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Station 9: Stadtpark

Auch diese Station des Wassererlebnispfades Dalke ist keine Station im engeren Sinne, sondern umfasst das Gelände des Stadtparks einschließlich des Botanischen Gartens.

Stadtpark, 2006
Stadtpark, 2006

Der an der Oststraße zwischen Dalke und Ibrügger Straße gelegene Teich (Ibrüggers Teich) soll als Eintritt in den inzwischen 100 Jahre alten Stadtpark die neunte Station des Wassererlebnispfades darstellen.

Die hier behandelten Themen betreffen konsequenterweise natürlich den Stadtpark mit seinem Botanischen Garten und die Eiswiese. Dazu gibt es Informationen über die Bedeutung von Still- und Fließgewässern als Lebensräume und über die hier lebenden Wasservögel und Fische im Teich. Ein Bericht über die in diesem Dalkeabschnitt durchgeführten Renaturierungsmaßnahmen vervollständigen das Informationsangebot zu dieser Station.

Historie des Stadtparks und Botanischen Gartens

Der Stadtpark entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Rande der Stadt. Seinerzeit, bei der Volkszählung 1905, hatte die Stadt eine Einwohnerzahl von rund 7.300 Einwohnern. Weitsicht und Sorge für die Bürger bestimmten aber schon damals die Entscheidung, einen Stadtpark anzulegen.

Der wirtschaftliche Aufschwung, eine damit einher gehende starke Bautätigkeit, eine Flurbereinigung sowie die Anlegung und Verbreiterung von Verkehrswegen führten zu einem erheblichen Verlust an Grünflächen im Stadtgebiet.

Zeitgleich nahm die Industrialisierung zu, die Lebens- und Umweltbedingungen änderten sich, so dass in der Bevölkerung der Ruf nach einer „Erholungsstätte im Freien, für Jugend und Volk“ laut wurde.

Das waren die Beweggründe für die Anlegung eines Parks, der nun schon über 100 Jahre alt - und doch so jung ist.

Am nordöstlichen Rand entstand ab 1912 ein Sondergarten. Alle Gütersloher nennen ihn von jeher „ unser Botanischer“. Mit dem Namen Botanischer Garten ist in der Regel eine systematische Ordnung der Pflanzen nach ihren Herkunftsregionen verbunden, die in Karl Rogges Konzeption allerdings fehlte.

Mehrere Jahrzehnte wirkte Stadtgärtner Karl Rogge in Gütersloh. 1938 kam ein Palmenhaus hinzu, heute steht an seiner Stelle das Palmenhaus-Cafe.
Der Blumengarten erfuhr über die Zeit allerdings auch immer wieder Veränderungen.

1992 wurde Untypisches entfernt und verloren Gegangenes wieder ursprünglich errichtet. Die letzten größeren Veränderungen wurden 1997/1998 vorgenommen. Es entstand der Sonnengarten, der naturnahe Garten mit einem Wasserspiel im Senkgarten und der vielbeachtete Apothekergarten.

Luftbild Botanischer Garten

Heute ist der Botanische Garten als Teil der „Garten_Landschaft OWL “ ein gern besuchtes Ziel von Garten- und Landschaftsfreunden. Die Hyazinthen- und Birkenwiese im Frühling, der Dufttunnel von Olafur Eliasson, die wachsenden Feigen und Zitronen im Mediterranen Garten, die Pillepoppen (gütersloherisch für Kaulquappen) im naturnahen Garten – all das ist nur ein kleiner Teil des Botanischen Gartens, der ein Teil des Stadtparks ist.

Hier finden sich wiederum weitere interessante Anlagen wie die Eiswiese, eine circa 2 Hektar große Feuchtwiese, die wintertags geflutet wird –und, wenn Petrus seine Arbeit tut- allen Schlittschuhläufern enormen Spaß vermittelt. Oder das Wiesenoval mit den altwestfälischen Obstbaumsorten, die ruhige Dalke-Insel, deren Form an einen Schiffsbug erinnert und mit ihren „Kuschelbänken für 2“ zum stillen Verweilen einläd. Jüngst erst erobern Flora und Fauna eine Fläche, die sich aufgrund der Renaturierung der Dalke mit Leben füllt. Einen Teil des Spazier- und Radweges an der Dalke entlang schmückt der Fabelpfad, eine Sammlung von phantasievollen Figuren des Künstlers Manfred Billinger.

Förderkreis Stadtpark-Botanischer Garten, 2009

Zwischen Dalkestrand und Eiswiese - Viel Wasser im Stadtpark

"Die Anlagen des neuen Stadtparks sind nunmehr seit einigen Wochen fertig. Er erstreckt sich etwa vom Dalkestrand in Sundern bis zur Eiswiese und macht einen prächtigen Eindruck". So verkündete es am 26. August 1909 stolz die hiesige Zeitung.

Im Jahr 2009 ist er nun 100 Jahre alt geworden, der Stadtpark. Was zunächst im landschaftlichen Stil der Lenne-Meyerschen Schule kleiner begann, erhielt über die Jahrzehnte so nach und nach Zuwachs. Heute gehören zum Park der Botanische Garten mit seinen Schatten spendenden Laubengängen, die Eiswiese, Ibrüggers Teich, die Hundewiese, das Wiesenoval mit den altwestfälischen Obstbaumsorten, die Dalke-Insel, der Fabelpfad, die naturnahen Rückzugsflächen für Pflanze und Tier, die große Spielwiese, der naturnahe Garten und der Sonnengarten mit Apothekergarten.

Viel Wasser findet sich zwischen „Dalkestrand in Sundern bis zur Eiswiese“.

Ein kreisrunder Tümpel, der ziemlich verwunschen zwischen Rhododendronbüschen und hohen Bäumen liegt, war der erste Teich im Park.
Ihm gegenüber liegt ein kleiner, mit einer Brücke überspannter Wasserarm, dessen Ufer eine Skulptur mit 2 Flamingos ziert.

Danach folgte ein etwa 3 Schritt langes Wasserbecken, gekrönt mit einer kleinen Fontäne. Ein umso größeres Wasserrechteck liegt in unmittelbarer Nachbarschaft, eingebettet zwischen Laubengängen, deren Fenster und Durchgänge einen wunderbaren Blick auf die hier nun schon ordentlich gewachsene Fontäne freigeben.

Ein Geschenk des Förderkreises Stadtpark-Botanischer Garten ist ein Wasserspiel im Senkgarten, das die historische Wasserachse aufnimmt. Die ihn umgebenden Stufen laden ein, den kleinen Fontänen zuzusehen und zu hören. Geht man ein Stück weiter, kennzeichnet ein Holzsteg den Beginn eines ökologischen Schwerpunktes, nämlich den Anfang des naturnahen Gartens mit seinem lang gestreckten Wasserlauf, der in einem mit Seerosen und Mummeln bewachsenen Teich endet. Hier wächst es, wie es wächst, hier bleibt sich die Natur selbst überlassen, hier wachsen Pillepoppen (gütersloherisch für Kaulquappen) zu quakenden Fröschen heran.
Verlässt man den Botanischen Garten in nördlicher Richtung, steht man unmittelbar an der Dalke, dem kleinen Fluss, der die Stadt durchzieht. Auf der ruhigen Dalke-Insel laden Doppelliegen zum stillen Verweilen und zur Muße ein. Über ein Holzdeck am Inselrand hat man den unmittelbaren Wasserkontakt, auch zu Lernzwecken für Schulklassen.
An der Dalke entlang führt der Fabelpfad. Ihn schmücken humorige Fabelwesen des Künstlers Manfred Billinger, deren Formen aus der Natur entstanden sind und die der Phantasie viel Raum lassen.
Im Rahmen eines Renaturierungsprogramms am Altarm der Dalke sowie an anderen Stellen konnten große Bereiche der Natur zurückgegeben werden. 2008/2009 wurde ein Überschwemmungsbereich südlich des Karl-Rogge-Weges angelegt. Flora und Fauna werden die wiedererstandene Feuchtwiese für sich entdecken, und es ist spannend zu beobachten, wer und was sich dort ansiedelt.

Südlich des historischen Stadtparks findet sich die tiefer gelegte Eiswiese. Schon zur Wende des vorherigen Jahrhunderts war sie mit der „Liebesinsel“ ein sehr beliebter Treffpunkt. Auch heute ist das so. Sommertags mit inzwischen auch seltenen Pflanzen bewachsen, wird die Wiese im Winter knöcheltief geflutet. Wenn die Temperaturen dafür sorgen, dass genügend festes Eis entsteht, kann man Schlittschuh laufen, oder Eishockey spielen.
Und auf der „Liebesinsel“ stehen in Kraut-und-Rüben-Manier Stiefelchen und Picknickkörbe, in denen Kannen mit heißem Tee auf die Eisflitzer warten...


Förderkreis Stadtpark-Botanischer Garten
Zusammengetragen von Barbara Weidler

Die Dalke-Renaturierung im Stadtpark

Der Dalkebach - naturnah und erlebbar. Unter dieser Zielsetzung hat der Fachbereich Grünflächen im Jahr 2008 am Karl-Rogge-Weg im Stadtpark auf einer etwa 2 Hektar großen Fläche eine natürliche Auenlandschaft entstehen lassen.

Dalkerenaturierung Stadtpark

Durch den Abtrag der vorhandenen Verwallung am Dalkeufer kann der Bach nun wieder befreit von seiner künstlichen Regulierung ungehindert über die Ufer treten. Die entstandene Feuchtwiese kann bei Bedarf etwa 10.000 Kubikmeter Dalkewasser aufnehmen – ein nachhaltiger Beitrag zum Hochwasserschutz für die Stadt Gütersloh.

Dalkerenaturierung Stadtpark

Durch unterschiedliche Böschungsprofilierungen, Gewässerränder, kleine Senken und Gräben wird die Uferlandschaft der Dalke im Stadtpark deutlich aufgewertet. Die artenreiche Feuchtwiese bietet einen wertvollen weil immer seltener werdenden Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen und Kleinlebewesen.

Damit der Parkbesucher die nachhaltige Entwicklung dieses Naturraums miterleben kann, wurden inmitten der Feuchtwiese 2 Inseln angelegt, die über ein Stegsystem erschlossen werden und bis zu einem Holzdeck an die Dalke heranführen. Sitzmauern auf den Insel laden zum Verweilen ein und ermöglichen den Einblich in die Auenlandschaft.

Die Dalke-Renaturierung ist ein weiterer Baustein zur Wiederherstellung einer naturnahen und erlebbaren Dalke im innerstädtischen Bereich und im Umfeld des Stadtparks.

Dalkerenaturierung Stadtpark

Fotos: Detlef Güthenke

Enten füttern im Stadtparkteich?

Ein fast klassischer Konflikt: Soll ich die bettelnden Enten am Teich füttern und mich als Tierfreund erweisen, oder lasse ich es lieber bleiben und halte damit das Wasser rein? Manchem fällt die Entscheidung schwer, besonders weil das Füttern den Kindern so viel Spaß macht. Das ist aber auch schon das einzige Argument, mit dem man eine Ausnahme rechtfertigen kann, wenn sie denn im sehr engen Rahmen bleibt. Nicht zu akzeptieren ist aber, wenn Erwachsene ganze alte Brote oder andere Abfälle ins Wasser werfen und meinen, sie täten damit noch etwas Gutes.

Denn Enten oder Fische leiden bei uns keinen Hunger. Sie sind aber Opportunisten, gewöhnen sich schnell an Menschen als Futterquelle und suchen dann natürlich gerne den bequemen gedeckten Tisch auf. Einen Gefallen tut man ihnen damit aber nicht, denn es werden so immer größere Mengen von Wasservögeln angelockt, die Wasserqualität und damit auch die hygienischen Verhältnisse verschlechtern sich, und Krankheiten werden übertragen.

Das entscheidende Argument gegen die Fütterung ist jedoch der empfindliche Stoffhaushalt von Stillgewässern. Mit dem Futter und dem Vogelkot werden Nährstoffe ins Wasser eingetragen und die Wasserqualität entscheidend verschlechtert.

Zum einen werden beim biologischen Abbau von organischen Materialien (z.B. nicht gefressenes Futter und Teile der Ausscheidungen von Wasservögeln und Fischen) große Mengen des im Wasser gelösten Sauerstoffs verbraucht. Allein für den Abbau von einem Kilogramm Brot wird praktisch der gesamte Sauerstoff von 110 Kubikmeter Wasser benötigt. In stehenden Gewässern wird Sauerstoff aufgrund der geringen Wasserbewegungen jedoch nur im geringen Umfang neu eingetragen, die Vorräte sind daher begrenzt und schnell aufgebraucht. Sauerstoffarmes Wasser fault aber, fängt an zu stinken und der Teich „kippt um“. Fischsterben sind die unausweichliche Folge.

Stadtparkteich, Fütterungsverbotsschild

Zum anderen reagieren stehende Gewässer sehr empfindlich auf zusätzliche Einträge von Stickstoff und Phosphor, beides Nährstoffe, die im Futter und den Ausscheidungen reichlich enthalten sind. Schon bei geringen Nährstoffkonzentrationen im Wasser kann es zu Massenentwicklungen von Planktonalgen kommen. Diese produzieren zwar am Tag Sauerstoff, verbrauchen ihn aber in der Nacht und auch nach ihrem Absterben wieder, so dass es zu starken Schwankungen des Sauerstoffgehaltes kommt mit Mangelzeiten, die ebenfalls zu Fischsterben führen können.

Modellhaft kann man die Belastung eines Teiches durch Wasservögel und deren Fütterung abschätzen: Ein durchschnittlicher Wasservogel gibt mit dem Kot etwa 130 Gramm Phosphor im Jahr ab, das sind bei 100 Tieren schon ganze 13 Kilogramm reinster Phosphordünger. Und wenn täglich nur 5 Brote ins Wasser geworfen werden, sind das schon mehrere Tonnen im Jahr. Bei einem relativ kleinen Gewässer wie Ibrüggers Teich mit geringem Wasseraustausch führt dies unweigerlich zu Problemen bei der Wassergüte. Der Gewässergrund verschlammt zunehmend und aufwändige Sanierungsmaßnahmen werden erforderlich, wenn der Teich nicht zur stinkenden Kloake verkommen soll.

Also zähmen Sie doch besser Ihre Tierliebe und erfreuen sich an den Teichbewohnern, ohne diese zu füttern und damit indirekt zu schädigen!

Fische in Ibrüggers Teich

Aktuelle Daten über den Fischbestand in Ibrüggers Teich (Stadtparkteich) liegen vom Juni 2014 vor. Frühere Daten lieferte ein Gutachten über den Stadtparkteich aus dem Jahr 1991. Damals war der Diplom-Biologe Dr. Hartmut Späh von der Stadt Gütersloh mit der Erstellung eines limnologischen (gewässerkundlichen) und fischereibiologischen Gutachtens beauftragt worden. Darin sollte unter anderem die Gewässerqualität und der Fischbesatz des Stadtparkteiches untersucht werden.

Die Fischbestände wurden durch eine sogenannte elektrische Befischung erfasst, einer Standardmethode zur Bestandsaufnahme von Fischen stehender Gewässer. Damit die Fische dabei keinen Schaden nehmen und nach der Untersuchung/Zählung wieder in das Gewässer eingesetzt werden können, darf diese Art der Befischung nur von ausgebildeten Fachkräften durchgeführt werden. Im Folgenden werden zunächst die Ergebnisse des Gutachtens aus dem Jahr 1991 vorgestellt.

Der Stadtparkteich wurde zum Zeitpunkt der Untersuchung fischereilich nicht bewirtschaftet, und mit Ausnahme der unten genannten Besatzmaßnahmen mit Karpfen und Hechten gilt dies bis heute. Die Entwicklung der Fischbestände im Teich war bis zum Zeitpunkt der Untersuchung – bis auf einige gezielt eingesetzte Karpfen - im Wesentlichen sich selbst überlassen. Das Artenspektrum setzte sich fast ausschließlich aus Fischarten zusammen, die über den Zulaufgraben aus der Dalke in den Teich gelangen konnten.

Bei der Elektrobefischung im Uferbereich wurden 1991 insgesamt 741 Fische nachgewiesen, die sich auf folgende Arten verteilten:
Plötze 723
Barsch 8
Karpfen 6
Goldfisch 1
Rotfeder 1
Güster 1
Karausche 1

Zusammenfassend stellte der Gutachter fest, dass sich im Stadtparkteich ein für diesen Gewässertyp viel zu hoher Bestand an Weißfischen befand. Raubfische als Regulatoren des Fischbestandes fehlten gänzlich. In natürlichen stehenden Gewässern liege dagegen ein annähernd ausgewogenes Verhältnis zwischen Raubfischen zu Friedfischen mit etwa 30 Prozent zu 70 Prozent (bezogen auf die Biomasse) vor.

Da in den Stadtparkteich insgesamt erhebliche Nährstoffmengen eingetragen wurden, vor allem über Falllaub der umstehenden Bäume und große Futtermengen für Enten und Fische durch Besucher, empfahl der Gutachter neben einer Reihe anderer Maßnahmen zunächst die Karpfen aus dem Teich zu entfernen. Diese Art durchwühlt das Sediment intensiv nach Nahrung und setzt dadurch immer wieder bereits abgelagerte Nährstoffe vom Teichgrund frei. Ferner sollten in den nächsten 3 Jahren jährlich etwa 20 Satzhechte ausgesetzt werden, damit sich ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Raub- und Friedfischen einstellen könne.

Entsprechend der Empfehlung des Gutachters setzte die Stadt Gütersloh Hechte im Stadtparkteich aus. Die Auswirkung dieser Maßnahme auf den Fischbestand wurde durch ein erneutes limnologisches und fischereibiologisches Gutachten 2014 überprüft. Bei der Elektrobefischung im Juni 2014 wurden insgesamt 360 Fische nachgewiesen, die sich auf folgende Arten verteilen:

Plötze: 323
Barsch: 28
Hecht: 5
Rotfeder: 3
Karpfen 1

Ein Vergleich mit dem Befischungsergebnis aus dem Jahr 1991 zeigt, dass der Fischbestand um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist. Als Ursache nennt der Gutachter den nach 1991 durchgeführten Besatz mit Hechten, der bis heute zu einem nahezu ausgewogenen Verhältnis zwischen Fried- und Raubfischen geführt habe. Um dieses Verhältnis dauerhaft zu erhalten und weil der Stadtparkteich auch weiterhin fischereilich nicht bewirtschaftet werden soll, empfiehlt der Gutachter alle 3 Jahre 25 Hechte in den Stadtparkteich einzusetzen, da Besatzmaßnahmen ausschließlich mit dieser Raubfischart sinnvoll seien und sich der Hecht im Stadtparkteich nur sehr eingeschränkt fortpflanzen könne.

Die weiteren Untersuchungen zur Wasserqualität zeigten, dass der Teich nach wie vor als nährstoffreiches Gewässer zu charakterisieren ist. Insbesondere liegt der Phosphatgehalt im Gewässer und am Gewässergrund um das 4- bis 5-fache über dem Gehalt, den ein stehendes Gewässer eigentlich nicht überschreiten sollte. Dagegen erreicht der Sauerstoffgehalt des Gewässers nur geringe Konzentrationen. Als Ursache für diesen schlechten chemischen Zustand des Stadtparkteichs nennt der Gutachter den erhöhten Bestand an Wasservögeln und das teilweise massive Anfüttern von Vögeln und Fischen durch Besucher.

Eine Verbesserung der ökologischen Gesamtsituation des Gewässers kann nur durch ein konsequentes Fütterungsverbot, verbunden mit einer entsprechenden Aufklärung der Besucher, erreicht werden (vergleiche dazu auch „Enten füttern im Stadtparkteich?“). Ergänzend dazu soll im nordöstlichen Bereich des Teiches eine Röhrrichtzone als Laichplatz und Kinderstube für Fische angepflanzt werden. Zum Schutz vor Verbiss durch Wasservögel soll dieser Bereich durch einen Zaun abgetrennt werden.


Quellen:

  • Dipl.-Biologe Dr. Hartmut Späh: Limnologisches und fischereibiologisches Gutachten Stadtparkteich, 1991 und 2014
  • www.hydra-institute.com/de/ifah/Fische_Fischerei/Elektrofischerei_Efisch.php

Ökologische Geschwister: Still- und Fließgewässer als Lebensräume

Sie sind wie ungleiche Schwestern: Bach und See sind zwar beides Wasserlebensräume, bieten den Pflanzen und Tieren aber dennoch höchst verschiedene Lebensbedingungen. Im Stadtpark kann man die Unterschiede beobachten, die durch die Strömung verursacht werden:

Zwar ist die Fließgeschwindigkeit der Dalke durch den Mühlenstau bei Meiers Mühle bereits vermindert, aber doch noch so stark, dass der Wasserkörper ständig vermischt und auch die Bachsohle in Bewegung gehalten wird. Das Wasser ist überall gut mit Sauerstoff versorgt, und alle Bewohner müssen mit dem ständigen Abwärtsstrom klar kommen: Vögel, Fische, Kleintiere und Uferpflanzen müssen sich entweder gut festhalten oder ständig gegen die Strömung anschwimmen. Das gelingt auf Dauer nur entsprechend angepassten Arten. Spürbar wird die Wasserbewegung und -vermischung auch durch die verzögerte Eisbildung im kalten Winter.

Sandrippeln
Sandrippelmarken der Bachsohle („Immer in Bewegung: die Sandrippeln verraten die beständige Strömung und Umlagerung der Bachsohle“), Foto: Stadt Gütersloh
Ecdyonurus
Bild einer strömungsliebenden Eintagsfliegenlarve (Ecdyonurus sp.) („Leben im Strömungskanal: Wer hier keine Stromlinie hat oder Hakentricks kennt, geht ‚den Bach runter’!“), Foto: Günter Bockwinkel

Ein Übergangslebensraum ist der „Altarm“ beim Dalkesteg, der 2008 bei der Dalke-Renaturierung geschaffen wurde. Übers Jahr ein Stillgewässer oder eine ruhige Bucht, findet er bei Hochwasser Anschluss an die Dalke und wird dann zeitweilig durchströmt. Für manche Fische sind dies hochwillkommene Wechselbäder zwischen Kinderstube und Jagdrevier für Ausgewachsene.

Doch auch im Stillgewässer herrscht kein Stillstand! Seen und Teiche sind zwar nicht ständig durchströmt und ihre Wassermasse wird somit nicht laufend erneuert, aber da warmes Wasser leichter ist als kaltes, steigt es nach oben, während kaltes nach unten absinkt. Ganz kaltes Wasser unter 4 Grad Celsius ist wiederum leichter, so dass Seen von oben her zufrieren und in der Tiefe mindestens 4 Grad „warm“ bleiben und Fischen und Amphibien ein Überwintern am Seegrund ermöglichen.

Auch Wind kann den Wasserkörper umwälzen, solange die Temperaturschichtung nicht zu ausgeprägt ist. Solche Wasserbewegungen bewirken zwar einen gewissen Stofftransport im See (Sauerstoff, Nährstoffe). Sie sind jedoch so sanft, dass sich auch nicht aktiv schwimmende Kleinstorganismen (sogenanntes „Plankton“, z.B. Algen und Wasserflöhe) vermehren können und eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele Seebewohner bilden. Im Bach ist dagegen der am Substrat haftende „Aufwuchs“ eine bedeutende Nahrungsquelle.

Und noch ein Unterschied ist sehr wichtig: Nährstoffe, die einmal in den See gelangt sind, bleiben dort auf sehr lange Zeit verfügbar, werden immer wieder „recycelt“ und reichern sich an. Bäche haben dagegen ein „kürzeres Gedächtnis“, Nähr- und Schadstoffe werden fortgespült und die Wasserqualität kann sich schneller erholen. Seen sind somit noch empfindlicher gegen Wasserverschmutzungen und müssen mit großer Umsicht bewirtschaftet werden.

Vögel an der Dalke

Neben einigen wenigen Schwimmvögeln wie z.B. Stockente und Teichralle (vergleiche hierzu den Artikel "Wasservögel im Stadtpark") leben auch einige Kleinvögel an der Dalke, die speziell an das Leben im und am Wasser angepasst sind, nämlich Eisvogel, Wasseramsel und Gebirgsstelze. Die Uferschwalbe kommt an der Dalke zwar nicht (mehr?) vor, eine Ansiedlung im Unterlauf wäre aber denkbar, sofern bei weiteren Renaturierungen die dafür notwendigen Strukturen (Steilwände) geschaffen werden.

Das Juwel unserer Bäche ist zweifellos der Eisvogel. Eis liebt er allerdings gar nicht, und auch seine nähere Verwandtschaft ist in warmen Klimazonen zu Hause. Aber seine brillant kobaltblau bis türkisgrün gefärbte Oberseite hat ihm den einprägsamen Namen eingebracht, die so hübsch mit der orangeroten Unterseite kontrastiert. Die Farbpalette wird durch korallerote Füße, weiße Wangen- und Kehlpartien und einen schwarzen Schnabel komplettiert.

Neben Gewässerverschmutzung, -ausbau und Freizeitnutzung stellt winterliches Eis seine stärkste Bedrohung dar, vor allem bei längerer Dauer. Zugefrorene Wasserflächen verschließen den Zugang zu seiner Beute: fingerlange Fischchen, Wasserinsekten und kleine Wassertiere, die er im Sturzflug vom Ansitz aus erjagt. Eisvögel ziehen nicht fort und verhungern in harten Wintern. Dann kommt es zu massiven Bestandseinbrüchen, deren Wiederaufbau Jahre dauern kann. Der NRW-Bestand wird aktuell mit 1.000 bis 1.800 Revieren angegeben (NWO-Brutvogelatlas “Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens“).

Für seine Bruthöhle benötigt der Eisvogel Steilhänge in Gewässernähe von mindestens einem halben Meter Höhe. Die findet er an Prallufern naturbelassener Bäche, an Böschungen oder in Wurzeltellern umgestürzter Bäume, die man für diesen Zweck einfach liegen lassen sollte. Er nimmt auch künstliche Steilwände an, die allerdings nicht einfach zu bauen sind. Dort hinein gräbt er eine knapp einen Meter lange Brutröhre mit einem Nestkessel am Ende. Bereits im März beginnt die Brutperiode, und bis August kann er bis zu 4 Bruten aufziehen. Bei 6 bis 7 Eiern pro Gelege können Verluste rasch ausgeglichen werden.

An der Dalke sieht man die scheuen Eisvögel meist als blauen, pfeilschnell fliegenden Blitz. Wer den metallenen Pfiff nicht kennt, mit dem er sich meist ankündigt, bekommt ihn kaum zu Gesicht. Nur mit viel Glück und Erfahrung kann man ihn einmal bei der Ansitzjagd im Ufergebüsch am Bach oder am Teich beobachten, denn der überraschend kleine, nur gut finkengroße Vogel ist dort gar nicht leicht zu entdecken. Besonders gerne nutzt er dafür Zweige, die übers Wasser ragen und von denen aus er seine Beute erspähen und dann im Sturzflug tauchend erbeuten kann.

Eisvogel, Gefiederreinigung
Eisvogel bei der Gefiederreinigung, Foto: Rudolf Lammers
Eisvogel mit Beute
Eisvogel mit Beute fliegend, Foto: Rudolf Lammers

Aktuell wieder „im Kommen“ ist die seltene Wasseramsel. Sie ist mit der Amsel (auch Schwarzdrossel genannt) nicht näher verwandt, lediglich ihr schwarzbraunes Gefieder erinnert etwas an ihre deutlich größere Namensschwester, doch fällt bei näherer Betrachtung sofort ihre leuchtend weiße Brust auf. Mit ihrer gedrungenen rundbäuchigen Gestalt und dem kurzen gestelzten Schwanz wirkt sie wie ein großer amphibischer Zaunkönig, gehört aber einer ganz eigenen Vogelfamilie an, die sich durch vielerlei Anpassungen ans Wasserleben auszeichnet. Sie ist sehr eng an klare fließende Bäche gebunden und fängt ihre Beute tauchend am Gewässergrund (z.B. Insektenlarven, Flohkrebse) oder am Ufer. Lange kräftige Beine, pelzdunenartiges Gefieder, kurze gebogene Flügel, schlitzförmige, verschließbare Nasenöffnungen und ein hohes Akkomodationsvermögen ihrer Augen erleichtern ihr die Jagd unter Wasser.

Meist sieht man Wasseramseln geradlinig flach übers Wasser schwirren oder am Ufer oder auf einem wasserumspülten Stein sitzen, von wo aus sie ins Wasser tauchen und mehrere Meter unter Wasser rudernd zurücklegen. Weiße Kotkleckse auf solchen Ansitzsteinen sind ein guter Hinweis auf die Art. Sie sind auf saubere, klare und naturnahe Bäche angewiesen und verschwinden bei Gewässerverschmutzungen wie auch beim technischen Ausbau von Bächen. Wie dem Eisvogel machen auch ihnen sehr kalte Winter zu schaffen, wenn ihre Nahrungsgewässer zufrieren. Denn auch die Wasseramsel zieht in unseren Breiten nicht fort, sondern streift im Winter lediglich weiter entlang der Bäche umher.

Das Kugelnest (Durchmesser mindestens 20 Zentimeter) mit seitlichem Einschlupf wird aus Moos und Halmen vorzugsweise an halbdunklen Nischen (Wurzelhöhlen, Mauerlöcher, Brückenträger) möglichst nah am bzw. über dem Wasser versteckt und für 1 bis 2 Jahresbruten (ausnahmsweise auch 3) genutzt. Infolge hoher Brutplatztreue können günstige Nistgelegenheiten jahrzehntelang beibehalten werden (als Höchstalter eines Vogels wurden 10 Jahre nachgewiesen). Durch spezielle Nistkästen an geeigneten hochwassersicheren Stellen kann die Art gut gefördert werden; in solchen Kästen kommen Zweitbruten häufig vor.

Verbreitungsschwerpunkt der Wasseramsel sind die schnell fließenden Bergbäche, doch bereits H. Landois (Die Vogelwelt Westfalens, Paderborn & Münster 1886) erwähnt eine zunehmende, lokale Besiedlung auch des westfälischen Tieflandes. So lag Gütersloh möglicherweise schon immer an der Verbreitungsgrenze dieser Art in NRW. Georg Möbius erwähnt in seiner „Lokalavifauna von Gütersloh und Umgebung“ für die Zeit 1945 bis 1963 (Bericht Naturwissenschaftlicher Verein Bielefeld 39, 153-196) keine einzige Beobachtung in Gütersloh, vermutlich nicht zuletzt auch deshalb, weil nach seiner Schilderung in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg die Unterläufe vieler Sennebäche stark verschmutzt waren. Auch Hans-Josef Pähler (Die Vogelwelt des Verler Landes, Verl 1983) stuft die Art für Verl als „Ausnahmeerscheinung“ ein. Bis heute beschränkt sich die Verbreitung in NRW mit einem landesweiten Gesamtbestand von nur 1.600 bis 2.500 Paaren weitgehend auf die südlichen und östlichen Landesteile mit Mittelgebirgscharakter (NWO-Brutvogelatlas“Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens“).

Gleichwohl brütet die Wasseramsel in Gütersloh wieder vereinzelt an der Dalke oberhalb des Stadtgebietes, so z.B. im Bereich der Strangmühle, wo man sie manchmal von der Brücke aus beobachten kann und ihr Steinschüttungen offenbar zusagen. Im Winterhalbjahr können aufmerksame Beobachter umherstreifende Vögel auch im weiteren Stadtgebiet an der Dalke antreffen. Es besteht Hoffnung, dass sich diese interessante Art weiter im Stadtgebiet ausbreitet. Gezielt angebrachte Nisthilfen an Mühlen und Brücken helfen ihr sicherlich dabei.

Wasseramsel
Wasseramsel, Fotos: Rudolf Lammers

Etwas besser geht es der Gebirgsstelze. Sie ist ebenfalls sehr eng an Fließgewässer gebunden, sucht ihre Nahrung jedoch am Ufer und reagiert auf Gewässerbelastungen daher nicht ganz so empfindlich wie die Wasseramsel. Auch ihr Verbreitungsschwerpunkt sind die Mittelgebirgsbäche, aber sie besiedelt fast ganz NRW und brütet somit – zwar weniger zahlreich, aber nahezu flächendeckend – auch an den Tieflandsbächen. Landesweit wird ihr Bestand mit 4.500 bis 7.500 Brutpaaren angegeben (NWO-Brutvogelatlas).

Die Gebirgsstelze ähnelt einer langschwänzigen Bachstelze, hat jedoch - jahreszeitlich variierend - auffällige gelbe Gefiederpartien (vor allem am Bürzel und Schwanzansatz und den Flanken, beim Männchen im Prachtkleid die gesamte Unterseite, die dann hübsch zur schwarzen Kehle kontrastiert). Die übrigen Gefiederteile sind grau mit schwarzen und weißen Mustern.

Am leichtesten findet man Gebirgsstelzen an schattigen Ufersteinen rasch fließender Bäche, an Wehren, Überläufen, Rampen und Mühlen, wo sie lebhaft mit ständig wippendem Schwanz Fliegen fängt. Dort fällt auch ihr zweisilbiger metallisch-dünner Ruf „tsi-tit“ auf, der schärfer als der ähnliche Bachstelzenruf klingt. An der Dalke kommen sie einzeln, aber regelmäßig an den Mühlen, Wehren und Rampen vor, z.B. an der Neuen Mühle, an der Brücke Gabelsberger Weg oder an Meiers Mühle.

Gebirgsstelzen nutzen ähnliche Nistplätze wie die Wasseramseln und nehmen auch gerne die entsprechenden Nisthilfen an. Sie sind ebenfalls recht reviertreue Standvögel und leiden in harten Wintern, können aber Bestandsverluste mit 2 Jahresbruten relativ schnell wieder ausgleichen.

Gebirgsstelze
Gebirgsstelze, Männchen, Foto: Rudolf Lammers
Gebirgsstelze mit Beute
Gebirgsstelze mit Beute, Foto: Rudolf Lammers

Die gesellige Uferschwalbe braucht wie der Eisvogel Steilwände für ihre selbst gegrabenen Niströhren, sie kommt derzeit nur noch in wenigen Paaren an einem Baggersee am Gütersloher Stadtrand vor. Die befestigten Ufer der Dalke bieten ihr keine geeigneten Brutplätze, wogegen (außerhalb des Stadtgebietes) an der Ems noch wenige Kolonien existieren. Seit der Mensch die Flüsse begradigt und befestigt hat, ist die Uferschwalbe dort nur noch selten zu finden und nimmt eher Abgrabungen als Ersatzlebensraum an, die ihr aber immer nur eine Heimstatt auf Zeit bieten können. Weil die Uferschwalben lieber alljährlich neue Röhren graben anstatt alte zu benutzen, sind künstliche Steilwände aufwändig zu bauen und zu unterhalten. Da ist es besser, Bäche und Flüsse zu entfesseln, die gerne und kostenlos immer neue Steilwände schaffen, wenn sie den Platz dafür haben.

Uferschwalbe
Uferschwalbe, Foto: Andreas Schäfferling
Uferschwalbenwand
Uferschwalbenwand, Foto: Jürgen Albrecht

Wasservögel im Stadtpark

Von den vielen Vogelgruppen, die speziell an das Leben im und am Wasser angepasst sind, fallen im Stadtpark vor allem mehrere Arten aus den Familien der Entenvögel ("Wassergeflügel": Enten und Gänse) und der Rallen (Teich- und Blässhühner) auf. Diese "Schwimmvögel" sind durch Schwimmfüße gekennzeichnet und leben überwiegend an Teichen und Seen, also sogenannten Stillgewässern.

Im Vogelreich gibt es verschiedene Typen von „Schwimmfüßen“. Bei den Entenvögeln spannen sich Schwimmhäute zwischen den Vorderzehen und bilden eine breite Ruderfläche, die Hinterzehen tragen meist einen eigenen Schwimmlappen (allerdings nicht bei den Schwimmenten, zu denen die Stockente gehört). Die Blessralle (Blässhuhn) hat seitliche Schwimmlappen an den langen Zehen, die ebenfalls für guten Vortrieb beim Schwimmen sorgen. Die nah verwandte Teichralle (Teichhuhn) hat dagegen nur schmale Hautsäume an den Außenseiten ihrer langen Zehen, die besser zum Klettern auf der Vegetation als zum Schwimmen taugen. Mit breiten Schwimmlappen sind die Füße der Lappentaucher (Hauben- und Zwergtaucher) ausgestattet, die am Stadtparkteich allerdings nicht vorkommen.

Gelegentlich kann man darüber hinaus an Stadtparkteich und Dalke auch noch den Kormoran (bei dem alle 4 Zehen durch Schwimmhäute verbunden sind) und den Graureiher beobachten, neuerdings ganz selten auch einmal den Silberreiher. Jedoch sind nicht alle der hier vorgestellten Wasservögel jederzeit anzutreffen. Die Stadt ist bemüht, die Zahl der Tiere in Grenzen zu halten, damit der Eintrag von Kot und Nährstoffen in den Parkteich nicht dazu führt, dass die Wasserqualität umkippt und Krankheitskeime die Vögel gefährden. Aus diesem Grund sollten auch alle Fütterungen unterbleiben. Zu den vorwiegend an Fließgewässern lebenden kleineren Vogelarten Eisvogel, Wasseramsel, Gebirgsstelze und Uferschwalbe vergleiche den gesonderten Artikel „Vögel an der Dalke“.

Der häufigste Schwimmvogel des Stadtparkteiches ist die Stockente, die Stammart unserer Hausente. Flaschengrüner Kopf mit gelbem Schnabel, weißer Halsring, rotbraune Brust, helles Körpergefieder und die schwarzen „Erpellocken“ am Schwanz machen den Stockerpel zu einem „Beau“. Der Flügelspiegel irisiert leuchtend blau. Die Weibchen sind dagegen tarnfarben mit sandbraun-dunkelbraun geschecktem Gefieder und orange-bräunlichem Schnabel.

Die auffälligen Geschlechtsunterschiede kommen nicht von ungefähr, denn wie bei allen Entenarten ist die Aufgabenverteilung klar geregelt: Die weiblichen Enten kümmern sich allein ums Brutgeschäft und die Jungenaufzucht, ein auffälliges Gefieder wäre da riskant. Auch die Erpel tragen ihr buntes Kleid nur vom Herbst bis in den Mai. Dann mausern sie ins Schlichtkleid, das dem weiblichen sehr ähnelt. Ihre Schwungfedern verlieren sie innerhalb weniger Tage, sind dann über einen Monat flugunfähig, schließen sich mit Artgenossen zu Mausertrupps zusammen und verhalten sich in dieser Zeit sehr heimlich. Die Weibchen vermausern etwas später, wenn die Jungen selbstständig sind.

Stockenten verpaaren sich für eine Saison im Herbst. Über den Winter kann man leicht ihr Balzverhalten beobachten, das bei allen Enten in ähnlicher Weise als Sozialbalz („Gesellschaftsspiel“) verläuft, bei dem oft mehrere Erpel um ein oder wenige Weibchen werben. Die Bewegungsfolge umfasst unter anderem das „Antrinken“ mit Eintauchen des Schnabels und Verspritzen von Wasser, das „Kurz-Hoch-Werden“, bei dem der Kopf mit lautem Pfiff in den Nacken geworfen wird, sowie das „Nickschwimmen“ mit flach vorgestrecktem Kopf um das Weibchen. Auffällig sind auch Verfolgungsflüge mit Vergewaltigungen und Fremdbegattungen ab Januar („Reihen“). Verpaarte Weibchen weisen fremde Erpel durch Kopfbewegungen über die Schulter ab und „hetzen“ so das eigene Männchen auf das fremde. Erpel rufen langsam und gedämpft „rähb“, Weibchen laut „waak waak waak...“

Bei günstigen Bedingungen beginnt die Ente schon ab Februar mit der Brut. Der Nistplatz ist sehr variabel, aber gut getarnt: Am Boden im Schilf, unter Büschen, Reisig- oder Strohhaufen, auf der Enteninsel oder auf schon vorhandenen Nestunterlagen in Bäumen, in Höhlen, sogar in Häusern oder Nistkörben. Meist 7 bis 13 Eier werden warm mit Dunen gepolstert und 4 Wochen lang bebrütet. Die Jungen schlüpfen synchron innerhalb eines Tages und werden sofort zum Wasser geführt; sie sind nach 7 bis 8 Wochen selbstständig.

Unsere heimische Stockente ist die wilde Stammform der Hausente. Da diese sich auch mit Stockenten verpaart, gibt es die unterschiedlichsten Bastarde mit braunen, weißen oder gescheckten Gefiederpartien auf fast jedem Parkgewässer, so auch im Stadtpark. Die Bastarde sind meist auch kräftiger als die Wildform und tauchen leider auch manchmal in der Natur auf, wo sie von Jägern und Naturschützern nicht gerne gesehen werden, weil sie den Genbestand der Wildform verändern.

Unerwünscht ist auch das Füttern der Wasservögel, so schön dies für Kinder sein mag. Es verursacht erhebliche Gewässerbelastungen und bringt damit auch Risiken für die Vögel selbst (vergleiche hierzu den Artikel „Enten füttern im Stadtparkteich?“).

Stockenten
Stockentenpaar, Foto: Jürgen Albrecht

Eine zweite eingeführte Gänseart, die am Parkteich und immer öfter auch in der freien Landschaft anzutreffen ist, ist die Kanadagans. Man kann sie leicht an ihrem schwarzen Kopf mit den auffälligen weißen Wangen erkennen. Wie der Name schon andeutet, stammt sie ursprünglich aus Nordamerika und wurde in Europa eingebürgert. In NRW umfasst der frei lebende Bestand inzwischen circa 2.000 bis 3.000 Paare.

Kanadagänse
Kanadagänse, Foto: Andreas Schäfferling

Die größten Bewohner des Stadtparkteiches und der Enteninsel sind die Höckergänse. Diese aus der asiatischen Schwanengans gezüchtete Hausgansrasse trägt einen auffälligen Schnabelhöcker (ähnlich dem Höckerschwan), der Ganter dazu noch eine Kehlwamme, und kommt in verschiedenen Farbschlägen vor (braun gescheckt ähnlich der Wildform, weiß oder weiß gescheckt ähnlich der Hausgans). Wie viele domestizierte Vogelarten wird die Höckergans wesentlich schwerer als die Wildform. Sie lässt sich problemlos mit der Hausgans kreuzen, die allerdings von der Graugans abstammt.

Die Blessralle kann mit ihrer schwarzen Gefiederfärbung, dem weißen Schnabel und der ebenfalls weißen Stirn (der Blesse) kaum mit anderen Vogelarten verwechselt werden – allenfalls mit der verwandten Teichralle. Naturfreunde kennen die Blessralle vielleicht auch unter dem Namen „Blässhuhn“. Diese Bezeichnung ist jedoch etwas irreführend – die Rallen sind eine eigenständige Vogelfamilie und gehören nicht zu den Hühnern.

Das Nest der Blessrallen besteht aus aufgehäuften Pflanzenstängeln am Ufer. Die Vögel sind in Nestnähe sehr zänkisch, unerwünschte Nachbarn werden vom „Hausherrn“ vertrieben. Die Männchen schwimmen dann mit geblähten Flügeln und vorgestrecktem Kopf auf den Eindringling zu, um den Konkurrenten zu vertreiben. Wenn dieser nicht zurückweicht, wird er heftig attackiert, oft unter Mithilfe des Weibchens. Die Eier werden von Männchen und Weibchen gemeinsam bebrütet. Wenn die Jungen schlüpfen, haben sie bereits ein schwarzes Gefieder, Hals und Kopf sind mit roten Daunen versehen.

Blessrallen leben von tierischer und pflanzlicher Nahrung. Sind sie in tiefem Gewässer auf Nahrungssuche, tauchen sie mit einer Art Kopfsprung ein. Ihre Anpassungsfähigkeit bezüglich der Nahrung kommt der Blessralle im Winterhalbjahr zugute. Dann ist sie nicht auf tierische Nahrung aus den Gewässern angewiesen, sondern frisst Pflanzen auf den Grünflächen.

Die Art bevorzugt größere Teiche und Seen hauptsächlich des Tieflandes, im Bergland fehlt sie weitgehend. Ihre Zahl in NRW wird auf 8.000-13.000 Paare geschätzt.

Blässhuhn mit Küken
Blessralle mit Dunenküken, Foto: Andreas Schäfferling

Ebenfalls zu den Rallen gehört die Teichralle (auch Teichhuhn genannt). Die Arten dieser Vogelfamilie sind fast durchweg Sumpfvögel, die mit ihrem seitlich zusammengedrückten Körper ausgezeichnet durch dichtes Röhricht schlüpfen können. Anders als die nah verwandte Blessralle lebt die Teichralle vergleichsweise unauffällig in der Vegetation der Ufer und schwimmt weniger gut. Ihre Nester sind meist gut im Uferbereich versteckt und durch grünes Pflanzenmaterial hervorragend getarnt. Vom April bis in den August hinein werden 2 bis 3 Bruten durchgeführt. Die Fütterung der ständig fiependen, schwarzbedunten und rotgesichtigen Küken ist dagegen gut zu beobachten.

Die Altvögel sind an der Körperoberseite dunkel olivbraun und an Kopf und Hals sowie der Körperunterseite dunkel grauschwarz gefärbt. Sie haben eine rote Stirnplatte, einen roten Schnabel mit einer gelben Schnabelspitze sowie rote Augen. Der Schwanz ist kurz und hat eine schwarzweiße Unterseite. Unterseits ist das Gefieder schiefergrau, die Flanken sind weiß gestreift, die Beine leuchten grüngelb. Der Vogel fällt auf, weil er beim Schwimmen ständig mit dem gestelzten Schwanz wippt und rhythmisch mit dem Kopf nickt.

Ein massiver Bestandsrückgang in den 1970er und 80er Jahren hat der Teichralle die zweifelhafte Ehre eines Platzes auf der Vorwarnliste von NRW eingebracht, der Vorstufe zur "Roten Liste" der gefährdeten Arten. Während sie sich vor allem in siedlungsnahen Gewässern seither wieder einigermaßen erholen konnte, ist sie in der freien Landschaft eher spärlich geblieben. In NRW brüten etwa 6.500-12.000 Paare, ebenfalls wie die Blessralle schwerpunktmäßig im Tiefland.

Teichrallen
Teichrallenpaar, Foto: Andreas Schäfferling

Flora und Fauna im Stadtpark Gütersloh

Im Jahr 2013 wurde im Auftrag der Stadt Gütersloh durch die Arbeitsgemeinschaft Biotopkartierung im Stadtpark und im Botanischen Garten eine flächendeckende Untersuchung der Vögel und Fledermäuse durchgeführt. Ergänzend dazu erfolgte eine floristische Kartierung auf ausgewählten Teilflächen. Die Ergebnisse der Kartierungen wurden im Januar 2014 vorgelegt.

Kartierung Vögel
Insgesamt konnten im Untersuchungsgebiet 43 Vogelarten nachgewiesen werden. Davon können 32 Arten als Brutvögel (inclusive ein Brutverdacht) angesehen werden. Weiteren 8 Arten dient der Stadtpark als Nahrungsrevier. Neuntöter, Rotdrossel und der Wespenbussard konnten darüber hinaus als Durchzügler beobachtet werden. Bei 5 der Brutvögel bzw. Nahrungsgäste (Eisvogel, Grünspecht, Sperber, Teichhuhn, Waldkauz) handelt es sich um nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützte Arten.

Von den insgesamt nachgewiesenen Vogelarten wird lediglich die Mehlschwalbe in der Roten Liste für die Westfälische Bucht und für NRW geführt. Bachstelze, Goldammer, Haussperling, Star und Teichhuhn befinden sich auf der Vorwarnliste.

Viele der Vogelarten im Stadtpark und im Botanischen Garten waren auch Vögel des Jahres.

2002: Haussperling
2003: Mauersegler
2004: Zaunkönig
2006: Kleiber
2009: Eisvogel
2010: Kormoran
2012: Dohle
2014: Grünspecht

Kartierung Fledermäuse
Die Erfassung der Fledermausbestände erfolgte mittels Ultraschalldetektor sowie durch Kontrolle von Baumhöhlen und Fledermauskästen. Die Kartierungen zeigten, dass der gesamte Stadtparkbereich von 4 Fledermausarten (Zwergfledermaus, Wasserfledermaus, Rauhautfledermaus, Abendsegler) als Jagdrevier genutzt wird. Ebenso wird der Stadtpark von der Breitflügel- und Bartfledermaus regelmäßig zur Jagd aufgesucht.

Zur Verbesserung des Angebots an Fledermausquartieren wurden im Herbst 2014 weitere Nistquartiere im Stadtpark aufgehängt.

Kartierung Flora
Die floristische Kartierung erfolgte auf 4 ausgewählten Flächen des Stadtparks mit einer Gesamtfläche von etwa 7,7 Hektar. Bei den Begehungen im Frühjahr und Sommer 2013 konnten auf den Untersuchungsflächen 260 Pflanzenarten nachgewiesen werden. Davon gelten 43 Arten als in NRW bzw. 51 Arten als in der Westfälischen Bucht und im Westfälischen Tiefland als gefährdet.

Auf der Feuchtwiese zwischen Dalke und Karl-Rogge-Weg nordwestlich des Botanischen Gartens wurden insgesamt 112 Pflanzenarten nachgewiesen, darunter auch die nach der Roten Liste NRW als stark gefährdet eingestuften Arten Strauß-Gilbweiderich, Wasser-Greiskraut und der Große Wiesenknopf. Auch das vom Aussterben bedrohte Lein-Labkraut findet hier noch einen Lebensraum.

Die südlich davon gelegene Fläche zwischen Oststraße und Minigolf-Platz mit der Obstwiese und einer Feuchtwiese mit Stillgewässer ergab einen Nachweis von 142 Pflanzenarten. Von den stark gefährdeten Arten nach der Roten Liste NRW kommen hier Wiesen-Glockenblume, Strauß-Gilbweiderich, Kleine Traubenhyazinthe, Zungen-Hahnenfuß und Wasser-Greiskraut vor.

Auf der Feuchtwiese mit Dalke-Altarm zwischen Prießnitzinsel und Hundewiese im Osten des Stadtparks wurden 135 Pflanzenarten nachgewiesen. Davon gelten Igel-Segge, Herbstzeitlose, Großer Wiesenknopf und das Wasser-Greiskraut als stark gefährdet in der Westfälischen Bucht.

Die Eiswiese im Süden des Stadtparks ist Lebensraum für insgesamt 99 Pflanzenarten. Davon gelten 31 Arten nach der Roten Liste NRW als gefährdet. Besonders erwähnenswert sind hier der Mittlere Sonnentau, der Schild-Ehrenpreis und der Wassernabel. Auch vom Strauß-Gilbweiderich kommen noch größere Bestände vor. Ebenso haben hier weitere 6 Arten, die sich auf der Vorwarnliste befinden, in kleineren Beständen einen Lebensraum.

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