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Archiv

11. Juli 2018

Wertschätzung für die Frau, die Anne Franks Tagebuch rettete

Millionen Menschen kennen den Namen Anne Frank. Vielen weniger ist der Name Miep Gies ein Begriff. Dabei wäre ohne sie die Geschichte des jüdischen Mädchens im Amsterdamer Versteck wahrscheinlich niemals um die Welt gegangen. Miep Gies hat das Tagebuch der Anne Frank gerettet und es später Anne Vater Otto Frank übergeben, dem einzigen aus dem Versteck, der Deportation und Konzentrationslager überlebte.

Miep-Gies-Weg: Schulleiter Witteborg und Bürgermeister Henning Schulz haben das Schild und die von der Schule gestaltete Informationstafel enthüllt.
Miep-Gies-Weg: Schulleiter Witteborg und Bürgermeister Henning Schulz haben das Schild und die von der Schule gestaltete Informationstafel enthüllt.

In Gütersloh hat der Name der mutigen Frau, die mit ihrem Mann Jan die Versteckten im Hinterhaus eines Bürogebäudes versorgte, einen besonderen Klang. Dort ist jetzt ein Weg nach ihr benannt und eine Informationstafel erinnert an ihre Geschichte und ihre Beziehung zur Anne-Frank-Gesamtschule nebenan.

30 Jahre Namensgebungsfeier der Schule waren der Anlass für diese besondere Form der Erinnerung. Miep Gies kam damals in die noch junge Anne-Frank-Gesamtschule und erzählte von Anne und deren Geschichte, die mit dem Tod des damals 16jährigen Mädchens im Konzentrationslager Bergen Belsen endete. Die Feier, von der – so Bürgermeister Henning Schulz in seinen Grußworten – „auch heute noch alle, die damals dabei waren, sehr bewegt sprechen“, war der Beginn einer ganz besonderen Beziehung zwischen der lebhaften älteren Dame mit leicht wienerischem Akzent (sie war gebürtige Österreicherin) und der ersten Gütersloher Gesamtschule. Zum damaligen Schulleiter Reinhard Rolfes und seiner Frau entwickelte sich eine Freundschaft. Mehrere Male war Miep Gies – als unermüdliche Botschafterin gegen Rassismus, Ausgrenzung und für Toleranz im Namen von Anne Frank in der ganzen Welt unterwegs - zu Gast in Gütersloh. Zeitlebens legte sie Wert darauf, Schülergruppen, die regelmäßig das Anne-Frank-Haus in Amsterdam besuchten, persönlich zu begrüßen – dies auch noch in hohem Alter (Miep Gies starb mit 101 Jahren). Auf der Informationstafel am Beginn des Weges, der von der Turnhalle der Anne-Frank-Schule in Richtung Westring führt ist ein Zitat von ihr vermerkt: „Ich habe viele Schulen in Europa besucht, aber so treu wie die Schule in Gütersloh ist keine andere.“

Die Namensgebung war und ist für die Anne-Frank-Gesamtschule von Anfang an profilbildend geblieben. Darauf verwiesen bei der Feier zur Benennung des Miep-Gies-Weges neben Bürgermeister Henning Schulz auch weitere Gäste, unter ihnen Ton Lansink, niederländischer Generalkonsul in Düsseldorf, Patrick Siegele, Leiter des Anne-Frank-Zentrums in Berlin, und Reinhard Rolfes, der ehemalige Direktor. Er beschrieb aus der unmittelbaren Perspektive des Zeitzeugen die Entwicklung der Schule, die Kontakte zu Israel und später zu Palästina, die zahlreichen Projekte und Initiativen, die hier entstanden und nicht zuletzt den Menschen Miep Gies selbst, die sich nie als „Heldin“ verstand.

Der Bürgermeister erinnerte unter anderem an das Projekt zur Erforschung der Hintergründe zweier Kindergräber auf dem Jüdischen Friedhof Anfang der Neunziger Jahre, das schließlich in die Aufarbeitung der Geschichte der Zwangsarbeit in Gütersloh und der Region mündete. „Hier hatte die Arbeit der Schule ihre Wirkung auf die gesamte Stadt.“ Die Benennung eines Weges im Umfeld der Schule nach Miep Gies sei vor diesem Hintergrund nur folgerichtig gewesen, sagte Schulz und dankte „herzlich für die Initiative zur Namensgebung und der damit verbundenen Wertschätzung.“