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11. August 2026

Stieglitz vor dem Rathaus gerettet

Eine Besucherin des Rathauses findet den hilflosen Jungvogel. Marla Rovers vom Fachbereich Umweltschutz bringt das Tier in Sicherheit.

Eine Passantin bemerkte den Vogel und informierte die Mitarbeiter der Stadt.
Eine Passantin bemerkte den Vogel und informierte die Mitarbeiter der Stadt.
Manchmal sind es nicht nur Bürgerinnen und Bürger, die den Weg zum Rathaus finden – sondern auch kleine Federbälle mit Orientierungsproblemen. So geschehen vor dem Personaleingang des Rathauses: Einer aufmerksamen Bürgerin fiel ein junger Vogel auf, der zwischen den beiden Bäumen vor dem Gebäude etwas verloren und ziemlich ratlos umherhüpfte. Offenbar hatte der kleine Piepmatz seine Flugstunden etwas zu ambitioniert geplant. Kurzerhand informierte sie Mitarbeitende des Rathauses. Von dort ging der Hilferuf direkt an den Fachbereich Umweltschutz – und Artenschutz-Expertin Marla Rovers ließ nicht lange auf sich warten. Mit geübtem Griff setzte sie den kleinen Patienten behutsam in eine Plastikschale.

Dabei räumt sie gleich mit einem weitverbreiteten Irrglauben auf: „Es ist ein Mythos, dass man Vögel nicht mit bloßen Händen anfassen darf“, erklärt Rovers. Anders sieht es bei Säugetieren wie Rehkitzen aus – dort kann menschlicher Geruch tatsächlich dazu führen, dass das Muttertier seinen Nachwuchs nicht mehr annimmt. Bei Vögeln besteht diese Gefahr jedoch nicht.
Mit geübtem Griff setzt Marla Rovers vom Fachbereich Umweltschutz den kleinen Patienten behutsam in eine Plastikschale.
Mit geübtem Griff setzt Marla Rovers vom Fachbereich Umweltschutz den kleinen Patienten behutsam in eine Plastikschale.

Nach der Untersuchung stand schnell fest: Der kleine Abenteurer ist ein junger Stieglitz, der gerade erst das Nest verlassen hat. Für einen Nestling war er bereits zu gut befiedert und stand sicher auf seinen eigenen Beinen. Vermutlich hatte er gerade seine ersten Flugversuche hinter sich und musste erst einmal verschnaufen. Die gute Nachricht: Solche Jungvögel brauchen oft keine große Rettungsaktion, sondern lediglich etwas Unterstützung. Jungvögel werden, nachdem sie flügge werden, oft noch weiter von ihren Eltern gefüttert, auch am Boden. Ist der Vogel unverletzt, braucht er also keine Hilfe und wurde deshalb von Marla Rovers verdeckt wieder ausgesetzt, zum Schutz vor Katzen, Hunden und Passanten.

Jüngere Vögel, die zum Beispiel noch unbefiedert sind, sollte man in das Nest oder zumindest in die Nähe setzen. Auch hier können die Elterntiere den Nestling weiter füttern. Ein Korb oder Karton, kann helfen, den Vogel sicher zu platzieren und vor Beutegreifern zu schützen.
Anders sieht das bei Schwalben oder Mauerseglern aus: werden deren Jungvögel am Boden gefunden, brauchen sie immer Hilfe.

In diesem Fall wurde der Vogel ins hohe Gras zwischen Bäume gesetzt. Nach einer Kontrolle, eine Stunde später, war er verschwunden. Vermutlich von seinen Eltern mitgenommen.

Unser kleiner Rathaus-Besucher hat damit nicht nur für einen ungewöhnlichen Einsatz gesorgt, sondern auch für eine wichtige Erinnerung: Nicht jeder hilflose Eindruck bedeutet gleich einen Notfall – manchmal braucht es einfach nur einen kurzen Boxenstopp, bevor das Abenteuer weitergeht.