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Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)

Die Zwergfledermaus ist nahezu in ganz Europa anzutreffen. Lediglich im Norden fehlt die Art. Sie ist eine der häufigsten Fledermäuse Europas.

Zwergfledermaus, Foto: Holger Meinig
Zwergfledermaus, Foto: Holger Meinig

Mit einer Körpergröße von lediglich 4,5 Zentimeter (knapp daumengroß) und einer Flügelspannweite von maximal 25 Zentimeter (etwa wie eine Kohlmeise) gehört sie nicht nur zu den kleinsten Säugetieren, sondern ist (neben der Mückenfledermaus) auch die kleinste Fledermaus in NRW. Das Fell ist rot- bis dunkelbraun, die Unterseite gelb- bis graubraun, Ohren und Gesicht sind dunkelbraun.

Lebensweise und Lebensraum
Zwergfledermäuse sind sogenannte Spaltenbewohner. Zu den bevorzugten Sommerquartieren gehören Felsspalten, Dachstühle, Scheunen und Kirchtürme. Typische Quartiere an Gebäuden befinden sich hinter Holzverkleidungen, Fassaden- und Kaminverkleidungen, unter Flachdächern und Blech-Verwahrungen. Man kann ihre Einflüge oft an den dunklen, reiskornähnlichen Kotpillen erkennen, die unterhalb auf dem Boden oder auf Fensterbrettern liegen. Solche Einflüge sollten zugänglich bleiben, auch wenn sie zeitweilig nicht genutzt werden. Denn wie viele andere Fledermausarten auch wechseln Zwergfledermäuse regelmäßig ihren Standort (auch ihre Wochenstuben) und benötigen daher viele Wechselquartiere.

Zu den Winterquartieren gehören Fels- und Baumhöhlen oder Stollen, oftmals aber auch frostfreie Verstecke innerhalb von Gebäuden, z.B. in Spalten des Mauerwerks. In Ausnahmefällen (große Kirchen, Höhlen) kann die Größe einer Wintergruppe Tausende von Tieren umfassen. Während des Winterschlafs können die Tiere bis über 20 Prozent ihres Körpergewichts verlieren.

Nach Einbruch der Dämmerung fliegen die Tiere teilweise über 5 Kilometer, um an ihre Jagdgebiete zu gelangen. Diese liegen meist an Gewässern oder am Waldrand. Ihre Nahrung besteht vor allem aus kleinen Insekten wie Mücken, Köcherfliegen und Nachtfaltern. Bis zu 800 Mücken können von einem Tier in einer Nacht gefressen werden.

Die Weibchen sammeln sich ab April in so genannten Wochenstubenkolonien, wo sie ihre Jungen gebären. Häufig kommt es dabei zu Zwillingsgeburten. Eine neugeborene Zwergfledermaus ist blind und nackt und ungefähr so groß wie eine Biene.

Die Paarung findet kurz vor dem Winterschlaf statt. Das Weibchen speichert dann den Samen für etwa 7 bis 8 Monate, erst dann kommt es zur eigentlichen Befruchtung. Etwa ab Mai bis Mitte Juni kommen die Jungen zur Welt.

Bestände und Gefährdung
Genaue Daten über die Bestände der Zwergfledermaus liegen nicht vor. Nach der Artenliste der FFH-Richtlinie ist die Zwergfledermaus eine "streng zu schützende Tierart von gemeinschaftlichem Interesse". In der Roten Liste für die Bundesrepublik Deutschland und für NRW wird die Art als „nicht gefährdet“ geführt. In NRW ist die Zwergfledermaus in weiten Landesteilen die am häufigsten vorkommende Art, die auch regelmäßig in großen Städten lebt. In den vergangenen Jahrzehnten erfolgte sogar eine merkliche Zunahme der Bestände, nachdem DDT und andere lange wirkende Pestizide aus der Umwelt verschwunden sind. In einigen Gebieten, die noch in den 1970er Jahren nur spärlich besiedelt waren, existieren heute größere Sommerkolonien.

Auch im Kreis Gütersloh ist die Zwergfledermaus häufig und verbreitet vorkommend. Bekannt sind Wochenstuben mit bis zu 170 Tieren. Solche Wochenstuben finden sich sowohl in Alt- als auch in Neubauten.

Bei einer im Jahr 2013 im Stadtpark und im Botanischen Garten durchgeführten Untersuchung der Vögel und Fledermäuse konnte nachgewiesen werden, dass der gesamte Untersuchungsraum von der Zwergfledermaus als Jagdrevier genutzt wird. Dies gilt für das gesamte Stadtgebiet, wo z.B. bei Artenschutzprüfungen Zwergfledermäuse fast immer als häufigste Fledermausart gefunden werden.

Gefahren drohen der Zwergfledermaus vor allem durch Renovierungsmaßnahmen an Gebäuden, bei denen Spalten und Löcher, die als Quartiere dienen, verschlossen werden und durch verschwindende Insektenlebensräume. Viele Tiere werden darüber hinaus durch den Einsatz von Holzschutzmitteln an Gebäuden und Insektiziden in der Landwirtschaft vergiftet. Weitere Gefahrenquellen sind Hauskatzen und Windkraftanlagen.

Hilfsmaßnahmen
Oberste Priorität hat der Erhalt von bestehenden Quartieren (Sommer- und Winterquartiere) und Lebensräumen, auch bei der Sanierung von Gebäuden. Mit dem Aufhängen von Nistkästen (Mehrspaltkästen) an Gebäuden kann den Fledermäusen Ersatz für anderswo verloren gegangene Quartiere geschaffen werden.

Die Pflege von extensiver Landwirtschaft mit kleinstrukturierten und beweideten Grünland-Flächen, geschützten Feuchtgebieten und giftfreien Gärten stellt die Grundlage für eine angemessene Nahrungsversorgung für die Insektenfänger dar. Wie alle anderen Fledermausarten auch sind sie auf ein reichhaltiges Insektenangebot angewiesen – die Anwendung von Insektengiften sollte daher generell auf ein Minimum reduziert werden. Dies gilt auch für den Siedlungsraum, wo die Zwergfledermäuse schwerpunktmäßig leben.

Zwergfledermäuse fliegen, besonders bei strengem Frost oder im August/September auf der Suche nach Winterquartieren, immer wieder auch in größerer Zahl in Wohn- und Geschäftsräume, z.B. durch gekippte oder geöffnete Fenster. Die Tiere sollten, wenn sie nicht durch geöffnete Fenster herausfinden, vorsichtig eingesammelt und freigelassen werden. In solchen Fällen sind auch „Fledermausfallen“ zu prüfen (Vasen, Lampenschalen, Rohre et cetera), aus denen sie sich nicht mehr selbst befreien können. Einflugöffnungen zu solchen Invasionsquartieren sollten dann mehrere Tage geschlossen bleiben, um Wiederholungen zu vermeiden.


Quellen

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Zwergfledermaus
  • Biologische Station Gütersloh/Bielefeld e.V.: Das Artenschutzhandbuch für den Kreis Gütersloh, 2011 (http://www.biostation-gt-bi.de/artenschutz/index.php)
  • Rote Liste der gefährdeten Pflanzen, Pilze und Tiere in Nordrhein-Westfalen, 4. Fassung, Band 2, LANUV-Fachbericht 36, 2011
  • Lindenschmidt M, Vierhaus H (2015): Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus). In: AG Säugetierkunde NRW — Online-Atlas der Säugetiere Nordrhein-Westfalens. Heruntergeladen von saeugeratlas-nrw.lwl.org am 11.09.2015

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Umweltschutz
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