiereulen auch zunehmend zu Straßenverkehrsopern. Vereinzelt treten auch Verluste durch den Einsatz von Rodentiziden (Gifte zur Mäusebekämpfung) auf.

Schutzmaßnahmen
Eine wichtige Maßnahme ist der Erhalt oder die Neuschaffung von Nistplätzen. Dafür können zum einen Scheunen, Dachböden und Kirchtürme geöffnet oder aber auch Nistkästen aufgehängt werden.
Solche Brutkästen kann man selbst bauen oder als Bausatz kaufen. Die Kisten bestehen aus 20 mm dicken Spanplatten oder Brettern und sind mit den Außenbaumaßen von etwa 120 x 60 x 60 cm entsprechend schwer, brauchen also eine stabile Unterlage. Einmal stabil montiert, benötigen diese Kästen keine Pflege, da die alten Gewölle als Nistunterlage dienen und nicht entfernt werden sollten. Eine Bauanleitung bieten z.B. die Internetseiten des NABU.
Im Jahr 2009 wurden in Gütersloh mit finanzieller Unterstützung durch die Umweltstiftung insgesamt 15 Nistkästen für Schleiereulen von ehrenamtlich tätigen Naturschützern aufgehängt.
Mit diesen Maßnahmen kann allerdings der Verlust an Lebensräumen nicht kompensiert werden. Zur Sicherung einer nahrungsreichen Kulturlandschaft müssen daher zusätzlich extensiv genutzte Viehweiden, Streuobstwiesen und Brachen erhalten werden. Durch eine Reduzierung der Düngung und des Einsatzes von Bioziden lässt sich das Nahrungsangebot verbessern. Auf Rodentizide sollte gänzlich verzichtet werden, zumal Mäusegradationen dadurch nicht gänzlich unterbunden werden können und diese ohnehin von selbst wieder zusammenbrechen. Von Mäusen als Nahrungsgrundlage hängen sehr viele Raubtiere und Greifvögel unserer Landschaft ab, die durch den Einsatz von Mäusegiften gefährdet werden können und für deren Bestandserhaltung regelmäßige „gute“ Mäusejahre enorm wichtig sind. Störungen der Nistplätze während der Brutzeit sollten vermieden, ungesicherte Strommasten und –leitungen entschärft werden.

Sonstiges

Die Schleiereule war 1977 Vogel des Jahres.

Quellen:

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