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Lokalgeschichte mit Mikrofon

17.04.2019

Almuth Wessel übergibt eine Sammlung der Beiträge aus ihrer Radio-Tätigkeit ans Stadtarchiv Gütersloh.

24 Kassetten, ein USB-Stick und ein Archivar, der sich über Quellenzuwachs im Archiv freut: Almuth und Herbert Wessel mit Stephan Grimm (Mitte) im Magazin des neuen Stadt- und Kreisarchivs an der Moltkestaße.
24 Kassetten, ein USB-Stick und ein Archivar, der sich über Quellenzuwachs im Archiv freut: Almuth und Herbert Wessel mit Stephan Grimm (Mitte) im Magazin des neuen Stadt- und Kreisarchivs an der Moltkestaße.

24 Stunden, elf Minuten, 46 Sekunden - ein wenig Zeit muss man schon mitbringen, wollte man die Beiträge nonstop anhören, die die Gütersloher Journalistin Almuth Wessel zwischen 1991 und 2001 für Radio Gütersloh erstellt hat. Über 200 Interviews und Reportagen aus der Frühzeit des Lokalradios hat das Ehepaar Wessel jetzt dem Gütersloher Stadtarchiv übergeben. Ehemann Herbert hat dabei wichtige Vorarbeit geleistet. Er hat das Material, das sich auf 24 Kassetten befand, digitalisiert.

Natürlich sind auch die Original-Tonträger in den Besitz des Archivs an der Moltkestraße übergegangen, wo sie Ihren Platz im Magazin finden. Die Inhalte werden auf einem Server gesichert und überdauern dort hoffentlich die nächsten Generationen. Denn was Almuth Wessel hier aus zehn Jahren Radioarbeit archiviert hat, ist gleichermaßen ein Beitrag zur Stadt- wie auch zur lokalen Mediengeschichte. Eine aufschlussreiche Dokumentation der Themenvielfalt, der Dauerbrenner, der großen und kleinen Persönlichkeiten und einiger historischer Momente ist die Sammlung allemal. Die Aussage „wir haben mal den Keller aufgeräumt“ geht angesichts dieser beeindruckenden Inhaltsfülle dann mal als schlichte Untertreibung durch.

Tatsächlich öffnet sich mit dem Material eine Tür zu den Neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Das Lokalradio ging als neues Medium für Stadt und Kreis „on air“, alles war irgendwie noch Experiment, (fast) alles schien möglich an Formaten, Längen und Beiträgen. Auch das spiegeln die Kassetten wider, zu denen der Start von Radio Gütersloh am 14. September 1991 ebenso gehört wie eine Werbesendung für den neuen Sender mit Stimmen der damaligen Redaktionsmannschaft. An täglichen Themen mangelte es – gestern wie heute – offensichtlich nicht im Kreis Gütersloh. Im internetlosen Zeitalter war das Lokalradio das „schnellste Medium“ im Nachrichtengeschäft und zum anderen dasjenige, das Nord- und Südkreis Gütersloh zur medialen Einheit verband.

Einiges auf der umfangreichen Themenliste ploppt als Erinnerung aus der Zeitgeschichte wieder ins Gedächtnis zurück: Müllverbrennungsanlage (MVA) und „Das bessere Müllkonzept“, die A33 und ihre Gegner, Placido Domingo im Gerry-Weber-Stadion, Michael Vesper vor dem Abschiebegefängnis in Gütersloh, Glaskunst aus Marienfeld mit Georg Michael Gausling, die intensiv diskutierte Verlegung des Wochenmarktes in Gütersloh auf den Berliner Platz, ein Baustellenreport vom Umbau der Blessenstätte, die neue Eiswiese im Stadtpark, die erste Direktwahl zum Landrat und zum Bürgermeister, der Zustand des (alten) Gütersloher Theaters, der neue Kolbeplatz und noch viel mehr aus Kreis und Stadt. Kurzum: ein unerschöpflicher Fundus aus Originaltönen und Zitaten, kombiniert mit dem beharrlich-direkten Fragestil der Journalistin.

Aus Sicht von Stadtarchivar Stephan Grimm ist das ein Schatz, der nicht nur die übrigen Quellen und Medien zu verschiedenen Themen ergänzt, sondern in seiner Gesamtheit auch Alleinstellungsmerkmale hat: „Almuth Wessel ist Zeitzeugin, die in ihrer Tätigkeit als Radioredakteurin Themen und Geschichten pointiert und über den Tag hinaus erhalten hat.“ Wer will kann die Beiträge nun für themenbezogene Recherchen nutzen. Er kann aber auch ein Gefühl für die „Neunziger“ gewinnen, für eine Zeit, die so weit noch nicht zurückliegt, sich in der Rückschau aber immer mehr dem Zeitgeist entzieht – mit ihren Nokia- und E-plus-Handys, den Floppy Discs, einem vereinten Deutschland, das gerade die gemeinsame Zukunft organisierte, der Dotcom-Blase und den Vorbereitungen zur Einführung des Euro.

Almuth Wessel, die heute für die Fraktion Die LINKE Mitglied im Gütersloher Rat ist und gerade zusammen mit anderen Ratsmitgliedern sowie dem städtischen Fachbereich Kultur eine Veranstaltung zur Erinnerung an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten mit vorbereitet, wäre eine lebhafte Nutzung des eingebrachten Archivmaterials nur recht. Für die studierte Historikerin ist der Wert von Erinnerungen, die Herleitung aus Bezügen zur Vergangenheit Teil einer bewusst gelebten Gegenwart. Vor diesem Hintergrund hat das „Archiv Wessel“ – so kündigt sie im Gespräch mit Stephan Grimm an - noch weiteres Material zu bieten: Bürgerfunkbeiträge zur regionalen Kultur etwa. Wir dürfen gespannt sein.

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