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Archiv

10. November 2019

Gütersloh setzt Zeichen gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und Rassismus

Mehr als 200 Bürgerinnen und Bürger gedachten nach der Einladung des Christenrates und der Stadt Gütersloh mit Kerzen in der Hand den Ausschreitungen des 9. Novembers 1938.

In stillem Gedenken: Bürgermeister Henning Schulz legt einen Kranz nieder zur Erinnerung an die Ausschreitungen in der Pogromnacht.
In stillem Gedenken: Bürgermeister Henning Schulz legt einen Kranz nieder zur Erinnerung an die Ausschreitungen in der Pogromnacht.

In Bielefeld gingen am Samstag 14.000 Menschen gegen einen Aufmarsch rechtsgerichteter Ideologen auf die Straße. „Angesichts dieser Demonstration setzen auch wir in Gütersloh ein politisches Zeichen. Unsere Kirche hat vor 81 Jahren große Schuld auf sich geladen, und wir stehen zu unserer Verantwortung.“ Pastor Kölsch als Vertreter des Gütersloher Christenrates rief am Samstagnachmittag am Gedenkstein an der Daltropstraße dazu auf, zurückzudenken und sich an die brutalen Geschehnisse am 9. November 1938 zu erinnern, als auch in Gütersloh die Synagoge verbrannte, Mitbürger jüdischen Glaubens gedemütigt, verfolgt und festgenommen wurden. Mit dem Novemberpogrom begann damals die systematische Verfolgung und fabrikmäßige Ermordung von sechs Millionen Juden in der Zeit des Nationalsozialismus – auch in unserer Stadt.

Mehr als 200 Bürgerinnen und Bürger gedachten mit Kerzen in der Hand dieser Ausschreitungen. Eingerahmt von musikalischen Beiträgen und einer historischen Betrachtung von Schülerinnen des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums legten Bürgermeister Henning Schulz und Vertreter des Christenrates Kränze nieder. Schulz mahnte, weiter sensibel und empfindsam zu bleiben, auch für die vermeintlich kleinen Gesten von Ausgrenzung, die vermeintlich „dummen Sprüche“ gegen alle und alles, das uns fremd oder ungewöhnlich erscheint: „Wir wollen, dass wir auch in Zukunft in unserer Stadt friedlich, gemeinsam und nachbarschaftlich miteinander leben können – egal welcher Nation oder Religion wir angehören.“ Das sei eine tägliche Aufgabe, das sei der Inhalt dieses Gedenktages. Wir werden nicht schweigen, wo sich Antisemitismus, Diskriminierung, Ausgrenzung und Rassismus durch die Hintertür des „Das wird man ja wohl mal sagen dürfen“ wieder Einlass verschaffen wollen.