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Verfolgung, Vertreibung, Vernichtung

Bereits im Frühjahr/Sommer 1933 konnte die NSDAP ihre Macht monopolisieren und einen Einparteienstaat errichten. Die Besetzung von Schlüsselpositionen im Staatsapparat und in der Wirtschaft überall in Deutschland mit überzeugten Nationalsozialisten war von einer massiven Beitrittswelle von Karrieristen und Opportunisten in die NSDAP begleitet. Andere Parteien wurden verboten oder zur Auflösung gedrängt.

Verfolgung

Wer dagegen nicht ins Bild der propagierten „arischen Volksgemeinschaft“ passte oder dabei nicht mitmachen wollte, wurde diffamiert und stigmatisiert schließlich verfolgt, vertrieben und vernichtet. Das betraf vor allem Juden, Sinti und Roma, nicht regimeergebene Christen und besonders die Zeugen Jehovas. Aber auch Kommunisten, Sozialdemokraten, Liberale und Gewerkschafter genauso wie Homosexuelle, Behinderte, so genannte Asoziale und Arbeitsscheue, kurzum jeder der von der NSDAP als Feind angesehen wurde konnte Opfer werden. Bestehende Gefängnisse und Zuchthäuser füllten sich ebenso wie die neu entstandenen Konzentrationslager.

Besonders schlimm traf es die jüdischen Bürgerinnen und Bürger. 1933 wohnten noch 58 Juden in der Stadt, von denen viele aufgrund der anlau-fenden Maßnahmen des NS-Staates die Stadt verließen. Mit dem Pogrom vom 9. und 10. November 1938 erreichten die judenfeindlichen Aktionen ein bisher nicht gekanntes Ausmaß. 1940 lebten nur noch 16 Juden in der Stadt, die in zwei „Judenhäusern“ zusammengepfercht wurden. Ab 1941 erfolgten deren Deportationen in die Ghettos und Vernichtungslager, so dass es seit 1943 keine jüdische Gemeinde in Gütersloh mehr gibt. Insgesamt sind 44 jüdische Holocaust-Opfer aus Gütersloh bekannt. Auch über 1.000 Patienten und Patientinnen der Provinzial-Heilanstalt Gütersloh, dem heutigen LWL-Klinikum Gütersloh, überlebten die zwölf Jahre des Nationalsozialismus nicht. Sie wurden im Rahmen der seit Kriegsbeginn 1939 laufenden so genannten „Euthanasie“-Aktion in zentralen Tötungsanstalten als „Lebensunwerte“ ermordet.