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Wasseramsel (Cinclus cinclus)

Im Gegensatz zu den meisten anderen Vogelarten hat die Wasseramsel kein geschlossenes Verbreitungsgebiet; insbesondere im Tiefland fallen größere Verbreitungslücken auf, weil die Art hier keine geeigneten Wasserläufe findet. Die nachfolgende Abbildung gibt dies am besten wieder.

Die Brutverbreitung der Wasseramsel ist eng an klare, strömungs- und sauerstoffreiche Fließgewässer gebunden; weite Teile ihres Verbreitungsgebietes teilt sie mit der Gebirgsstelze. In manchen Regionen ist sie ein sehr seltener Brutvogel, kann aber bei günstigen Lebensbedingungen recht hohe Siedlungsdichten erreichen. Voraussetzung für eine Ansiedlung ist, dass das Gewässer einen steinigen oder kiesigen Untergrund aufweist und ganzjährig fließendes Wasser führt. Dabei sollten einige Steine als Sitzwarte aus dem Gewässer herausragen. Ferner muss das Gewässer eine zumindest in Abschnitten dicht bebuschte Ufervegetation aufweisen.
Die in Deutschland lebenden Wasseramseln zählen zu den Standvögeln, die auch in strengen Wintern in ihren Revieren verbleiben. Erst wenn das besiedelte Gewässer zufriert, beginnen die Tiere abzuwandern.
Geeignete Nistplätze sind in den Bruthabitaten der Wasseramsel meist rar. Deshalb wird ein einmal gewählter Neststandort auch nach verloren gegangenen Bruten oft beharrlich beibehalten. Die Standorte der Nester liegen immer unmittelbar am Wasser, man findet sie oft in Halbhöhlen oder Nischen im Uferbereich, an Brücken oder Gebäuden. Auch künstliche Nisthilfen werden gerne angenommen.
In Mitteleuropa beginnt die Legeperiode Mitte Februar und endet Mitte Juni. Ein Gelege besteht meist aus vier bis sechs Eiern, die durchschnittlich 16 Tage bebrütet werden. Etwa 24 Tage nach dem Schlüpfen verlassen die Jungen das Nest, werden aber noch für weitere zehn bis 14 Tage von den Eltern betreut, bevor sie endgültig abwandern. Im Regelfall erfolgen zwei Jahresbruten.

Wasseramsel, Foto: Dr. Rudolf Lammers
Wasseramsel, Foto: Dr. Rudolf Lammers

Nahrung
Wasseramseln ernähren sich ausschließlich von tierischer Nahrung. Zu den Beutetieren gehören vor allem die für schnellfließende Gewässer typischen Insektenarten, wie die Larven der Köcherfliegen, Eintagsfliegen und der Kriebelmücken. Darüber hinaus werden auch die Larven von Schnaken und verschiedenen Wasserkäfern verzehrt. Gelegentlich werden auch kleine Fische sowie an Land lebende Käfer, Ameisen und Spinnen erbeutet. Die Nahrung der Jungtiere besteht zu Beginn fast ausschließlich aus Larven von Eintagsfliegen; später überwiegen Larven von Köcherfliegen.

Die Nahrungstiere werden nahezu ausschließlich unter Wasser gefangen. Der Vogel taucht dazu selbst in reißender Strömung, wendet auf der Bachsohle Steinchen, um die darunter sitzenden Larven zu erwischen, und ist an diese außergewöhnliche Lebensweise hervorragend angepasst.

Bestände und Bedrohung
Die Bestände der Wasseramsel insgesamt sind derzeit nicht gefährdet und scheinen teilweise auf hohem Niveau stabil zu sein. In Deutschland gilt der Bestand seit Mitte der 80er Jahre als stabil. Auch nach der Roten Liste für NRW (2011) gilt die Art als nicht gefährdet. Der Landesbestand wurde 2011 mit 1.600 bis 2.500 Revieren angegeben. Dennoch ist dies rund ein Sechstel weniger als in den 1990er Jahren. Im Übrigen müssen diese Zahlen vor dem Hintergrund, dass es bereits in den 1950er und 1960er Jahren zu erheblichen Bestandseinbrüchen infolge von Uferverbauungen, Flussbegradigungen und anderen wasserbaulichen Maßnahmen sowie Abwasserbelastungen kam, bewertet werden. Wie beim Eisvogel kann es in strengen Wintern zu Bestandseinbrüchen kommen, wenn die Nahrungsreviere für längere Zeit einfrieren.

Im Kreis Gütersloh sind nur wenige regelmäßige Vorkommen der Wasseramsel bekannt. Die Art befindet sich hier am Rande ihres natürlichen Verbreitungsgebietes, da ihr die flachen Tieflandbäche keine geeigneten Strukturen mehr bieten. Außerdem eignen sich kleinere, im Sommer austrocknende Bäche nicht als Lebensraum, weil sie kaum Nahrung bieten. Ein Brutvorkommen befindet sich mindestens seit 2009 an der Dalke im Bereich des Naturschutzgebietes „Große Wiese“. Weitere Nachweise der Wasseramsel gelangen an der Wapel, am Ölbach und am Laibach (Tatenhauser Wald), ohne dass dort konkrete Brutnachweise vorlägen.

Obwohl sich die Lebensräume der Wasseramsel seit den 1990er Jahren durch Verbesserungen der Wasserqualität und durch Renaturierungsmaßnahmen an vielen Gewässern wieder deutlich verbessert haben, kommt es dennoch zu lokalen Bestandsrückgängen, deren Ursachen noch ungeklärt sind. Möglich wäre u.a., dass über einen Rückgang der organischen Stoffe die Biomasse der Nahrungsorganismen abnimmt. Die Verschlammung der Gewässersohle z.B. durch Erosion von Ackererde kann eine Ursache für den Rückgang der Nahrungstiere sein. Auch der Eintrag bestimmter Schadstoffe wie etwa Phthalate, die im Verdacht stehen, Fertilitätsstörungen zu verursachen, wird diskutiert. Insgesamt besteht hier aber noch weiterer Forschungsbedarf.

Schutzmaßnahmen
Als mögliche Schutzmaßnahmen gibt das Artenschutzhandbuch für den Kreis Gütersloh dazu folgende Empfehlungen: „Wichtig sind der Erhalt und die Wiederherstellung naturnaher Bachläufe. Die Wasserqualität der Fließgewässer sollte durch eine Verringerung der Schadstoffeinträge durch Industrie und Landwirtschaft weiter verbessert werden. Die Anlage von Gewässerrandstreifen an Ackerflächen kann hier einen wichtigen Beitrag leisten. Bei der Renaturierung von Gewässern mit ausreichender Fließgeschwindigkeit können Sohlgleiten aus Steinschüttungen interessante Bereiche zur Nahrungssuche von Wasseramseln sein. Das Anbringen von Nisthilfen oder der Einbau von Niststeinen in neue und alte Brücken ist für eine Ansiedlung der Wasseramsel ebenfalls von großer Bedeutung.“
Mit den umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen seit den 1990er Jahren an der Dalke, die in den kommenden Jahren auch an anderen Gewässern in Gütersloh fortgesetzt werden, konnte ein Teil der vorgenannten Empfehlungen in Gütersloh umgesetzt werden. Darüber hinaus wurden an zahlreichen Gewässerbrücken künstliche Nisthilfen angebracht, die auch von der Gebirgsstelze und anderen an Bächen lebenden Nischenbrütern gerne angenommen werden (z.B. Bachstelze, Zaunkönig, Rotkehlchen).


Quellen:

Kontakt und Informationen

Frau Sonja Wolters
Umweltschutz
Fachbereichsleiterin

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