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26. Mai 2026

Weltstadtmusik im Wapelbad: Virtuoses Trio betört mit Folklore aus der Bretagne

„An Erminig spielt zum Auftakt des Weltstadtmusik-Festivals auf und multipliziert klangvoll bretonisches Kulturerbe

Das Trio „An Erminig“ mit Andreas Derow (v.l.), Barbara Gerdes und Hans Martin Derow eröffnet auf der Waldbühne im Wapelbad das Weltstadtmusik-Festival 2026 mit Folklore aus der Bretagne und musiziert auf keltischen Originalinstrumenten. Foto: Stadt Gütersloh
Das Trio „An Erminig“ mit Andreas Derow (v.l.), Barbara Gerdes und Hans Martin Derow eröffnet auf der Waldbühne im Wapelbad das Weltstadtmusik-Festival 2026 mit Folklore aus der Bretagne und musiziert auf keltischen Originalinstrumenten. Foto: Stadt Gütersloh

Die Bombarde, ein Blasinstrument mit doppeltem Rohrblatt aus der Familie der Kegeloboen, und die Bouzouki, ein achtsaitiges Rhythmus- und Melodieinstrument, das sind zwei volkstümliche Instrumente aus der Bretagne, mit denen das Trio „An Erminig“ am Pfingstsonntag zur Eröffnung der diesjährigen Weltstadtmusik-Reihe das begeistert lauschende Auditorium im Wapelbad zu Ohrenzeugen der „Musique Celtique de Bretagne“ gemacht hat.

Von der Schülerband zur „Rentnerband“

„Wir haben unser Konzert mit einem Tanz aus Nantes, der Hauptstadt der Bretagne, begonnen. Er heißt „La Marichine!“ – Hans Martin Derow präzisiert den soeben gehörten Song. Fix beleuchtet der Multiinstrumentalist, der abwechselnd Gitarre, Bouzouki oder Akkordeon spielt, humorvoll die Historie der Formation, die vor acht Jahren schon einmal in Gütersloh aufgetreten ist. Er scherzt: „Wir haben 1975 als Schülerband begonnen, jetzt sind wir eine Rentnerband! Allerdings in der Urbesetzung!“

„Als wir angefangen haben, gab es noch überhaupt nichts Aufgeschriebenes“, informiert Barbara Gerdes, die auf der Bombarde, der keltischen Harfe und mit Low Whistles musiziert, die eine Oktave tiefer gestimmt als die irischen Tin Whistles. „In der Bretagne wurden die Lieder erst ab den 1970er Jahren archiviert und Anfang der 1980er Jahre kamen die ersten Sammlungen heraus. Das heißt, dass wenn wir damals an Repertoire kommen wollten, blieb uns nichts Anderes übrig, als mit dem Kassettenrecorder von Dorffest zu Dorffest zu ziehen, um mit dem Einverständnis der Musiker die Stücke aufzunehmen und rauszuhören“.

Traurige Balladen und sprachliche Besonderheiten

Schon interpretiert das kreativ agierende Trio den traurigen Song „Ann tri manac'h ruz“. Das Lied erinnert in bretonischer Sprache an eine Erdbebenkatastrophe in Quimper im Département Finistère. „Krenañ ran em izeli, krenañ gant ar c'hlac'har, o welet argwalleurioü a sko gant an douar“, startet der Gesang. „Wenn Sie jetzt nichts verstehen, liegt das nicht an ihrem Schulfranzösisch“, kommunizieren die drei Bandmitglieder, die in ihrem kreativen Jubiläumsprogramm „Trug´“ (Danke) wahre Perlen keltisch geprägter Volkslieder seriell servieren.

Zusätzlich erklingen diatonische und chromatische Handharmonikas, ergänzt durch ein Akkordeon, eine Drehleier, eine keltische Harfe und einen schottischen Dudelsack, der mit seinem extrem durchdringenden Klang vom Streicher Andreas Derow aktiviert wird. Das Publikum klatscht begeistert mit, es formiert sich eine mehrköpfige Tanzgesellschaft, die den Rasen im Wapelbad im Takt der variationsreichen Rhythmen verdichtet. Die Musiker, die bereits seit 1976 im Grenzraum Saarland-Lothringen leben, sind inzwischen von ihren französischen Fans mit bretonischen Pässen ausgestattet worden.

Traditionelle Instrumente sorgen für mitreißende Atmosphäre

Die Musiker verstehen sich als Botschafter, die bei ihrer umfangreichen Konzerttätigkeit mit Überzeugung traditionelle keltische Musik originalgetreu repräsentieren und sogar auf bretonischen Tanzfesten, den sogenannten „Fest-Noz“ (Nachtfesten), mit großem Erfolg auftreten. Lebendiger Höhepunkt auf der Waldbühne ist das Trinklied „Son ar chistr“, ein bretonischer Megahit, der einen Ehemann charakterisiert, der daheim Kummer hat und lieber in die Kneipe geht. Das 1929 entstandene „Lied vom Cidre“, ist allen besser bekannt unter dem Titel „Was wollen wir trinken sieben Tage lang“.

Bei diesem fetzigen Ausklang – von „An Erminig“ (zu Deutsch: „Das Hermelin) selbstverständlich in bretonischer Sprache vorgetragen – klatscht und johlt das Publikum aktiv mit und holt als Zugabe das Schäferlied „Duhont“ heraus.

Die beliebte Weltstadtmusik-Reihe wird am Sonntag, 19. Juli, 16.30 Uhr fortgesetzt. Dann erwartet die Besucherinnen und Besucher brasilianische Musik, dargeboten von dem Duo „Passadinha“ mit der Sängerin Elsa Johanna Mohr und dem Gitarristen Flávio Nunes. Der Eintritt ist kostenlos.