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Pragmatisch mit Weitblick

24.05.2022

Erste Beigeordnete Christine Lang geht nach 35 Jahren in der Stadtverwaltung Gütersloh in den Ruhestand.

Tagesgeschäft bis zum letzten Arbeitstag: Christine Lang am Schreibtisch in ihrem Büro.

Hüterin der städtischen Finanzen, Mahnerin zur Ausgabendisziplin, allseits politisch anerkannte und respektierte Spitzenbeamtin im Gütersloher Rathaus: Die Fußstapfen, die Christine Lang hinterlässt, sind groß. Nach 35 Jahren in der Gütersloher Verwaltung ist die Erste Beigeordnete und Kämmerin jetzt in den Ruhestand gegangen.

Für ihren Abschied mit Weggefährten und -gefährtinnen der letzten drei Jahrzehnte hatte sich Lang den Botanischen Garten als Ort gewünscht – nicht von ungefähr, denn die Bereiche Umwelt, Grünflächen sowie Ordnung, Recht und auch die Feuerwehr gehörten zu ihrem Aufgabengebiet als Beigeordnete, die ihr ebenso am Herzen lagen wie der städtische Haushalt. Auch in diesen Bereichen gestaltete sie souverän über 20 Jahre lang Entwicklungen im Team mit Maria Unger, Henning Schulz und Norbert Morkes als Bürgermeister, zusammen mit den Kollegen und Kolleginnen des Verwaltungsvorstands und der Fachbereiche. Zur Ersten Beigeordneten, der Stellvertretung des Bürgermeisteramtes innerhalb der Verwaltung, und zur Kämmerin wurde Christine Lang 2007 bestellt, als Nachfolgerin von Dr.Klaus Wigginghaus.

Wie Wigginghaus ist Lang Juristin, die im Referendariat „den Weg in die Verwaltung“ gefunden hat. Als „vielschichtig und interessant“ habe sie diesen Teil der Ausbildung schätzen gelernt, erzählt sie. Dass die Stadt Gütersloh 1987 die erste Stelle und Gütersloh Lebensmittelpunkt wurde, war Zufall und Teil privater Entscheidungen mit ihrem Ehemann. Dass es so blieb, hat damit zu tun, dass man, so Christine Lang, „in Gütersloh sehr gut leben kann.“ Und natürlich auch arbeiten: Ihre Karriere bei der Stadt war ebenso geprägt vom Vertrauen, das in sie gesetzt wurde wie vom Können und der Leistung, die Christine Lang lieferte. Als erste weibliche Chefin im Rathaus (!) leitete sie ab 1990 den städtischen Fachbereich Recht, 2001 wurde sie zur Beigeordneten gewählt.

Von ihren Stärken konnten sich nicht nur die Mitglieder von Rat und Ausschüssen, sondern auch die Zuhörer und Zuhörerinnen auf der Tribüne in jeder Sitzung überzeugen: präzise Vorbereitung auf alle Tagesordnungspunkte ihres inhaltlich sehr breit aufgestellten Geschäftsbereichs, klare Worte, wenn es um kontroverse Einschätzungen ging, aber ebenso die Fähigkeit, Kompromisse zu erarbeiten, wo Lösungen gefragt waren. Bei den Stadtfinanzen gehörte sie zum „Team Sicherheit“ und machte dies auch immer wieder überzeugend deutlich – nicht zuletzt in ihrer letzten Haushaltsrede, als sie mit Blick auf die Zahlenentwicklung der nächsten Jahre, auf Inflation und Preissteigerung mahnte: „Für einen kommunalen Haushalt gilt meines Erachtens nach wie vor, dass eine Verschuldung in Form von Investitionskrediten so lange vertretbar ist, wie die Kommune in der Lage ist, den Schuldendienst aus dem laufenden Haushalt zu leisten. Tilgungen nur über neue Schulden zu finanzieren, ist ein gefährlicher Weg, den auch Banken auf Dauer nicht mittragen werden. Leider führt uns die für die nächsten Jahre absehbare Mischung aus defizitären Haushalten und hohen Investitionsvorhaben geradewegs dorthin.“

Ja, die kommenden Jahre machten ihr Sorgen, sagt Christine Lang mit ihrer ganzen Erfahrung, mit Blick auf die weltweite Finanzkrise, die sich seinerzeit in ihrem ersten Jahr als Kämmerin entwickelte und mit Blick auf Einsparrunden, mit denen Politik und Verwaltung in der Vergangenheit gemeinsam versucht haben, Leitlinien zu setzen und vor allem mit Blick auf die globale Zukunft. Dabei sind ihr durchaus die Herausforderungen bewusst, denen die Stadt gegenübersteht: Klimaschutz, Investitionen in Bildung wie zur Digitalisierung der Schulen und deren Ausbau, Maßnahmen zum Erhalt der städtischen Infrastruktur, Mobilität und Verkehrswende, um nur einige zu nennen. Der Politik hat sie in der letzten Haushaltsrede deshalb nicht nur Mahnungen sondern auch Hinweise mit auf den Weg gegeben: Dazu gehört die kritische Prüfung vermeintlicher „Selbstverständlichkeiten“ ebenso wie die Frage nach Umfang und Standard von Ausgaben und Investitionen. Lang: „Ohne Maßnahmen ganz aufzugeben, machen sie vielleicht auch eine Nummer kleiner oder schlichter Sinn.“

Da ist sie wieder, die klare Ansage – pragmatisches Handeln mit Weitblick wäre wohl ein zutreffendes Charakteristikum. Denn auch diese Eigenschaft hat Christine Lang ausgezeichnet: die Fähigkeit, immer komplexer werdende Sachverhalte in nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen zu strukturieren, oder wie sie es mit eigenen Worten sagt: „aus einem Knäuel einzelne Pakete zu machen, die händelbar sind.“

Besonders die letzten Jahre ihrer Amtszeit mit der Zuwanderung von Geflüchteten, mit Corona, Lockdown-Entscheidungen oder mit der Einsatzleitung für Krisenstäbe mögen dafür ein Beispiel sein. Eingebracht ins Tagesgeschäft hat sich Christine Lang bis zum letzten Arbeitstag, nebenbei ihr Büro nachfolgebereit gemacht. Einiges Papier – „was man so aufbewahrt, obwohl es abgeschlossen und anderswo gesichert ist“ – ist dabei geschreddert worden. „Schon eine berührende Zeit,“ bilanziert die Erste Beigeordnete knapp. „Irgendwie doch ein ganzes Stück (Berufs-)Leben geht hier seinen Weg.“

Dass es weitergeht, daran hat sie – ganz pragmatisch – keinen Zweifel gelassen. Der Satz „es muss ja irgendwie weitergehen,“ den sie bei anderer Gelegenheit prägte und der ihr nun – mit einem Augenzwinkern – in zahlreichen Abschiedsreden wieder begegnete, gelte selbstredend auch für sie. Auch für Christine Lang geht es weiter nach dem letzten Arbeitstag – vorwiegend unter vollen Segeln. Dafür blieb in den vergangenen Jahren immer ein bisschen zu wenig Zeit.

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