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Hausgeburt im Krankenhaus

04.04.2023

Ein Angebot an werdende Eltern des Klinikum Gütersloh.

Eine Mutter hält ihr Baby, das in ein gelbes Handtuch gewickelt ist, im Arm.
Alica-Mariana Tied und ihre Tochter genießen die gemeinsame Zeit.

Hausgeburt oder eine Geburt im Krankenhaus – in der Vergangenheit mussten
sich werdende Eltern entscheiden. Im Klinikum Gütersloh geht beides gleichzeitig.
Die geborgene Atmosphäre einer Hausgeburt mit der Absicherung durch ein
ärztliches Team im Hintergrund. Die Geburt wird ausschließlich von Hebammen
betreut. Im Klinikum Gütersloh haben sich im vergangenen Jahr knapp 50
werdende Mütter für diese Form der Geburt angemeldet.

Es ist Sonntag, der errechnete Geburtstermin von Alica-Mariana Tied. Wehen
Fehlanzeige.

„Am Montag habe ich mich ordentlich bewegt, um die Wehen etwas anzuregen“, erzählt
Tied. Es funktioniert – am Dienstag spürt sie die ersten Wehen. Um halb elf Uhr abends
kommt sie gemeinsam mit ihrem Mann, Dominik Tied, im Kreißsaal des Klinikum
Gütersloh an. Die ersten Stunden verbringt Tied in der Badewanne des Kreißsaals. Im
Hintergrund läuft Entspannungsmusik. Ihr Mann massiert sie und spricht ihr gut zu. Alles
genau so, wie sie es geplant hat. Schon ihr erstes Kind, Tochter Mia-Zoé Konstantina,
mittlerweile drei Jahre alt, wollte Tied im Hebammengeleiteten Kreißsaal auf die Welt
bringen. Damals hat sie die Hebammengeleitete Geburt abgebrochen, da sie
Schmerzmittel zur Linderung der Wehen brauchte - die Schmerzen waren zu stark.

Bei einem Hebammengeleiteten Kreißsaal betreuen ausschließlich zwei Hebammen die
werdenden Eltern während der Geburt. Es wird auf ärztliche Interventionen, wie
Schmerzmittel oder Geburtseinleitungen verzichtet, und das Kind auf natürlichem Wege
geboren. So entsteht eine intime Atmosphäre, bei Problemen steht aber trotzdem
jederzeit eine Ärztin oder ein Arzt bereit. Die Frauen bringen ihr Kind auch bei der
Hebammengeleiteten Geburt im neu gestalteten Kreißsaal auf die Welt. Dr. med.
Wencke Ruhwedel, Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe: „Das ist
ein bisschen wie ein Anschnallgurt beim Autofahren, unser Ärzteteam ist nur da, wenn
es gebraucht wird, und bleibt ansonsten im Hintergrund. Mütter wünschen sich eine geborgene, möglichst natürliche und vor allem selbstbestimmte Geburt, und dafür haben
wir gemeinsam mit den Hebammen die Möglichkeit geschaffen.“

Beim zweiten Kind sollte es für Alica-Mariana Tied anders laufen. Schon vor der Geburt
ist die junge Mutter zur Akupunktur gegangen und hat Entspannungsübungen gemacht.
Alternative Therapien wie Akupunktur, Atem- und Massagetechniken sind Teil des
Konzeptes des Hebammenkreißsaals im Klinikum Gütersloh. Das Ziel: Schmerzen vor
und während der Geburt natürlich lindern.

„Die Geburt ist ein natürlicher Prozess, bei dem Mutter und Kind ein Team sind. Ich habe
mich da ganz bewusst drauf vorbereitet.“ Und es klappt: Am Mittwoch um 04:10 kommt
Liara Evangelia zur Welt, im Kreißsaal die stolzen Eltern und zwei Hebammen.
„Es kommt recht häufig vor, dass Mütter ihr zweites oder drittes Kind hebammengeleitet
entbinden möchten“, sagt Meike Kruse, leitende Hebamme im Kreißsaal. „Sie wissen
dann schon, was auf sie zukommt und können sich besser darauf vorbereiten.“ Es kann
auch Gründe geben, die gegen eine Hebammengeleitete Geburt sprechen. Das klären
Hebammen gemeinsam mit den Ärzten und werdenden Eltern in der
Hebammensprechstunde anhand eines speziellen Fragenkatalogs. Ist eine risikolose
Schwangerschaft abzusehen, steht der Hebammengeleiteten Geburt nichts im Wege.
Für Alica-Mariana Tied hat diesmal alles gestimmt. Die perfekte Kombination aus
Geborgenheit und Sicherheit. „Ich bin sehr stolz auf meinen Körper und die Kleine“,
erzählt sie mit ihrer Tochter Liara Evangelia im Arm.