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Archiv

19. August 2020

Theater Gütersloh reflektiert in Uraufführung aktuelle Geschehnisse

Nora Gomringer entwirft einen sagenhaften Fleischwarenhandel.

Es geht um die Wurst: Die neue Eigenproduktion „Oinkonomy“ des Theaters Gütersloh. (Foto: Lucien Hunziker)
Es geht um die Wurst: Die neue Eigenproduktion „Oinkonomy“ des Theaters Gütersloh. (Foto: Lucien Hunziker)

„Oinkonomy“ heißt das von Bachmann-Preisträgerin Nora Gomringer im Auftrag des Theaters Gütersloh geschriebene Stück. Am Samstag, den 17. Oktober 2020 soll es unter der Regie des Künstlerischen Leiters Christian Schäfer uraufgeführt werden. Gomringer begegnet darin dem höchst erfolgreichen Fleischwarenhandel, der dem Kreis Gütersloh jüngst zu internationaler Bekanntheit verholfen hat, mit einer neugriechischen Tragikomödie.

Mutter Circe ist eine Hexe, die fast jeden, der auf ihrer Insel anlandet, in ein Schwein verwandelt. Allein schon, um sich gegen die Touristenmassen besser zu wappnen. Die einzige menschliche Ausnahme ist Odysseus, von dem sie einen Sohn behalten hat. Mit Telegenos, den es auf den Weltmarkt drängt, weil er’s dem Vater gleichtun und die Welt sehen möchte, baut sie ein Imperium auf, das aus Eitelkeiten auf allen Seiten besteht. Schließlich wird man Dienstleister, wenn man einen Stoff besorgt, der unbedingt gewünscht wird. Das Wort Mörder möchte keiner in den Mund nehmen, wenn es Alternativen gibt, die „clean, simple, perfect“ klingen. Die Mittel und Wege zur Herstellung des Stoffes sind zunehmend egal, ja Kenntnis um sie behindert geradezu. Und wenn der Stoff ein Lebewesen ist? In wechselnden Monologen berichten göttliche, tierische und menschliche Töne vom „Schweinsein“ in dieser Welt, von den Businessideen des Mr. T und dem Selbstverständnis eines Dienstleisters, der Masse vor Klasse stellt, dessen Hände rein und dessen Absichten ehrenhaf… aber wem machen wir etwas vor?

Als Protagonist ist in „Oinkonomy“ Frank Siebenschuh zu sehen, mit dem Schäfer erstmals vor knapp 20 Jahren am Theater Augsburg zusammengearbeitet hat. An seiner Seite wird Miriam Berger, dem Gütersloher Publikum bereits aus der Uraufführung „Der Prediger“ und den YouTube-Produktionen des Theaters bekannt, insbesondere musikalisch zu erleben sein. Die Kostüme entwirft Anna Barthold-Torpai. Unterstützt wird die Produktion durch den Förderverein Theater in Gütersloh e. V.

Die Lyrikerin und Rezitatorin Nora Gomringer ist u.a. Trägerin des Ingeborg-Bachmann-Preises. Seit 2010 leitet sie in Bamberg das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia.

Neben der Premiere am 17. Oktober wird „Oinkonomy“ auch am 18., sowie am 30. und 31. Oktober 2020 im Theater Gütersloh zu sehen sein. Tickets sind ab Samstag, den 29. August, ab 9 Uhr im ServiceCenter der Gütersloh Marketing GmbH und im Webshop des Theaters erhältlich.