12. September 2018
Fortbildung zur arabischen Kultur und interkulturellem Dialog
Zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Gütersloh besuchten am Dienstag eine besondere Fortbildung.
Leila Benazzouz, Projekt Managerin der Bertelsmann Stiftung, referierte über die Arabische Kultur, Tipps zum Umgang miteinander und zu Tücken im Alltag.
Vorab gab es von Benazzouz eine Einschränkung: „Es gibt natürlich nicht den Araber oder die arabische Kultur – aber ich möchte Ihnen gerne Grundlegendes über den arabischen Kulturkreis mitgeben.“ Es gehe darum zu verstehen „woher die Menschen kommen“ – kulturell. Das beträfe auch ganz Alltägliches: So sei es im arabischen Raum beispielsweise nicht ungewöhnlich, dass sich Frauen und Männer zur Begrüßung nicht die Hand geben, geschweige denn umarmen. „Männer untereinander und auch Frauen untereinander begrüßen sich durchaus herzlich und körperlich – Frauen und Männer jedoch nicht“, erklärte Benazzouz. Die ausbleibende Begrüßung sei aber keinesfalls als abwertende Geste zu verstehen – im Gegenteil. „Es ist eher ein Zeichen des Respekts. Man möchte der Frau nicht zu nahe treten“, sagte Benazzouz. Den Mitarbeitern der Stadt Gütersloh würde sie dennoch raten auf den Handschlag zur Begrüßung zu bestehen. „Das Zusammenleben hier ist nun einmal anders. Das kann man erklären und im Allgemeinen wird dies auch angenommen“, sagte Benazzouz. Generell sei es im interkulturellen Umgang wichtig, Grenzen zu setzen und zu erklären, aber gleichzeitig auch zu versuchen etwas über das Gegenüber zu erfahren und ihm auf Augenhöhe zu begegnen.
Viele Menschen, die aus dem arabischen Raum nach Deutschland kommen, würden einen Kulturschock erleben, so die Politik- und Islamwissenschaftlerin. Schließlich seien die Gesellschaften, aus denen sie kommen, sehr konservativ geprägt. Dies stelle besonders für die Jüngeren ein Problem dar. „Junge Menschen fühlen sich oft zerrissen. Sie sind größtenteils konservativ aufgewachsen, wollen aber hier diese Ketten sprengen – und manche schießen dabei auch über das Ziel hinaus“, sagte Benazzouz. Dieser Zwiespalt zwischen konservativer Prägung und dem Wunsch nach einem modernen, aufgeschlossenen Lebensstil beschränke sich dabei nicht nur auf Muslime. „Der Kulturschock hat mit der Religion nichts zu tun. Syrische Christen, die hierher kommen, machen die gleichen Erfahrungen“. Rechtswidriges Verhalten oder gar sexuelle Straftaten hingegen hätten weder etwas mit Religion oder Kultur zu tun, betonte Benazzouz: „Auch im Islam und im arabischen Kulturraum wird etwa sexuelle Gewalt gegen Frauen nicht toleriert – zudem steht es im Widerspruch zu den religiösen Botschaften des Islams.
Zum Abschluss gab es für die zwölf Mitarbeiter die Möglichkeit Fragen zu stellen – und es gab einige. Schließlich haben viele Mitarbeiter regelmäßig Kontakt mit Menschen aus dem arabischen Kulturraum. Kindergarten, Ausländerstelle, Wohnungsvermittlung – in vielen Bereichen treten die Mitarbeiter der Stadtverwaltung in den interkulturellen Dialog ein. Benazzouz beantwortete zum Beispiel Fragen zum Thema Scheidung oder dem Umgang mit dem Kopftuch bei Kindern und war selbst interessiert an den Erfahrungen der Mitarbeiter.