Zum Inhalt (Access key c)Zur Hauptnavigation (Access key h)Zur Unternavigation (Access key u)

Station 18: Kläranlage Putzhagen

Die Kläranlage kann nach vorheriger Anmeldung von Schulklassen und anderen Besuchergruppen besichtigt werden. Für die Vereinbarung eines Besichtigungstermins steht Ihnen Abwassermeister Maximilian Menke unter der Telefon-Nr. 82-3301 zur Verfügung.

Kläranlage Putzhagen, Luftbild 2009
Kläranlage Putzhagen, Luftbild 2009

Die Kläranlage liegt an der gleichnamigen Straße „Putzhagen“. Für Fußgänger und Radfahrer ist sie in westlicher Richtung stadtauswärts über die Dalkepromenade erreichbar. An der Straße Putzhagen geht es links ab und nach circa 150 Meter erreicht man die Kläranlage. Besuchergruppen, die mit dem PKW oder Bus ankommen, fahren über die Herzebrocker Straße und biegen am Ende des Johannis-Friedhofs links in die Straße Putzhagen ab.

Der Wassererlebnispfad Dalke befasst sich an dieser Station mit den Themen Abwasserreinigung und Wasserversorgung. Über die oben stehenden Artikel stehen Ihnen umfangreiche Informationen zu diesen Themenbereichen – ergänzt um aktuelles und historisches Bildmaterial - zur Verfügung. Ferner gibt es zum Download einen Kurzfilm (circa 3 Minuten) von Dieter Strüwer über die Kläranlage Putzhagen.

Eine Informationstafel am Auslauf der Kläranlage an der Dalke zeigt schematisch den Weg des Abwassers innerhalb der Kläranlage.

Die Umweltstiftung Gütersloh bedankt sich bei der Stadt Gütersloh, Fachbereich Tiefbau (Klärwerk Putzhagen), die die Herstellung und Montage der hier gezeigten Info-Tafel finanziell unterstützt hat.

Info-Tafel am Ablauf des Klärwerks Putzhagen
Info-Tafel am Ablauf des Klärwerks Putzhagen

Saubere Sache - Die Kläranlage Putzhagen

Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel und gleichzeitig Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Seine Reinhaltung besitzt deshalb höchste Priorität. In Gütersloh sorgen 2 Klärwerke dafür: die Kläranlage Obere Lutter in Isselhort und Putzhagen in Pavenstädt, die hier näher vorgestellt wird:

Während in den 30er Jahren die Abwässer noch einfach auf den Feldern in Pavenstädt verrieselt wurden, existiert mit Putzhagen heute eine hochmoderne Kläranlage, die das Schmutzwasser von seinen Schadstoffen reinigt, und die dabei entstehenden Abfallprodukte wie Sand oder Faulgas zur Rekultivierung einer Deponie bzw. zur Strom- und Wärmeerzeugung nutzt.

Arbeitsablauf in der Kläranlage:
20 Mitarbeiter sorgen für ein einwandfreies Funktionieren der Kläranlage Gütersloh-Putzhagen. Hierbei handelt es sich um Ingenieure, Meister, Fachkräfte für Abwassertechnik, Schlosser, Elektriker und auch Auszubildende. Die hohen Anforderungen an den ordnungsgemäßen Betrieb der Kläranlage erfordern qualifizierte und verantwortungsbewusste Mitarbeiter. Es ist vor allem ihr Verdienst, dass die Anlage ihren gesetzlichen Anforderungen genügt.

In der ersten Reinigungsstufe werden die im Abwasser enthaltenen groben, sperrigen und faserigen Stoffe in 2 parallelen Feinrechen (Stababstand: 6 Millimeter) zurückgehalten. Das Rechengut wird in eine Waschpresse gefördert und dort gewaschen, gepresst und in Container weitergefördert. Das zu entsorgende Rechengut wird kompostiert und zur Rekultivierung einer Deponie verwendet.

In dem zweistraßigen belüfteten Sand- und Fettfang (Volumen: 600 Kubikmeter) setzen sich die mineralischen Stoffe (Sand, Kies) ab. Eine durch Luft verursachte Walzbewegung verhindert das Absetzen von organischen Feststoffen und leitet Fette und Schwimmstoffe in die außen angeordneten Fettkammern. Diese sich an der Oberfläche ansammelnden Schwimmstoffe gelangen in die anaerobe (das heißt bei Abwesenheit von Sauerstoff) Stufe der Schlammbehandlung .
Der abgesetzte Sand wird gewaschen und ebenfalls kompostiert.

Kläranlage Putzhagen, Vorklärbecken
Kläranlage Putzhagen, Vorklärbecken

Im Vorklärbecken (Volumen: 2.500 Kubikmeter) setzen sich die organischen Feststoffe ab. Als so genannter Primärschlamm werden sie in die anaerobe Schlammbehandlung gepumpt.

Kläranlage Putzhagen, Biologische Reinigungsstufe
Kläranlage Putzhagen, Biologische Reinigungsstufe

Die Entfernung der Stickstoffverbindungen aus dem kommunalen Abwasser erfolgt neben dem Einbau von Stickstoff in die Biomasse hauptsächlich über die Prozesse Nitrifikation (Umsetzung von Ammonium- zu Nitratverbindungen) und Denitrifikation (Umsetzung von Nitratverbindungen in gasförmigen Stickstoff). Für diese Prozesse sind von 1996 bis 1998 insgesamt 8 neue Becken mit einem gesamten Nutzvolumen von 27.700 Kubikmeter gebaut worden. Jedes der 8 Becken hat eine Nitrifikations- und eine Denitrifikationszone. In beiden Zonen findet ebenfalls der weitgehende Kohlenstoffabbau statt

Zur Phosphatentfernung wird das flüssige Salz Eisen-III-Chlorid dosiert. Das Eisen verbindet sich mit dem Phosphat zu schwerlöslichem Eisenphosphat, welches sich zusammen mit dem Belebtschlamm in den Nachklärbecken absetzt.
In den Nachklärbecken setzt sich der schwerere Belebtschlamm an der Beckensohle ab und wird abgepumpt.
Das biologisch gereinigte und in den Nachklärbecken weitgehend von Feststoffen befreite Abwasser fließt in die Flockungsfiltration, wo die restlichen Phosphorverbindungen entfernt werden.

Als letzte Reinigungsstufe durchläuft das Abwasser nach dem Nachklärbecken eine aus 7 Filterkammern bestehende Filteranlage, um den strengen Überwachungswert für Phosphor (0,7 Milligramm pro Liter) zu garantieren. Anschließend durchläuft ein Teilstrom des Abwassers 2 Filterkammern, die mit Aktivkohle befüllt sind.

Zur Reduzierung und Stabilisierung der anfallenden Schlammmengen wird der gesamte Rohschlamm, bestehend aus dem Schlamm der Vorklärung und dem Überschussschlamm aus den Belebungsbecken einer anaeroben (keine Anwesenheit von freiem und gelöstem Sauerstoff) Faulung zugeführt. Dies geschieht in 3 Faulbehältern.

Die anaerobe Schlammbehandlung erfolgt vereinfacht gesagt über 4 Prozesse, bei denen als Endprodukte die Gase Methan und Kohlendioxid entstehen. Die dafür erforderlichen Mikroorganismen arbeiten bei Temperaturen von circa 37 Grad Celsius und einer Aufenthaltszeit im Faulbehälter von circa 30 Tagen. Bei diesem Prozess wird im Faulraum ein energiereiches Gas mit circa 70 Prozent Methan und 29 Prozent Kohlendioxid (CO2) produziert; der Rest sind Spurengase. Die tägliche Faulgasproduktion betrug durchschnittlich 3.531 Kubikmeter im Jahr 2013.

Nach der anaeroben Stabilisierung gelangt der Faulschlamm zunächst in 3 Schlammstapelbehälter (Volumen: 3.750 Kubikmeter), wo er bis zur Entwässerung zwischengespeichert werden kann. Entwässert wird er dann in einer Hochleistungszentrifuge.

Das nicht direkt zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzte Faulgas wird in 2 Gasbehältern (Volumen: 1.000 Kubikmeter) gespeichert und als Energiequelle genutzt. Die tägliche Faulgasproduktion entspricht einem Gasertrag von circa 37 Liter pro Einwohner.
Das Faulgas wird in den 3 Blockheizkraftwerken der Kläranlage Gütersloh-Putzhagen kontinuierlich zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt.

Leistungen der Kläranlage:
Die Ausbaugröße der Kläranlage beträgt 150.600 Einwohnergleichwerte (EW). Angeschlossen waren 2015 142.00 EW und 2014 132.000 EW.

Für die Jahre 2016 und 2017 liegen folgende Betriebsdaten vor:


2016

2017

Jahresabwassermenge

6.469.454 m³

6.925.738 m³

Faulschlammmenge

74.284 m³

76.559 m³

Schlammentwässerung Zentrifuge

50.772 m3

51.906 m3

Landwirtschaftliche
Klärschlammverwertung

275 t

0 t

Klärschlammanfall gesamt

6.704 t

6.609 t

Faulgasanfall

1.391.973 m³

1.594.996 m³

Eigenstromerzeugung

2.681.046 kWh

3.056.148 kWh

Fremdstrombezug

2.839.001 kWh

2.362.988 kWh

Stromverbrauch gesamt

5.520.047 kWh

5.419.223 kWh

Die Ablaufwerte der Kläranlagen Putzhagen liegen deutlich unter den durch den wasserrechtlichen Erlaubnisbescheid genehmigten Grenzwerten. Für 2015 liegen folgende Werte vor:


Konzentration



Fracht

 

 


Zulauf

Ablauf

Grenzwert

Zulauf

Ablauf

Elimination


mg/l

mg/l

mg/l

t

t

%

Chemischer
Sauerstoffbedarf

(CSB)

783

27

60

4.632

179

96,1

Biochemischer

Sauerstoffbedarf

(BSB5)

413

2,0

12

2.277

10,5

99,5

Stickstoff

gesamt

63,4

4,8

12

460

31,8

93,1

Phosphor

gesamt

11,3

0,34

0,7

89

2,3

97,4

Durch die Erweiterung der Kläranlage zur Stickstoff-Elimination konnte die Abwasserabgabe für Schmutzwasser deutlich gesenkt werden. Die Abgabe betrug 1997 vor der Erweiterung 1.238.108 Euro. Nach der Erweiterung müssen circa 166.000 Euro an das Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen gezahlt werden.

Ausblick:
Die Kläranlage Putzhagen hält heute den größten Teil der Schadstoffe aus dem Abwasser zurück, welche die Gewässergüte der Dalke beeinträchtigen könnten. Ein weiterer Ausbaugrad der Kläranlage hängt auch von gesetzlichen Vorgaben auf Bundes- und Landesebene ab, ebenso von Richtlinien der EU. Dazu gehört z.B. die Entfernung von medizinischen Rückständen aus dem Abwasser mittels Aktivkohle. Auf lange Sicht könnte eine Entkeimung des Abwassers nötig sein, wie sie vereinzelten Kläranlagen-Betreibern schon auferlegt wurden. Weitere Verbesserungen der Gewässergüte werden auf mittlere Sicht auf dem Sektor der Niederschlagsentwässerung erfolgen

Tief in der Biologie - Schlamm schaufeln befreit die Belüfter:
Es ist dreckig und dunkel: Auf dem Grund des Belebungsbeckens in der Kläranlage Putzhagen wartet Knochenarbeit auf die Mitarbeiter. "Schlamm schaufeln" heißt das Tagesprogramm, das vier Mitarbeiter der Kläranlage in gewissen Zeitabständen erledigen müssen.

Kläranlage Putzhagen, Wartung Biologische Reinigungsstufe

Das ist Arbeit in 8,5 Meter Tiefe, in der etwa vier Meter breiten Rinne des Belebungsbeckens. Grund des Einsatzes sind die Belüfter auf dem Grund des Beckens, die teilweise defekt sind und deshalb ausgetauscht werden müssen.

Jeweils zu zweit lassen sich die Männer im Korb per Kran in die Tiefe schwenken. Die Schaufeln werden nachgeliefert. Wanne für Wanne wird mit Schlamm gefüllt, herausgeschwenkt und draußen entladen und abgefahren. 40 Wannen, gefüllt mit Sand und Schlamm, holen die Männer an einem Tag vom Grund des Beckens.

Zur Vorbereitung des Einsatzes wird der Belebtschlamm abgelassen, was zurückbleibt ist Schlamm, der mit Handarbeit beseitigt werden muss. "Es ist heiß da unten" sagt Jochen Bannenberg. Die Arbeit in den Schutzanzügen und Stiefeln bringt die Männer ins Schwitzen. Aber auch der Mundschutz muss sein. Den brauchen die Männer als Schutz vor den Mikroorganismen.

Kläranlage Putzhagen, Wartung Biologische Reinigungsstufe

Mit ihrem Einsatz befinden sich die Mitarbeiter nämlich mitten in der biologischen Reinigungsstufe. Hier warten gewöhnlich Millionen Bakterien auf den Schmutz, um ihn aufzufressen.

Wer rauskommt, wird erst einmal gründlich abgespritzt, der Chemieanzug wird entsorgt. Und die heiße Dusche ist nach so einem Einsatz mehr als eine Wohltat. Nach achtstündigem Schaufeln ist die Arbeit in dem Belebungsbecken erledigt und viele Euro sind gespart. "Mit 7.000 Euro Mehrkosten", rechnet Reinhard Schweinforth von der Kläranlage Putzhagen, wenn ein Unternehmen mit der Reinigung beauftragt würde.

Kläranlage Putzhagen
Putzhagen 65
33334 Gütersloh
Telefon 0 52 41 / 82 33 03

Kontakt:
Betriebsleitung
Karl-Heinz Schröder
Krl-HnzSchrdrk-ptzhgnd

Abwassermeister
Maximilian Menke
MxmlnMnkk-ptzhgnd


Bildquellen:
Abbildungen im Text: Stadt Gütersloh
Bildergalerie: Stadtarchiv Gütersloh

Die Kläranlage Putzhagen - ein historischer Überblick

1952
Durch Beschluss des Rates der Stadt Gütersloh vom 03.03.1952 erhält Herr Prof. Dr. Ing. Dietrich Kehr aus Hannover den Auftrag für den Entwurf einer Abwasserreinigungsanlage in Gütersloh.

1954
Zwischen Mai und Dezember führt Prof. Kehr Untersuchungen mit einer Versuchskläranlage am Westring in der Nähe des heutigen Sportplatzes am Kamphof durch.

1955
Die Ergebnisse seiner Untersuchungen werden vorgestellt. Prof. Kehr hält es für zwangsläufig notwendig, eine Abwasserreinigungsanlage für das gesamte städtische Wasser zu erstellen. Daraufhin beauftragt ihn der Bauausschuss der Stadt Gütersloh mit der Planung und dem Bau der Anlage.

1957
Für Prof. Kehrs Planung einer zweistufigen Anlage kauft die Stadt ein Grundstück in Putzhagen an der Dalke im Westen Güterslohs.

1959 bis 1962
Die Kläranlage Putzhagen wird als mechanisch-biologische Anlage gebaut und im April 1962 in Betrieb genommen. Das gereinigte Wasser wird in die Dalke oder alternativ weiterhin auf die Rieselfelder abgeleitet. Die Anlage ist im biologischen Teil auf eine Größe von 130.000 Einwohnergleichwerten und hydraulisch auf 20.000 Kubikmeter Abwasser pro Tag bemessen. Der Klärschlamm wird in ausgefaulter Form an die Landwirtschaft abgegeben.

ab 1975
Der Klärschlamm wird teilweise maschinell mit einer Siebbandpresse entwässert.

bis 1976
Bevölkerungszuwachs, die Eingemeindung der Ortsteile Avenwedde, Spexard, Friedrichsdorf, Isselhorst und Niehorst im Jahr 1970 und eine weiter zunehmende Industrialisierung führen zu einer Überlastung der Kläranlage.

1976 bis 1979
Die Anlage erhält ein zusätzliches Vorklärbecken und einen größeren Faulturm und die biologische Behandlungsstufe wird erneuert. Das Richtfest am Erweiterungsbau wird am 18. November 1976 gefeiert. Im August 1978 wird der für 16 Millionen DM errichtete Erweiterungsbau der Öffentlichkeit vorgestellt. In diesem Ausbauzustand entspricht das Klärwerk einer Größe von 560.000 Einwohnergleichwerten und kann bis zu 45.000 Kubikmeter Abwasser pro Tag behandeln.

1980
Am 26. September stellt die Stadt die Lieferung von Klärschlamm an die Landwirtschaft wegen zu hoher Kupfer- und Zinkgehalte ein.

1984
Die 1975 beschaffte Siebbandpresse wird durch eine Kammerfilterpresse ersetzt und durch einen Nacheindicker ergänzt.

1986
Erste Überlegungen zur weitergehenden Abwasserreinigung werden dem Bau- und Umweltausschuss der Stadt Gütersloh vorgestellt.

1989/90
Die Kläranlage erhält eine 3. Reinigungsstufe zur Eliminierung von Stickstoff und Phosphat.

1990/91
Eine simultan arbeitende Phosphatfällungsanlage wird eingebaut.

1991
Die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung wird am 23.09.1991 wieder aufgenommen, nachdem die Schadstofffrachten im Abwasser auf Grund von Abwasserkontrollen durch das städtische Labor und nachfolgender Sanierungsmaßnahmen vor allen in Metall verarbeitenden Betrieben deutlich zurückgegangen waren.

1992
Die Simultanfällung und die Flockungsfiltrationsanlage wird in Betrieb genommen.

1996 bis 1998
Umbau der Kläranlage für die Stickstoffelimination

1998
Bis Ende des Jahres erfolgt der Neubau von Betriebs- und Sozialgebäuden, Rechengebäude, Sandfang, Sandklassierer und der neuen Biologie.

2000
Mit der Wiederherstellung der Außenanlagen nach Abschluss der Um- und Erweiterungsbaumaßnahmen wird der derzeitige Endausbau der Kläranlage Putzhagen erreicht. Am 14. Oktober wird der Bevölkerung bei einem „Tag der offenen Tür“ das ausgebaute Klärwerk Putzhagen vorgestellt.

2000
Die 1984 beschaffte Kammerfilterpresse wird durch eine Zentrifuge ersetzt.

2003
Zur Verringerung der Stickstofffracht im Ablauf wird einer der vier Schlammstapelbehälter zur Prozesswasserbehandlung umgerüstet.

2010
Zur Verbesserung der Energiebilanz wird eine Überschussschlammeindickung installiert.

2011
Ein neues Blockheizkraftwerk (BHKW) zur Stromerzeugung wird errichtet und in Betrieb genommen.

2013
Ein zweites Blockheizkraftwerk (BHKW) zur Stromerzeugung wird errichtet und in Betrieb genommen.

2013
Ein Teil des Abwasserstroms wird seit Januar 2013 zur Reduzierung von Mikroschadstoffen (Rückstände aus Medikamenten) über Aktivkohlefilter geleitet.

2016
Errichtung eines neuen Sozialgebäudes

Abwasserbeseitigung früher und heute

Bereits bei den Babyloniern (2000 bis 500 vor Christus), Griechen und Römern waren öffentliche Wasserversorgung und Kanalisation Bestandteile städtischer Zivilisation. Diese aus heutiger Sicht selbstverständlichen Einrichtungen städtischer Hygiene waren in den meisten deutschen Städten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts nicht vorhanden.

In Gütersloh begann die öffentliche Wasserversorgung am 01. Oktober 1888. Erst im Juni 1913 wurde die Kanalisation des inneren Stadtgebietes in Angriff genommen, konnte aber erst nach dem Ende des I. Weltkrieges fortgesetzt und abgeschlossen werden.

Bis zur Inbetriebnahme der Kanalisation wurde das Abwasser über auf den Grundstücken vorhandene Gruben (Dung- und Abortgruben) versickert bzw. über Rinnsteine und Gräben in die Dalke eingeleitet. Dass das mit menschlichen und tierischen Ausscheidungen belastete Wasser gesundheitsschädlich war, muss wohl bekannt gewesen sein. In vielen Orten (unter anderem Berlin, Brehme im Landkreis Eichsfeld und Sondershausen, Thüringen) wurde durch den Stadtdiener öffentlich verkündet:

„Hiermit wird bekannt gemacht, dass niemand in den Bach macht, denn morgen wird gebraut“. Ob es eine derartige Bekanntmachung auch in Gütersloh für die seit Dezember 1868 arbeitende Gütersloher Brauerei gegeben hat, ist nicht bekannt. (Die Gütersloher Brauerei befand sich auf dem Gelände der heutigen Stadthalle.)

Nachdem es in der Gütersloher Bevölkerung immer wieder Beschwerden über die mangelhafte Beseitigung des Regen- und Abwassers gegeben hatte, erschien in der Neuen Gütersloher Zeitung am 19. März 1901 ein Artikel, in dem eine Kanalisation gefordert wurde. Die daraufhin veranlassten Überprüfungen durch die preußische Medizinalbehörde kamen zu dem Ergebnis, dass die Entwässerung im Stadtgebiet „unzureichend und in gesundheitlicher Beziehung gefahrdrohend“ sei. Die königliche Regierung in Minden verlangte daraufhin die Ausarbeitung eines Kanalisationsprojektes, welches die ganze Stadt umfassen sollte.

Mit den Vorarbeiten für eine städtische Kanalisation wurde bereits ab 1902 begonnen. Die Planungen für die Kanalisation verliefen aber nicht immer reibungslos und die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung wurden selten einmütig gefasst. Ende Juli 1912 beantragten die Mitglieder der Kanalisationskommission und des Magistrats, die Ausführung der Kanalisation an die Firma Scheven in Düsseldorf zu vergeben. Mit Beschluss vom 09. August 1912 lehnte die Stadtverordnetenversammlung die Ausführung durch die Firma Scheven ab, da sie trotz vorheriger deutlicher Kostenreduzierung weiterhin vor Ausgaben von 400.000 Mark zurückschreckte. Bei einer anschließenden durch Bürgermeister Tummes in Auftrag gegebenen Überprüfung wurde festgestellt, dass viele Hausbesitzer gegen die Polizeiverordnung verstießen und ihre Abwässer, Küchenabfälle, Schlachtreste und Fäkalien in die Straßenrinnen und Gräben schütteten, wo sie sich in Pfützen sammelten, im Boden versickerten und das Grundwasser verseuchten.

In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am17. Januar 1913 wurde zwar die Kanalisation für das gesamte Gemeindegebiet erneut abgelehnt; mit der Kanalisierung erster Straßenzüge sollte dennoch begonnen werden. Im April 1913 wurde dann der Vertrag zwischen der Gemeinde Gütersloh und der Firma Heinrich Scheven unterzeichnet. Bereits am 3. November 1915 wurde der Auftrag zur Erweiterung der Kanalisation erteilt. Kriegsbedingt wurden jedoch nur in dringenden Fällen Abwasseranschlüsse hergestellt.

Von Anfang an wurde die Kanalisation in Gütersloh im Trennsystem errichtet. Das bedeutet, dass das Regenwasser durch getrennte Kanäle direkt der Dalke ohne vorherige Behandlung zugeleitet wurde. Das Schmutzwasser dagegen wurde durch die Emscherbrunnen „gereinigt“ und anschließend der Dalke zugeführt. Die Klärung des Wassers war jedoch keineswegs ausreichend, sodass es bei niedrigen Wasserständen in der Dalke im Sommer regelmäßig zu einer hohen Belastung des Flusses kam.

Die erste Kläranlage wurde am 8. April 1915 am Westring, nördlich des heutigen Sportplatzes Am Kamphof in Betrieb genommen. Es handelte sich hierbei um eine Entschlammungsanlage mit biologischer Teilreinigung. Dabei werden die im Abwasser enthaltenen Schwimm- und Schwebstoffe in so genannten Emscherbrunnen abgesetzt. Von dort gelangt der Schlamm auf extra angelegte Schlammtrockenplätze, wo er in etwa 8 bis 10 Tagen trocknet und stichfest wird.

Mit der Kanalisierung weiterer Straßen stieg auch die Abwassermenge und die Kapazität des Klärwerkes war in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts erschöpft. Statt einer Erweiterung des Klärwerkes entschied sich die Stadt Gütersloh dafür, das städtische Abwasser auf Rieselfeldern zu reinigen.

Zur Verrieselung der Abwässer wurde am 15.04.1935 von 3 Gütersloher Landwirten eine Genossenschaft zur Ent- und Bewässerung gegründet. Die Herrichtung der Felder für die Aufnahme der Abwässer war Aufgabe der Genossenschaft. Die Kultivierungsarbeiten führten Notstandsarbeiter und teilweise der Reichsarbeitsdienst durch.

Zunächst wurde ein Gebiet von 60 Hektar hergerichtet und in den folgenden Jahren auf circa 93 Hektar erweitert. Im Jahr 1950 waren 21.000 Einwohner an die Kanalisation angeschlossen. Die täglich zu verrieselnde Abwassermenge lag bei etwa 5.000 Kubikmeter. Bis 1955 stieg diese Abwassermenge auf 8.000 Kubikmeter täglich. Die Größe der Rieselfläche betrug zu dieser Zeit 130 Hektar.

Auch die Zusammensetzung des Abwassers hatte sich in dieser Zeit erheblich verändert. Mit zunehmender Industrialisierung gelangten immer mehr Abwässer zur Verrieselung, die dafür wegen ihrer hohen Schadstoffanteile nicht geeignet waren. Für Ernteausfälle durch Schäden an der Vegetation und Grundwasserstauungen musste die Stadt Gütersloh Schadensersatz an die betroffenen Landwirte leisten.

In den Jahren 1959 bis 1962 wurde dann die heute noch betriebene Kläranlage in Putzhagen als mechanisch-biologische Anlage errichtet und im April 1962 in Betrieb genommen. Ausgelegt war das Klärwerk für eine tägliche Abwassermenge von 20.000 Kubikmeter. Bis heute wurde das Klärwerk mehrfach umgebaut und erweitert. Der letzte Ausbau erfolgte in den Jahren 1990 bis 2000. In dieser Zeit wurde unter anderem eine dritte Reinigungsstufe zur Verminderung der Stickstoff- und Phosphorbelastung im Zuge einer neuen biologischen Abwasserbehandlung hinzugefügt. Die derzeitige Ausbaugröße beträgt 150.000 Einwohner. Diese Zahl ergibt sich aus den im Einzugsgebiet angeschlossenen Einwohnern und den Einwohnergleichwerten aus dem gewerblich-industriellen Abwasseranteil. Heute sind am Klärwerk Putzhagen circa 80.000 Einwohner und 40.000 Einwohnergleichwerte angeschlossen. Das in der Kläranlage mit moderner Technik gereinigte Abwasser wird in die Dalke eingeleitet, ohne dass sich dadurch die Gewässergüte der Dalke verschlechtert.

Mit der Gebietsneuordnung ab 01.01.1970 mussten auch die Entwässerungseinrichtungen aus Avenwedde, Spexard, Friedrichsdorf, Isselhorst und Niehorst übernommen werden. Die Abwässer aus Spexard und großen Teilen Avenweddes wurden damals in einem in Spexard befindlichen Klärwerk gereinigt. Dieses Klärwerk hatte im Jahr 1974 eine Kapazität von 10.000 Einwohnergleichwerten. Die 1967 in Betrieb genommene Anlage war bereits 1985 völlig überlastet. Das biologisch arbeitende Klärwerk konnte maximal 1.900 Kubikmeter Abwässer am Tag verarbeiten. Tatsächlich fielen täglich 2.300 bis 2.900 Kubikmeter Abwasser an. Das Klärwerk wurde daher 1985 stillgelegt und die Abwässer über einen Kanal in das Klärwerk Putzhagen geleitet.

Auch der Ortsteil Niehorst verfügte damals über ein eigenes Klärwerk. Dieses Klärwerk wurde 1968 für einen Anschluss von 500 Einwohnern gebaut und war mit der Technik der Emscherbrunnen (siehe oben) ausgestattet. Im Jahr 1990 wurde das Klärwerk stillgelegt und abgebaut. Die Stadt Gütersloh betreibt heute auf dem ehemaligen Klärwerksgelände eine Pumpstation für Schmutzwasser.

Die Abwässer aus Friedrichsdorf, Avenwedde-Bahnhof, Isselhorst, Niehorst und Hollen gelangen zum Verbandsklärwerk „Obere Lutter“. Etwa 15 Prozent der dort behandelten Abwässer stammen aus den vorgenannten Ortsteilen. Der weitaus größere Anteil der Abwässer stammt aus der Stadt Bielefeld. Das Klärwerk „Obere Lutter“ verfügt heute über eine vergleichbar moderne Technologie zur Reinigung des Abwassers wie das Klärwerk Putzhagen.

Seit 1913 wurde das Kanalnetz der Stadt Gütersloh kontinuierlich ausgebaut. Viele Kanäle sind zwischenzeitlich erneuert worden. Hier besteht auch in den kommenden Jahren noch weiterer Handlungsbedarf. Im Jahr 2014 waren in Gütersloh circa 365 Kilometer Regenwasserkanäle und etwa 389 km Schmutzwasserkanäle verlegt. Hinzu kommen circa 89 Kilometer Druckrohrleitungen, die Abwasser von im Außenbereich liegenden Grundstücken aufnehmen.


Quellen:

  • 125 Jahre Stadtwerke Gütersloh: Dokumentarische Chronik, Günter Beine, 1987
  • Emscher Brunnen: Neues Verfahren zur mechanischen Abwasserreinigung, Heinrich Scheven, Düsseldorf, März 1909
  • Städt. Baudirektor Fritz Sondermann: Die städtische Schmutzwasserkanalisation und ihre Reinigungsanlagen, ohne Datum
  • Geschichte der Stadt Gütersloh, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2001
  • Deutschlands Städtebau – Gütersloh: Deutscher Architektur- und Industrieverlag, Berlin Halensee, 1925
  • Chronik der Stadt Gütersloh 1818 – 1890
  • Verwaltungsbericht der Stadt Gütersloh 1932 – 1938
  • Torsten Bischoff, Diplomarbeit am Fachbereich Geographie der Philipps-Universität Marburg: Die Schwermetallbelastung im Bereich der ehemaligen Rieselfelder in Gütersloh am Beispiel der Elemente Zink, Kupfer, Nickel, Blei, Cadmium und Chrom, 1992
  • Umweltdaten Stadt Gütersloh, 2004
  • Die Glocke vom 28.06.1974 und 13.06.1985
  • Klärwerk Putzhagen
  • Stadtarchiv Gütersloh

Kurzfilm über die Kläranlage Putzhagen

Wir bieten Ihnen hier einen Kurzfilm über die Kläranlage Putzhagen. Eine kleine Belebtschlammflocke erklärt darin den Prozess der Zurückverwandlung von Abwasser in sauberes Wasser, das dann in die Dalke fließt.
Der Film wird zum Download angeboten, ist etwa 10 MB groß und erfordert auf ihrem PC ein mpeg-fähiges Darstellungsprogramm wie z.B. Quicktime oder RealPlayer bzw. einen Windows-Mediaplayer.

Ein Film von DIST-Video Dieter Strüwer, Gütersloh.

Download im Format .mp4 - ca. 10,8 MB


Die Rieselfelder Pavenstädt

Mitte der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts war die Kapazität der ersten Gütersloher Kläranlage aus dem Jahr 1915 erschöpft. Mit der Entscheidung, das Abwasser künftig auf landwirtschaftlichen Flächen zu verrieseln (Rieselfelder) war die Erwartung verbunden, für das Abwasserproblem eine langfristige Lösung gefunden zu haben.

Am 15. April 1935 wurde von den Landwirten Maas, Pavenstädt und Raßfeld eine Genossenschaft zur Ent- und Bewässerung (Rieselfeldgenossenschaft) gegründet.
Durch den Vertrag vom 20. August 1935 zwischen der Stadt Gütersloh und der Rieselfeldgenossenschaft verpflichtete sich die Stadt, das Abwasser aus ihren Schmutzwasserkanälen einschließlich der Fäkalien auf die Rieselfelder der Rieselfeldgenossenschaft abzuleiten. Eine Gewährleistung für Menge und Qualität des Abwassers war vertraglich ausgeschlossen. Die Stadt verpflichtete sich lediglich, die Einleitung von gewerblichen Abwässern zu verbieten, wenn diese für die „Kulturen auf den Rieselfeldern nachweislich schädlich sind“. Diese Vertragsklausel sollte in späteren Jahren noch erhebliche Probleme bereiten.

Die Rieselfeldgenossenschaft verpflichtete sich, die von der Stadt zugeleiteten Abwässer aufzunehmen und zu reinigen. Ferner mussten die erforderlichen Flächen einschließlich künftig benötigter Erweiterungsflächen bereitgestellt werden. Die Genossenschaft übernahm die von der Stadt gebauten Zu- und Ableiter in ihre Unterhaltungspflicht und war auch sonst für Bau und Unterhaltung aller erforderlichen Anlagen verantwortlich.

Der Vertrag wurde für die Dauer von 50 Jahren geschlossen. Das Ende der Vertragslaufzeit wurde auf den 31. Januar 1985 datiert.

Die notwenigen Kultivierungsarbeiten wurden durch Notstandsarbeiter und teilweise durch den Reichsarbeitsdienst durchgeführt. Später richtete die Genossenschaft dafür ein Justizgefangenen-Arbeitslager ein.

Mit der Verrieselung der Abwässer war der Stadt aus damaliger Sicht wohl „der große Wurf“ gelungen. In der Zeitschrift „Deutsche Landeskulturzeitung“, Heft 10 – Oktober 1935, wurde von dem damals als Abwasserexperte anerkannten Domänenrat Kreuz aus Dülmen/Westalen folgender Text veröffentlicht:
„Die Abwässer laufen seit dem 1. Oktober nach dem Gebiet der 1934 gebildeten Abwassergenossenschaft Raßfeld & Genossen.
Die kurz vor dem Kriege (Erster Weltkrieg) geschaffene künstliche Kläranläge (Emscherbrunnen) ist außer Betrieb gesetzt worden. Das Abwasser wird ohne Vorklärung verrieselt und kommt auf diese Weise frisch und geruchlos beim Rieselland an. Schon jetzt kann gesagt werden, dass die Anlage, die bis auf einige Folgeeinrichtungen fertig ist, als vorbildlich und sachgemäß bezeichnet werden kann.
Die Stadt Gütersloh hat, volkswirtschaftlich gesehen, eine große Tat vollbracht. Zur Belohnung sind ihr die Abwassersorgen für die Zukunft abgenommen.“

Karte Rieselfelder

Man kann sich vorstellen, wie sich die damals in Gütersloh verantwortlich handelnden Personen bei so viel Lob gefühlt haben. Und tatsächlich schien die Abwasserbeseitigung auf den zunächst hergerichteten 60 Hektar Rieselfläche – diese wurde später auf 93 Hektar erweitert – zunächst problemlos funktioniert zu haben. Der Verwaltungsbericht der Stadt Gütersloh für die Jahre 1932 bis 1938 stellt dazu fest: „Die neue Anlage ist auf Jahre hinaus ausreichend und es besteht die Möglichkeit, sie ohne Schwierigkeiten um das Doppelte zu vergrößern. Die in den Abwässern befindlichen Dungstoffe, die bisher ungenutzt in die Dalke gingen, werden nunmehr der Landwirtschaft dienstbar gemacht.“

Doch spätestens Anfang der 50er Jahre war der Vertrag von 1935 praktisch von beiden Vertragspartnern nicht mehr zu erfüllen. Die Einwohnerzahl von Gütersloh hatte sich mehr als verdoppelt und viele große Industriebetriebe hatten sich insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg in Gütersloh angesiedelt. Die Rieselfelder waren damit weder im Bezug auf Menge noch auf die Qualität in der Lage, das städtische Abwasser aufzunehmen. Eine Trennung der häuslichen und gewerblichen Abwässer war nicht möglich. Da aber gerade die gewerblichen Abwässer derart belastet waren, dass es zu teilweise erheblichen Einbußen bei der Ernte kam, musste regelmäßig Schadensersatz an die Landwirte gezahlt werden. Ein Einleiteverbot für gewerbliche Abwässer hätte zu einer nicht hinnehmbaren Verschmutzung der Dalke geführt.
Die Vergrößerung der Rieselflächen bis 1955 auf insgesamt 130 Hektar brachte ebenfalls keine Entlastung. Bei einer Abwassermenge von 8.000 Kubikmeter pro Tag mussten somit 2.250 Millimeter pro Jahr verrieselt werden. Dies war nur etwas weniger als die dreifache jährliche durchschnittliche Niederschlagsmenge.

In dem sehr trockenen Sommer 1959 wurde eine Fläche von 32 Hektar zusätzlich mit Abwasser beschickt. Auf diese Flächen wurde soviel Abwasser geleitet, dass eine landwirtschaftliche Produktion dort nicht mehr möglich war. Man sprach damals von sogenannten Vernichtungsflächen.

Das Institut für Siedlungswasserwirtschaft der geologischen Hochschule Hannover kam in seinem Gutachten über die künftige Abwasserreinigung der Stadt Gütersloh vom 1. Juli 1955 zu der schlichten Feststellung, dass „die derzeitigen Anlagen zur Abwasserbehandlung überlastet sind“. Später wird diese Aussage durch den Gutachter noch einmal bekräftigt: „Die Rieselfelder sind….zurzeit. stärkstens überlastet“.
Darüber hinaus bestanden gegen eine Verrieselung des Abwassers ohne jegliche Vorbehandlung erhebliche hygienische Bedenken.

All dies hatte mit dem Grundgedanken einer landwirtschaftlichen Abwasserverwertung nichts mehr zu tun. Das Problem konnte also nur durch ein städtisches Klärwerk gelöst werden. Nach dem oben genannten Gutachten hätte das dann biologisch gereinigte Abwasser noch genug pflanzliche Nährstoffe enthalten, wäre aber nicht mehr schädlich für die landwirtschaftlichen Kulturen. Darüber hinaus könne dem gereinigten Abwasser ausgefaulter Schlamm beigegeben werden.
Im April 1962 wurde die Kläranlage Putzhagen als mechanisch-biologische Anlage in Betrieb genommen. Ab August 1968 wurde vom Abwasserverband erstmalig Faulschlamm in größeren Mengen zur direkten Aufleitung bzw. als Beimischung zum Rieselfeldwasser abgenommen.

Der Vertrag mit der Rieselfeldgenossenschaft von 1935 hatte noch immer Bestand. Im November 1965 stellte das Rechnungsprüfungsamt der Stadt Gütersloh dazu fest: „Die Entwicklung der Stadt hat eben dazu geführt, dass die Rechte und Pflichten aus diesem Vertrage von beiden Vertragspartnern nicht mehr eingehalten werden konnten.“

Die Verhandlungen mit der Rieselfeldgenossenschaft über einen neuen Vertrag, der den aus dem Jahr 1935 ersetzen sollte, zogen sich über mehrere Jahre hin, da jede Seite die Risiken in dem neuen Vertrag möglichst für sich ausschließen wollte. Anfang 1971 wurden zunächst mit den Rieselfeldbauern einzelne Ergänzungsverträge zum Vertrag von 1935 abgeschlossen. Den Landwirten wurde das Recht eingeräumt, an höchstens 90 Tagen circa 5.000 Kubikmeter mechanisch geklärtes Brauchwasser von der Stadt Gütersloh anzufordern.

Erst durch den Vertrag vom 12. Juni 1973 zwischen der Stadt Gütersloh und dem Wasser- und Bodenverband zur Abwasserverwertung Gütersloh (durch Satzung vom 24.01.1940 hatte sich die ehemalige Rieselfeldgenossenschaft diesen Namen gegeben) wurde der Vertrag vom 20. August 1935 aufgehoben und durch den neuen Vertrag ersetzt. Darin verpflichtete sich die Stadt den Verwertungsflächen vollbiologisch gereinigtes Abwasser bis zu einer Höchstmenge von täglich 5.000 Kubikmeter zuzuleiten. Welche Menge tatsächlich zu liefern war wurde vom Abwasserverband bestimmt. Im Gegenzug verpflichtete sich der Abwasserverband, das angeforderte Wasser auf den Verrieselungsflächen ordnungsgemäß landwirtschaftlich zu verwerten. Schadensersatzansprüche gegenüber der Stadt, die aus der angeforderten Abwassermenge oder Abwasserart entstehen könnten, wurden ausdrücklich ausgeschlossen.
Das Ende der Vertragslaufzeit – 31. Januar 1985 – blieb gegenüber dem Vertrag von 1935 unverändert.

Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde immer weniger Abwasser zur Verrieselung durch den Verband angefordert. Die Schlammaufleitung auf die Rieselfelder musste schon im September 1980 eingestellt werden, da die zulässigen Grenzwerte für Schwermetalle im Klärschlamm überschritten wurden.

Bereits 1982 hatte die Stadt dann auch deutlich gemacht, dass sie nicht bereit sei, den bestehenden Vertrag über den 31. Januar 1985 hinaus zu verlängern. Mit Schreiben der Bezirksregierung Detmold vom 14. Juli 1982 wird dem Abwasserverband mitgeteilt, dass nach Ablauf des Vertrages ein Fortbestand des Verbandes objektiv nicht mehr erforderlich sei. Die Abwasserbehandlung sei durch die Kläranlage der Stadt Gütersloh sichergestellt. Im Übrigen lege die Stadt auch keinen Wert auf eine weitere Mitgliedschaft im Verband.
Damit war das Ende des Rieselfeldbetriebes zum 31. Januar 1985 besiegelt.

Noch einmal entzündete sich ein Streit darüber, wer die Kosten für die Beseitigung von Gräben, Leitungen und Grabendurchlässen zu tragen habe. Die Rieselbauern hatten an dem Fortbestand dieser Einrichtungen nach Auflösung des Verbandes kein Interesse mehr.
Da nach Prüfung aller Unterlagen weder seitens der Rieselbauern noch des Verbandes eine Anspruchsgrundlage gegenüber der Stadt Gütersloh bestand, verblieben diese Kosten beim Abwasserverband.

Wer heute auf vom Pavenstädter Weg kommend über die Straße Am Stellbrink zur Kompostierungsanlage fährt, kann dort auf der rechten Straßenseite noch Reste von Betonrinnen sehen, über die das Abwasser früher den Feldern zur Verrieselung zugeleitet wurde.

Rieselfelder, Entwässerungsrinne
Rieselfelder, Entwässerungsrinne

Quellen:

  • Stadt Gütersloh, Fachbereich Tiefbau: Akten über die Rieselfelder in Gütersloh
  • Stadt Gütersloh, Stadtarchiv, verschiedene Akten
  • Torsten Bischoff, Diplomarbeit am Fachbereich Geographie der Philipps-Universität Marburg: Die Schwermetallbelastung im Bereich der ehemaligen Rieselfelder in Gütersloh am Beispiel der Elemente Zink, Kupfer, Nickel, Blei, Cadmium und Chrom, 1992

Die Öffentliche Wasserversorgung in Gütersloh

Bis in das 19. Jahrhundert herein herrschten in Europa teils katastrophale hygienische Zustände vor, die wesentlich für die Ausbreitung von Epidemien wie der Pest und später der Cholera verantwortlich waren. Private Aborte lagen in der Regel direkt neben den Hausbrunnen, die auf diesem Wege Krankheitskeime zu den Menschen trugen. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte man endgültig den Zusammenhang zwischen Verunreinigungen und epidemischen Erkrankungen erkannt. Immer mehr Städte nahmen sich der Problematik an und arbeiteten an einer zentralen öffentlichen Wasserversorgung. Man konzentrierte sich auf eine saubere Wasserzufuhr, weil eine geregelte Abwasserkanalisation zu diesem Zeitpunkt noch undenkbar erschien.

Die Anfänge in Gütersloh
Bis in die 1880er Jahre gab es im hiesigen Regierungsbezirk noch keine kommunale Wasserversorgung. Aufgrund staatlicher Verordnungen und hygienischer Bedenken wurde diese aber auch in Gütersloh angedacht. 1884 ließ die Stadtverwaltung von den Polizeibeamten eine Untersuchung der Brunnen in der Stadt durchführen. Nach den Kriterien Aussehen, Geruch und Geschmack bewerteten die Ordnungskräfte das Wasser. Auch ohne große wissenschaftliche Möglichkeiten konnte hier häufig eine gelbe Verfärbung ausgemacht werden, die auf Verunreinigungen hindeutete. Lediglich 2 Brunnen im Stadtgebiet lieferten hierbei „vorzüglich[es] und ausreichendes Wasser“. Dieses Prädikat konnten die Aushilfswissenschaftler nur an die öffentlichen Brunnen an der Berliner Straße und am Läuseteich (am Marktplatz) vergeben. Daraufhin erließ die Stadt im Oktober desselben Jahres eine Polizeiverordnung zur Reinhaltung des Wassers. Die polizeiliche Durchsetzung dessen sorgte für eine spürbar bessere Wasserqualität. Außerdem beauftragte die Stadt Fachleute mit Probebohrungen, um eine geeignete Stelle für das geplante städtische Wasserwerk auszumachen. Die Wasserqualität und die Bestände auf dem Hof des Bauern Ibrügger in Sundern konnten überzeugen, allerdings verweigerte der Landwirt die Abgabe der Fläche und somit den Bau des Wasserwerks. Die Suche ging von Neuem los.

Wasserwerk Langer Weg, 1925
Wasserwerk Langer Weg, 1925

Nach weiteren Bohrungen stieß man am Güthschen Kolonat, am heutigen Wasserwerk Langer Weg, sowohl auf geeignete Wasserqualität wie auch auf einen geeigneten Standort. Währenddessen musste die Stadtverwaltung das Vertrauen für den Bau erkämpfen, denn einige Stadtverordnete waren skeptisch. Sie bezweifelten, dass eine derartige Anlage rentabel wäre und somit den hohen – vor allem finanziellen – Aufwand rechtfertige. Auch zweifelten sie an einer kontinuierlich guten Wasserqualität und einer ausreichenden Kapazität, die bei so einer zentralen Anlage zwingend von Nöten war. Erst im Februar 1887 konnte ein Grundsatzbeschluss zum Bau des Wasserwerkes erfolgen. Eine erneute qualifiziertere Untersuchung der Gütersloher Brunnen im Herbst 1886 hatte den Kritikern eines Wasserwerks den Wind aus den Segeln genommen. Von 526 untersuchten Brunnen waren 310 Brunnen zu beanstanden. Nach der positiven Grundsatzentscheidung wurden Probebrunnen auf dem Güthschen Grundstück installiert, die letzte Zweifel hinsichtlich des Umfangs und der Wasserqualität ausräumen konnten. Nachdem die Finanzierung der errechneten Baukosten (190.000 Mark) durch einen Kredit bei der städtischen Sparkasse sichergestellt schien, erfolgte am 4. August 1887 der endgültige Ausführungsbeschluss.

Das erste Wasserwerk: Ein mühevoller Anfang
Für die Verteilung des öffentlichen Wassers waren außerdem ein Rohrnetz und ein Wasserturm erforderlich. Dieser Turm, der heute ein bekanntes Wahrzeichen Güterslohs ist, wurde nach Kontroversen ab Herbst 1887 an der Friedrichstraße und nicht wie eigentlich angedacht am Dreiecksplatz gebaut. Die neue Wasserversorgung Güterslohs konnte am 1. Oktober 1888 in Betrieb genommen werden. Die Baukosten hatten mit 216.697 Mark die kalkulierte Höhe deutlich überschritten. Dies war aber vor allem auf ein größeres Leitungsnetz und Bauverbesserungen zurückzuführen. Im Vorfeld plante die Stadt, mit dem Wasserwerk 15 bis 20 Jahre den steigenden Wasserbedarf decken zu können. Nach dem Bau musste diese Kalkulation aufgrund der zunächst niedrigen Fördermenge fallengelassen werden. Deshalb erschloss die Stadt schon 1890 ein neues Brunnenfeld. Diesmal gelang es, dem Bauern Ibrügger eine Fläche von 1700 Quadratmeter abzukaufen. Auf dem Gelände wurden 30 neue Brunnen errichtet. Das geförderte Wasser wurde in Wasserspeicherbecken, sogenannten Bassins, geleitet und zur Pumpstation am ersten Wasserwerk (Langer Weg) gepumpt. Hier wurden zusätzlich 5 neue Brunnen errichtet. 3 Jahre später (1893) stellte man bei der Wiederherstellung eines Brunnens, der zu den ersten des ursprünglichen Wasserwerks gehörte, jedoch Überraschendes fest. Aufgrund der hohen Belastung in der Anfangszeit war die Filteranlage des Brunnens korrodiert und verstopft, weshalb die Fördermenge erheblich gedrosselt wurde. Dieses galt auch für weitere baugleiche Brunnen. Die Kapazitätsprobleme, deren Ursache in den Wasserreserven und der technisch möglichen Fördermenge der Anlage gesucht wurde, erwiesen sich als verfrühte Verschleißerscheinung. Mit der Reparatur der Brunnen war der benötigte Umfang bis auf Weiteres sichergestellt. Das Wasserwerk wirkte mit seiner Erweiterung jetzt sogar leicht überdimensioniert, sodass eine tägliche Förderung von 9 bis 11 Stunden auch an heißen Sommertagen ausreichte, um den Bedarf zu decken. Die Betriebskosten, die in den Folgejahren dadurch gespart werden konnten, waren nicht unerheblich. Da die Funktionsfähigkeit sichergestellt war und auch die Rentabilität stimmte, beantragte die Verwaltung mit der Rückendeckung dieser Erfolge eine Erweiterung, die den zukünftigen Bedarf sicherstellen sollte: 1894 wurden insgesamt 30 neue Brunnen in Auftrag gegeben, davon 15 auf einem neuen Bohrfeld, dem ehemaligen Merklinghaus’schen Grundstück (in der Nähe der Ecke Carl-Bertelsmann-Straße, Molkereistraße).
Ein anderes Problem, das bereits kurz nach der Inbetriebnahme auftauchte, war der zu hohe Eisengehalt im Wasser. Auch wenn diese Konzentration nicht gesundheitsgefährdend war, führte der Eisengehalt zu unschönen braunen Verfärbungen im Leitungswasser. Folgerichtig bildeten sich Ablagerungen im Leitungsnetz. Wenn es zu Erschütterungen kam, lösten sich diese und verunreinigten das Wasser. Zuerst waren die Stadtverantwortlichen der Überzeugung, dass der Eisengehalt mit der Zeit abnehmen müsste. Sie versuchten daher die Schwierigkeiten zu beseitigen, indem sie das Leistungssystem an manchen Wochenenden ausspülen ließen, was wirkungslos blieb. Danach bedurfte es 4 weiterer Jahre und einer vermeintlichen Bedrohung, damit man sich dieser Problematik annahm: 1894 wurde festgestellt, dass sich das Bakterium Crenothix polyspora (Brunnenfaden) im Rohrnetz eingenistet hatte. Diese Art war bekannt dafür, dass sie sich im eisenhaltigen Schlamm schnell vermehren und Filter oder Leitungen verstopfen konnte. Da jetzt Dringlichkeit geboten war, wurde schon im September 1894 ein Ingenieur mit der Konstruktion einer Enteisenungsanlage beauftragt. Nach der Inbetriebnahme wurde die Bakterienpopulation sofort im Keim erstickt.
Im April des nächsten Jahres (1895) konnte dann die gesamte Erweiterungsanlage in Betrieb genommen werden, die die neuen Brunnen, ein zweites Pumphaus und die wichtige Enteisenungsanlage umfasste.
Der inzwischen reibungslose Betrieb, der generelle Komfort und die besorgniserregende Qualität vieler privater Brunnen konnten anscheinend nicht jeden Gütersloher überzeugen, sich freiwillig an das Wassernetz anzuschließen. Lange setzte die Stadtverwaltung auf Freiwilligkeit. 1888 hatte sie die Forderung des Landrats nach einem Zwangsanschluss der Bürger abgelehnt, da sie starken Widerstand fürchtete. Und so sollte es auch kommen, nachdem man sich 1896 nicht mehr anders zu helfen wusste, als die noch unangeschlossenen Bürger mit einer Polizeiverordnung zu einem Anschluss zu zwingen. 165 Bürger reichten daraufhin Beschwerde ein, diese wurde Ende Mai 1897 abgewiesen. Die Hartnäckigkeit vieler Gütersloher drückte sich darin aus, dass mehr als 20 Bürger sogar bis vor den Reichsgerichtshof zogen, um ihrem Ärger über den Zwangsanschluss Ausdruck zu verleihen. Natürlich wurden auch diese Klagen kostenpflichtig abgewiesen. Auf der anderen Seite gab es ebenfalls Konflikte mit Bürgern in den Außenbezirken, die einen Anschluss beantragten, aber aus Kostengründen nicht angeschlossen werden konnten. In den Folgejahren kam es auch zu Komplikationen mit den Deutz-Gasmotoren in dem zweiten Pumphaus, die daraufhin auf Kulanzbasis ausgetauscht wurden (1899). Im Jahr 1906 hatte das städtische Rohrnetz eine Ausbaustufe von 17.416 Meter Leitungslänge erreicht. Auch wenn das Wasserwerk immer ein enormer Kostenfaktor blieb, wurde es aufgrund seiner gesundheitspolitischen Aufgabe nie infrage gestellt. Nach der Eingemeindung 1910 wurde das Wassernetz weit über die ehemaligen Stadtgrenzen hinweg ausgebaut.

Nach der Eingemeindung: Notdürftiger Umbau im Krieg
Daraufhin gab es im trockenen Sommer 1911 erneut Kapazitätsprobleme. Ein Gutachten der Preußischen Geologischen Landesanstalt empfahl den kompletten Neubau eines Wasserwerks, sobald das bestehende nicht mehr ausreichen sollte. Durch den Ersten Weltkrieg wurden die Planungsarbeiten unterbrochen. Die Situation verschlimmerte sich aber derartig, dass schon im Krieg ein notdürftiger Umbau nötig war. 1917 wurde beschlossen, dass eine neue 45 bis 50 PS starke Lokomobile angeschafft werden müsste, die als Leistungsreserve dienen sollte. Außerdem waren eine neue Druckpumpe, 2 neue große Brunnen und Verbesserungen an der Enteisenungsanlage zwingend notwendig. Glück im Unglück hatte man, weil die Stadt Beverungen viele dieser in Kriegszeiten schwer zu beschaffenden Güter zum Kauf anbot, da dort das Elektrizitätswerk verkleinert wurde. Die Preise für die Erweiterungen schossen aufgrund der hohen Inflationsrate immer weiter in die Höhe. 1918 waren die Umbauarbeiten beendet. Doch damit war noch kein Ende der Querelen in Sicht. Schon 1921 beschwerte sich die Reichsbahn über Lieferengpässe. Ihr Ziel war, aus der vertraglichen Bindung an die städtische Wasserversorgung herauszukommen, was ihr zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelingen sollte.

Improvisierte Wasserversorgung für wachsende Stadt
In den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts wuchs Gütersloh weiter an. 1927 wurden deshalb wieder Probebohrungen durchgeführt. Das schon vor dem Weltkrieg begutachtete Grundstück auf Osthus’ Hof war wieder im Gespräch. Die Wasserproben und der Dauerpumpversuch waren erfolgreich. Kurz darauf stellte sich heraus, dass das Gelände trotzdem nicht für den Bau eines Wasserwerks geeignet war, weil das dortige Grundwasservorkommen nicht ausreichte. Danach wäre dieses Projekt eigentlich gescheitert gewesen. Der Wassermangel in den Sommermonaten verschlimmerte sich aber Jahr für Jahr und so musste die schon installierte Anlage mit einer Sondergenehmigung Zusatzlieferungen in das Gütersloher Wassernetz pumpen. Bis 1948 griff man jährlich auf diese improvisierte Notlösung zurück. Die Reichsbahn schied 1931 endgültig aus dem Kreis der Abnehmer aus. Die Situation verbesserte sich dadurch jedoch kaum. Deshalb hatte die Stadt wieder Untersuchungen für die Erschließung eines weiteren Gebietes in Auftrag gegeben. Das Grundstück des Meiers Determeier in Spexard schien hierfür geeignet. Die Dauerpumpversuche in den Jahren 1932, 1933 und 1934 waren erfolgreich. Der Besitzer verweigerte jedoch den Verkauf und trotz eines eingeleiteten Enteignungsverfahrens wurde das Projekt bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs nicht angegangen.

Wasserwerk Langer Weg, Reinwasserpumpwerk, 1948, Bildquelle: Stadtarchiv Gütersloh
Wasserwerk Langer Weg, Reinwasserpumpwerk, 1948, Bildquelle: Stadtarchiv Gütersloh

Das zweite Gütersloher Wasserwerk: Das kurze Glück eines Nachkriegsprojektes
Die Leitungsschäden der städtischen Wasserversorgung hatte man nach dem Krieg schnell repariert. Das strukturelle Wasserproblem war damit nicht gelöst worden. Die Lage war hier inzwischen so dramatisch, dass es trotz des Materialmangels nicht vieler Überzeugungskraft bedufte, damit die britische Besatzungsmacht dem Bau des neuen Wassergewinnungsgebietes zustimmte. Die Probebohrungen auf dem Determeier-Gelände waren erneut positiv und jetzt konnte das Gelände erworben werden. Die Vorarbeiten begannen im September 1946. Die Erneuerung des Wasserwerks am Langen Weg und der Bau des Bohrfeldes in Spexard dauerten bis Juli 1949 an. Nach den Problemen der letzten Jahrzehnte erfüllte das neue Wassergewinnungsgebiet die Stadtverwaltung wieder mit Stolz. Man rühmte sich öffentlich damit, über eines der „modernsten Wasserwerke Westfalens“ zu verfügen.
In den Folgejahren stieg der Wasserverbrauch – genauso wie die städtische Bevölkerung und der Lebensstandard – stetig an. Wurde im Jahr 1948 gerade die Million-Kubikmeter-Marke geknackt, so lag der Verbrauch 3 Jahre später schon bei 1,5 Millionen Kubikmeter. 60 Prozent davon lieferte das neue Wasserwerk. Bald schon gab es aufgrund des immer höheren Verbrauchs Probleme. Die Spexarder Bauern beschwerten sich zu Recht über Grundwasserabsenkungen. Die Stadt musste daraufhin die Bauern für Ernteausfälle entschädigen, die Wasserförderung in Spexard stark einschränken und sich nach einem Ersatz umschauen. Damit war man gezwungen, bereits 1956 wieder auf die alten Probebrunnen auf Osthus’ Hof zurückzugreifen, die sich inzwischen im britischen Militärgebiet befanden.

Sinnbild „Langer Weg“:
Der dritte und vierte Versuch zur sicheren Wasserversorgung
Allen Beteiligten war klar, dass dies keine hinnehmbare Dauerlösung sein konnte. Deshalb erarbeitete die Verwaltung eine Lösung, von der man sich mittel- bis langfristige Planungssicherheit versprach, die die Erwartungen aber nicht ganz erfüllen konnte. Als neue Standpunkte kamen der Rhedaer Forst und die Pixelheide infrage. Die Nähe zur Stadt und die örtlichen Gegebenheiten sprachen für die erstgenannte Möglichkeit.

Wasserwerk Nordrheda-Ems: Mai 1980, Foto: Stadtwerke Gütersloh
Wasserwerk Nordrheda-Ems: Mai 1980, Foto: Stadtwerke Gütersloh

Im Rhedaer Forst konnten 2.500 Kubikmeter Wasser täglich auf normalem Wege gefördert werden. Zusätzlich war es möglich, das Grundwasser mit Flusswasser aus der Wapel anzureichern. Die Gesamtförderkapazität betrug so 7.500 Kubikmeter. Das Wasserwerk wurde in Auftrag gegeben und nachdem 1959 mit dem Bau der Anlage begonnen wurde, konnte schon 1960 erstes Wasser in das Gütersloher Leitungssystem eingespeist werden. Nach dem Probebetrieb wurde das neue Wasserwerk im Frühjahr 1964 unter dem Namen Nordrheda-Ems regulär in Betrieb genommen. Aber schon 1967 musste über den Bau einer neuen Anlage nachgedacht werden, da es immer wieder Probleme bei Spitzenbelastungen gab.

Wasserwerk Quenhorn: Bau eines Vertikalbrunnens, 1969, Bildquelle: Stadtarchiv Gütersloh
Wasserwerk Quenhorn: Bau eines Vertikalbrunnens, 1969, Bildquelle: Stadtarchiv Gütersloh

Hierfür bot sich Quenhorn an. Auch wenn direkte Stadtnähe nicht gegeben war, konnten Wasserqualität und Bestand gleichermaßen überzeugen. Im September 1969 fiel das Wasserwerk der Gemeinde Herzebrock-Clarholz aufgrund langer Trockenheit aus. Die Stadtwerke Gütersloh förderten kurzfristig, erst über Feuerlöschleitungen, später über eine sehr schnell erbaute Transportleitung, Rohwasser aus Quenhorn zum Wasserwerk der Gemeinde Herzebrock-Clarholz, das dort aufbereitet wurde. Bis zum Frühjahr 1995 wurde die Doppelgemeinde auf diese Weise mit Rohwasser versorgt. Seit Mai 1995 liefern die Stadtwerke Gütersloh ausschließlich Reinwasser nach Herzebrock-Clarholz.
Am 14.06.1974 wurde in Quenhorn ein Wasserwerksprovisorium in Betrieb genommen, eine kleine Aufbereitungseinheit, die in der Lage war, 150 Kubikmeter pro Stunde Rohwasser aufzubereiten.
Nach den trockenen Sommern 1989 - 1991 wurde es dringend erforderlich, eine leistungsfähigere Aufbereitung sowie eine größere Speicherkapazität zu bauen. Dies war der Grund für den Bau des neuen Wasserwerkes Quenhorn inklusive der2 je 2.000 Kubikmeter fassenden Trinkwasserbehälter. Der erste Spatenstich zum Neubau erfolgte am 15.10.1993, die Inbetriebnahme im Juli 1995.
Mit der Förderung aus dem Gewinnungsgelände Quenhorn II wurde im Oktober 2003 begonnen.

Wasserversorgung in Gütersloh aktuell
Jährlich werden circa 5,5 Millionen Kubikmeter Wasser aus 5 Gewinnungsgebieten (Spexard, Rhedaer Forst, Sudheide I + II, Quenhorn I) mit insgesamt 45 Vertikal- und 2 Horizontalbrunnen aus 15 bis 25 Meter Tiefe an die Oberfläche gefördert. In 3 Wasserwerken (Langer Weg, Nordrheda-Ems und Quenhorn) wird das geförderte Rohwasser aufbereitet, in 5 Reinwasserbehältern mit insgesamt 12.000 Kubikmeter Speichervolumen gespeichert und mit Hilfe von Hochdruckpumpen über Transportleitungen in das über 500 Kilometer lange Rohrnetz der Stadt Gütersloh geleitet. Auf diesem Wege erreicht es die Haushalte. Wo das Wasser in höher gelegene Gebiete geliefert werden muss, erzeugen Druckerhöhungsanlagen den erforderlichen Wasserdruck.

Auf diese Weise werden, außer der Stadt Gütersloh, auch die Gemeinde Herzebrock-Clarholz und zum Teil die Stadt Harsewinkel versorgt.
Der durchschnittliche tägliche Trinkwasserverbrauch der Gütersloher Einwohner liegt bei circa 124 Litern.

Der Ortsteil Isselhorst wird durch den Wasserbeschaffungsverband Isselhorst, der über ein eigenes Wasserwerk verfügt, mit Trinkwasser versorgt. Knapp 3.000 Haushalte in den Außenbezirken beziehen eigenes ebenfalls kontrolliertes Brunnenwasser.

Weitere Informationen finden Sie in der von den Stadtwerken Gütersloh GmbH herausgegebenen Broschüre "Trinkwasser seit 1888". Die Broschüre kann unter Telefon 82 28 58 angefordert werden.


Quellen:

  • 125 Jahre Stadtwerke Gütersloh: Dokumentarische Chronik, Günter Beine, 1987
  • Trinkwasser seit 1888: Broschüre der Stadtwerke Gütersloh, 2017
  • Wasser für Gütersloh. Klare Sache! - Broschüre der Stadtwerke Gütersloh, 2016

Wasserversorgung in Gütersloh - ein historischer Überblick

1884
Nur 216 von 526 in Gütersloh vorhandenen Brunnen liefern einwandfreies Wasser

14.07.1884
Rundverfügung des preußischen Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten: "Wo Wasserleitungen bestehen, ist die Benutzung vorhandener Brunnen, welche das Wasser aus dem Untergrunde des Ortes erhalten, tunlichst auszuschließen und zwar sowohl, was die Entnahme von Trinkwasser als die von Haushaltungswasser betrifft."

13.11.1885
Die Stadtverordnetenversammlung bewilligt einen Kredit von 800 Mark für Untersuchungen zur Vorbereitung einer zentralen Wasserversorgung

1886
Bohrversuche werden durchgeführt, Wasser aus einem Bohrloch des Güth'schen Kolonats wird von der Amtlichen Lebensmittel-Untersuchungs-Anstalt als geeignet befunden

Juni 1886
Die ersten 4 Versuchsbrunnen werden fertig gestellt

November 1886
Eine Wasserleitungs-Kommission wird gebildet

04.08.1887
Beschluss zum Bau eines Wasserwerkes (Wasserleitung), Baukosten in Höhe von 190.000 Mark sind geplant

1888
Bau des Wasserturms an der Friedrichstraße, Gesamthöhe: 42 Meter, Wasserspeicher: 310 Kubikmeter

01.10.1888
Start der Wasserversorgung in Gütersloh mit 5 Brunnen

1890
Filter der Brunnen haben sich zugesetzt, dadurch sind die Fördermengen zu gering, 5 neue Brunnen werden gebohrt.
Ein zweites Brunnenfeld wird auf Ibrüggers Kolonat erschlossen und 30 Brunnen gebohrt.

April 1895
Ein drittes Brunnenfeld mit 15 Brunnen und einem zweiten Pumpenhaus sowie einer Enteisenungsanlage wird in Betrieb genommen

Februar 1896
Anschlusszwang wird per Polizeiverordnung verkündet. § 1: "Jedes bebaute und zur Bebauung gelangende Grundstück muss, sobald die Straße, an welcher dasselbe liegt, mit einem Wasserleitungsrohr versehen ist, auf besondere Aufforderung der Polizeiverwaltung an dieses angeschlossen werden."

1910
Eingemeindung Blankenhagen, Nordhorn, Sundern, Kattenstroth, Pavenstädt

17.11.1923
1 Kubikmeter Wasser kostet 120 Millarden Mark

1927
Ein Wünschelrutengänger wird mit dem "Aufsuchen geeigneter Grundwassergebiete" beauftragt. Aufgrund seines Gutachtens werden 5 Bohrlöcher niedergebracht, von denen 4 Ergebnisse positiv ausfallen

24.08.1929
Beginn des Dauerpumpversuchs auf Osthus Hof. Das städtische Untersuchungsamt Bielefeld stellt fest: "Das Wasser ist einwandfrei".

1930
Das Gelände Osthus Hof erweist sich als nicht geeignet, da das Grundwasservorkommen nicht ausreicht

1930/1931
Bei einer erneuten Suche nach Wasser fällt das Gelände von Meier Determeyer in Spexard besonders positiv auf

1932 - 1934
Dauerpumpversuche auf dem Gelände Determeyer verlaufen günstig

14.03.1945
Das Wasserwerk Langer Weg wird nach dem größten Luftangriff auf Gütersloh schwer beschädigt. Behelfsmäßig kann nach wenigen Tagen wieder Wasser abgegeben werden.

Mai 1945
Mit Hilfe der einrückenden Amerikaner wird ein neuer Reinwasserbehälter errichtet. Ab Juni kann wieder ausreichend Reinwasser in das Rohrnetz geleitet werden. Bis Ende des Jahres sind alle Schäden an Hauptleitungen beseitigt.

Juni 1946
Die Stadtverordneten stimmen der Errichtung von 3 Versuchsbrunnen in Spexard zu

1946
Vorarbeiten für das Brunnenfeld Spexard, 2 Versuchsbrunnen fördern noch im gleichen Jahr

1947
Die Rohrverlegung von Spexard zum Wasserwerk Langer Weg wird abgeschlossen. 9 der 16 geplanten Brunnen in Spexard sind fertig gestellt.

1948
16 Brunnen sind fertig gestellt, das Betriebsgebäude mit Aufbereitungsanlage und Reinwasserpumpstation befindet sich im Bau

Juni 1949
Das Wasserwerk Langer Weg, "das zu den modernsten Anlagen Westfalens gehört" (Westfalen-Zeitung vom 06.06.1949) wird in Betrieb genommen

1949 - 1956
Spexarder Bauern klagen über Grundwasserabsenkung. Die Stadt muss einen Schadensausgleich an die Bauern zahlen.
Die Förderung in Spexard muss wieder begrenzt und ein neues Wassergewinnungsgebiet gesucht werden. Abhilfe schafft kurzfristig Osthus Hof mit 3 Brunnen.

1959
Untersuchungen zeigen, dass der Rhedaer Forst als Gewinnungsgebiet geeignet ist. Die Arbeiten zum Bau eines neuen Wasserwerkes Nordrheda-Ems beginnen.

1960
Das erste Wasser aus dem Rhedaer Forst wird ins städtische Netz eingespeist.
Die Trinkwassergewinnung am Langen Weg endet aufgrund von Grundwasserabsenkung, zunehmender industrielle Nutzung des Gebietes und vermehrter Gefahr von Wasserverunreinigungen. Die Brauchwasserförderung für Vossen bleibt bestehen.

1964
Das Wasserwerk Nordrheda-Ems nimmt seinen regulären Betrieb auf

1968
Die 3 Wasserwerke (Spexard, Osthus Hof und Nordrheda-Ems) müssen alle Reserven mobilisieren, um die Versorgung im trockenen Frühjahr 1968 abzudecken

60er Jahre bis Anfang 70er Jahre
Die Stadtwerke Gütersloh übernehmen Verträge, Grundstücksbesitz, Aufschlussbohrungen sowie den Versuchsbrunnen (heute Vertikalbrunnen 2) von den Kreiswasserwerken Beckum. Durch Grundstückskauf und -tausch entsteht das neue Brunnengelände Quenhorn.

1969
Das Wasserwerk Herzebrock fällt aufgrund langer Trockenheit aus. Die Stadtwerke Gütersloh fördern kurzfristig - erst über Feuerlöschleitungen, später über eine sehr schnell erbaute Transportleitung - Rohwasser aus Quenhorn nach Herzebrock.

1970
Eingemeindung Avenwedde, Ebbesloh, Friedrichsdorf, Hollen, Isselhorst, Niehorst, Spexard

1974
In Quenhorn entsteht ein provisorisches Wasserwerksgebäude

November 1993
Außerbetriebnahme der Wapelwasserversickerung in Nordrheda-Ems

05.04.1995
Beginn der Reinwasserlieferung an Herzebrock-Clarholz, Ende der Rohwasserlieferung

1995
Bau des neuen Wasserwerkes Quenhorn, der erste Spatenstich erfolgt am 15.10.1993, die Inbetriebnahme im Juli 1995

01.01.1996
Ende der Brauchwasserlieferung an Vossen

2002
Bau der Reinwassertransportleitung vom Wasserwerk Quenhorn zum Wasserwerk Harsewinkel

2003
Inbetriebnahme des neuen Brunnenfeldes Quenhorn II mit 2 Vertikalbrunnen

30.04.2008
Inbetriebnahme des neuen Reinwasserbehälters am Wasserwerk Nordrheda-Ems

2012
Jahr der Jubiläen:

  • 150 Jahre Gasversorgung (seit 1862)
  • 125 Jahre Wasserversorgung (seit 1887)
  • 100 Jahre Stromversorgung (seit 1912)
  • 75 Jahre Stadtbus (seit 1937)
  • 52 Jahre Bäder (seit 1960)
  • 25 Jahre Trinkwasserlabor (seit 1987)

01.01.2016
Die Förderanlagen des Gewinnungsgeländes Quenhorn II und das entsprechende Wasserrecht gehen an die Gemeinde Herzebrock-Clarholz über

Die Gütersloher Wasserwerke

Die Trinkwasserversorgung in Gütersloh wird heute durch 4 Wasserwerke, von denen 3 durch die Stadtwerke Gütersloh GmbH betrieben werden, sichergestellt. Das Wasserwerk des Wasserbeschaffungsverbandes Isselhorst an der Niehorster Straße, auf das hier nicht näher eingegangen werden soll, versorgt ausschließlich den Ortsteil Isselhorst mit Trinkwasser.

Am 17. Februar 1887 fassten die Stadtverordneten den Grundsatzbeschluss zum Bau eines Wasserwerkes. Damit war der Grundstein für eine öffentliche Wasserversorgung gelegt.

Wasserwerk Langer Weg / Gewinnungsgebiet Spexard

Wasserwerk Langer Weg

Der zuvor gefasste Grundsatzbeschluss wurde dann in der folgenden Stadtverordnetenversammlung am 4. August 1887 konkretisiert: „Es soll auf Rechnung der Stadt ein Wasserwerk (Wasserleitung) nach dem von dem Wasserwerks-Direktor Disselhoff ausgearbeiteten speziellen Projekte und Kostenanschlag gebaut werden.“
Nachdem bereits ein Jahr zuvor eine Wasserprobe von dem Grundstück des Güthschen Kolonats als „von seltener Reinheit“ eingestuft worden war, konnte nach einigen terminlichen Verzögerungen das Wasserwerk am Langen Weg gemeinsam mit dem Wasserturm am 1. Oktober 1888 in Betrieb genommen werden. Das Wasserwerk verfügte damals über ein Betriebsgebäude mit Dampfkesseln und Pumpen. Das Wasser wurde zunächst aus 5 Schachtbrunnen gefördert; bis 1938 hatte sich die Zahl der Brunnen auf 16 erhöht. Allerdings erwies sich das Wasser als stark eisenhaltig, so dass 1894/95 eine Enteisenungsanlage eingebaut wurde, mit der Eisen und Mangan aus dem Wasser herausgefiltert wurden. Die Eingemeindungen der Bauernschaften Blankenhagen, Kattenstroth, Nordhorn, Pavenstädt und Sundern im Jahr 1910 stellten hohe Ansprüche an die städtische Wasserversorgung: Das bis dahin vorhandene Rohrnetz von circa 18 Kilometer Länge wurde innerhalb von nur 4 Jahren um 57 Prozent verlängert. Trotzdem konnte der damit verbundene gestiegene Bedarf an Trinkwasser mit den vorhandenen Kapazitäten gedeckt werden.

Das nächste einschneidende Ereignis datiert auf den 1. April 1935. An diesem Tag nahm die Reichsbahn ein eigenes Bahnwasserwerk in Betrieb und fiel damit als Großabnehmer für die Stadt Gütersloh aus. Doch bereits 1937 konnten die Fördermengen des Jahres 1934 wieder erreicht werden.

Da die zunehmende Bebauung nach dem Zweiten Weltkrieg eine Ausweitung des Wasserschutzgebietes am Langen Weg nicht zuließ und die unmittelbare Nähe zum Bahnhof und zu zwei Industriegebieten nicht mehr den Schutzanforderungen für reines Wasser entsprach, wurde 1946 mit den Planungen für ein Wassergewinnungsgebiet in Spexard begonnen. Anfang Juni 1949 wurde die Wassergewinnung in Spexard in Betrieb genommen. Seitdem wird das dort geförderte Wasser zum Wasserwerk Langer Weg gepumpt, dort aufbereitet und in das Trinkwassernetz abgegeben.

Die Trinkwasserförderung am Langen Weg wurde 1960 endgültig eingestellt. Danach wurde noch bis Ende 1995 Brauchwasser für einen Gütersloher Textilbetrieb gefördert.

Wasserwerk Langer Weg

Gemäß dem aktuellen Bewilligungsbescheid aus dem Jahr 2004, der zunächst bis 2034 gültig ist, dürfen die Stadtwerke Gütersloh GmbH im Wassergewinnungsgebiet Spexard jährlich bis zu 1,3 Millionen Kubikmeter Wasser fördern. Aktuell werden im Wasserwerk Langer Weg täglich bis zu 5.000 Kubikmeter Trinkwasser aufbereitet.

Technische Daten:
Lage: Gütersloh, Stadt
Inbetriebnahme: 1888/1948 (Neuerrichtung nach Zerstörung im Krieg)
Gewinnungsgebiet: Spexard
Brunnen: 12 Vertikalbrunnen
Aufbereitung: Enteisenung, Entmanganung
maximale Aufbereitungskapazität: 300 Kubikmeter pro Stunde
Reinwasserspeicher: 4.000 Kubikmeter

Wassergewinnung auf Osthus Hof
Hierbei handelt es sich eigentlich nicht um ein Wasserwerk, gleichwohl war hier die Errichtung des zweiten Gütersloher Wasserwerkes ursprünglich vorgesehen. Erste diesbezügliche Überlegungen reichen zurück bis in das Jahr 1911. Allerdings mussten sämtliche Arbeiten bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs eingestellt werden.
Erst als Mitte der 20er Jahre die Grundwasserstände am Wasserwerk Langer Weg bedrohlich gesunken waren, erinnerte man sich an den Osthus Hof. Erste Vorerkundungen kamen zu dem Ergebnis, dass das Wasser im Gebiet um Osthus Hof „zur Wasserversorgung für die Stadt bestens geeignet“ sei. Aber bereits Anfang 1930 war klar, dass das Grundwasservorkommen für eine dauerhafte Versorgung nicht ausreichte. Der trockene Sommer 1930 zwang jedoch zum Handeln. Durch den Regierungspräsidenten wurde eine vorläufige Wasserförderungsgenehmigung für die Sommermonate und nur für den zusätzlichen Bedarf erteilt. Diese Genehmigung wurde jedoch jährlich erneut erteilt und galt zuletzt pauschal bis Ende des Krieges. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Zugang zu den Brunnenanlagen durch die Beschlagnahme der Kasernen an der Verler Straße zunächst abgeschnitten.

Die starke Inanspruchnahme des Grundwasserreservoirs in Spexard Anfang der 50er Jahre führte zu erheblichen Schäden bei den Landwirten, die von der Stadt ausgeglichen werden mussten. In dieser Notlage besann man sich auf die Brunnenanlagen von Osthus Hof. Nachdem es ein Arrangement mit der britischen Rheinarmee als Kasernennutzer gegeben hatte, konnten ab 1956 drei Brunnen in Betrieb genommen werden. Damit war zumindest vorübergehend die städtische Wasserversorgung gesichert.
Im trockenen Frühjahr 1968 mussten sämtliche Reserven in allen Wassergewinnungsgebieten in Anspruch genommen werden, um der Wassernachfrage gerecht zu werden.

Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde die Wasserförderung auf dem Gelände Osthus Hof endgültig eingestellt.

Wasserwerk Nordrheda-Ems / Gewinnungsgebiete Rhedaer Forst und Sudheide I + II

Wasserwerk Nordrheda-Ems

Schon Mitte der 50er Jahre war klar, dass die vorhandenen Wassergewinnungsanlagen nicht in der Lage waren, den wachsenden Bedarf auch auf Dauer zu decken. 1955 wurde deshalb der Bielefelder Geohydrologe Dr. Schneider damit beauftragt, Untersuchungen zur Sicherung der Wasserversorgung für bis zu 80.000 Einwohner durchzuführen. Die günstigsten Untersuchungsergebnisse lieferten der Rhedaer Forst und die Pixelheide (Herzebrock/Quenhorn). Für den Rhedaer Forst wurde eine tägliche Grundwasserentnahme von bis zu 2.500 Kubimeter prognostiziert. Mit dem Bau des Wasserwerkes wurde 1959 begonnen und bereits im folgenden Jahr konnte das erste Wasser in das städtische Netz eingespeist werden, da dieses Wasser keiner weiteren Aufbereitung bedurfte. Im Frühjahr 1964 nahm das Wasserwerk Nordrheda-Ems dann seinen regulären Betrieb auf. Bis heute wird das Grundwasser im Wassergewinnungsgebiet Rhedaer Forst aus 27 Vertikalbrunnen gefördert und im Wasserwerk aufbereitet. Von 1963 bis November 1993 wurde das Grundwasser über Versickerungsteiche mit Wasser aus der Wapel künstlich angereichert.

In den 80er Jahren wurden 2 weitere Wassergewinnungsgebiete (Sudheide I und II) erschlossen. Das dort geförderte Wasser wird ebenfalls im Wasserwerk Nordrheda-Ems aufbereitet. Das zuletzt 2003 bewilligte Wasserrecht erlaubt eine Grundwasserförderung von jährlich 1,2 Millionen Kubikmeter (Sudheide I) bzw. 500.000 Kubikmeter (Sudheide II).

Wasserwerk Nordrheda-Ems

Technische Daten:
Lage: Rhedaer Forst
Inbetriebnahme: 1963
Gewinnungsgebiete: Rhedaer Forst, Sudheide I + II
Brunnen: 15 Vertikalbrunnen im Rhedaer Forst und 12 Vertikalbrunnen in der Sudheide
Aufbereitung: Enteisenung, Entmanganung
maximale Aufbereitungskapazität: 300 Kubikmeter pro Stunde
Reinwasserspeicher: 4.000 Kubikmeter

Wasserwerk Quenhorn / Gewinnungsgebiet Quenhorn I

Wasserwerk Quenhorn

Gerade einmal 3 Jahre nach Inbetriebnahme des Wasserwerkes Nordrheda-Ems drückte der Verwaltungsbericht erneut die Befürchtung aus, dass in Trockenperioden „Schwierigkeiten durch die Spitzenbelastung zu erwarten“ seien. Zurückgreifend auf die Untersuchungen aus den 50er Jahren wurde daher der Bau eines weiteren Wasserwerkes in Angriff genommen. Am 14.06.1974 konnte in Quenhorn zunächst ein Wasserwerksprovisorium in Betrieb genommen werden. Dazu gehörte eine kleine Aufbereitungseinheit, die 150 Kubikmeter Wasser pro Stunde aufbereiten konnte. Nach den trockenen Sommern 1989 bis 1991 zeigte sich die Notwendigkeit, eine leistungsfähigere Aufbereitung zu bauen. Im Oktober 1993 wurde dann mit dem Bau eines großen Wasserwerkes in Quenhorn begonnen; die Inbetriebnahme erfolgte im Juli 1995. Aus den 2 Wassergewinnungsgeländen (Quenhorn I und II) dürfen nach dem derzeit bestehenden Wasserrecht (lt. Bewilligungsbescheid aus dem Jahr 2009) jährlich bis zu 3,5 Millionen Kubikmeter Grundwasser gefördert werden. Das in Quenhorn aufbereitete Wasser fließt jedoch nicht nur nach Gütersloh, sondern versorgt auch die Gemeinde Herzebrock-Clarholz mit Reinwasser.

Wasserwerk Quenhorn

Technische Daten:
Lage: Herzebrock-Clarholz
Inbetriebnahme: 1995
Gewinnungsgebiete: Quenhorn I
Brunnen: 4 Vertikalbrunnen, 2 Horizontalbrunnen
Aufbereitung: Enteisenung, Entmanganung
maximale Aufbereitungskapazität: 800 Kubikmeter pro Stunde
Reinwasserspeicher: 4.000 Kubikmeter


Quellen:

  • 125 Stadtwerke Gütersloh, dokumentarische Chronik, Günter Beine, 1987
  • Stadtwerke Gütersloh GmbH: Trinkwasser seit 1888 – Wassergewinnung für Gütersloh
  • Stadtwerke Gütersloh GmbH: Wasser für Gütersloh. Klare Sache! - Rund um die Wasserwerke der Stadtwerke Gütersloh
  • Westfalen-Blatt vom 18.06.2009
  • Bildmaterial: Stadtwerke Gütersloh GmbH

Anschrift

Stadt Gütersloh
Der Bürgermeister
Berliner Straße 70
33330 Gütersloh

Kontakt und Informationen

T: +49 5241 / 82-1
F: +49 5241 / 82-2044
Kontaktformular

Social Media

 
 

Sprachversion

Englisch
French
Leichte Sprache
 
Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen