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Station 19: Drei-Flüsse-Eck Dalke Wapel Ems

Diese Station befindet sich an der Dalkebiegung etwa auf halbem Weg zwischen Putzhagen und der Neuen Mühle.

Ehemalige Flößwiesen an der Dalke
Ehemalige Flößwiesen an der Dalke, Foto: Stadt Gütersloh

Ein Themenschwerpunkt des Wassererlebnispfades sind hier unter anderem die ehemaligen Flößwiesen. Von den damals geschaffenen Einrichtungen zur Wässerung der Wiesen können heute noch Reste im Gelände beobachtet werden. Ergänzend dazu gibt es einen Bericht über Kulturstaus.
Ein weiteres Thema an dieser Stelle betrifft den früheren und heutigen Verlauf von Dalke und Wapel, die nicht weit von hier in die Ems münden. Alle 3 Gewässer hatten in der Vergangenheit in diesem Anschnitt einen völlig anderen Verlauf.
Und schließlich wird hier noch auf die Ems-Urrinne und ihre Bedeutung für die heutige Wassergewinnung eingegangen.

Die Umweltstiftung Gütersloh freut sich über Sponsoren, die die Herstellung und Montage einer Info-Tafel vor Ort unterstützen.

Früherer und heutiger Verlauf von Dalke, Wapel und Ems

Die Entwicklung der Fließgewässerverläufe in Deutschland wurde im 19. und 20. Jahrhundert stark durch eine Intensivierung der Landwirtschaft und eine zunehmende Siedlungsdichte geprägt. Um den erhöhten Wasserabfluss durch die Entwässerung zu gewährleisten, erfolgten Begradigungen, Ausbauten sowie eine Regulierungen der Gewässerverläufe.

Um gleichzeitig dem Hochwasserschutz Rechnung zu tragen, wurden vielerorts Deiche errichtet. Diese historische Entwicklung lässt sich bei der Ems und ihren Zuflüssen, der Dalke und der Wapel, im Einzugsgebiet der Stadt Gütersloh anhand von Kartenmaterial der Jahre 1822 bis heute nachvollziehen. Hierfür wurde für jedes der 3 Gewässer ein aussagekräftiger Kartenausschnitt gewählt und die Verläufe der Gewässer für die Jahre 2006, 1897, 1837, 1822 und 1800 dargestellt. Zusätzlich sind die Mündungsbereiche von Dalke und Wapel in die Ems bzw. Dalke abgebildet.

Zur Entwicklung der Ems:

Gewässerverlauf Ems

Um 1800 zeigten die Gewässer zumeist noch einen sehr naturnahen, mäandrierenden Verlauf. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden bereits erste Ausbaumaßnahmen getroffen, wie der Vergleich der Verläufe von 1837 und 1897 im gezeigten Kartenausschnitt verdeutlicht. In erster Linie ist, neben wenigen begradigten Bereichen, der Verlust von Altarmen erkennbar. Der Kartenausschnitt stellt den Verlauf der Ems im Bereich der Stadtgebietsgrenze von Gütersloh mit einer heutigen Länge von etwa 3.700 Meter Länge dar. Im Jahr 1837 betrug die Länge noch etwa 5.400 Meter, also fast die Hälfte mehr als heute. In diesem Jahr ist zudem die ausgeprägte Mühlennutzung sichtbar. Zum Betreiben einer Mühle wurde ein vom Hauptstrom gespeister Mühlengraben errichtet, wie man ihn bei der „Brocker Mühle“ erkennen kann. Der umfangreichste Ausbau der Ems begann 1898 mit der Planung einer deutlichen Flussverlaufverkürzung. Im Jahr 1933 erfolgte durch den Reichsarbeitsdienst der vollständige Ausbau von der Dalkemündung bis zur „Hüttinghauser Mühle“ auf dem Gemeindegebiet Herzebrock. In den Folgejahren wurden weiter flussaufwärts bis nach Rheda Begradigungen, Verbreiterungen des Flusslaufes und Verfüllungen der Altarme durchgeführt. In Folge des Jahrhunderthochwassers im Februar 1946 wurden zwischen 1948 und 1953 erneut Ausbaumaßnahmen vorgenommen.

Zur Entwicklung der Dalke:

Gewässerverlauf Dalke

Der Kartenausschnitt zeigt die Dalke beiderseits der heutigen B 61 auf einem Abschnitt von etwa 1.900 Meter Länge heute bzw. 2.200 Meter im Jahre 1822. Während die Dalke im 19. Jahrhundert noch einen klar geschwungenen Verlauf zeigte, verläuft sie heute weitgehend gestreckt. Deutliche Begradigungen lassen sich erst im Jahr 1897 erkennen, wie etwa auf dem Teilstück direkt unterhalb der B 61. In den Jahren 1822 und 1837 prägten noch zahlreiche Bögen den Verlauf. Lageunterschiede von bis zu 30 Meter gab es zwischen diesen letztgenannten Jahrgängen vor allem im Bereich einiger Mäander.

Zur Entwicklung der Wapel:

Gewässerverlauf Wapel

Der gewählte Abschnitt der Wapel befindet sich im Nordwesten des Gütersloher Stadtteils Kattenstroth. Die Auswirkungen der Ausbaumaßnahmen zeigen sich auf dieser Teilstrecke in einer Verkürzung der Lauflänge um knapp 32 Prozent von zuvor 1.900 Meter im Jahr 1822 auf etwa 1.300 Meter heute. Die Wapel unterschied sich in den Jahren 1822 und 1837 zunächst lediglich im exakten Verlauf der Mäander. Begradigungen sind erst ab 1897 erkennbar. Zudem ist in diesem Jahr ein Abschlag zum Betreiben einer Mühle auszumachen, der heute jedoch nur noch in Resten vorhanden ist. In den 1930er und 1940er Jahren wurden zur Verbesserung des Abflussverhaltens Ausbaumaßnahmen durchgeführt, die in ihrer Summe zum heute geradlinigen Verlauf geführt haben.

Mündungsbereiche der Dalke und der Wapel in die Ems bzw. Dalke:

Gewässerverlauf Dalke, Wapel, Ems

Im Kartenausschnitt sind die Mündung der Dalke in die Ems und die Mündung der Wapel in die Dalke zu sehen. In dem Zeitraum von 1800 bis heute lässt sich der sukzessive Gewässerausbau deutlich erkennen. Bereits beim Vergleich des Jahres 1800 mit den Folgejahren werden erste Verlaufveränderungen sichtbar. So zeigt die Dalke oberhalb ihrer Mündung in die Ems um 1800 noch einen geschwungenen Verlauf. Ab dem Jahr 1822 ist dieser Abschnitt begradigt.

In den Jahren 1822 und 1837 unterschieden sich die Verläufe nur geringfügig. Weitere Ausbaumaßnahmen sind ab 1897 teils deutlich erkennbar, wie etwa der Durchstich eines Mäanderbogens der Ems oder bei zahlreichen Begradigungen der Dalke. Für das Jahr 1898 galt die Dalke für den Bereich von ihrer Mündung bis zur „Neuen Mühle“ als bereits vollständig reguliert und eingedeicht. Ab 1934 erfolgten jedoch, im Zuge der Emsbegradigung, erneute Ausbaumaßnahmen oberhalb der Mündung. Diese mussten nach den Schäden eines schweren Hochwassers sogar 1948 wiederholt durchgeführt werden.

Im Vergleich mit der heutigen Situation fallen vor allem die Verlegung und Begradigung der Dalke oberhalb der Mündung in die Ems sowie die Begradigung der Wapel und die Verlegung ihrer Mündung in den Bereich unterhalb der „Neuen Mühle“ auf.

Die Ems-Urrine

Aus hydrogeologischer* Sicht liegt Gütersloh im Bereich des sogenannten Münsterländer Beckens; auch Münsterländer Kreideschüssel genannt. Dieses etwa 150 Kilometer lange und 80 Kilometer breite Becken besteht aus einer asymetrischen Mulde, deren Achse etwa von Burgsteinfurt über Münster nach Gütersloh verläuft. Diese Struktur und Geländeform ist in Teilen bis zum Ende der Kreidezeit* und danach durch eiszeitliche Erosionen im Pleistozän* entstanden.

Diese heute als Quartärbasis* bezeichnete Geländeform stellt gleichzeitig die Aquiferbasis* des einzigen Hauptgrundwasserleiters in Gütersloh dar. Der an der Aquiferbasis* befindliche Emscher Mergel mit einer Mächtigkeit von bis zu 1.000 Meter trennt im hiesigen Raum das die quartären* Ablagerungen durchströmende Süßwasser von dem darunter lagernden Solewasser, das in Tiefenlagen ab etwa 70 bis 80 Meter anzutreffen ist.

Eine besondere Bedeutung für die heutige Trinkwassergewinnung kommt dabei der sogenannten Ems-Urrinne zu. Das pleistozäne* Talgebiet der Ems verläuft etwa von Ostsüdosten nach Westnordwesten. Der heutige Verlauf der Ems liegt im Raum Gütersloh außerhalb der eiszeitlichen Rinne. Die fein- bis mittelsandigen quartären Sandablagerungen mit Anteilen von Schluff haben eine nahezu ebene Geländeoberfläche geschaffen, so dass von der Ems-Urrine heute nichts mehr zu erkennen ist. In der rechts als Download zur Verfügung stehenden Karte der Quartärbasis ist das Talgebiet der Ems-Urrinne, das heute an Gütersloh angrenzend durch die Stadtgebiete von Rheda-Wiedenbrück und Harsewinkel verläuft, in der dunkelblauen und lila Farbgebung teilweise dargestellt.

Die Mächtigkeiten der quartären* Schichten im Bereich der Ems-Urrinne liegen zwischen 15 und 20 Meter im Rinnenbereich. An den Flanken der Rinnen gehen diese auf 10 bis 12 Meter zurück.
Die Bedeutung des Ems-Tales für die Wassergewinnung wird in den Erläuterungen zur hydrogeologischen Karte für Gütersloh beschrieben:
„Die quartäre Lockergesteinsfüllung der Ems-Talung ist der einzige und bedeutsame Grundwasserleiter dieses Raumes. Hierbei sind insbesondere die Rinnenbereiche wegen der oftmals vorhandenen mehr grobsandig-kiesigen Ausbildung des Porenaquifers und zugleich wegen der höheren Schichtenmächtigkeit, was gleichbedeutend ist mit einem entsprechend höheren grundwassererfüllten Anteil, von besonderer hydrogeologischer und wasserwirtschaftlicher Bedeutung.“

Wegen der besonders ergiebigen Grundwasservorkommen im Bereich der Ems-Urrinne haben zahlreiche Wasserwerke ihre Brunnen zur Trinkwasserförderung in diesem Bereich errichtet. Dazu zählen auch die von den Stadtwerken Gütersloh GmbH betriebenen Wassergewinnungsanlagen Rhedaer Forst, Sudheide und Quenhorn.


*Erläuterungen einiger Fachbegriffe:
Aquifer:
Grundwasserleiter, auch Grundwasserhorizont oder Grundwasserträger bezeichnet, Gesteinskörper mit Hohlräumen, der zur Leitung von Grundwasser geeignet ist
Hydrogeologie:
Teilgebiet der Geologie, befasst sich mit dem Wasserinhalt der Gesteine und Gesteinsfolgen, der Erschließung und dem Schutz des Grundwassers
Pleistozän:
ältere Abteilung des Quartärs, wird auch als Eiszeitalter bezeichnet und dauerte von circa
2,4 Millionen bis 10.000 Jahre vor heute, gliedert sich in mehrere Kalt- und Warmzeiten
Quartär:
jüngster Zeitabschnitt der Erdgeschichte, beginnt vor circa 2,4 Millionen Jahren vor heute und umfasst die Abteilungen Pleistozän und Holozän (10.000 Jahre bis heute)
Kreide, Kreidezeit:
letzter Zeitabschnitt des Erdmittelalters, dauerte 80 Millionen Jahre (Beginn vor 145,5 Millionen Jahren, Ende vor 65,5 Millionen Jahren)


Quellen:

  • G. Michel: Grundwasser - Dargebot, Nutzung und Gefährdung (in Geologie im Münsterland, Herausgeber: Geologisches Landesamt NRW, 1995)
  • Schmidt & Partner: Hydrogeologischer Teilbeitrag zum Fachplan Umwelt, Leistungsteil 1, Gutachten 2004
  • Geologisches Landesamt NRW: Erläuterungen zur hydrogeologischen Karte C 4314, Gütersloh, 1979

Flößwiesen und ihre Bedeutung für die Landwirtschaft

Wässerwiesen stellten eine besondere Form landwirtschaftlicher Bewirtschaftung mit dem Ziel einer verbesserten Bewässerung und Düngung dar. Grünlandflächen, die durch das Aufstauen von Bächen künstlich bewässert wurden, bezeichnete man auch als Flößwiesen.

Geschichte und Funktion der Flößwiesen
Die Ursprünge dieser sogenannten Wässerwiesen bzw. Flößwiesen reichen vermutlich bis ins Mittelalter zurück, erfuhren aber erst im 19. Jahrhundert einen großen Aufschwung. Das preußische Wassergesetz vom 28. Februar 1843 erlaubte die Anlage von Flößwiesen ohne Genehmigung, wenn Nachbargrundstücke nicht überstaut wurden. Scheele* führt dazu aus: „Wegen der hohen Bedeutung der befruchtenden Kraft des Wassers für die Landeskultur hat das Gesetz vom 28. Februar 1843 im Interesse der Bewässerung Bestimmungen getroffen, welche darauf hinzielen, die Widerspruchsrechte und Entschädigungsansprüche festzustellen, über welche der Unternehmer Gewissheit zu erhalten wünscht und die Rechte Dritter, welche der Ausführung der Bewässerungsanlage entgegenstehen würden, zu beschränken.“

Auch im Kreis Gütersloh hat es insbesondere entlang der Ems zahlreiche Flößwiesen gegeben. Darüber hinaus gab es weitere Flößwiesen entlang der Dalke. Das folgende Bild zeigt ein Relikt aus dieser Zeit.

Ehemalige Flößwiesen an der Dalke
Ehemalige Flößwiesen an der Dalke, Foto: Stadt Gütersloh

Die Düngung mit Flusswasser war lange Zeit eine wichtige (neben Düngung mit Mist und Plaggen) Möglichkeit, dem auf den kargen Sandböden in Gütersloh und Umgebung wachsendem Grün Nährstoffe zuzuführen. Aus den höher gelegenen Flussabschnitten wurde über ein verästeltes Netz von Gräben das Grünland mit Wasser überflutet. Unterhalb der Wiesen wurde das Wasser in sogenannten Talgräben wieder aufgefangen und in den Fluss zurückgeleitet. Die im Sediment enthaltenen Mineral- und Nährstoffe setzten sich dabei auf den Wiesen ab. Nach mündlicher Überlieferung wurden die Wiesen an der Dalke in den Wintermonaten auch dauerhaft unter Wasser gesetzt.
Problematisch waren eher Niedrigwasserzeiten während des Sommers. In dieser Zeit kam es immer wieder zu Streitigkeiten um das jetzt kostbare Gut „(Fluss-)Wasser“. Zahlreiche Prozessakten sind ein Beleg dafür. Wer heute den Wasserstand der Ems oder der Dalke nach einer längeren Trockenperiode betrachtet, kann sich vorstellen, dass dieses Wasser kaum für die Bewässerung zahlreicher Wiesen und gleichzeitig noch für den Antrieb der Wassermühlen ausreichend gewesen sein kann.
Bauinspektor Wurffbain stellt dazu in einem Begehungsprotokoll aus dem Jahr 1849 fest: „Die Ent- und Bewässerung der anderen Wiesen ist ungemein wild und irregulär und geht dabei viel Wasser verloren.“ Um dem entgegen zu wirken, wurde die Wasserentnahme in § 19 der Polizeiverordnung für die Ems vom 20. November 1865 gesetzlich geregelt:
„Wasserableitungen aus der Ems und ihren Nebengewässern, insbesondere zur Wiesenbeflößung dürfen nur mittels fester, verschließbarer Schleusen, beispielsweise Kastenschleusen, vorgenommen werden. Die Kastenschleusen sind so anzulegen, dass der Ems für die unteren Teile der nötige Wasserschatz erhalten bleibt.“
Die Einhaltung dieser Vorschrift wurde aber vermutlich nicht weiter kontrolliert und es schien sich auch niemand daran gebunden zu fühlen, denn noch Anfang des 20. Jahrhunderts wurden der „allseitige Wasserraub“ und die durchstochenen Ufer der Ems beklagt.

Mit der Anwendung von Kunstdünger zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das aufwendige Flößen des Grünlands nach und nach bis Mitte des vorherigen Jahrhunderts aufgegeben.

Negative Effekte des Flößens
Durch das Anlegen zahlreicher Flößwiesen wurden den Gewässern enorme Wassermengen entnommen, die in Trockenzeiten zu den bereits beschriebenen Streitigkeiten führten. Parallel mit der deutlichen Zunahme von Flößwiesen wurde auch mit dem Ausbau der Gewässer und ihrer Begradigung begonnen. Baurat K. Michaelis* schreibt dazu in seinem Bericht von 1883:
„Die Melioration (Bodenverbesserung) beabsichtigt,
a) den Grundstücken Schutz gegen die meisten Sommerfluten zu schaffen
b) die versumpften Talpartien zu entwässern
c) den Grundstücken Riesel- respektive Flusswasser zuzuführen

Die Hauptaufgabe der Melioration besteht in der Beseitigung der sommerlichen Überschwemmungen, durch welche seit einer Reihe von Jahren die Ernteerträge des Tales fast vollständig vernichtet worden sind. Zur Feststellung und Berechnung der Flutmassen ist die hohe Sommerflut zugrunde gelegt, um dem Bedürfnisse vollständig zu genügen und um für die Talbewässerung während der Rieselzeit günstigere Verhältnisse zu schaffen.

Dem Flusse (gemeint ist die Ems) ist daher eine Kapazität zu geben, dass die berechneten Flutmassen ohne Inundation (völlige Überflutung) abgeführt werden können. Solches erfolgt durch Verbesserung des Gefälles, Ausgleichung der Sohle, Anlage von Entlastungsschleusen an den Mühlen, welche als Grundschleusen zu konstruieren sind und deren Fachbaum (im Wasserbau der oberste Balken eines Wehrs) möglichst in der mittleren Sohlenlinie des Längenprofils liegt, und Ausführung von Durchstichen in den übermäßig entwickelten Serpentinen. Die Gesamtlänge der durch Durchstiche zu bewirkenden Abkürzung beträgt 4.300 laufende Meter.“

Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20.Jahrhunderts gründeten sich zahlreiche Genossenschaften, deren Aufgabe die Erschließung zusätzlicher landwirtschaftlicher Flächen und die Durchführung von Gewässerbegradigungen war.
Große-Lümern* schreibt dazu im Jahr 1915:
„Die neuere Meliorationstätigkeit wurde durch die Gründung der Emsgenossenschaft Rheda vom Jahre 1898 eingeleitet. Durch diese Genossenschaft ist die Ems innerhalb des Kreises (damaliger Kreis Wiedenbrück) um 3,7 Kilometer verkürzt worden.

Von wesentlicher Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung des Genossenschaftsgebietes ist die durch die Regulierung geschaffene Möglichkeit, in größerem Umfange Weiden anzulegen und überall ohne Gefahr auf den Wiesen und Weiden Kunstdünger anzuwenden.

Auf Zuflüsse der Ems erstreckt sich die Wapel-Dalketal-Genossenschaft (210 Hektar groß) vom Jahre 1908 zur Regelung des Laufes der Wapel von der Chaussee Gütersloh-Wiedenbrück an bis zur Einmündung in die Dalke. Der Ausbau war 1909 noch nicht beendet aber schon damals machte sich der günstige Einfluss der Regulierung (…) bemerkbar.“


Quellen:

  • http://de.wikipedia.org/wiki/Wiesenbewässerung
  • Scheele, E.: Das preußische Wasserrecht, Lippstadt 1860, Seite 57
  • Große-Lümern, Gottfried: Die Landwirtschaft im Kreise Wiedenbrück, Münster, 1915
  • Kaiser, Ansgar: Zur Geschichte der Ems, Veröffentlichungen aus dem Kreisarchiv Gütersloh, Reihe 1, Heft 1, 1993
  • Auszug aus dem Vorberichte und Kostenanschlage zum Projecte der Regulirung der Ems von Rheda bis Warendorf – Münster, den 22. December 1883 – Der Baurath: K. Michaelis
  • Druck der Aschendorff´schen Buchdruckerei 1884

Der Paul-Westerfrölke-Weg

Bereits 1975, dem Todesjahr von Paul Westerfölke, wurde von Gütersloher Bürgern angeregt, eine Straße nach ihm zu benennen. Am 01.04.1980 beantragte dann der Heimatverein durch Prof. Dr. Martin Tegtmeyer, dass "der Wanderweg entlang der Dalke zwischen der Straße Unter den Ulmen und der Gaststätte Neue Mühle nach ihm benannt werden sollte" (Vorlage zur Kulturausschusssitzung am 16.06.1980).

Ein entsprechender Beschluss wurde auch gefasst und eine Beschilderung vom Kulturausschuss in Auftrag gegeben. Allerdings beginnt der Paul-Westerfrölke-Weg nicht an der Straße Unter den Ulmen, sondern zunächst etwas abseits der Dalkepromenade. Der Beginn des Paul-Westerfrölke-Weges liegt an der Herzebrocker Straße zwischen dem ehemaligen Hof Barkey und dem Angelsportgeschäft Kleinegreber. Hier findet man auch ein erstes Hinweisschild (vergleiche nachstehende Abbildung).

Hinweistafel Paul-Westerfrölke-Weg
Foto: Stadt Gütersloh

Dieser Weg mündet in Höhe der Dalkebrücke Bachstraße auf die Dalkepromenade. Der Endpunkt des Paul-Westerfrölke-Weges liegt – wie vom Heimatverein beantragt – ebenfalls an der Herzebrocker Straße gegenüber der Gaststätte Neue Mühle.

Doch wer verbirgt sich hinter dem Namensgeber dieser wunderschönen Wegstrecke entlang der Dalke? (Die älteren Gütersloherinnen und Gütersloher mögen diese Frage verzeihen.)

Paul Westerfrölke (1886 – 1975), der abgesehen von seinen Studienaufenthalten in Düsseldorf, einer kurzen Militärzeit in Minden und einigen Studienreisen sein ganzes Leben in seiner Heimatstadt Gütersloh verbrachte, ist als Maler, Grafiker und Naturfreund durch sein Schaffen und seine Werke auch weit über die Grenzen des Kreises Gütersloh hinaus bekannt und berühmt geworden.
Neben seiner Tätigkeit als Zeichner und Maler hat er sich schon von Kindheit an der Beobachtung und dem Schutz der Pflanzen- und Tierwelt seiner Heimat verschrieben. Sein Credo lautete daher auch: „Erst kommt die Natur, dann die Kunst.“ Selbst seine Landschaftsbilder hat er weniger als Malerei, sondern vielmehr als „Schilderungen von Landschaften“ verstanden. Die folgenden Ausführungen sollen keine Beschreibung des Lebens und Schaffens von Paul Westerfrölke sein, sondern werden sich ausschließlich mit ihm als Naturfreund und -schützer befassen.

Paul Westerfrölke
Paul Westerfrölke, Bildquelle: Stadtarchiv Gütersloh

Schon in seinen letzten Schuljahren war Westerfrölke regelmäßig unterwegs, um die Natur zu beobachten. Was ihn auszeichnete, war seine scharfe Beobachtungsgabe und schier grenzenlose Ausdauer. Seine Naturbeobachtungen hielt er in präzisen schriftlichen Aufzeichnungen fest, wobei es ihm insbesondere die Vögel angetan hatten. Wie umfangreich und detailliert seine Aufzeichnungen waren, kann in Ausschnitten in einem Beitrag von Prof. Dr. Peitzmeier, veröffentlicht in den Gütersloher Beiträgen, Heft 54/55 vom Juni 1979 nachgelesen werden.
Allein die Aufzeichnungen der Erlebnisse seiner Vogelbeobachtungen umfassten über 15 vollgeschriebene Kladden, die nach seinem Tod in das Naturkundliche Museum Münster gingen, und dort ausgewertet wurden.

Westerfrölke war zwar nur Laie auf dem Gebiet der Biologie und auch die Schule vermittelte ihm nur eingeschränkte Biologiekenntnisse. Seine dennoch erstaunlichen Kenntnisse erwarb er sich ausschließlich durch unablässige eigene Beobachtungen und ein reges Literaturstudium.

Was lag näher, seinem Hauptanliegen, dem Schutz der Natur, auch in offizieller Funktion dienen zu dürfen. 1935 wurde er zum Naturschutzbeauftragten des Kreises Wiedenbrück ernannt und war in dieser Funktion auch für den am 01.01.1973 entstandenen Kreis Gütersloh bis kurz vor seinem Tode tätig. Als Naturschutzbeauftragter stritt er für die Erhaltung eines jeden Baumes. 1959 erinnert er in einem Zeitungsartikel an die Bedeutung der Eichen für das Gütersloher Stadtbild.
In der Zeit von 1965 bis 1969 wurden von ihm mehr als 2 Drittel aller jemals im (damaligen) Kreis Wiedenbrück festgestellten Vogelarten kartiert.

Bis ins hohe Alter war Westerfrölke auch einer der aktivsten Mitglieder der Fachstelle „Naturkunde und Naturschutz“ des Westfälischen Heimatbundes.
Nicht zuletzt für seine Verdienste um den Naturschutz wurde ihm im Jahr 1961 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Am 27. März 1975 erlag Paul Westerfrölke im Alter von 89 Jahren einem Herzschlag bei der Arbeit in seinem Garten an der Wilhelm-Wolf-Straße in Gütersloh.
Große Teile seines Nachlasses sind heute im Besitz des Heimatvereins Gütersloh. Seine Bilder und Zeichnungen sind überwiegend in Privatbesitz. Wer sich näher mit dem Maler und Naturschützer Westerfrölke und seinen Werken beschäftigen möchte, findet im Stadtarchiv Gütersloh weitere Informationen.

Quellen:

  • Stadtarchiv Gütersloh
  • Heimatjahrbuch Kreis Gütersloh, 1986
  • Aus dem Nachlass von Prof. Dr. Joseph Peitzmeier: Paul Westerfrölke als Naturbeobachter, Gütersloher Beiträge, Heft 54/55, Juni 1979
  • Heimatverein Gütersloh: Aus Westerfrölkes Werkstatt, bearbeitet von Dr. Karsten Kelberg, Gütersloh, 2000
  • Paul Westerfrölke 1886 – 1975, Begleitheft zur Ausstellung des Kulturamtes der Stadt Gütersloh in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Kreis Gütersloh e.V., der Galerie Friedemann und Antiquitäten Jentsch in Gütersloh zum 100. Geburtstag von Paul Westerfrölke
  • Neue Westfälische v. 27.03.2000

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