28. Juli 2026
150 Traceure, ein gemeinsamer Flow
Beim 14. Parkour-Camp in Gütersloh trafen Bewegungskunst, mentale Stärke und Gemeinschaft aufeinander

Am vergangenen Wochenende gehörte das Gelände an der Gesamtschule an der Ahornallee ganz der Parkour-Community. Zwischen Parkouranlage, Schulgebäude und dem LAZ Nord entstand für drei Tage ein gemeinsamer Raum für Bewegung, Begegnung, Musik und neue Freundschaften. Rund 150 Traceurinnen und Traceure kamen nach Gütersloh, um beim 14. Gütersloher Parkour-Camp miteinander zu trainieren, voneinander zu lernen und Hindernisse aus neuen Perspektiven zu betrachten. Veranstalter war die Kinder- und Jugendförderung der Stadt Gütersloh. Ob erste Parkour-Erfahrungen oder jahrelanges Training: Unterschiedliche Leistungsstände gehörten ausdrücklich zum Konzept.
Neben angeleiteten Workshops bot das Camp viel Raum für freie Trainingseinheiten, Austausch und gemeinsames Lernen. Die Teilnehmenden waren aus zahlreichen Teilen Deutschlands angereist – unter anderem aus München, Köln, Düsseldorf, Braunschweig und Bremen. Auch Gäste aus der Schweiz nahmen am Camp teil. Einige kannten sich bereits von früheren Camps, andere waren zum ersten Mal dabei.
Bürgermeister Matthias Trepper stellte in seiner Eröffnungsrede die Haltung der Traceurinnen und Traceure in den Mittelpunkt: „Parkour zeigt, wie Menschen Maß nehmen, Mut sammeln, Risiken abwägen und Verantwortung übernehmen.“ Besonders würdigte Trepper das gemeinschaftliche Selbstverständnis der Szene: „Ihr messt Euch nicht gegeneinander. Ihr wachst miteinander!“ Hindernisse seien für Traceurinnen und Traceure keine Stoppschilder, sondern Einladungen, genauer hinzusehen und neue Wege auszuprobieren. Für Trepper ist das Camp deshalb weit mehr als eine Sportveranstaltung. Es mache sichtbar, wie junge Menschen Vertrauen erfahren, Verantwortung übernehmen und Gemeinschaft gestalten. „Das ist Jugendarbeit, die man nicht erklären muss – weil sie auf dem Gelände unmittelbar zu sehen, zu hören und zu spüren ist“, so Trepper, der sich auch bei den vielen Helferinnen und Helfern des Parkour-Camps bedankte. „Ihr baut die Hindernisse auf, damit andere an ihnen wachsen können.“
Das Wochenende stand unter dem Motto „Spark of Freedom“. Für Organisator Claus-Peter Mosner vom städtischen Fachbereich Jugend und Familie beschreibt es weit mehr als nur die Freiheit der Bewegung: „‚Spark of Freedom‘ heißt für uns, sich die eigenen natürlichen Fähigkeiten – und damit ein Stück Freiheit – zurückzuerobern, den eigenen Weg zu finden und Hindernisse im Leben neu zu betrachten. Diese Freiheit verbindet Mut und Verantwortung, persönliches Wachstum und Gemeinschaft. Wer sie selbst erlebt, kann auch andere dazu inspirieren, ihren eigenen Weg zu gehen. Denn aus innerer Stärke wachsen Akzeptanz und Toleranz.“
Damit verbindet Mosner die körperliche Erfahrung des Parkour mit einer Haltung, die über das Trainingsgelände hinaus geht. Freiheit bedeutet in diesem Verständnis nicht, unkontrolliert oder möglichst waghalsig zu handeln – sie entsteht vielmehr dort, wo Menschen ihre Fähigkeiten kennenlernen, eigene Entscheidungen treffen und Verantwortung für sich und andere übernehmen. Auch der bewusste Verzicht kann dazugehören. „Wer erkennt, dass ein Sprung noch nicht zum eigenen Leistungsstand passt, zeigt keine Schwäche, sondern realistische Selbsteinschätzung“, so Mosner. Mut und Kontrolle sowie Kreativität und Verantwortung gehörten im Parkour zusammen.
Technik, Körperwahrnehmung und mentale Stärke bildeten die Schwerpunkte des Programms. So lernten die Teilnehmenden beispielsweise bei „Basic Vaults“ und „Advanced Vaults“ grundlegende und fortgeschrittene Techniken zum Überwinden von Hindernissen. Der Workshop „Spin to Flow“ verband kontrollierte Drehungen, Richtungswechsel und flüssige Bewegungsabläufe. Dass Parkour nicht nur in Armen und Beinen, sondern ebenso im Kopf stattfindet, zeigte der Workshop „Mental Breakthrough“. Dort beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Angst, mentalen Blockaden und der Frage, wie Unsicherheit wahrgenommen und konstruktiv genutzt werden kann. Yoga am Morgen, Capoeira, Bogenschießen, Archery-Tag und ein Parkour-Angebot für Kinder öffneten das Programm über das klassische Training hinaus. Auch an die Regeneration war gedacht: Unter dem augenzwinkernden Titel „Traceur tries Masseur“ konnten beanspruchte Muskeln nach den Trainingseinheiten behandelt werden. Für die besondere Camp-Atmosphäre sorgten gemeinsame Mahlzeiten, Grillen, eine Chill-out-Lounge und das Nachttraining. Am Freitagabend setzte die Band Echoes Awake mit ihrem Live-Auftritt den musikalischen Höhepunkt des Wochenendes.
Auf dem Gelände war zu spüren: Niemand muss etwas beweisen. Ein persönlicher Erfolg konnte ein weiter Sprung sein – aber ebenso eine kontrollierte Landung, das sichere Überwinden eines niedrigen Hindernisses oder der Mut, sich erstmals an eine neue Bewegung heranzutasten.




Getragen wurde das Camp von einem breiten Netzwerk aus langjährigen Förderern und neuen Partnern. Dazu gehörten Altbürgermeisterin Maria Unger, der Inner Wheel Club und dessen Förderverein, die Sparkasse Gütersloh, die Familie Bierfischer sowie Christiane Ziegele. Sie hatte anlässlich ihres Geburtstags nicht um Geschenke, sondern um Spenden für das Parkour-Camp gebeten. Der Kreissportbund unterstützte die Kooperation und Qualifizierung, die Firma Tresch und Sohn GmbH das Catering und die Firma mmc die Medientechnik. Die Gesamtschule an der Ahornallee und Schulleiter Marcus Göcke stellten die schulische Infrastruktur für das Wochenende zur Verfügung. Ein besonderer Dank gilt auch dem verstorbenen Werner Gehring sowie seiner Frau Dr. Martina Schwartz-Gehring. Das Engagement der Familie hat maßgeblich dazu beigetragen, die Parkouranlage an der Ahornallee zu ermöglichen. „Sein Vermächtnis lebt hier weiter: in jedem Training, jeder Begegnung und jedem überwundenen Hindernis“, betonte Bürgermeister Trepper in seiner Ansprache.
Schon jetzt steht fest: Im nächsten Jahr wird die 15. Auflage des Parkour-Camps in Gütersloh stattfinden, vom 23. bis 25. Juli 2027. Weitere Informationen zum Parkour-Sport sowie zum Camp finden Interessierte online unter www.pkgt.de und unter www.parkour-camp.de.