22. Mai 2026
Studie: Leben und Arbeiten im Kreis Gütersloh
Migration und Integration von Menschen aus Mittel- und Südosteuropa.

Wie leben Menschen aus Rumänien, Polen, Bulgarien oder Nordmazedonien im Kreis Gütersloh? Welche Integrationsangebote kennen sie und welche Unterstützung benötigen sie? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich die sogenannte MSOE-Zielgruppenerhebung des Kreises Gütersloh, die gemeinsam mit den Städten Gütersloh und Rheda-Wiedenbrück durchgeführt wurde. Unterstützt wurde das rund zweijährige Forschungsprojekt durch das NRW-Integrationsministerium (MKJFGFI NRW) sowie durch Mittel des Kreises Gütersloh.
Integrationsministerin Verena Schäffer: „Ich bin sehr dankbar, dass der Kreis Gütersloh die Initia-tive ergriffen hat und die im Kreisgebiet lebenden Menschen aus Bulgarien, Nordmazedonien, Polen und Rumänien wissenschaftlich befragt hat. Mit eingewanderten Menschen zu sprechen, nicht nur über sie, ist enorm wichtig. So erfahren wir mehr über die Lebensumstände und Bedar-fe der einwandernden Menschen. Darum haben wir als Landesregierung die Zielgruppenbefra-gung mitfinanziert.“
Die zentralen Ergebnisse der Studie stellte der Kreis Gütersloh am Donnerstag, 21. Mai, bei einer gemeinsamen Fachtagung mit dem Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen vor. Rund 150 Fachleute aus dem Kreisgebiet, aus OWL und ganz NRW nahmen an der Veranstaltung teil. Landrätin Ina Laukötter stellte dabei das Motto der Fachtagung ‚Teilhabe ermöglichen‘ in den Mittelpunkt: „Teilhabe setzt voraus, dass man einander kennt und die Situation des Gegenübers einschätzen kann. Hier knüpfen wir an. Wir wollen die Menschen, die hier leben, besser kennenlernen und ihre Bedarfe sowie Lebenssituationen besser verstehen. Gleichzeitig lebt Teilhabe auch davon, dass Men-schen sich einbringen möchten und die Möglichkeiten zur Mitgestaltung und Beteiligung aktiv nutzen. Teilhabe gelingt dort am besten, wo Fördern und Fordern zusammenkommen – wo Un-terstützung angeboten wird, aber auch Eigenverantwortung und Mitwirkung erwartet werden. Nur so können wir Angebote und Kommunikation gezielter aufeinander abstimmen.“
Wissenschaftlich begleitet wurde die Studie von Prof. Dr. Sebastian Kurtenbach (Fachhochschu-le Münster/Ruhr-Universität Bochum). Die Umsetzung übernahm die InWIS Forschung & Bera-tung GmbH. Für die Erhebung wurden persönliche Interviews, Online-Befragungen und weitere qualitative Gesprächsformate genutzt. Die Studie wurde im Frühjahr 2026 abgeschlossen. Ins-gesamt nahmen rund 630 Menschen an der Befragung teil. Nach wissenschaftlicher Einschät-zung handelt es sich damit um die bislang größte realisierte Einzelstichprobe in Deutschland zu dieser Zielgruppe.
„Alle 13 Kommunen haben zum Gelingen dieser äußerst anspruchsvollen Befragung mit großem Interesse an der Sache beigetragen“, erläutert Kreisdirektorin Susanne Koch als zuständige De-zernentin. „Mit den Ergebnissen der Befragung haben wir für die Zukunft eine gute Ausgangsba-sis für die weitere Diskussion rund um die Migration und Integration aus Südosteuropa im Kreis-gebiet.“
Unterstützt wurde das Projekt zudem von Fachberatungsdiensten, Vereinen, Flüchtlingsinitiati-ven, Kirchengemeinden, Bildungseinrichtungen sowie dem NRW-Integrationsministerium. Einen wichtigen Beitrag leisteten außerdem die herkunftssprachlichen Interviewerinnen und Intervie-wer, durch deren Einsatz die Befragung breit bekannt gemacht werden konnte.
Ziel der kreisweiten MSOE-Zielgruppenerhebung war es, mehr über die Arbeits-, Wohn- und Lebenssituation der zugewanderten Menschen im Kreis Gütersloh zu erfahren. Untersucht wur-den unter anderem Bleibeabsichten, Sprachkenntnisse, Herkunftsregionen sowie Informations- und Unterstützungsbedarfe bei Integrationsangeboten.
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, bestehende Angebote besser zu bewerten und Unterstützungsbedarfe gezielter zu erkennen. Zudem wurden Handlungsempfehlungen für das Land NRW sowie für die Integrationsarbeit im Kreis Gütersloh formuliert. Prof. Dr. Sebastian Kurtenbach sieht insbesondere bei der Sprachförderung Handlungsbedarf. Gefragt seien niedrigschwellige und wohnortnahe Angebote, die sich stärker am Alltag der Men-schen orientieren. Auch Begegnungsangebote im direkten Lebensumfeld – etwa über Quartiers-büros, Kitas oder Schulen – könnten den Zugang zur Zielgruppe weiter verbessern. Die Ergebnisse der Studie werden nach der Sommerpause in den politischen Gremien des Krei-ses sowie der Städte Rheda-Wiedenbrück und Gütersloh weiter beraten.
Zum Thema: Migration aus Mittel- und Südosteuropa im Kreis Gütersloh
Seit Jahren ist im Kreis Gütersloh im Zuge der EU-Freizügigkeit dynamische Zuwanderung von Personen mit den Staatsangehörigkeiten rumänisch, bulgarisch, polnisch und nordmazedonisch (sog. ‚MSOE-Staaten‘) zu verzeichnen. Laut der Statistikstelle des Kreises Gütersloh (Stand 01.01.2026) leben derzeit insgesamt 23.180 zugewanderte Menschen aus den oben genannten Staaten im Kreisgebiet, was einen Anteil von 6,13 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Damit liegt der Kreis Gütersloh unter den zehn Hauptballungszentren des Zuzugs aus der genannten Zielgruppe in der gesamten Bundesrepublik. Der Hauptteil der Menschen ist als sogenannte Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten zugezogen und fand – bereits mit einem Arbeitsvertrag in dem jeweiligen Herkunftsland ausgestattet – in vielen Kommunen im Kreis Gütersloh eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Eine Integration in das Gemeinwesen findet aufgrund der Wohn-, Arbeits- und Lebensverhältnisse und der überwiegend sozial segregierten Lebensweise jedoch nur erschwert statt. Vielfältige Herausforderungen bringt dies für alle Seiten mit sich.