27. April 2018
Männerberufe an die Frau bringen: Berufsorientierung am Girls‘ und Boys‘ Day
Kein Platz für Rollenklischees – so lautet die Devise am bundesweiten Girls‘ und Boys‘ Day, wenn für einen Tag Mädchen in die Rolle einer Feuerwehrfrau schlüpfen und Jungen zum Verwaltungsangestellten werden. Auch die Stadt Gütersloh öffnete am vergangenen Donnerstag wieder in zahlreichen Fachbereichen und Einrichtungen die Türen, um den Mädchen und Jungen einen Einblick in typisch männliche und weibliche Berufsfelder zu bieten.

Insgesamt wurden den Schülerinnen und Schülern fast 200 Plätze bei der Stadt und ihren Tochterunternehmen zur individuellen Berufsorientierung angeboten.
Statt Stift und Papier greifen Laura, Julia, Sarah, Dicle, Zara und Venezia heute zu Feuerlöscher und Atemschutzmaske – Praxis statt graue Theorie. Zusammen mit 14 weiteren Mädchen zeigte ihnen Brandoberinspektor Thomas Köhler, dass auch Frauen bei der Feuerwehr Gütersloh herzlich willkommen sind. Von der Feuerwehr über den Rettungsdienst bis hin zum vorbeugenden Brandschutz – an verschiedenen Stationen durften die Mädchen ganz unter sich ihre individuellen Stärken und Fähigkeiten kennen lernen. So auch bei Hauptbrandmeister Frank Bathe, der für die Mädchen ein gesichertes Feuer zum Ausprobieren der Feuerlöscher entfachte. Für Venezia nicht das erste Mal, dass sie einen Feuerlöscher in der Hand hält: „Ich bin Ersthelferin an unserer Schule, da habe ich das schon einmal ausprobiert.“ Auch Dicle hat sich für den Ernstfall vorbereitet: „Ich habe mir im Internet Videos angeschaut, wie ein Feuerlöscher funktioniert.“ Tatsächlich in der Hand hatten ihn bisher aber die wenigsten und mussten feststellen: so ein Feuerlöscher kann ganz schön schwer sein. Und trotzdem ist er unverzichtbar. Den besten Beweis dafür lieferte Frank Bathe mit einer selbst ausgelösten Fettexplosion, die ganz leicht auch zuhause entstehen kann, wenn man versucht, brennendes Fett mit Wasser zu löschen.
Weniger actionreich aber nicht minder spannend ging es bei den drei Mädchen beim städtischen IT-Service zu. Oliver Mummert, stellvertretender Leiter des IT-Services, und seine Kollegen und Kollegin führten die Schülerinnen durch den Serverraum, zeigten ihnen den Tresor mit den alten Back-Up-Bändern und informierten sie über den Virenschutz. Aber auch die Praxis kam beim IT-Service nicht zu kurz. Gemeinsam mit Marc Gutmann, Verantwortlicher für die Systemadministration, durften Anne-Marie, Lea und Chiara-Marie einen Rechner aufschrauben und auseinander nehmen – eine Premiere für die Schülerinnen. Lea zieht ein positives Fazit aus dem Tag und weiß, warum der Girls‘ Day beim städtischen IT-Service genau das Richtige für sie war: „In der Zukunft wird die Technik eine immer größere Rolle spielen und deshalb ist das heute eine tolle Gelegenheit mal zu gucken, was man beim IT-Service überhaupt macht.“
Vorurteile abbauen, in einen neuen Beruf hineinschnuppern und gucken, ob auch ein typischer Frauenberuf zu einem passt – das wollte auch Benjamin Mulic. Er nutzte den Boys‘ Day um zu erfahren wie es wirklich in der Stadtverwaltung als Verwaltungsfachangestellter zugeht. „Für mich war es wichtig, mir ein eigenes Bild zu machen und zu gucken, ob ich mir einen Job in der Verwaltung vielleicht vorstellen könnte“, so der Achtklässler. Im Fachbereich Personal und Organisation lernte der Schüler das Rathaus kennen, durchlief das Prozedere der Ausschreibung öffentlicher Aufträge und arbeitete mit verschiedenen Computerprogrammen. Am Ende seines Tages war Benjamin positiv überrascht, sieht seine berufliche Zukunft aber trotzdem nicht in einem Büro: „KFZ-Mechaniker könnte ich mir gut vorstellen.“ Auch diese Perspektive gibt es bei der Stadt Gütersloh mit der eigenen Kfz-Werkstatt des Bauhofes.
Der Girls‘ Day wurde in diesem Jahr zum 16. Mal von der Stadt Gütersloh angeboten. Die über 150 Plätze in zwölf Betrieben und Einrichtungen mit über 15 verschiedenen Arbeitsbereichen, boten den Mädchen zahlreiche Möglichkeiten, um neue berufliche Perspektiven zu entdecken. Zur achten Auflage des Boys’ Day konnten sich die Jungen zwischen 42 Plätzen in 19 Einrichtungen und Betrieben mit sieben Arbeitsbereichen entscheiden. Davon wurden allein 15 Plätze in den städtischen Kindertagesstätten angeboten.