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Station 8: Alte Badestelle / Kurhaus Güthenke

Diese Station befindet sich am Kurhaus Güthenke, das direkt über die Park- und Badstraße erreichbar ist. Von der Oststraße stadtauswärts entlang der Dalkepromenade erreicht man nach etwa 200 Metern die Station "Alte Badestelle".

Altarm der Dalke
Altarm der Dalke, im Hintergrund befindet sich das Kurhaus Güthenke, Foto: Stadt Gütersloh

Auf dem Gelände des Kurhauses Güthenke direkt am heute noch vorhandenen Altarm der Dalke befand sich ein 1906 vom Naturheilverein Gütersloh (Prießnitz-Verein) errichtetes Licht-, Luft- und Schwimmbad. Bis dahin gab es lediglich eine Badestelle in der Dalke unterhalb von Meiers Mühle.
Ebenfalls im Jahr 1906 wurde das Kurhaus Güthenke als Privatkrankenanstalt gegründet, in dem nach den Grundsätzen der Naturheilkunde behandelt wurde.

Thematisch befasst sich der Wassererlebnispfad Dalke an dieser Station mit dem Thema „Baden und Gesundheit“. Neben einem Bericht über das Kurhaus Güthenke gibt es hier weitere Informationen über den Kneipp-Verein und zum Thema Naturheilverfahren. Und schließlich werden hier auch die früheren und heutigen Bäder in Gütersloh vom Badehaus der Carl-Hahn-Stiftung bis zum Freizeitbad „Die Welle“ vorgestellt.

Die Umweltstiftung Gütersloh bedankt sich bei der Sparda-Bank Hannover-Stiftung/Sparda-Bank Gütersloh für die finanzielle Unterstützung, mit der die Herstellung und Montage einer Info-Tafel vor Ort ermöglicht wurde.

Das Kurhaus Güthenke

Am 3. September 1906 wird dem Schneidermeister Fritz Güthenke die Genehmigung zur Ansiedlung in der Bauernschaft Sundern (heute: Badstraße 12) erteilt. Ein knappes Jahr später, am 6. Juli 1907 wird das "Bade- und Massagegeschäft" Güthenke in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Licht-, Luft- und Schwimmbad des Naturheilvereins eröffnet.

Geschichte des Kurhauses
Die Anfänge der unter dem Namen Kurhaus Güthenke bekannt gewordenen Naturheilstätte reichen bis in das Jahr 1892 zurück. Die ersten Wasserbehandlungen nach den Methoden von Kneipp und Prießnitz führte Fritz Güthenke im Nebenerwerb zu seinem eigentlichen Schneiderberuf in einem kleinen Raum in der damaligen Feldstraße Nummer 645 (heute: Feldstraße 39) durch.

Güthenke, Grundriss Behandlungsraum im Jahr 1892

Trotz der dürftigen Einrichtung und zum Teil nur behelfsmäßiger Arbeitsmittel gelangen erste Behandlungserfolge. 1895 wurde die Kuranstalt um 2 Räume erweitert. 2 Jahre später erfolgte ein vollständiger Umbau des Hinterhauses an der Feldstraße. Nun konnten gleichzeitig bis zu 7 Bäder verabreicht werden.

1907 erfolgte dann der Umzug in die neuen Bade- und Behandlungsräume. Neben dem reichlich zur Verfügung stehenden Wasser aus der damals noch klaren Dalke konnte auch Strom von der nahe gelegenen Avenstroths Mühle bezogen werden. Zu dieser Zeit verfügte die Stadt Gütersloh noch über kein elektrisches Licht. Damit konnte neben der Wasser- auch die elektrische Lichtbehandlung in den Behandlungsplan aufgenommen werden. Zeitgleich wurden auch die ersten Dauergäste im Hause Güthenke behandelt.
Etwa 15 Jahre lang waren die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten ausreichend, dann wurde wegen der wachsenden Patientenzahl alles zu klein. Fritz Güthenke entschloss sich daher, ein neues Badehaus zu bauen, das im Juli 1922 in Betrieb genommen wurde.

1927 wurde der Anstalt die staatliche Konzession als Privatkrankenanstalt verliehen. Aus der einstigen Kuranstalt war das Kurhaus Güthenke entstanden.

Kurhaus Güthenke um 1930
Kurhaus Güthenke um 1930

Der weitere stetige Zustrom von Patienten aus dem In- und Ausland führte dazu, dass die vorhandenen Unterkunftsräume bald nicht mehr ausreichten. Im Jahr 1930 wurde das neue Kurmittelhaus mit einer bebauten Grundfläche von 400 Quadratmeter, das mit allen technischen Neuerungen ausgestattet war, eröffnet. Das bisherige Badehaus wurde zur Patientenunterkunft umgebaut. Das Kurhaus Güthenke verfügte damit über 55 Betten.

Während eines Luftangriffs im Kriegsjahr 1944 wurde unter anderem das Pensionshaus zerstört. Der Anstaltsbetrieb kam zum Erliegen. Aber bereits im Frühjahr 1946 wurde der Betrieb mit zunächst 20 Betten wieder aufgenommen. Bis Ende 1956 konnte die Bettenzahl wieder auf 35 erhöht werden.
Während die Krankenbehandlung im Kurhaus Güthenke in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts noch ihre Blütezeit erlebte, war das Ende des Kurbetriebes nicht mehr fern, denn bereits 1974 endete die stationäre Krankenbehandlung.
Heute setzt die Urenkelin des Kurhausgründers die Tradition als Heilpraktikerin im ehemaligen Kurgebäude fort.

Der Gründer des Kurhauses – Fritz Güthenke
Fritz Güthenke wurde am 2. März 1858 im heutigen Gütersloher Ortsteil Pavenstädt als zweitjüngster von insgesamt 9 Kindern geboren. Nach seiner Schulzeit ging er 1872 in Gütersloh bei einem Schneidermeister Osthus in die Lehre. Entsprechend dem damaligen Handwerksbrauch führten ihn die Gesellenjahre in mehrere Städte in Nord- und Westdeutschland. 1883 ging er zur Bekleidungsakademie in Dresden. Nach dessen Absolvierung ließ er sich in Gütersloh als selbstständiger Schneidermeister nieder. 1885 heiratete er seine Frau Elise, eine Tochter des Kolons Loerpabel. Am 01.04.1886 zog er in das neu erbaute Haus Feldstraße 645.

Güthenkes erste Kontakte zur Naturheilkunde und zu Wasserbehandlungen entstanden kurz nach seiner Hochzeit. Wie er selbst erzählt, wurde er von Furunkeln und Geschwüren befallen, die ihn trotz ärztlicher Behandlung immer mehr plagten. Erst die verordneten heißen Solbäder und die Dampfbehandlung bei dem Naturheilkundigen A. Schemmel brachten Besserung. Schemmel war es auch, der Fritz Güthenke in die Naturheilkunde einführte. Für seine Ausbildung als Naturheilkundiger fuhr er 2 Jahre lang, besonders an Sonntagen, nach Bielefeld und lernte dort Massage und Krankenbehandlung. Schon kurz danach wurde er von Patienten ans Krankenbett gerufen und beschaffte erste Apparate, die in seinem Haus in der Feldstraße zur Anwendung kamen.

Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Naturheilkundiger gehörte Fritz Güthenke auch dem Gütersloher Naturheilverein an. In seiner Funktion als Vereinsvorsitzender wurde er 1902 als Delegierter der Westdeutschen Gruppe nach Gera entsandt, wo er den Wert von Luft- und Schwimmbädern für die Volksgesundheit erkannte. 1906 entstand daher das erste Gütersloher Freibad in unmittelbarer Nähe zu seiner Kuranstalt.

Noch vor dem Tod von Fritz Güthenke im Jahr 1934 übernahm sein Sohn Heinrich bereits Mitte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts die Führung des Kurhauses, nachdem er seine Ausbildung an der Freien Hochschule für Naturheilkunde beendet und erste praktische Erfahrungen in der Krankenbehandlung gesammelt hatte. Auch sein Enkel, Klaus Güthenke, setzte weiter auf die Naturheilbehandlung. Noch heute führt die Urenkelin des Kurhausgründers die Tradition als Heilpraktikerin im ehemaligen Kurgebäude fort.

Behandlungsmethoden und -techniken
Im Mittelpunkt der Behandlung stand die naturgemäße Ganzheitstherapie, zu der Fritz Güthenke unter anderem folgendes ausgeführt hat:
„Unsere naturgemäße Behandlung wird durch das naturärztliche Vertrauen auf die Naturheilung geleitet; sie sucht die Heilvorgänge zu unterstützen und zu verstärken, aber alles zu vermeiden, was diese stören könnte. Unsere Therapie ist ursächlich, unspezifisch und gänzlich, aber nie symptomatisch, spezifisch und nur örtlich.
Die Angriffspunkte naturgemäßer Behandlung sind die Haut, die Gewebe, der Kreislauf und der Stoffwechsel. Wir benutzen vornehmlich ableitende Verfahren, dadurch werden die kranken Organe entlastet, belebt und die Krankheitsstoffe ausgeschieden. Wir kennen auch die Kunst, abzuwarten und nicht zu früh einzugreifen. Manche Krankheit muss oft eine Art Reifeprozess durchmachen, so bei entzündlichen Schwellungen, Gelenkrheuma usw. Wir geben bei Fieber keine Nahrung, sondern nur Saft.
Im Gegensatz zur Schulmedizin, welche nur wenig Vertrauen in die Naturheilung hat, und in der Regel eine Selbstheilung von Krankheiten verneint, ist in der naturgemäß ausgerichteten Ganzheitstherapie jede Krankheit gleichzeitig ein Heilvorgang, eine außergewöhnliche Arbeit des Körpers, eine Umstellung aller Funktionen und eine Reaktion auf die krankmachenden Reize…“

Kurhaus Güthenke, Wasserbehandlungsanlage
Wasserbehandlungsanlage der Damenabteilung mit Durchblick in die Bestrahlungsanlage und die Auskleideräume

Behandelt wurden alle Krankheiten, bei denen mit den Methoden des Naturheilverfahrens eine Heilung oder Besserung der Leiden erwartet wurde, insbesondere

  • rheumatische Erkrankungen aller Art
  • Erkrankungen des Herzens und der Gefäße
  • Erkrankungen von Magen und Darm, Blase und Niere
  • Erkrankungen der Luftwege
  • Erschöpfungszustände auf nervöser Basis sowie
  • Wirbelsäulenerkrankungen (Bandscheibenschäden)

Für die Behandlung dieser Krankheiten standen eine Vielzahl von Wasserbehandlungsanlagen zur Verfügung. Verabreicht wurden Duschen, Wechselbäder, Güsse, Dampfkompressen, Dampfstrahl, Dampfkastenbäder, Voll- und Halbkastenbäder, Kohlensäurebäder, Sauerstoff-, Fichtennadel- und Schwefelbäder, Wechselrumpfbäder und Rumpfbäder. Ferner gab es Licht- und Bestrahlungstherapien, elektrische Bäder, Höhensonnen, Farblichtbehandlungen, Hochfrequenz, Infrarot- und Hexamikrombestrahlungen (IR-Bestrahlung, die tief ins Innere des Gewebes eindringt und dort die Durchblutung anregt).
Bei Bedarf wurden im Einzelfall Spezialkuren ergänzend verordnet: Darminnenbäder, Bäder der Blutwäsche, Blutegelbehandlungen und Schrothkuren*.

Bereits 1927 wurde im Kurhaus Güthenke das bis dahin erste und einzige Blutwäschebad in Norddeutschland (genannt Dauerbrause), ein in den USA entwickeltes Verfahren, in Betrieb genommen. Gleichzeitig wurde die Ernährung auf vegetarische und Frischkost umgestellt, was in der Krankenernährung damals noch als gewisses Wagnis galt.

*Johann Schroth (1798 – 1856) – österreichischer Naturheiler und Erfinder der nach ihm benannten Schrothkur


Quellen:

  • Heimatbuch des Kreises Wiedenbrück, 1955
  • Die Glocke vom 01.11.1956
  • Stadtarchiv Gütersloh, versch. Akten
  • Bildmaterial: Stadtarchiv Gütersloh

Sebastian Kneipp und die 5 Säulen der Kneippschen Heilkunde

Das von Sebastian Kneipp geprägte Heilverfahren hat bis heute überdauert und sich stetig weiter entwickelt. Aus der ursprünglichen Wasser- und Kräuterheilkunde entstand ein anerkanntes Naturheilverfahren.

Sebastian Kneipp
Sebastian Kneipp wurde am 17. Mai 1821 in Stephansried in Oberschwaben geboren. Nachdem sein Elternhaus 1841 abbrannte und er dabei seine Ersparnisse in Höhe von 70 Gulden verlor, verließ er den Heimatort und fand eine Anstellung als Knecht in Grönenbach. Dort lernte er auch den Ortspfarrer und Botaniker Christoph Ludwig Koeberlin kennen, der ihn in die Pflanzenheilkunde einführte. 1844 wurde er in das Gymnasium zu Dillingen aufgenommen und begann dort 1848 ein Studium der Theologie. 1852 erhielt er die Priesterweihe.

Sebastian Kneipp
Sebastian Kneipp
 

Ein Jahr später erkrankte Kneipp an Tuberkulose, damals eine unheilbare Krankheit. Zufällig entdeckte er das Buch „Unterricht von der Heilkunde des frischen Wassers“ von Johann Siegmund Hahn. Daraufhin badete er mehrfach einige Augenblicke in der eiskalten Donau und wurde wieder gesund. 1850 nahm er sein Studium wieder auf und behandelte mehrfach heimlich Kommilitonen, die ebenfalls an Tuberkulose erkrankt waren.

Im Februar 1853 kam es zur ersten Anzeige wegen „Kurpfuscherei“, da er eine cholerakranke Magd mit heißen Wickeln behandelt hatte. Zwar erhielt er eine Polizeistrafe von 2 Gulden wegen „Vergehens gegen das Kurierverbot“, ironischerweise stellte er aber auch dem urteilenden Richter eine Kuranweisung gegen Gicht aus.

Im Mai 1855 kam Kneipp nach Wörishofen, das sich in den folgenden Jahren zu einem bedeutenden Kurort entwickelte. Immer mehr Hilfesuchende, zunehmend auch aus wohlhabenderen Kreisen, kamen nach Bad Wörishofen.
Trotz aller Heilerfolge hörten die Anfeindungen gegen ihn zeitlebens nicht auf. Es kam zu mehreren Brandstiftungen in Wörishofen. Auch die Presse, insbesondere die Augsburger Abendzeitung und die Leipziger Volkszeitung, hetzte gegen ihn.
Es gab aber auch viele Befürworter und Unterstützer der Kneippschen Heilverfahren. Bereits am 14. Dezember 1890 gründete der Verleger Ludwig Auer den ersten Kneipp-Verein. Kurz darauf erschien die erste Ausgabe der noch heute monatlich erscheinenden Kneipp-Blätter.
1886 erschien das Buch „Meine Wasseruhr“ und wurde innerhalb weniger Jahre in 14 Sprachen übersetzt.
Am 17. Juni 1897 starb Sebastian Kneipp im Alter von 76 Jahren an den Folgen eines Tumors im Unterleib.

Die 5 Säulen Sebastian Kneipps
1. Wasser

S. Kneipp: „Für den gesunden Menschen ein vorzügliches Mittel, seine Gesundheit und Kraft zu erhalten, so ist es auch in der Krankheit das erste Heilmittel; es ist das natürlichste, einfachste und – wenn recht angewendet – das sicherste Mittel. Das Wasser ist mein bester Freund und wird es bleiben, bis ich sterbe.“
Grundsätzlich stärken Wasseranwendungen die Abwehrkräfte und das vegetative Nervensystem, sie wirken harmonisierend auf alle Systeme im Körper und fördern die seelische Gelassenheit. Kneippsche Wasseranwendungen wirken nicht nur als Heilmittel, sondern haben auch in der Prävention ihren Platz.

2. Bewegung
S. Kneipp: „Die Bewegung erhöht die Lebenslust und hilft dem Menschen durch die Stärkung seines Körpers.“
Bewegung fördert nicht nur die Fitness, sondern auch die Gelassenheit und hebt die Stimmung. Als Verfechter des Barfußgehens empfahl Sebastian Kneipp maßvolle Bewegung in der frischen Luft. Heute nennt man das Ausgleichssport.

3. Heilpflanzen
S. Kneipp: „Mit jedem Schritt und Tritt, welchen wir in der herrlichen Gottesnatur machen, begegnen wir immer wieder neuen Pflanzen, die für uns höchst nützlich und heilbringend sind.“
Aus der „Apotheke Natur“ eignen sich für eine verantwortliche Selbstbehandlung am besten die mild wirkenden Sorten, am besten aus der heimischen Umgebung. Dazu einige Beispiele:

  • Linden- oder Holunderblütentee: hilft Erkältungen vorzubeugen
  • Arnika: gegen Zahnfleisch- und Mandelentzündungen, Rachenkatarrh
  • Fenchel: beruhigt die Verdauung
  • Ringelblume: erleichtert Wundheilung

4. Ernährung
S. Kneipp: „So lange keine durchgreifende Änderung in unserem Ernährungssystem eintritt, können die argen Schäden, an denen die Menschheit krankt, nicht behoben werden, es wird im Gegenteil noch schlechter werden.“
Eine bedarfsgerechte, vollwertige, schmackhafte, möglichst naturbelassene Ernährung ist wichtige Voraussetzung für das Wohlbefinden. Sie trägt zum gesund bleiben wie zum gesund werden bei, indem sie die körpereigenen Schutzsysteme fördert.

5. Lebensordnung
S. Kneipp: „Kaum ein Umstand kann schädlicher auf die Gesundheit wirken als die Lebensweise unserer Tage. Es muss ein Ausgleich gefunden werden, um die überanstrengten Nerven zu stärken; ihre Kraft zu erhalten; es muss ein Gleichgewicht hergestellt werden.“
Das fünfte Element beinhaltet als Voraussetzung für psychische Gesundheit die Fähigkeit, sich selbst in der eigenen biologischen und seelisch-spirituellen Wesenheit zu sehen und zu akzeptieren und sich inmitten der Beziehungen zu den Mitmenschen und zur belebten und unbelebten Natur in Ausgewogenheit weiter zu entwickeln.

Weitere ausführliche Informationen über Sebastian Kneipp und die 5 Säulen des von ihm entwickelten Heilverfahrens finden Sie unter www.kneippbund.de und www.kneippvisite.de.

Quellen:

  • Kneipp-Verein-Gütersloh
  • Kneipp-Bund: Bundesverband für Gesundheitsförderung und Prävention
  • Wikipedia

Was macht der Kneipp-Verein?

Der Kneipp-Verein Gütersloh ist einer von rund 660 Kneipp-Vereinen mit insgesamt etwa 160.000 Mitgliedern. Dachverband der Kneipp-Vereine in Deutschland ist der als gemeinnützig anerkannte Kneipp-Bund e.V. in Bad Wörishofen.

Der Kneipp-Bund erarbeitet Richtlinien für Betriebe und Einrichtungen, die nach der gesunden Methode arbeiten und dafür die offizielle Anerkennung erhalten möchten (Kindergärten und Schulen, Kurbetriebe, Gästehäuser, Gesundheitshöfe, Senioreneinrichtungen, Campingplätze). Von Bad Wörishofen aus werden Zertifikate dafür verliehen, die Einhaltung der Richtlinien kontrolliert und Projekte initiiert, die die Gesundheit der Menschen fördern.

Bereits in den 50er Jahren gab es in Gütersloh Anhänger der Kneipp-Bewegung. Es dauerte dann aber noch bis zum 12. April 1973. An diesem Tag gründete schließlich der Schneidermeister Wilhelm Leich den Kneipp-Verein Gütersloh e.V.
Schwerpunkt der damaligen Tätigkeit war die Verbreitung der Yoga-Idee. Damals wie heute wurden dazu viele Kurse im Verein angeboten.

Hauptaufgabe der Kneipp-Vereine in Deutschland ist es, den Menschen das nach dem Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 – 1897) entwickelte und anerkannte Naturheilverfahren, das auf den 5 Elementen „Wasser, Bewegung, Heilpflanzen, Ernährung und Lebensordnung“ basiert, nahezubringen (vergleiche dazu auch "Die 5 Säulen der Kneippschen Heilkunde").

Mit zahlreichen Übungsleitern – überwiegend mit einer Ausbildung an der Sebastian-Kneipp-Akademie – bietet der Kneipp-Verein Gütersloh eine Reihe von Gesundheitskursen an. Neben Yoga sind dies: autogenes Training, Gedächtnistraining, Gymnastik, progressive Muskelentspannung, Qi Gong, Reiki, Wirbelsäulengymnastik und vieles mehr. Ferner werden Bewegungstherapien im Gütersloher Hallenbad, Wassergymnastik und Aquafitness-Kurse im St. Elisabeth Hospital und Wassergewöhnungskurse für Kinder in der Michaelisschule angeboten.

Weitere ausführliche Informationen über den Kneipp-Verein Gütersloh und seine Angebote finden Sie unter www.kneipp-verein-guetersloh.de.


Quelle:
Kneipp-Verein-Gütersloh

Bäder in Gütersloh: Das Badehaus der Carl-Hahn-Stiftung an der Friedrichstraße

Wachsende Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen Erkrankungen und mangelnder körperlicher Hygiene führten in vielen deutschen Städten zur Errichtung sogenannter Volksbäder mit dem Ziel: "Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad".

In Gütersloh gab die 1905 errichtete Carl-Hahn-Stiftung als Stiftungszweck eine Stiftung von 27.000,- Mark zum Bau einer Volksbadeanstalt an. Verwalter der Stiftung war die Stadt Gütersloh. Der „Kommission für die Volksbadeanstalt Carl-Hahn-Stiftung“ gehörten Bürgermeister Mangelsdorf als Vorsitzender, Geheimer Medizinalrat Dr. Schlüter, Sanitätsrat Dr. Stohlmann, Beigeordneter Fritz Güth und die Kaufleute Hermann und Fritz Marten an.

Volksbadeanstalt "Carl-Hahn-Stiftung"
Friedrichstraße 4, Volksbadeanstalt "Carl-Hahn-Stiftung" 1906 - 1976, Repro: Stadtarchiv Gütersloh, 1991 (Bildoriginal: Gütersloher Stadtanzeiger 14/76)

Die Genehmigung zum Bau der Volksbadeanstalt wurde am 16.03.1906 erteilt und noch im Dezember desselben Jahres wurde der Badebetrieb eröffnet. Für Frauen gab es 4 Zellen für Wannen- und 2 für Brausebäder. Für Männer standen 2 Zellen für Wannen- und 4 für Brausebäder zur Verfügung.
Nach dem II. Weltkrieg war die Volksbadeanstalt von den britischen Besatzungstruppen in der Zeit vom 15. Mai 1945 bis 31. August 1950 beschlagnahmt.

Das Badehaus der Carl-Hahn-Stiftung wurde danach noch bis 1960/1961 genutzt. (Ab April 1960 stand das Hallenbad an der Herzebrocker Straße für Bäder zur Verfügung.) Während in einem Quellentext das Datum 15.04.1961 als Betriebsende angegeben wird, hatte bereits am 07.06.1960 der Hauptausschuss im Rat der Stadt Gütersloh beschlossen, das DRK-Übernachtungsheim in das Gebäude der ehemaligen Carl-Hahn-Stiftung zu verlegen. Ein entsprechender Mietvertrag mit dem Deutschen Roten Kreuz wurde allerdings erst am 16.03.1962 geschlossen.

Mit Schreiben vom 07.07.1976 beantragte das Hochbauamt der Stadt Gütersloh den Abbruch des ehemaligen Übernachtungsheimes auf dem Grundstück Friedrichstraße 4 in Gütersloh zwecks Freilegung des Geländes zum Bau der Stadthalle. Der Abbruch erfolgte noch im selben Jahr.


Quellen:

  • Verwaltungsbericht der Stadt Gütersloh für die Jahre 1896 bis 1907
  • Stadtarchiv Gütersloh, versch. Akten
  • Bild: Stadtarchiv Gütersloh

Bäder in Gütersloh: Das Wapelbad

Die Geschichte des Wapelbades reicht zurück bis in das Jahr 1925. Damals beschloss der Magistrat der Stadt Gütersloh die "Einrichtung einer Badegelegenheit an der Wapel". Da die Stadt jedoch über kein Grundeigentum verfügte, wurde per Vertrag vom 8.Juni 1925 ein Wiesengrundstück für die Errichtung eines Freibades von dem Kolon Kollmeyer angepachtet. Die Liegewiese umfasste eine Fläche von zunächst 1.200 Quadratmeter, später wurde das Areal auf 3.900 Quadratmeter erweitert. (Bilder zu diesem Thema finden Sie am Ende des Artikels.)

Der Betrieb des Freibades bedufte darüber hinaus der Genehmigung durch die Wapelgenossenschaft. Auf den Antrag der Stadt nahm diese wie folgt Stellung: „Auf das gefällige Schreiben vom 11. Juni d. J. betr. vor dem Stau in der Wapel auf dem Grundstück des Kolons Kollmeyer, erwidern wir ergebenst, dass wir nach den in den letzten Jahren mit dem Baden an der genannten Stelle gemachten sehr üblen Erfahrungen nur mit den größten Bedenken dem dortigen Antrage näher treten können, dass wir aber andererseits aus sozialen Gründen und mit Rücksicht auf die gesundheitlichen Vorteile, die ein häufigeres Baden, besonders in der warmen Jahreszeit mit sich bringt, dennoch bereit sind, unsere Zustimmung auf jederzeitigen Widerruf zu erteilen.“

Anfangs gab es 2 geschlossene Gruppenumkleiden für Frauen und Männer. Einzelkabinen gab es erst ab 1933. Der Badebetrieb war daher so geregelt, dass das Bad an 2 Tagen pro Woche für Frauen und an den übrigen Tagen für Männer freigegeben wurde. In der Magistratssitzung vom 6.September 1926 wurde dazu ausgeführt: „Es soll nicht gestattet werden, dass im Freibad an der Wapel Jungen und Mädchen, auch wenn sie von den Lehrern beaufsichtigt werden, gemeinsam baden.“

1932 wurden die Baumgruppen gepflanzt, eine Trinkwasseranlage installiert und der Weg zum Wapelbad befestigt.
Im Jahr 1933 wurde das Wapelbad umfangreich ausgebaut und erweitert. Die Liegewiese wurde auf 5.300 Quadratmeter vergrößert und ein separates Planschbecken geschaffen. Gebaut wurde ein Kassenhäuschen, eine Umkleideanlage mit Toiletten, ein Kiosk und ein Wohnhaus.

Bei dem Wapelbad handelte es sich um einen gestauten Abschnitt der Wapel, dessen eine Seite betoniert wurde, während auf der anderen Seite das natürliche Flussufer bestehen blieb. Die Wassertiefe lag zwischen 1,00 und 1,50 Meter. Die Frischwasserzufuhr war so geregelt, dass abends nach Ende des Badebetriebes das gestaute Wasser zum größten Teil abgelassen wurde. Einrichtungen für eine Aufbereitung und Desinfektion des Wassers waren nicht vorhanden.

Die zunehmende Industrialisierung, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg, führte auch in Gütersloh zu einer steigenden Verunreinigung der Gewässer. Im August 1952 kommt das Hygienisch-Bakteriologische Institut Bielefeld (HBI) bezüglich der Qualität des Wapelwassers zu folgenden Festestellungen:
„Bezüglich der Wasserqualität ergeben sich Bedenken, die bei jedem offenen Flusslauf bestehen. Eine Verunreinigung der Wapel oberhalb des Bades lässt sich nicht mit Sicherheit vermeiden. Eine starke Anreicherung von Keimen bei stärkerer Benutzung ist immer gegeben. Für eine so starke Benutzung, wie sie angegeben wurde, ist die Badeanstalt auf keinen Fall geeignet. In Zeiten erhöhter Seuchengefahr müssen überhaupt grundsätzliche Bedenken gegen die Benutzung des Bades erhoben werden.“

Der Stadtdirektor der Stadt Gütersloh ordnete daraufhin per Verfügung vom 19.August 1952 an:
Auf Grund der Polizeiverordnung zur Bekämpfung der Kinderlähmung im Regierungsbezirk Detmold vom 15. August 1952, § 1, ist das Baden im Wapelbad ab sofort zu untersagen.
Der Bademeister des Wapelbades ist sofort in diesem Sinne zu unterrichten.
An das Bauamt ist zu schreiben und um Anfertigung eines Verbotsschildes zu bitten, welches am Wapelbad sofort angebracht werden muss. Um dies zu beschleunigen, ist telefonisch schon mit dem Bauamt zu sprechen.

In den folgenden Jahren war für das Wapelbad wohl kein durchgehender Badebetrieb möglich. Nachdem aber die Abwässer der Raststätte Gütersloh nicht mehr in den Wiedeybach eingeleitet wurden, stellte das HBI am 18. Juni 1957 fest, dass gegen eine sofortige Öffnung des Bades keine Bedenken bestünden. Anfang der 60er Jahre trat jedoch eine weitere Verschlechterung der Wasserqualität ein, sodass der Badebetrieb 1967 endgültig eingestellt werden musste.

Das Wapelbad wird seitdem als Licht- und Luftbad genutzt und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Das vorhandene Planschbecken, das mit Brunnenwasser gespeist wird, ist nicht nur bei kleinen Kindern beliebt; auch mancher Erwachsener nimmt hier gerne eine kleine Erfrischung.

Bis 1991 betreute Maria Brummert gemeinsam mit Resi Schürmann die Anlage als Pächterin des Kiosk. In dieser Zeit verzeichnet die Speisekarte als besondere Spezialität den „Wapel-Stern“, der nach eigenem Rezept gebacken wurde und sowohl heiß als kalt gleich köstlich schmeckte. Die Wapelsterne wurden weit über die Grenzen Güterslohs hinaus bekannt und galten hier als „Gütersloher Nationalgericht“. Beide Pächterinnen wurden am Ende der Pachtzeit, Ostern 1992, nachdem sie 15 Jahre lang hinter der Theke des Kiosk gestanden hatten, offiziell verabschiedet.

In den Jahren 2003/2004 bemühte sich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, das Wapelbad unter Denkmalschutz zu stellen. Nachdem die Stadt Gütersloh jedoch Anfang 2004 einer Unterschutzstellung widersprochen hatte, wurde die Angelegenheit nicht weiter verfolgt.

Ab 2007 wurde das Wapelbad durch den zwischenzeitlich gegründeten „Förderverein Wapelbad“ umfangreich renoviert. Seitdem liegt auch der Betrieb des Bades in den Sommermonaten in den Händen des Fördervereins.
Grundeigentümer ist heute Heiner Kollmeyer, der das Wapelbad kostenlos zur Verfügung stellt.


Quellen:

  • Stadt Gütersloh, Fachbereich Kultur und Sport
  • Stadtarchiv Gütersloh, verschiedene Akten
  • Bildmaterial: Stadtarchiv Gütersloh

Bäder in Gütersloh: Das Parkbad

Die Geschichte des Parkbades geht zurück in die Jahre 1921/22. Damals fand sich eine Gruppe weitsichtiger Männer zusammen, die sich Gedanken darüber machten, wie man "die im argen liegenden Badeverhältnisse bessern könne". Die bis dahin vorhandenen Schwimmmöglichkeiten, die der Naturheilverein auf dem Gelände des heutigen Kurhauses Güthenke geschaffen hatte, waren schon längst nicht mehr ausreichend. (Bilder vom Parkbad Gütersloh finden Sie am Ende des Artikels)

Doch erst 1925 wurde der Verein „Parkbad Gütersloh e.V.“, der das spätere Bad auch bis zur Übernahme durch die Stadt Gütersloh betrieb, gegründet. Erster Vorsitzender wurde der Fabrikant Friedrich Wilmking. Stellvertretender Vorsitzender wurde der Unternehmer August Barkey. Ferner gehörten dem Vorstand die Unternehmer Eduard Wolf, Carl Miele und Heinrich Wolf, Sparkassendirektor Schroerschwarz, Kaufmann Dr. Heinrich Voß und Kreismedizinalrat Dr. Heinrich Güth an.

Anfang 1927 wurde dann mit den konkreten Planungen zum Bau des Parkbades begonnen und noch im Mai desselben Jahres erfolgte der erste Spatenstich. An der Finanzierung des Parkbades waren damals wohl alle maßgebenden Gütersloher Firmen beteiligt.
Bereits am 2. Juni 1928 fand die feierliche Eröffnung statt, zu der sich bei herrlichem Sommerwetter 2.500 badelustige Besucher einfanden. Die Eröffnungsrede hielt der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Parkbad Gütersloh e.V., August Barkey. Grußworte sprachen ein Gesandter des Wiedenbrücker Landrats, Regierungsassessor Großschopf, der Vorsitzende des Gaus Niedersachsen des Deutschen Schwimmverbandes Hugo Römer und Bürgermeister Thummes, der anerkannte, dass sich „freiwillig Bürger zusammengeschlossen und aus Liebe zur engeren Heimat diese Anlage geschaffen“ hatten.
Zu den Eröffnungsfeierlichkeiten gehörte auch ein großes Schwimmfest, an dem der Gütersloher Schwimmverein (GSV) ebenfalls teilnahm.
Der GSV nutzte das Parkbad von Anfang an als Trainings- und Wettkampfstätte, trat aber auch als Organisator vieler Großveranstaltungen im Parkbad auf, die tausende Besucher anlockten.
Gespeist wurde das Schwimmbecken über eine Filteranlage mit dem Wasser aus der unmittelbar angrenzenden Dalke.

Im Kriegssommer 1942 ging das Parkbad in den Besitz der Stadt Gütersloh über (in anderen Quellen wird das Jahr 1946 genannt). Nach dem Ende des Krieges wurde das Parkbad von den britischen Besatzungsstreitkräften beschlagnahmt und durfte von der Gütersloher Bevölkerung nicht mehr benutzt werden. Am 20.06.1949 teilte die britische Militärverwaltung mit, dass die Mitglieder der Wasser-Polo-Mannschaft des Schwimmvereins Gütersloh das Bad zu bestimmten Zeiten nutzen können. Dem Station-Commander musste eine Namensliste mit einer ärztlichen Bescheinigung übergeben werden, die bestätigte, dass „alle betreffenden Personen frei von ansteckenden Krankheiten sind“.
Auf Drängen der Stadt Gütersloh gaben die Briten mit Schreiben vom 21.02.1950 das Parkbad montags und dienstags für eine Benutzung durch die Gütersloher Bevölkerung frei. Das erforderliche Personal wie Bademeister und Kassierer musste von der Stadt Gütersloh gestellt werden. 1951 teilten die Briten auf abermalige Intervention durch die Stadt Gütersloh mit, dass das Bad künftig an 4 Tagen/Woche für die deutsche Bevölkerung zur Verfügung stehe. Erst im Jahr 1955 wurden dann 5 Tage/Woche für den einheimischen Badebetrieb freigegeben. Ab dem 29.05.1956 stand das Parkbad wieder uneingeschränkt für die deutsche Bevölkerung zur Verfügung.

Das Parkbad Gütersloh erfreute sich von Anfang an großer Beliebtheit in der Gütersloher Bevölkerung. Im warmen Sommer 1929 wurde das Freibad von über 80.000 Badegästen besucht. Im ebenfalls warmen Sommer 1967 wurden mit 125.870 die meisten Besucher in einer Saison in der Geschichte des Parkbades gezählt. In der letzten Badesaison 1991 kamen noch einmal 41.191 Besucher, um sich von „ihrem“ Parkbad zu verabschieden.

Aber bereits Ende der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts zeichnete sich der Niedergang des Parkbades ab. Innerhalb der Bäderlandschaft Güterslohs war mit dem Hallenbad (seit 1960) und dem Nordbad (seit 1971) starke Konkurrenz gewachsen. In einem Gutachten von 1977 wurde der bauliche Zustand von Becken und Gebäude als völlig mangelhaft eingestuft. Die Kosten für eine Sanierung wurden seinerzeit auf bis zu 8 Millionen DM geschätzt. Bei der Stadt Gütersloh bestand jedoch keine Bereitschaft, diese Summe aufzubringen.
Während sich im Januar 1986 eine Arbeitsgruppe gründete, die sich für den Erhalt des Parkbades einsetzte, lehnte der Sportausschuss im Rat der Stadt Gütersloh im Oktober 1986 den Erhalt des Parkbades ab.

Ende August 1991 ging dann der Badebetrieb im Parkbad nach 63 Jahren endgültig zu Ende.
Im selben Jahr begann eine heftige Kontroverse zwischen der Stadt Gütersloh und dem Westfälischen Amt für Denkmalpflege in Münster (heute: LWL – Amt für Denkmalpflege in Westfalen) um die Erhaltenswürdigkeit des Parkbades. Im April 1991 stellte die Fachbehörde fest: „Das Parkbad mit allen baulichen und landschaftsgestalterischen Anlagen ist denkmalwürdig“. Einen Monat später lehnte die Mehrheit im Rat der Stadt Gütersloh einen Denkmalschutz für das Parkbad dennoch ab.
Da sich beide Positionen weiterhin unversöhnlich gegenüberstanden, ordnete der damalige Minister für Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW, Franz Kniola, am 25.03.1992 per Erlass die Unterschutzstellung des Parkbades als Denkmal an. Mit Schreiben vom Juni 1992 an den Oberkreisdirektor des Kreises Gütersloh als obere Denkmalbehörde machte das Ministerium die Rechtsfolgen dieses Erlasses noch einmal deutlich: „Mit meinem Erlass vom 25.03.1992 habe ich festgestellt, dass das Parkbad die Tatbestandsvoraussetzungen des § 2 Absatz 1 und Absatz 2 DSchG (Denkmalschutzgesetz) für ein Baudenkmal erfüllt. Gemäß § 3 Absatz 1 DSchG sind Denkmäler…in die Denkmalliste einzutragen.“
Am 10. Juli 1992 erfolgte dann die Eintragung in die Denkmalliste durch die Stadt Gütersloh.

Im November 1994 sprach sich der Rat dann gegen die ursprünglichen Pläne, das ehemalige Schwimmbecken komplett zu verfüllen, aus und beschloss „die Einrichtung einer Wasserspielfläche mit Option für die Wiederaufnahme des Schwimmbetriebes“.

Genau ein Jahr später begannen dann die Sanierungsarbeiten für das Parkbad. Die Kosten der Sanierung in Höhe von rund 4,1 Millionen DM wurden zu 80 Prozent vom Land NRW getragen. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde nicht nur das Gebäude in den alten Farben angestrichen. Da ein Weiterbetrieb als Freibad nicht infrage kam, wurde das Schwimmbecken soweit aufgeschüttet, dass heute nur noch eine Wassertiefe von 10 – 30 Zentimeter vorhanden ist.
Am 14. November 1997, dem „Tag des offenen Denkmals“ wurde das Parkbad erstmals seit 6 Jahren wieder geöffnet. Im März 1998 erhielt die Arbeitslosenselbsthilfe (ASH) einen zunächst auf 2 Jahre befristeten Pachtvertrag zum Betrieb des Parkbades. Die ASH hat das Parkbad bis 2014 betrieben. Seit 2015 ist Franz-Josef Füchtenschnieder für die Gastronomie verantwortlich.

Nach einigen Terminverschiebungen war es dann am 1. Mai 1998 soweit: Das Parkbad wurde für alle Gütersloherinnen und Gütersloher wieder eröffnet. Ohne Eintritt bezahlen zu müssen, können die Einrichtungen des Parkbades seitdem jährlich vom 1. Mai bis Ende September genutzt werden.
Neben einem umfangreichen Angebot für das leibliche Wohl stehen den Besuchern vielfältige Angebote für Freizeit und Erholung zur Verfügung.

Quellen:

  • Stadtarchiv Gütersloh, diverse Akten
  • Neue Westfälische vom 30.04.1998
  • Gütersloher Beiträge, 2002 – Seite 1891 ff.
  • Die Glocke vom 14.04.2016
  • Bildmaterial: Stadtarchiv Gütersloh

Bäder in Gütersloh: Das Hallenbad an der Herzebrocker Straße

Bereits aus der Zeit der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts sind Überlegungen in Richtung Hallenbad überliefert. Eine konkrete Umsetzung wurde jedoch durch den Zweiten Weltkrieg und danach durch die erste Phase des Wiederaufbaus verhindert. (Bilder zu diesem Thema finden Sie am Ende des Artikels.)

Am 4. April 1955 fasste dann der Rat der Stadt Gütersloh einen Grundsatzbeschluss zum Bau eines Hallenbades. Fast genau 5 Jahre später war es dann soweit: Das erste Gütersloher Hallenbad (oder auch „Winterbad“, wie man es früher nannte) wurde am 2. April 1960 seiner Bestimmung übergeben. Der Betrieb des Hallenbades lag von Anfang an bei den Stadtwerken Gütersloh. Seitens der Stadt Gütersloh als Bauherr hieß es bei der Eröffnung: „Mit dem Wunsch, dass diese Einrichtung eine segensreiche Pflegestätte für die Stärkung und Gesunderhaltung der Bevölkerung, vor allem der körperlichen Ertüchtigung und Erholung unserer Jugend werden möge, übergeben wir hiermit das Hallenbad den Bürgern unserer Stadt.“

Das Hallenbad verfügt über ein Sport- und ein Lehrschwimmbecken. Das Sportbecken mit den Maßen 25 mal 12,5 Meter und einer Wassertiefe zwischen 1,00 und 3,50 Meter hat ein Fassungsvermögen von 750 Kubikmeter. Das Lehrschwimmbecken hat eine Größe von 12,5 mal 6 Meter und fasst bei Tiefen zwischen 0,70 und 1,20 Meter 70 Kubikmeter Wasser.

Die Wassertemperatur im Sportbecken lag 1960 bei 23 Grad Celsius; die Luft wurde auf 26 Grad Celsius geheizt.
Darüber hinaus war das Hallenbad mit einer Warmbäderabteilung mit je 8 Wannen- und Brausekabinen ausgestattet.

Eine eigene Heizungsanlage gab es zum Zeitpunkt der Errichtung nicht. Seinerzeit hatte man sich für einen Fremddampfbezug vom nahe gelegenen Gaswerk entschieden. Damit war für die bis dahin ungenutzte Abwärme des Gaswerks ein Abnehmer gefunden. Mit der Umstellung von Stadtgas auf Erdgas und der damit verbundenen Stilllegung des Gaswerks stand diese Wärmequelle ab dem Jahr 1965 nicht mehr zur Verfügung. Eine eigene Heizungsanlage musste nun für die benötigte Wärme sorgen, wobei man sich zunächst für die Beibehaltung der Dampfheizung entschied.

Das Alter der vorhandenen Heizung und deutlich steigende Energiepreise in den 70er Jahren veranlassten die Stadtwerke 1983 dazu, ein Blockheizkraftwerk unmittelbar hinter dem Hallenbad zu bauen.

Das Hallenbad wurde vom ersten Tag an von den Besuchern aus Gütersloh und der näheren Umgebung gut angenommen. Noch im Eröffnungsjahr 1960 wurden über 200.000 Besucher gezählt und bereits am 29.03.1967 wurde der Verkauf der 2.000.000sten Eintrittskarte vermeldet. Ab etwa 1974 ließen die Besucherzahlen dann deutlich nach. Teilweise wurden nur noch etwas mehr als die Hälfte der früheren Besucher gezählt.

Um diesen Trend zu stoppen, schlug die Werkleitung der Stadtwerke vor, dem Bad eine völlig neue Konzeption zu geben: Neugestaltung des Hallenbades hin zu einem modernen Freizeitbad.
Nachdem der Werksausschuss für diese Konzeption „grünes Licht“ gegeben hatte, wurde das Erscheinungsbild des Hallenbades – abgesehen von den beiden Schwimmbecken – nahezu vollständig verändert. Fenster, Beleuchtung, Lüftungssystem und Hallendecke wurden komplett erneuert. Ferner wurden in das Gebäude Whirlpool, Sauna, Solarium und ein Restaurant integriert. Am 6. Oktober 1984 wurde das „runderneuerte“ Hallenbad erneut seiner Bestimmung übergeben.

Auch wenn nach dem Umbau die Besucherzahlen aus den Anfangsjahren nicht wieder erreicht wurden, erfreute sich das Hallenbad weiterhin großer Beliebtheit.
Nach dem Bäderkonzept der Stadtwerke aus dem Jahr 2006, zu dem auch die Belange des Schul- und Vereinssports gehören, war geplant, das Hallenbad an der Herzebrocker Straße nur noch am Wochenende für den Publikumsverkehr zu öffnen. Dieses Konzept wurde dann im Wesentlichen ab dem Jahr 2008 umgesetzt.

Dennoch waren die Tage des Hallenbades an der Herzebrocker Straße gezählt.
Die hohen Defizite beim Betrieb und bei der Unterhaltung des Bades ließen immer wieder Forderungen nach einer Senkung der Betriebskosten laut werden. Dabei ging es letztlich um die Frage, das Hallenbad entweder umfassend energetisch zu sanieren oder durch einen Neubau zu ersetzen. Da eine energetische Sanierung als zu teuer und in Anbetracht des Alters des Hallenbades als nicht mehr lohnend angesehen wurde, hat sich der Rat der Stadt Gütersloh in seiner Sitzung am 29.06.2012 für den Neubau eines Hallenbades am Standort des Nordbads entschieden.

Bis zu seiner Schließung im Sommer 2015 stand das Hallenbad montags bis donnerstags ausschließlich dem Schul- und Vereinssport zur Verfügung. Freitags (Warmbadetag) bis sonntags waren das Hallenbad und die Sauna für den Publikumsverkehr geöffnet.

Das neue Hallenbad auf dem Gelände des Nordbades hat seinen Betrieb im Herbst 2015 aufgenommen. Kurz danach rollten die Abrissbagger an und beendeten nach 55 Jahren die Ära "Hallenbad an der Herzebrocker Straße".

Das ehemalige Hallenbadgrundstück wurde an den Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband veräußert.


Quellen:

  • Günter Beine: 125 Jahre Stadtwerke Gütersloh, 1987
  • Stadtarchiv Gütersloh, verschiedene Akten
  • Stadtwerke Gütersloh GmbH, Bäderbetrieb
  • Bildmaterial: Stadtarchiv Gütersloh

Bäder in Gütersloh: Das Nordbad

Bereits Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts zeichnete sich ab, dass das Parkbad als bis dahin einziges Freibad in Gütersloh auf Dauer nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Freizeitbad genügen würde. Am 24. November 1967 stimmte der Rat einstimmig dem Entwurf des Architekten Werner Rehage aus Bad Rothenfelde für ein Hallenfreibad zu.

Der Name „Hallenfreibad“ mag den Leser vielleicht zunächst irritieren. Die ursprünglichen Planungen sahen aber damals vor, in der Nähe der bis zur Saison 2014 bestehenden Freibadrestauration zu einem späteren Zeitpunkt (gedacht wurde dabei an eine Zeit ab etwa 1980) auch noch ein neues Hallenbad zu errichten. Diese Pläne wurden jedoch später nicht weiter verfolgt und hatten sich eigentlich mit dem Bau der „Welle“ endgültig erledigt.

Doch die Diskussionen um das Hallenbad an der Herzebrocker Straße ließen diese Idee wieder aufleben. Nach langen und auch in der Öffentlichkeit intensiv geführten Diskussionen um die Ausstattung des Hallenbades mit einem Sprungturm hat der Rat der Stadt Gütersloh in seiner Sitzung am 29.06.2012 mit großer Mehrheit folgenden Beschluss gefasst:
„Dem von den Stadtwerken (SWG) als Ersatz für das sanierungsbedürftige Hallenbad an der Herzebrocker Straße vorgeschlagenen Neubau eines Hallenbades am Standort des Nordbades wird zugestimmt. Dieser Neubau soll mit einem separaten Lehrschwimmbecken und einem Sprungturm ausgestattet werden. Der Bau des Sprungturms steht unter dem Vorbehalt, dass sich die Gütersloher Schwimm- und Tauchvereine vertraglich zur Zahlung einer jährlichen Kostenbeteiligung in Höhe von 16.000,- € an die SWG verpflichten. Die vom Rat in den Aufsichtsrat der SWG entsandten Mitglieder werden aufgefordert, im Aufsichtsrat entsprechend zu stimmen.“
Nach dem Ende der Badesaison 2013 wurde mit den Abrissarbeiten (Umkleiden, Kiosk, Schwimmmeisterhaus) zur Herrichtung des Geländes für das neue Hallenbad begonnen, das dann im Herbst 2015 seinen Betrieb aufgenommen hat.

Nordbad im Bau, 1970
Nordbad im Bau, 1970

Auf dem Gelände des ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens Nordhorn im Dreieck Kahlertstraße / Goethestraße / B 61 stand eine Fläche von rund 46.000 Quadratmeter für das neue Freizeitbad zur Verfügung. Einschließlich der Außenanlagen (Parkplätze, et cetera) waren es sogar 58.500 Quadratmeter.

Obwohl die Kosten gegenüber der ersten groben Kalkulation um über 50 Prozent auf 3.145.000 DM gestiegen waren, stimmte der Rat am 10. Mai 1968 bei 4 Enthaltungen den Plänen zur Errichtung des Nordbades zu. Mit den Bauarbeiten sollte im Frühjahr 1969 begonnen und das Bad zu Beginn der Badesaison 1971 eröffnet werden. Tatsächlich erfolgte der Baubeginn jedoch erst am 3. Juli 1969 und die Eröffnung des neuen Freibades verschob sich ebenfalls um einige Wochen.

Und dann war es endlich soweit: Am Samstag, den 7. August 1971 wurde das Nordbad als eines der modernsten Bäder in der näheren und weiteren Umgebung feierlich eröffnet. Einzig der Wettergott wollte an diesem Tag nicht mitspielen. Aber trotz Dauerregen waren über 8.000 Besucher gekommen. Bürgermeister Heinz Kollmeyer machte anlässlich seiner Eröffnungsrede deutlich, welche Erwartungen die Stadt mit dem neuen Freizeitbad verbinde: „Erholung und Entspannung und nicht sportliche Rekorde sind die Hauptaufgabe des neuen Freibades.“

Nordbad, 1975
Nordbad, Aufnahme: Krapohl-Verlag, 1975

Ein völliges Novum war damals auch der vollständige Verzicht auf eine Kasse. An ihrer Stelle waren 8 Geldautomaten installiert, aus denen nach Einwurf der entsprechenden Münzen die Eintrittskarten für das Nordbad entnommen werden konnten. Zur Verfügung standen Einzel- und Dutzendkarten für Kinder und Erwachsene. Für Badewillige ohne passendes Kleingeld gab es zusätzlich einen Münzwechselautomaten.
Die Geldautomaten wurden jedoch nach einigen Jahren wieder entfernt. Seitdem müssen die Eintrittskarten wieder an einer Kasse erworben werden.

Das Nordbad verfügt über insgesamt 3 Becken. Das Sportbecken (Schwimmerbecken) mit einer Größe von 21 mal 50 Meter und einer Wassertiefe zwischen 1,80 und 2,0 Meter hat insgesamt 8 Startbahnen und ist damit auch für große Schwimmwettkämpfe geeignet. Das Nichtschwimmerbecken hat eine Wassertiefe zwischen 0,60 und 1,25 Meter und verfügt im tieferen Teil über 8 Startbahnen für das Schulschwimmen mit 25 Meter Länge.
Ein besonderes Highlight für damalige Verhältnisse war das 18 mal 13,60 Meter große und 4,50 Meter tiefe Sprungbecken mit 5 verschiedenen Sprungplattformen zwischen 1,0 und 10,0 Meter Höhe. Obwohl einige Skeptiker damals der Meinung waren, dass sich vom Zehnmeterturm ohnehin keiner traue herunterzuspringen, erfreute sich der Sprungturm gerade bei den Jugendlichen von Anfang an großer Beliebtheit. In den Zeitungsberichten über den Eröffnungstag wurde berichtet, dass „sogar Mädchen“ vom Zehnmeterturm gesprungen sind.
Das Kleinstkinderbecken wurde vor einigen Jahren neu gestaltet. Damals gab es ein rundes Becken mit 16 Meter Durchmesser. Die Wassertiefe fiel zur Mitte hin auf etwa 0,40 Meter ab.

Nordbad, 1975
Nordbad, Aufnahme: Krapohl-Verlag, 1975

Das Nordbad war damals auch das erste Bad im Kreis Gütersloh das über eine erdgasbetriebene Heizzentrale verfügte mit der das Wasser im Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken auf 23 Grad Wassertemperatur beheizt werden konnte. Noch vor dem 25-jährigen Jubiläum 1996 wurden auf den Flachdächern des Freibades Solaranlagen, mit denen der Energieverbrauch um rund 40 Prozent gesenkt werden kann, installiert.

Das Wasser in den Becken des Nordbades kommt aus dem Netz der Stadtwerke. Ursprünglich war geplant, für das Nordbad eigene Brunnen zu bohren. Von diesem Vorhaben wurde aber wieder Abstand genommen, da sich die Wasserqualität als nicht geeignet erwies.
Bereits im Jahr der Eröffnung kamen - obwohl die meisten Sommertage schon vorbei waren - 125.580 Besucher zum Baden in das Nordbad. Besucherzahlen von über 400.000, wie sie in den beiden Folgejahren erreicht wurden, bewiesen die große Attraktivität des Bades. Am 15. Juli 1972 kamen 13.500 Badegäste obwohl das Nordbad eigentlich nur für 8.000 Besucher konzipiert war. Damit waren aber auch die Jahre der Rekordbesucherzahlen schon vorbei. Von 1995 bis 2002 schwankten die jährlichen Besucherzahlen zwischen 112.000 und 178.000.

Zum Schluss soll dem Leser – aus heutiger Sicht Erheiterndes – nicht vorenthalten werden:
Anfang der 70er Jahre wurde heftig darüber diskutiert, ob aus hygienischen Gründen ein Badekappenzwang in öffentlichen Bädern eingeführt werden sollte. Ein unbekannter Autor hat dazu folgende Zeilen frei nach Eugen Roth verfasst, die am 13.09.1973 in einer Gütersloher Zeitung veröffentlicht wurden:

„Ein Mensch, soweit es eben möglich,
der badete im Nordbad täglich,
weil es gesund und auch zudem
ein frisches Bad recht angenehm.

Doch leider trübt in vielen Fällen
sich schnell das klare Bild der Wellen,
wenn nämlich solche baden gehn,
die als friseurlos anzusehn.

Links schwimmt ein wüst behaarter Kopf,
langmähnig ist auch rechts ein Schopf,
geradaus, es ist kaum festzustellen,
macht eine Sie – ein Er die Wellen.

Gleich nebendran schwimmt noch ein Paar
mit unwahrscheinlich langem Haar;
und selbst von dem 3-Meter-Brett
stürzt eine Mähne sich – voll Fett.

Der Mensch, der sich erfrischen wollt´,
der packt sein Badezeug und schmollt,
weil ihm die Sache zu behaart ist,
was um das schöne Bad sehr schad´ ist.

Der Mensch hat, das sei heute klar
gesagt, nichts gegen langes Haar,
doch wär es schön und könnt nicht schaden,
im Nordbad auch „bemützt“ zu baden.

So problematisch ist doch nicht
die Bademützentragepflicht,
die vielerorts sich gut bewährt,
und keiner hat sich dort beschwert.

Der Mensch sagt´s allen, die betroffen,
und wagt auch ganz verschämt zu hoffen:
Macht doch, das ist sein Wunsch zum Schluss,
das Baden wieder zum Genuss!“

Zur Badesaison 1974 wurde der Wunsch „des Menschen“ erfüllt und ein allgemeiner Badekappenzwang für alle Badegäste im Nordbad eingeführt. Dieser hatte aber nur wenige Jahre Bestand.

Freibad Nordbad
Kahlertstr. 70
33332 Gütersloh
Telefon 0 52 41 / 82 27 15
https://www.nordbad-guetersloh.de/


Quellen:

  • Stadt Gütersloh, Fachbereich Bauordnung: Bauakte
  • Stadtarchiv Gütersloh: Zeitungsausschnittsammlung, Gütersloher Chroniken, Akten
  • Bildmaterial: Stadtarchiv Gütersloh

Bäder in Gütersloh: Die Welle

Am 28. März 1992 wurde das Freizeitbad "Die Welle" am Stadtring Sundern eröffnet. Ende Mai desselben Jahres stand dann auch das Freibad und ab 1. November die Sauna für die Öffentlichkeit zur Verfügung. Damit ging ein seit mehr als 25 Jahren bestehender Wunsch nach einem zweiten Hallenbad in Erfüllung.

Bereits im Juni 1978 hatte sich der Sportausschuss im Rat der Stadt Gütersloh dafür ausgesprochen, ein neues Hallenfreibad im Osten der Stadt zu bauen. Bedingt durch umfangreiche Renovierungsarbeiten im Hallenbad an der Herzebrocker Straße wurde dieses Projekt zunächst nicht weiter verfolgt. Erst 1984/85 wurden die Planungen wieder aufgenommen und im Oktober 1986 beschloss der Sportausschuss mehrheitlich den Bau eines kombinierten Sport- und Freizeitbades. Am 18. Juli 1989 erfolgte dann der erste Spatenstich.

Bis zur Eröffnung der „Welle“ im März 1992 wurden knapp 30 Millionen DM verbaut. Damit war die „Welle“ zwar das mit Abstand teuerste Bad in der Gütersloher Bädergeschichte; andererseits wurde den Badegästen ein für damalige Verhältnisse einzigartiges Sport- und Freizeitangebot in Gütersloh präsentiert. Und obwohl bei der Eröffnung des Bades noch nicht alle Einrichtungen zur Verfügung standen, kamen bereits im ersten Jahr über 430.000 Besucher.

Der Sport- und Freizeitbereich verfügt über insgesamt 8 Becken, die im Folgenden kurz vorgestellt werden:
Das Wellenbecken kann mit unterschiedlichen Wellenprogrammen betrieben werden. Das Becken hat eine Fläche von 395 Quadratmeter und ist zwischen 0,00 und 1,80 Meter tief.
Das Abenteuerbecken mit einer Tiefe von 1,10 Meter und 208 Quadratmeter Wasserfläche ist mit Strömungskanal, Wasserbrodel, Wasserkarussell und Unterwasserliegen umfangreich ausgestattet.
Das Sportbecken mit einer Größe von 15,00 mal 25,00 Meter verfügt bei einer einheitlichen Wassertiefe von 1,80 Meter über insgesamt 6 Bahnen.
Das Lehrschwimmbecken hat eine Größe von 8,00 mal 12,50 Meter. Die Wassertiefe liegt zwischen 0,60 und 1,20 Meter.
Das Warmwasserbecken mit Massagedüsen ist 41 Quadratmeter groß und 1,10 Meter tief. Die Wassertemperatur liegt bei 32 Grad Celsius.
Das Planschbecken mit Wasserbrodel und Wasserfall ist bei einer Fläche von 49 Quadratmeter zwischen 0,00 und 0,50 Meter tief.
Über eine Schleuse erreicht man das Außenschwimmbecken mit Sitz- und Liegebuchten. Auf einer Fläche von 75 Quadratmeter liegt die Wassertiefe bei 1,20 Meter.
Für die 50 Meter lange, kurvenreiche Riesenrutsche gibt es ein eigenes Landebecken mit 1,20 Meter Tiefe und 32 Quadratmeter Wasserfläche.

Im Freibadbereich stehen den kleinen und großen Badegästen 2 weitere Becken zur Verfügung: ein 50-Meter-Becken mit Liegebucht, Strudel und Strömungskanal und ein Planschbecken mit Wasserkarussell.
Zu dem Bad gehören ferner Liegeflächen, Umkleiden, ein abgetrennter Saunabereich und eine großzügige Cafeteria.

Wegen zusätzlich erforderlicher Lärmschutzmaßnahmen musste die „Welle“ im Jahr 1997 für circa 4 Wochen geschlossen werden.

In den Jahren 1998/99 wurde der Saunabereich für insgesamt 1,6 Millionen DM großzügig erweitert. Auf dem Gelände der „Welle“ entstand Deutschlands erster Sauna-Badesee mit einer Wasserfläche von 800 Quadratmeter. Aber nur die Hälfte dieser Fläche kann zum Baden genutzt werden. Auf der übrigen Fläche sorgen Sumpf- und Röhrichtpflanzen für eine permanente biologische Reinigung des Wassers. Ohne Zusatz von Chemikalien kann damit eine hygienisch einwandfreie Wasserqualität dauerhaft sichergestellt werden. Zusätzlich zu dem Badesee wurden eine Blockhaus- und eine Erdsauna neu gebaut. Ferner entstand ein Ruhehaus mit Blick über den Badesee.

Die Bade- und Freizeiteinrichtungen erfreuten sich von Anfang an großer Beliebtheit bei den Besuchern aus Gütersloh und Umgebung. Bereits im Februar 2002 konnte der Vier-Millionste Besucher in der „Welle“ begrüßt werden. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Besucherzahl von rund 400.000.
Der verschärfte Wettbewerb im Bädersektor führte aber auch bei der „Welle“ zu rückläufigen Besucherzahlen. Im Jahr 2005 passierten nur noch 340.000 Besucher die Kassen.

In den Jahren 2006 bis 2008 wurden deshalb noch einmal rund 4 Millionen Euro in Modernisierungsmaßnahmen investiert. Noch einmal wurde der Saunabereich deutlich vergrößert und mit einem separaten Eingang versehen. Ebenfalls neu: separate Duschen und Umkleiden für die Saunabesucher.
Ferner wurde eine auf 85 Meter verlängerte Riesenrutsche neu gebaut. Zu den weiteren größeren Investitionen gehörten auch die Neuanlage des Planschbeckens im Freizeitbereich, die Vergrößerung des Eingangsbereiches und die Erneuerung der Umkleiden. Die Küche der Gastronomie wurde auf die Schnittstelle zwischen Freizeit- und Saunabereich verlegt, um beide Bereiche zentral bedienen zu können.
Ab dem 10. April 2008 standen den Besuchern dann wieder alle Einrichtungen der „Welle“ ohne Einschränkungen zur Verfügung.

Freizeitbad Die Welle
Stadtring Sundern 10
33332 Gütersloh
Telefon 0 52 41 / 82 21 64

Quellen:

  • Stadt Gütersloh, Fachbereich Bauordnung: Bauakten
  • Stadtarchiv Gütersloh, Zeitungsausschnittsammlung, Gütersloher Chronike

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