29. Mai 2026
Demokratie braucht Engagement vor Ort
Vorstellung der Situations- und Ressourcenanalyse der „Partnerschaft für Demokratie Gütersloh“ in der Volkshochschule Gütersloh.



Wie steht es um Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Gütersloh? Mit dieser Frage beschäftigte sich jetzt eine öffentliche Veranstaltung in der Volkshochschule (VHS) Gütersloh. Anlass war die Vorstellung der Situations- und Ressourcenanalyse der im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten „Partnerschaft für Demokratie Gütersloh“. Eingeladen hatten der Fachbereich Soziales der Stadt Gütersloh, „Die Falken - KV Gütersloh“ in seiner Funktion als Koordinierungs- und Fachstelle und die VHS Gütersloh.
Die Aula der VHS war bis auf den letzten Platz gefüllt. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Zivilgesellschaft und Verwaltung nutzten die Gelegenheit, sich über die Ergebnisse des Forschungsprojekts auszutauschen und gemeinsam über demokratische Herausforderungen vor Ort zu diskutieren.
„Die Ressourcenanalyse ist für Gütersloh von großer Bedeutung“, so Henning Matthes, erster Beigeordneter der Stadt Gütersloh. „Sie zeigt uns, wo wir aktuell stehen, und wie wir unsere Demokratie vor radikalen Kräften schützen können.“
Prof. Dr. Sebastian Kurtenbach stellte zentrale Erkenntnisse der mehrmonatigen Untersuchung vor. Ziel der Analyse sei gewesen, ein wissenschaftlich fundiertes Bild davon zu erhalten, wodurch und in welchem Ausmaß die Demokratie in Gütersloh gefährdet ist und welche Ressourcen vorhanden seien die sich für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen. Dabei machte er deutlich: „Gütersloh ist insgesamt gut aufgestellt.“ Besonders hob er die aktive Zivilgesellschaft und die breite demokratische Mehrheit hervor.
Gleichzeitig verwies Kurtenbach auf aktuelle Bedrohungen für die Demokratie. Der weite Blick auf Rechts-, Linksextremismus und Islamismus habe gezeigt, dass aktuell die Bedrohung von der extremen Rechten und der sogenannte Reichsbürgerbewegung ausgehe. Demokratische Werte würden häufig schleichend infrage gestellt - etwa durch Versuche der Normalisierung extremistischer Positionen oder geschichtsvergessene Debatten, wie dies die AfD betreibe. Deshalb sei es wichtig, demokratische Strukturen zu stärken und zivilgesellschaftliches Engagement gezielt zu fördern.
Anschließend wurde eine Diskussionsrunde von Julia Ures moderiert. Dabei wurde deutlich, dass viele Menschen zwar grundsätzlich hinter der Demokratie stehen, gleichzeitig aber eine wachsende Unzufriedenheit und Unsicherheit wahrnehmen.
Roland Thiesbrummel, Fachbereichsleiter Soziales, betonte in seinem Diskussionsbeitrag die Bedeutung des lokalen Blicks: „Es geht darum, nicht nur auf die Bundesebene zu schauen, sondern konkret vor Ort hinzusehen: Wo liegen in Gütersloh Herausforderungen? Wir wollten weg vom Gefühl hin zu wissenschaftlich belegten Fakten.“
Auch Désirée Solle, Leiterin der Volkshochschule Gütersloh, unterstrich die Rolle der VHS als Ort des Austauschs: „Die Volkshochschule ist ein Ort der Begegnung und des Dialogs. Demokratie lebt davon, unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen.“
Als positives Beispiel für demokratische Beteiligung in Gütersloh wurde unter anderem das aktive Jugendparlament genannt. Markus Kottmann, stellvertretender Bürgermeister, machte deutlich, dass Demokratie Einsatz verlange: „Demokratie ist harte Arbeit. Gerade der direkte Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern ist jedoch wichtig und lohne sich, um Demokratie ein Gesicht zu geben.“