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Archiv

01. April 2019

Bewegte Zeiten - Spielzeit 2019/2020 am Theater Gütersloh

Schon immer wurden im Theater der Zustand der Welt und die gesellschaftlichen Entwicklungen reflektiert.

Das Theater Gütersloh verfügt als modernes Stadttheater, als Hybrid zwischen Gastspiel- und Produktionshaus über die Möglichkeit, dies auf vielfältigste Weise zu zeigen, ohne sich dabei auf ein bestimmtes Genre beschränken zu müssen. Ein Schwerpunkt der Spielzeit 2019/2020 liegt auf Inszenierungen, die sich in ungewöhnlicher, nicht selten auch humorvoller Weise mit relevanten Themen beschäftigen.

Das Berliner Maxim Gorki Theater eröffnet die Spielzeit mit „Die Nacht von Lissabon“, einem gefeierten Abend, der Erich Maria Remarques Migrationsgeschichte berührend und sehr musikalisch ins Heute transferiert, gefolgt von der eindrücklichen Erfolgsproduktion von Theodor Storms „Der Schimmelreiter“, mit der das Theater Bremen Deichbau in Zeiten von Klimawandel und Plastikfluten beleuchtet. Weitere Highlights aus den Theatermetropolen: Das Schauspiel Frankfurt kommt mit Dietmar Bär und dem gesellschaftskritischen Stück „Furor“ von Sarah Nemitz und Lutz Hübner, das Deutsche Theater Berlin zeigt Molières „Der Menschenfeind“ mit Ulrich Matthes, das Schauspiel Stuttgart bringt in Kooperation mit den Salzburger Festspielen die Uraufführung von Theresia Walsers abgründiger Komödie „Die Empörten“ an die Dalke, besetzt u. a. mit der „Schauspielerin des Jahres“ Caroline Peters und „Eysoldt-Ring“-Träger 2018 André Jung. In Tennessee Williams‘ „Endstation Sehnsucht“, am Berliner Ensemble von Regie-Star Michael Thalheimer inszeniert, wird es dann wortwörtlich abgründig zugehen und in „Häuptling Abendwind“ vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg verwandelt Regielegende Christoph Marthaler Johann Nepomuk Nestroys Menschenfresser gleichzeitig bitterböse und höchst amüsant in (angeblich) zivilisierte Europäer. Unbedingt empfehlenswert ist laut Künstlerischer Leitung des Theaters Gütersloh der aus der Reihe tanzende, beschwingt-melancholische Abend „Wonkel Anja – Die Show!“, mit dem das Düsseldorfer Schauspielhaus Tschechows „Onkel Wanja“ in eine typisch deutsche Samstag-Abend-Show vergangener Tage verlegt.

Im Boulevardtheater unter anderem dabei: ein Klassiker des Ohnsorg-Theaters Hamburg mit Heidi Mahler, das Theater am Kurfürstendamm, Berlin, mit Dominic Raacke und die Komödie im Bayerischen Hof, München, mit Günther Maria Halmer.

Die vom Förderverein des Theaters und dem „Heimwärts“-Fond des Kultursekretariates NRW Gütersloh unterstützte Eigenproduktion 2019 wird erneut die Uraufführung eines Auftragswerkes für das Theater Gütersloh sein: „Der Prediger“ von Joachim Zelter erzählt die tragikomische Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Pfarrers, der gewisse Ähnlichkeiten mit Johann Heinrich Volkening hat, welcher im 19. Jahrhundert den Ruf Güterslohs als „Klein Nazareth“ mitbegründete. Christian Schäfer inszeniert das Stück mit dem Gütersloher Schauspieler Andreas Ksienzyk in der Hauptrolle. Zudem wird es eine Koproduktion des Theaters mit dem Theaterhaus Stuttgart geben, die vom Förderverein und Bertelsmann gefördert wird: „Me and Mr Cash“, ein Theaterkonzert rund um June und Johnny Cash, unter anderem mit Lucie Mackert als June.

Im Tanz freut sich das Theater auf das Gütersloh-Debüt der renommierten kanadischen Compagnie „Les Ballets Jazz de Montréal“, die unter dem Titel „Dance Me“ eine Hommage an ihren Landsmann Leonard Cohen zeigen wird. Zudem geht die von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Kooperation „Tanzland“ mit dem Ballett Dortmund in die letzte Runde und beschert dem Theater zum 10. Geburtstag am 13. März 2020 eine Tanzgala von herausragenden Choreografen. Die Spielzeit 2020/2021 soll dann ganz im Zeichen des Theater-Jubiläums stehen.

Im Musiktheater wird das Oldenburgische Staatstheater einen barocken Leckerbissen der besonderen Art servieren: zwei (kurze) Opern an einem Abend. Dabei wird sich naturgemäß alles um die Liebe drehen: „Venus and Adonis“ von John Blow und „Dido and Aeneas“ von Henry Purcell. Auch die Kammeroper München wird nach dem erfolgreichen Einstand mit „Das Gespenst von Canterville“ und einer humorvollen Neuinterpretation von Haydns „Die Welt auf dem Mond“ nach Gütersloh zurückkehren. Mit Giuseppe Verdis „Aida“ aus Detmold und Richard Wagners „Tristan und Isolde“ aus Hildesheim stehen noch zwei schwergewichtige Titel im Programm des Musiktheaters.

Die Musicals der Spielzeit reichen von den Klassikern „Cabaret“ aus Wilhelmshaven, „My Fair Lady“ aus Detmold bis zu Mel Brooks „The Producers“ aus Hildesheim. Dominique Horwitz kommt mit Band und seinem teuflischen Programm „Me and the Devil“, während am Theater in der Josefstadt, Wien, Sona MacDonald ihre Erfolgsgeschichte mit einem Abend über Lotte Lenya fortschreibt.

In der Reihe Taschentheater sind neben den beiden genannten Eigenproduktionen zu sehen: „Über den Klee“, Figurentheater mit von Paul Klee entworfenen Handpuppen, „Der Reichsbürger“, ein eindringliches Schauspielsolo zu einer Bewegung, die leider auch im Kreis Gütersloh eine Rolle spielt, sowie „Der kleine Spatz vom Bosporus“, eine Hommage an die türkische Poplegende Sezen Aksu.

Besucher quer durch die Generationen können in der Reihe „Theater-Stärkung“ wieder ein sehr breites Spektrum dessen erleben, was auf einer Theaterbühne möglich ist, sei es überraschend, nachdenklich, ergreifend oder auch überaus komisch. „Billy de Kid“ mit dem Theaterhaus Ensemble aus Frankfurt erzählt die Geschichte eines Jungen, der in Westernmanier gegen seinen Stiefvater rebelliert, mit „Gogol & Mäx“ sind zwei herausragende Künstler der seltenen Disziplin Konzertakrobatik zu Gast.

Das Kinder- und Jugendprogramm ist erneut vielfältig und umfangreich, auch mit Produktionen aus dem Ausland und von großen Häusern. „Die Blecharbeiter“ ist der Titel eines inszenierten Kinderkonzertes mit dem Ensemble „Sonus Brass“ aus Österreich. Das große Weihnachtsmärchen in diesem Jahr ist „Hans im Glück“ vom Landestheater Detmold, das Rheinische Landestheater Neuss bringt „In einem tiefen dunklen Wald“ von Paul Maar auf die Bühne. Neben verschiedenen Märchenklassikern in neuen Fassungen hat auch das Performative im Kindertheater mit dem Stück „On-Off“ von der italienischen Compagnie „La Baracca“ seinen Platz. Die Reihen „Fidolino“ und „Hören Gehen“ mit Konzertgeschichten für Kinder laufen weiter. Erneut wurde die Nordwestdeutsche Philharmonie für ein Orchesterkonzert für Grundschulen verpflichtet und gibt dieses Mal auch ein Sonderkonzert für die Sekundarstufe 2.

Im Jugendtheaterprogramm steht mit „Synchron“ der niederländischen Gruppe „Tuning People & hetpaleis“ eine nonverbale Performance über Vorurteile auf dem Programm, das Junge Schauspielhaus Düsseldorf zeigt das eindrucksvolle Stück „Paradies“ von Lutz Hübner und Sarah Nemitz über die Radikalisierung eines Jugendlichen. Korrespondierend zum Lehrplan wurde „Nathan“ nach „Nathan der Weise“ ins Programm integriert. Ein großer Theaterspaß ist „Funny Girl“ nach dem Roman von Anthony McCarten über das kurdische Mädchen Azime, das unbedingt Comedian werden möchte. Das Recherchestück „Flirt“ in Laut- und Gebärdensprache wird in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Hörgeschädigter im Kreis Gütersloh gezeigt.

In der Rubrik „Theater Extra“ findet sich gleich zu Beginn der Saison die Installation „Bernie in Omas Haus“ des Künstlers und Bühnenbildners Ivan Bazak, als Teil einer Ausstellung des Kunstvereins Kreis Gütersloh e. V., mit dem das Theater erstmals kooperiert. Das „Theater Lindenhof“ beschäftigt sich in dem Doppelabend „Das Prinzip Coop“ und „Homo Ex Data“ mit dem 100. Geburtstag des Bauhauses und schlägt eine Brücke zu den digitalen Räumen von heute und morgen. Außerdem lädt der Theaterförderverein zu Lesung und Talk mit Joachim Zelter, dem vielfach preisgekrönten Autor der diesjährigen Eigenproduktion. Die Bürgerbühne bringt ihre neue Produktion „Theken Geflüster“ heraus.

Die stets zügig ausverkauften Reihen „Swing’in Sky“ und „Panoramamusik“ locken mit Konzerten in Skylobby und Studiobühne, wo die Reihe „Forum Lied“ auch nach dem 100. Programm frisch und munter weiterläuft. Die erfolgreiche Kleinkunstreihe „SchLaDo“ findet weiterhin unter anderem im Theater statt, genau wie „Jazz in Gütersloh“, der im Herbst mit Stars wie Nils Wülker und Julia Hülsmann aufwartet. Am Samstag, den 1. Februar 2020, wird der Kulturpartner WDR 3 die Jazzpreise 2020 im Theater verleihen, moderiert wie immer von Götz Alsmann.

Zu zwei der vier Konzerte mit der Nordwestdeutschen Philharmonie bei „Gütersloh Philharmonisch“ wird der Chefdirigent des Orchester, Yves Abel, nach Gütersloh kommen.

Bei „Klangkosmos Weltmusik“ werden auch im 15. Jahr der Reihe einige Länder zum ersten Mal vertreten sein: Albanien, Korea und Turkmenistan, daneben geben Ensembles aus Südafrika, Frankreich und Afghanistan Einblick in ihre kulturellen Traditionen. Die Bürgerstiftung Gütersloh wird die musikalische Welterkundung in der Spielzeit 2019/20 unterstützen, was den weiterhin freien Eintritt garantiert.

Aufgrund von Tarifsteigerungen werden in den Bereichen Schauspiel/Musiktheater/Tanz die Preise um einen Euro angehoben, die betreffenden Abonnements mit jeweils vier Vorstellungen dagegen nur um zwei Euro. Der Verkauf der Abonnements startet am Samstag, den 25. Mai 2019 ab 10.00 Uhr im ServiceCenter der Gütersloh Marketing GmbH, Berliner Str. 63. Einzelkarten sind ab Samstag, den 22. Juni 2019 ebenfalls ab 10.00 Uhr an allen bekannten Vorverkaufsstellen und über www.theater-gt.de erhältlich

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