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Rat der Stadt Gütersloh ehrt Maria Unger mit dem Titel „Altbürgermeisterin“

28.06.2024

„Ein Vorbild für alle, die dieses Amt anstreben“.

Eine gerührte Altbürgermeisterin Maria Unger mit der Urkunde, mit der ihr der Rat der Stadt Gütersloh in seiner Sitzung am 27. Juni den Titel „Altbürgermeisterin“ verliehen hat; links der Erste Beigeordnete der Stadt, Henning Matthes, rechts die erste stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Hollenhorst. Foto: Stadt Gütersloh
Eine gerührte Altbürgermeisterin Maria Unger mit der Urkunde, mit der ihr der Rat der Stadt Gütersloh in seiner Sitzung am 27. Juni den Titel „Altbürgermeisterin“ verliehen hat; links der Erste Beigeordnete der Stadt, Henning Matthes, rechts die erste stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Hollenhorst. Foto: Stadt Gütersloh

„Bürgermeisterin der Herzen“ ist Maria Unger schon lange. Seit Donnerstag (27.06.2024) trägt sie auch den Ehrentitel „Altbürgermeisterin“. Einstimmig hatte dies der Rat beschlossen. Die erste stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Hollenhorst übergab die Urkunde im Rahmen der letzten Sitzung vor der Sommerpause. Zahlreiche Weggefährten und Gäste verfolgten den Akt am Ende einer langen Tagesordnung.

Der Ehrentitel „Altbürgermeisterin“ kann Stadtoberhäuptern verliehen werden, die das Bürgermeisteramt eine außergewöhnlich lange Amtszeit innehatten oder sich in besonderer Weise um eine Stadt verdient gemacht haben. Maria Unger habe alle Kriterien zu 150 Prozent erfüllt, verwies Laudatorin Susanne Zimmermann auf die berufliche Lebensleistung Ungers, die von 1994 bis 2015 Bürgermeisterin der Stadt Gütersloh war – bis 1999 zunächst im Ehrenamt, danach auch als Chefin der Stadtverwaltung. Susanne Zimmermann hatte als Pressesprecherin und Leiterin der städtischen Öffentlichkeitsarbeit eng und lange mit Maria Unger zusammengearbeitet.

Direkter Kontakt zu den Menschen als Kernstück der Arbeit

„Der Wahlspruch ‚Suchet der Stadt Bestes‘ war dir Verpflichtung, Motor für deine Arbeit, dein Backup in allen politischen Diskussionen“, hielt Susanne Zimmermann fest. „Diesen Anspruch hast du im Bürgermeisteramt 21 Jahre gelebt, und mit deiner ganzen Persönlichkeit hat du dich daran messen lassen.“ Im Ehrenamt wie im Hauptamt: Als Chefin von rund 2000 Mitarbeitenden sei der direkte Kontakt mit den Menschen in der Stadt ein Kernstück der Arbeit Maria Ungers gewesen, ebenso wie das Wissen darum, dass gute Ergebnisse nur im Team mit der Fachlichkeit und Erfahrung der Mitarbeitenden erzielt werden könnten.

Zimmermann erinnerte an eine „Aufbruchstimmung“ und erfolgreiche Projekte aus Maria Ungers langer Amtszeit – ans Stadtjubiläum im Jahr 2000 mit seinen noch heute existenten Ergebnissen und Veranstaltungen, die Neugestaltung der Innenstadt mit dem Bau des Kolbeplatzes, den Neubau moderner Sporthallen und Sportanlagen, die Etablierung eines Fachhochschul-Angebots, die Ansiedlung eines großen Möbelmarktes auf einer Industriebrache und den Neubau des Theaters. Sie ging aber auch auf Herausforderungen ein, Haushaltskonsolidierung mit schmerzlichen Einschnitten, Streiks mit wochenlangen Kita-Schließungen oder 2015 die Notwendigkeit, in kurzer Zeit Hunderte von geflüchteten Menschen in der Stadt unterzubringen. Auch die Mehrheitsverhältnisse in der Politik seien für die SPD-Politikerin Unger meistens nicht einfach gewesen. Zimmermann: „Doch das Vertrauen in deine Integrität hat dir im Hauptamt zweimal die Wiederwahl eingebracht – angesichts vieler und teilweise auch sehr kompetenter Gegenkandidaten nicht unbedingt selbstverständlich.“

„Eine Bürgermeisterin, für die Gütersloh eine Lebensaufgabe ist“

Die Gütersloher und Gütersloherinnen hätten gewusst, dass sie Unger hätten vertrauen können. Und dass es „gar nicht so schlecht“ gewesen sei, von einer Frau repräsentiert zu werden, „für die Gütersloh eine Lebensaufgabe ist. Nicht um ihrer selbst willen, sondern weil sie die Stadt, die ihr und ihrer Familie Heimat geworden ist, von ganzem Herzen liebt“, wie Susanne Zimmermann herausstellte. Diese Liebe sei mit dem Abschied aus dem Amt nicht erkaltet. So sei es denn geradezu folgerichtig, dass bei der „Demo gegen Rechtsradikalismus“ im März die Rednerin Maria Unger unter Applaus als „Bürgermeisterin der Herzen“ angekündigt worden sei.

Mit Präsenz und Empathie Standards gesetzt

Auch auf die aktuelle Situation an der Stadtspitze ging Zimmermann ein. „Du hast dich dazu öffentlich nicht geäußert. Aber ich weiß, dass dich die Situation, all die Veröffentlichungen, Spekulationen und Meinungsäußerungen zutiefst betroffen gemacht haben, denn sie rütteln an deinem Grundverständnis dieses Amtes.“ Für das Bürgermeister-Ehren- wie Hauptamt habe Maria Unger mit ihrer Präsenz und Empathie Standards gesetzt. Sie sei „ein Vorbild für alle, die dieses Amt anstreben“.

Minutenlanger Beifall

Diesen Worten schlossen sich alle Ratsmitglieder, der Verwaltungsvorstand und die Gäste auf der Tribüne des Ratssaals mit minutenlangen Ovationen für eine sichtlich gerührte Maria Unger an. Nach der Entgegennahme der Urkunde und würdigender Worte und Geschenke von Fraktionsvertretern trat die frisch geehrte Altbürgermeisterin selbst ans Redepult. „Die 21 Jahre als Bürgermeisterin und damit das Engagement für unsere Stadt Gütersloh konnte ich nur meistern, weil ich viele, viele fachkompetente und loyale Unterstützer und Unterstützerinnen sowohl im Verwaltungsvorstand, in den Fachbereichsleitungen und in der Mitarbeiterschaft als auch hier im Rat hatte“, hob sie hervor. „Ohne die ausgesprochen loyale Zusammenarbeit hier im Hause wäre dieser Dienst für die Bürger und Bürgerinnen so in dem Maße und mit dem zeitlichen Aufwand nicht möglich gewesen. Der Titel ,Altbürgermeisterin‘ ist auch Ihrer aller Titel.“

Maria Unger: Wunsch nach Zusammenführung der Stadtgesellschaft

Unger dankte dem Rat für die Verleihung des Ehrentitels und der Überraschungs-Laudatorin Susanne Zimmermann für ihre in allen Punkten zutreffende Rede. Dass es zuweilen nicht einfach sei, aus dem Ruhestand heraus Distanz zu Entwicklungen und Ereignissen in der früheren Wirkungsstätte zu halten, räumte sie ein: „In den vergangenen Monaten war ich manchmal nah dran, von der Seitenlinie öffentlich Kommentare zu den Geschehnissen in meinem geliebten Gütersloh abzugeben. Mein legendäres Bauchgefühl hat mir dann gesagt: Mach es nicht.“ Für die Zukunft „ihrer“ Stadt, in der sie seit 47 Jahren heimisch ist, formulierte die gebürtige Moselfränkin dann aber doch einen Appell: „Ich wünsche mir, dass es Ihnen, den aktiven Politiker und Politikerinnen, der Verwaltung und uns allen in den nächsten Monaten gelingt, die Stadtgesellschaft wieder mehr zusammenzuführen. Unser Jubiläumsjahr 200 Jahre Stadtrechte Gütersloh und damit die Projekte, vorgeschlagen und durchgeführt von den Bürgern und Bürgerinnen, werden sicher dazu beitragen, dass uns dies auch gelingen kann. Lassen Sie uns weiter gemeinsam daran arbeiten, dass Gütersloh liebens- und lebenswert bleibt!“

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